Apotheken Umschau

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Apotheken Umschau
Logo Apothekenumschau
Beschreibung Apothekenmagazin / Kundenmagazin für Apotheken
Sprache Deutsch
Verlag Wort & Bild Verlag (Deutschland)
Hauptsitz Baierbrunn
Erstausgabe 1956
Gründer Rolf Becker
Erscheinungsweise zweiwöchentlich
Verkaufte Auflage 9.300.035 Exemplare
(IVW Q1/2018)
Verbreitete Auflage 9.168.618 Exemplare
(IVW Q4/2017)
Reichweite 20,03 Mio. Leser
(AWA 4/2015)
Geschäftsführer Andreas Arntzen, Dennis Ballwieser
ISSN (Print)

Die Apotheken Umschau ist ein deutsches Gesundheitsmagazin, das in Apotheken als Kundenzeitschrift ausliegt und seit 1956 vom Wort & Bild Verlag herausgegeben wird. Gründer war der 2014 verstorbene Verleger Rolf Becker.

Strukturdaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für das monatlich zweimal erscheinende Heft wurden im Jahr 2015 bei einer Auflage von 9,53 Millionen Exemplaren 20,03 Millionen Leser ermittelt.[1] Das Magazin finanziert sich durch bezahlte Werbung sowie Exemplargebühren von 35–52 Cent pro Stück[2], die Schaltung einer vierfarbigen Anzeigenseite kostet circa 65.000 Euro. Das Magazin wird gratis an die Kunden von Apotheken abgegeben, die Apotheker zahlen – je nach Abnahmemenge und möglichem Eindruck ihrer Firma – bis zu 1 Euro je Heft. Die „Apotheken Umschau“ ist – nach der Mitgliederzeitschrift ADAC Motorwelt (Auflage 13,7 Millionen Exemplare) – Deutschlands auflagenstärkstes Magazin. Sie liegt in 80 % der etwa 20.400 Apotheken in Deutschland aus. In den Medien sind für die Apotheken Umschau auch die Bezeichnungen „Rentner-Bravo“ oder „Stützstrumpf der Nation“ gängig, die regelmäßig sarkastisch oder sardonisch zu verstehen sind.[3]

Redaktionsgebäude in Baierbrunn mit der Skulptur Eduardo Chillida: Besarkada XV (1998).

Zielgruppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zielgruppe für das Magazin sind die Verbraucher über 40 Jahre, obwohl im Heft meist deutlich jüngere Menschen abgebildet werden. In kurzen, in einfacher Sprache gehaltenen Beiträgen werden zahlreiche Krankheiten und Unpässlichkeiten abgehandelt. Exemplarische Titelthemen sind Schnupfen, Migräne, Depressionen, Allergien, Reisemedizin, Blasenschwäche, Rückenschmerzen, Darmprobleme und Prostataleiden. Die Inhalte werden von einer Redaktion erstellt, der Vorlauf bis zur Schlussproduktion beträgt vier Hefte. Beschäftigt werden Textredakteure; dazu kommen Layouter, Grafiker und Bildredakteure. Chefredakteure sind Dennis Ballwieser und Julia Rotherbl, beide lösten im Herbst 2020 nach fünfzehn Jahren den promovierten Biologen Hans Haltmeier ab. Der wissenschaftliche Beirat besteht aus knapp 30 Mitgliedern.[4]

Aufmachung und Ansprache soll die Leser positiv stimmen, mit Kenntnissen und Argumenten für den Arztbesuch versorgen und nicht verstören. „Lebenslust“ nennt sich eine neue Rubrik. Im redaktionellen Teil werden grundsätzlich keine Produktnamen genannt.[5]

Konkurrenz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Idee einer Apothekenzeitung wurde in den vergangenen Jahren immer wieder von Pharmagroßhändlern kopiert, sie scheiterte aber regelmäßig an der mangelnden Routine der Redaktionen in diesem sensiblen Bereich.[6][7]

