Appenweier

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt die Gemeinde Appenweier in Baden-Württemberg. Appenweiher ist der deutsche Name der Gemeinde Appenwihr im Oberelsass.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Appenweier
Appenweier
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Appenweier hervorgehoben
48.5397222222227.98152Koordinaten: 48° 32′ N, 7° 59′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Freiburg
Landkreis: Ortenaukreis
Höhe: 152 m ü. NHN
Fläche: 38,03 km²
Einwohner: 9867 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 259 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 77762–77767
Vorwahl: 07805
Kfz-Kennzeichen: OG, BH, KEL, LR, WOL
Gemeindeschlüssel: 08 3 17 005
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Ortenauer Str. 13
77767 Appenweier
Webpräsenz: www.appenweier.de
Bürgermeister: Manuel Tabor
Lage der Gemeinde Appenweier im Ortenaukreis
Ill (Elsass) Ill (Elsass) Frankreich Landkreis Rastatt Baden-Baden Landkreis Calw Landkreis Emmendingen Landkreis Freudenstadt Rheinau (Baden) Lauf (Baden) Sasbach Landkreis Rastatt Landkreis Rottweil Schwarzwald-Baar-Kreis Achern Achern Achern Appenweier Bad Peterstal-Griesbach Berghaupten Biberach (Baden) Durbach Ettenheim Fischerbach Friesenheim (Baden) Gengenbach Gutach (Schwarzwaldbahn) Haslach im Kinzigtal Hausach Hofstetten (Baden) Hohberg Hornberg Kappel-Grafenhausen Kappel-Grafenhausen Kappelrodeck Willstätt Kehl Kehl Kippenheim Kippenheim Kippenheim Lahr/Schwarzwald Lauf (Baden) Lauf (Baden) Lautenbach (Ortenaukreis) Mahlberg Mahlberg Mahlberg Meißenheim Mühlenbach (Schwarzwald) Neuried (Baden) Nordrach Oberharmersbach Oberkirch (Baden) Oberkirch (Baden) Oberkirch (Baden) Oberkirch (Baden) Oberwolfach Offenburg Ohlsbach Oppenau Ortenberg (Baden) Ottenhöfen im Schwarzwald Renchen Renchen Ringsheim Ringsheim Rust (Baden) Rheinau (Baden) Rheinau (Baden) Rheinau (gemeindefreies Gebiet) Sasbach Sasbach Sasbach Sasbachwalden Schuttertal Schutterwald Schwanau Seebach (Baden) Seelbach (Schutter) Steinach (Ortenaukreis) Willstätt Willstätt Wolfach Zell am Harmersbach RheinKarte
Über dieses Bild

Appenweier ist eine Gemeinde des Ortenaukreises in Baden-Württemberg und liegt rund sieben Kilometer nördlich von Offenburg.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Appenweier besteht aus der Hauptgemeinde Appenweier, den für Meerrettichanbau bekannten Ortsteilen Urloffen und Zimmern, sowie dem in der Vorbergzone gelegenen Nesselried. Der Ortsteil Nesselried zieht sich durch das Wannenbachtal in die Rebberge, Urloffen und Zimmern liegen hingegen nördlich von Appenweier.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zu Appenweier gehören die früher selbstständigen Gemeinden Nesselried und Urloffen. Zur Gemeinde Appenweier in den Grenzen von 1970 gehört das Dorf Appenweier. Zur ehemaligen Gemeinde Nesselried gehören das Dorf Nesselried und die Weiler Illental und Kohlstatt. Zur ehemaligen Gemeinde Urloffen gehören das Dorf Urloffen und der Weiler Zimmern (baulich mit Urloffen verbunden). Im Gemeindeteil Appenweier lag der in Appenweier aufgegangene Weiler Heetlisberg. Im Gemeindeteil Nesselried lag das aufgegangene Gehöft Weilerhof und die abgegangenen Ortschaften Schweighof und Ufholz. Im Gemeindeteil Urloffen lagen die abgegangenen Ortschaften Rüchelnheim und Wisungen[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste urkundliche Nennung Appenweiers erfolgte im Jahre 884. Damit zählt Appenweier zu den ältesten schriftlich überlieferten Orten im Ortenaukreis.

In Appenweier wurden von 1575 bis 1630 Hexenverfolgungen durchgeführt. 35 Frauen und Männer gerieten in Hexenprozesse und wurden hingerichtet.[3]

Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort Opfer schlimmster Verwüstungen, die in den folgenden Revolutionskriegen fortgesetzt wurden. 1632 wurde Appenweier von schwedischen Truppen niedergebrannt, 1689 folgten Brandschatzungen durch französische Truppen.

