Apollonia (Kriminalfall)

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Apollonia p1
Schiffsdaten
Flagge DeutschlandDeutschland Deutschland
andere Schiffsnamen

Wappen von Bremen

Schiffstyp Yacht
Indienststellung 1968
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
16 m (Lüa)
Takelung und Rigg
Takelung Yawl
Anzahl Masten 2

An Bord der Segelyacht Apollonia ereignete sich 1981 ein zweifaches Tötungsdelikt mit einem weiteren schwerverletzten Opfer. Der Täter wurde später gefasst und verurteilt. Der Fall erlangte mediale Aufmerksamkeit.

Ereignisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 16 Meter lange 1968 gebaute Yawl (Zweimaster) Apollonia, zuvor Wappen von Bremen, war der gleichnamigen Segelkameradschaft „Das Wappen von Bremen“ abgekauft worden. Der neue 35-jährige Eigner beabsichtigte, sie zusammen mit seiner Freundin und anderen Seglern in die Karibik zu überführen und anschließend zu verchartern. Auf Gran Canaria verließ die Crew das Schiff. Um das Vorhaben trotzdem durchzuführen nahm der Eigner einen Mitsegler und dessen Freundin sowie zwei junge Männer als zahlende Gäste an Bord.

Im Verlauf der Atlantiküberquerung kam es zu Schwierigkeiten unter den Reisenden. Der Mitsegler erschoss den Eigner und dessen Freundin. Einen der beiden weiteren Mitreisenden verletzte er schwer. Die Leichen der Getöteten wurden in der karibischen See zurückgelassen.

Die Segelyacht lief kurz vor Weihnachten auf Barbados ein. Den örtlichen Behörden wurden Unwahrheiten mitgeteilt, der Plan des Täters ging zunächst auf. Nachdem er jedoch versuchte, die Hinterbliebenen des Mordopfers um Geld zu prellen, begannen in Bremen Ermittlungsarbeiten zum Hergang der Ereignisse. Der Täter wurde schließlich durch Aussagen seiner Freundin und des verletzten Mitreisenden überführt. Im Jahr 1982 wurde er zu zweimal lebenslanger Freiheitsstrafe plus 15 Jahre verurteilt. Seine Freundin erhielt wegen Beihilfe zum Mord eine Freiheitsstrafe von drei Jahren.[1] Die Haftstrafe saß der Verurteilte in der Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel in Hamburg ab. Während der Haft gelang ihm eine Flucht, jedoch griff ihn die Polizei im Ruhrgebiet wieder auf. Im April 1999 wurde er nach 17 Jahren Haft entlassen.

Die Apollonia wurde in der Karibik zunächst weiter eingesetzt, bis sie acht Jahre später in einem Hurrikan sank. Ein amerikanischer Liebhaber restaurierte das Schiff zehn Jahre lang und fuhr sie danach in der Karibik (Stand 2012).

Mediale Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ARD bereitete den Vorfall in ihrer Reihe Die großen Kriminalfälle unter dem Titel Mord in der Karibik – Die Todesfahrt der „Apollonia“ filmisch auf. Die Erstausstrahlung erfolgte am 8. März 2004.

Im Deezer Podcast „Das Böse“ wird Fall in kurzen Folgen von jeweils ca. 8 bis 10 Minuten als fünfteilige Serie nach erzählt.

Klage gegen den Spiegel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Täter klagte nach seiner Freilassung gegen den Spiegel, weil in dem Nachrichtenmagazin sein voller Name genannt worden war und archivierte Ausgaben des Magazins seit 1999 im Internet zugänglich sind. 2011 entschied das Oberlandesgericht Hamburg, der Name müsse entfernt werden, die Namensnennung sei stigmatisierend und verstoße gegen sein Persönlichkeitsrecht. Diese Entscheidung hob das Bundesgerichtshof 2012 auf. Der Mann legte Verfassungsbeschwerde ein. Der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts unter Vorsitz von Johannes Masing führt das Verfahren zum Recht auf Vergessen; im Jahr 2017 wird dazu eine Grundsatzentscheidung erwartet.[2][3][4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gerhard Mauz: „Was man nach alter Tradition Meuterei nennt“. In: Der Spiegel 1/1983, S. 58–59 (Onlinefassung, PDF), abgerufen am 13. Januar 2017.
  2. Christian Rath: Peter T. versucht zu verschwinden, taz.de, 2. Januar 2017.
  3. Der Apollonia-Prozess und die Online-Presse-Archive, rechtslupe.de, 17. Dezember 2012, mit Aktenzeichen, abgerufen am 2. Januar 2017.
  4. BGH – Urteil vom 13. November 2012 – Az. VI ZR 330/11, OpenJure.org, abgerufen am 2. Januar 2017.