Seit Januar 2019 erscheint Burda mit dem Konkurrenzprodukt My Life. Bereits im Juli desselben Jahres hatte My Life eine Auflage von 2,3 Millionen Exemplaren erreicht.[8] Im Juni 2020 von einer Konkurrenzierung durch den Mannheimer Apothekenzulieferer Phoenix und das Essener Verlagshaus Funke berichtet[9]

Diverses[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Redaktionsräume in Baierbrunn sind mit hochwertigen Kunstwerken aus der Sammlung des Gründers Rolf Becker ausgestattet. Arbeiten unter anderem von Roy Lichtenstein, Anselm Kiefer oder Jonathan Meese gehören zum Bildprogramm, am Eingang des Redaktionsgebäudes steht die Eisenskulptur Besarkada XV des Spaniers Eduardo Chillida.

Das ZDF-Magazin Frontal21 musste 2011 nach langem Rechtsstreit eine Unterlassungserklärung abgeben, da sich der Vorwurf der Käuflichkeit nicht erhärten ließ.[10] Kritisiert wird, dass die Apotheken quasi dazu gezwungen sind, das Magazin auszulegen, weil die Kunden danach fragen und ansonsten Umsatzeinbrüche zu befürchten wären.[11]

Die ironische Benennung der Apotheken-Umschau als Rentner-Bravo wurde von der Duden-Redaktion als Szene-Wort rezipiert[12], fand Aufnahme im kleinen Wörterbuch der Jugendsprache[13] und auch die Apotheken-Umschau selbst kokettiert[14] mit der liebevolle Bezeichnung[15] und ihrem Rentner-Bravo-Image.[16] Für ihre eigene Social-Media-Kampagne mit dem Titiel „#RentnerBravo – Die Retro-Kampagne der Apotheken Umschau“ wurde das Magazin ausgezeichnet.[17]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Quellen: IVW IV/2015, AWA 2015
  2. Roland Schulz: Das Geheimnis der Apotheken Umschau. 2. Juli 2012, abgerufen am 9. Mai 2019.
  3. Der Siegeszug der „Rentner-Bravo“. Süddeutsche Zeitung, 4. November 2011.
  4. [1] Kress vom 2. März 2021
  5. Oliver Jungen: Journalismus auf Rezept. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 6. April 2016, S. 13
  6. Funke und Phoenix Pharmahandel starten „deine Apotheke“ In: Fachportal Lout vom 27.5.20
  7. Jetzt kommen Funke und Phoenix mit einem Apotheken-Magazin In: Lout vom 22.02.20
  8. My life-Auflage bei über 2,3 Millionen Exemplaren In: Lout vom 17.07.20
  9. Bernd Freytag: Angriff auf die Apotheken-Umschau In: FAZ, 7. Juni 2020, abgerufen am 11. Juni 2020
  10. Rechtsstreit zwischen Wort & Bild Verlag und ZDF beendet: „Frontal 21“ nimmt Vorwürfe gegen „Apotheken Umschau“ zurück. 7. Juli 2011, abgerufen am 9. Februar 2012.
  11. Teurer Lesestoff – Apotheker zahlen viel für die Apotheken-Umschau. In: Markt und Medien, Deutschlandfunk, 4. Februar 2012.
  12. Duden-Neues Wörterbuch der SzeneSprachen
  13. Jugendsprache Wörter mit R Das kleine Wörterbuch der Jugendsprache auf jugendsprache.info
  14. Social-Media-Kampagne der Apotheken Umschau - Retro-Rückblick der „Rentner-Bravo“ deutsche-apotheker-zeitung.de
  15. Mit neuer Leichtigkeit pharma-relations.de
  16. Apotheken-Umschau kokettiert mit Rentner-Bravo-Image
  17. Apotheken Umschau: Vision.A Award für Retro-Kampagne #RentnerBravo Wort und Bild Verlag