Im Jahre 1750 wurde die dem heiligen Michael geweihte Kirche im alten Ortskern im Rokokostil neu errichtet. Appenweier gehörte bis 1805 zur Landvogtei Ortenau und kam dann durch den Reichsdeputationshauptschluss zum Großherzogtum Baden, wo es zum Amtsbezirk Kehl zählte, aus dem später der Landkreis Kehl wurde. Aufgrund der Kreisreform fiel der Ort 1973 an den Ortenaukreis.

Geschichte der Ortsteile[Bearbeiten]

Nesselried mit Kohlstatt und Illental[Bearbeiten]

Wappen Nesselried Zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde Nesselried im Jahre 1120. Die ursprünglichen Gemeinden Unternesselried und Obernesselried vereinigten sich im Jahre 1871 zu Nesselried. Genau hundert Jahre später wurde am 1. Dezember 1971 diese Gemeinde nach Appenweier eingemeindet. Nesselried besteht zudem noch aus den beiden Weilern Illental und Kohlstatt.

Urloffen und Zimmern[Bearbeiten]

Wappen Urloffen Urloffen wurde im Jahre 1150 zum ersten Mal in einer Urkunde erwähnt. Am 1. Januar 1975 wurde die Gemeinde gegen großen Widerstand ihrer Einwohner nach Appenweier eingemeindet. Der Weiler Zimmern liegt direkt an der Bundesstraße 3 nördlich von Appenweier und ist baulich durch die Rheintalbahn von Urloffen getrennt.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Appenweier Bevölkerungsentwicklung

Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind Schätzungen, Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg[4]

Jahr Einwohnerzahl
1. Dezember 1871 4245
1. Dezember 1880 4435
1. Dezember 1890 4473
1. Dezember 1900 4727
1. Dezember 1910 5163
16. Juni 1925 5443
16. Juni 1933 5309
17. Mai 1939 5535
13. September 1950 5933
6. Juni 1961 6220
Jahr Einwohnerzahl
1966 6631
27. Mai 1970 6769
31. Dezember 1980 7859
27. Mai 1987 8229
31. Dezember 1990 8862
31. Dezember 1995 9348
31. Dezember 2000 9683
31. Dezember 2005 9708
31. Dezember 2010 9802
31. Dezember 2013 9798


Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 brachte bei einer Wahlbeteiligung von 51.2 % folgendes Ergebnis:[5]

7
6
3
3
Von 19 Sitzen entfallen auf:
Kommunalwahl 2014
 %
40
30
20
10
0
35,1 %
32,2 %
18,5 %
14,3 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   4
   2
   0
  -2
  -4
-1,6 %p
+3,5 %p
+2,0 %p
-3,8 %p
Expression-Fehler: Unerwartete schließende eckige Klammer

Bürgermeister[Bearbeiten]

  • 1969–1977: Günter Kaufmann
  • 1977–2001: Siegfried Götz
  • 2001–2010: Hansjürgen Stein (durch Tod ausgeschieden)
  • 2010 bis heute: Manuel Tabor

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Appenweier unterhält mit folgender Stadt eine Städtepartnerschaft:

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Appenweier: St. Michael
St. Michael, Innenraum
Urloffen: Kirche im Weinbrenner-Klassizismus
Blick auf den Weiler Zimmern mit Wallfahrtskirche

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Die katholische Pfarrkirche St. Michael in Appenweier. Die Kirche wurde 1748–1750 nach Entwurf von Ignaz Krohmer, Hofbaumeister der Markgrafschaft Baden-Baden, errichtet. Die Barockkirche besitzt für (historisch) dörfliche Verhältnisse eine überdurchschnittlich reiche Auszierung der Außenarchitektur und noch stärker der Innenarchitektur. Hier war Kirchenmaler Benedikt Gambs tätig.
  • Sehenswert im Ortsteil Urloffen ist die klassizistische Sankt Martinskirche, entworfen und ausgeführt von Hans Voß im Weinbrenner-Stil. Sie zeigt ein spätes Beispiel des für Baden typischen Klassizismus. Monumental stößt der Kirchturm aus der Vorderseite des Kirchenschiffes in die Höhe. Durchaus untypisch für den Weinbrenner-Stil ist ein gewisser Schmuckreichtum für die Fassaden des Langhauses. Die Urloffener Kirche zählt zu den schönsten Kirchen im Stil des Klassizismus in Baden.

Skaterszene[Bearbeiten]

In Urloffen hat sich seit den 1990er Jahren eine Skater-Szene etabliert, die ihren zentralen Treffpunkt am Skaterplatz an der Gewerbestraße in Urloffen hat. Hauptbeschäftigung ist das Skaten mit dem Skateboard, wobei in der Szene auch Inlineskater und BMX-Fahrer aktiv sind. Die Gemeinde Appenweier investierte 2012 und 2013 in neue Rampen aus Beton und die Erweiterung der Anlage um eine Miniramp. Neben der Erweiterung des Einzugsgebiets der Skateanlage auf die Region um Bühl, Offenburg, Achern und Oberkirch erhöhte dies die Vielfältigkeit der Skate-Möglichkeiten und die personelle Aufnahmefähigkeit der Anlage.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Unternehmen[Bearbeiten]

Ortsansässige Unternehmen:

  • WEISS automotiv GmbH, Industrielackierer Ist der größte Arbeitgeber in der Gemeinde Appenweier mit über 500 Mitarbeiter. WEISS automotive ist führender Systemlieferant der Automobilindustrie für die Herstellung, Lackierung, Montage und Logistik von Kunststoffanbauteilen im Exterieur-Bereich. Als Spezialist für die Lackierung von Kleinserien und Sonderfarben in Kunststoff und Karbon ist das Unternehmen verlässlicher Partner für Kunden aus aller Welt.
  • Klocke Pharma-Service GmbH, Pharmaunternehmen Die Unternehmen der Klocke Gruppe sind spezialisiert auf die Herstellung und Verpackung von pharmazeutischen Produkten.
  • Gmeiner Confiserie, Die Confiserie Gmeiner gehört zu den renommiertesten Konditoreibetrieben Europas. Höchste Qualität heißt unser Grundrezept seit über 100 Jahren.
  • Trautmann GmbH Orthopädieschuhtechnik- Schuhfachgeschäft

Ehemalige Unternehmen:

  • Dual GmbH Plattenspielerhersteller, Das Unternehmen Dual wurde 1907 von den Gebrüdern Steidinger in St. Georgen im Schwarzwald gegründet. Dual war zeitweise der größte Hersteller von Plattenspielern und hatte zu seinen besten Zeiten mehr als 3000 Mitarbeiter. Die Marke Dual gehört heute für Europa der DGC GmbH in Landsberg am Lech.

im Ortsteil Urloffen Stand das Werk 6 das von 1971 bis 1980 Produzierte. 1982 wurde die Firma Dual Aufgelöst.

Verkehr[Bearbeiten]

Appenweier ist ein Eisenbahnknoten, an dem insgesamt drei Eisenbahnstrecken aufeinandertreffen. Die Rheintalbahn verbindet Appenweier mit Mannheim über Karlsruhe, sowie Basel über Offenburg und Freiburg im Breisgau. Die Europabahn stellt die Verbindung mit dem französischen Straßburg über Kehl her und die Renchtalbahn zweigt nach Bad Griesbach ab.

Parallel zur Rheintalbahn führt die Bundesautobahn 5 an Appenweier vorbei und die Bundesstraße 3 mitten hindurch. Gekreuzt werden beide vor den Toren Appenweiers von der Bundesstraße 28, über die man ostwärts zügig in das Renchtal des Mittleren Schwarzwaldes oder westwärts über Kehl und den Rhein (Europabrücke) nach Straßburg gelangt.

Ein großes Problem stellt für Appenweier die vorgesehene neue Einfädelung der Europabahn in die Rheintalbahn dar. Geplant ist eine Schnellfahrstrecke, die den Ort Appenweier faktisch teilen würde, wogegen sich starker Widerstand regt. Alternativ wäre es möglich, die Hochgeschwindigkeitszüge zwischen Frankreich und Deutschland über die stillgelegte Bahnstrecke RoeschwoogRastatt zu führen, was eine erhebliche Beschleunigung erlauben und in Appenweier keine größeren Baumaßnahmen erfordern würde.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

In Appenweier geboren[Bearbeiten]

Mit Appenweier verbunden[Bearbeiten]


Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Appenweier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden Baden-Württembergs 2014 (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2. S. 303–306
  3. Franz Volk: Hexen in der Landvogtei Ortenau und Reichsstadt Offenburg, 1882, Nachdruck Offenburg 1978
  4. Bevölkerungsentwicklung in Baden-Württemberg von 1871 bis 2013
  5. Ergebnisse der Gemeinderatswahlen 2014