Arabischer Winter

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Arabischer Winter (englisch Arab Winter[1][2][3][4][5]) ist ein journalistischer Begriff für den zunehmenden Autoritarismus und Islamismus[6] nach den Protesten des Arabischen Frühlings in arabischen Ländern.[7] Laut Wissenschaftlern der Universität Warschau ging der Arabische Frühling vier Jahre nach seinem Beginn vollständig in einen Winter über.[8]

Der Arabische Winter ist gekennzeichnet durch den Ausbruch mehrerer regionaler Bürgerkriege, welche regionale Instabilität,[9] wirtschaftlichen und demographischen Niedergang der arabischen Länder sowie ethno-religiösen Zwist befördern.[10] Gemäß einer Studie der Amerikanischen Universität Beirut führte der Arabische Winter bis Sommer 2014 zu fast einer Viertelmillion Toter und Millionen Flüchtlingen.[11]

Bezeichnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff des Arabischen oder Islamistischen Winters umfasst Ereignisse in mehreren Ländern der Arabischen Liga im Mittleren Osten und Nordafrika, so etwa den Bürgerkrieg in Syrien,[12][13] den Aufstand im Irak und den folgenden Bürgerkrieg ab 2014[14] und die Krisen in Ägypten,[15] Libyen und dem Jemen.[16] In Ägypten wurde Präsident Muhammed Mursi in einer Kampagne gegen die Muslimbrüder gestürzt und von General Abd al-Fattah as-Sisi abgelöst.[17] Politische Entwicklungen, besonders die Erneuerung des Autoritarismus und die Unterdrückung von Freiheitsrechten in Ägypten seit dem Militärputsch im Juli 2013, wurden als Konstituierung eines "militärischen Winters" beschrieben, der im Gegensatz zu den Zielen des Arabischen Frühlings stehe.[18][19] Verschiedene libysche Milizen und Stämmen nahmen nach dem Scheitern von Verhandlungen den Kampf auf. Libanon und Bahrain wurden auch als Schauplätze des Arabischen Winters bezeichnet. Professor Sean Yom behauptete dies im Fall von Libyen und Syrien.[20] Der Konflikt in Nordmali wurde oft als Teil des „Islamistischen Winters“ bezeichnet.[21] Auch der politische Wandel in Tunesien, der zu einem Regierungswechsel führte, sowie eine Auflehnung des IS wurden auch als auf einen Arabischen Winter hinführend gedeutet.

Gemäß Wissenschaftlern der Universität Warschau ging der Arabische Frühling vier Jahre nach dem Beginn vollständig in einen Arabischen Winter über.[8] Diese Meinung wurde 2017 auch von Professor James Y. Simms Jr. in einem Zeitungskommentar geteilt.[22] Die Situation in der arabischen Welt habe sich verschlimmert, schrieb der Economist 2016.[23]

Auswirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaftliche Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zerstörte Gebäude in Homs (2012)

Gemäß dem Moshe Dayan Center for Middle Eastern and African Studies betrugen die Kosten der Turbulenzen im Arabischen Winter geschätzte 800 Milliarden US-Dollar.[24] Ungefähr 16 Millionen Menschen in Syrien, Ägypten, Irak, Jordanien und Libanon seien 2014 auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Laut dem Economist habe Malta vom Arabischen Winter "profitiert", da Touristen, die sich ansonsten in Ägypten oder Tunesien aufhielten, nach einer sichereren Alternative suchten.[25]

Todesopfer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Angaben einer Studie der Amerikanischen Universität Beirut seien aufgrund des Arabischen Winters bis Sommer 2014 fast eine Viertelmillion Menschen gestorben und Millionen auf der Flucht.[11]

Anfang 2017 berichtete George Will von über 30.000 Toten in Libyen, 220.000 bis 320.000 Toten in Syrien und vier Millionen Flüchtlingen allein als Folge des syrischen Bürgerkriegs.[22]

Migrationskrise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die politischen Turbulenzen und die Gewalt im Mittleren Osten und Nordafrika führten ab 2015 zu einer Flüchtlingskrise in Europa. Unter anderem sind interne Vertriebene und Flüchtlinge, die sich zuvor in Libyen aufhielten, in die Europäische Union aufgebrochen.[26] Versuche von Libyern und Tunisiern, die der Gewalt entfliehen wollten, indem sie das Mittelmeer überquerten, lösten Ängste bei europäischen Politikern und Teilen der Bevölkerung aus, wonach die Küsten Europas „geflutet“ würden. Die EU antwortete darauf mit gesetzlichen Bestimmungen und Küstenpatrouillen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Middle East review of 2012: the Arab Winter. In: The Telegraph. Abgerufen am 19. Juli 2014.
  2. Analysis: Arab Winter is coming to Baghdad. In: The Telegraph. The Jerusalem Post. Abgerufen am 8. Oktober 2014.
  3. Expert Warns of America’s Coming ‘Arab Winter’. CBN. Abgerufen am 8. Oktober 2014.
  4. The Arab Winter. In: The New Yorker. Abgerufen am 8. Oktober 2014.
  5. Arab Spring or Arab Winter?. The New Yorker. Abgerufen am 8. Oktober 2014.
  6. Yun Ru Phua: After Every Winter Comes Spring: Tunisia’s Democratic Flowering. In: Berkeley Political Review. 30. März 2015 (berkeley.edu).
  7. Ahmed H. Adam, Ashley D Robinson: Will the Arab Winter spring again in Sudan? In: aljazeera.com. 11. Juni 2016, abgerufen am 11. April 2017.
  8. a b Radoslaw Fiedler, Przemyslaw Osiewicz: Transformation processes in Egypt after 2011. The causes, their course and international response. Logos-Verlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-8325-4049-4, S. 182.
  9. From Egypt to Syria, this could be the start of the Arab Winter. In: The Conversation. 17. April 2014. Abgerufen am 23. Oktober 2014.
  10. Lassen Malmvig: Arab uprisings: regional implication. (PDF) IEMED, 2013, abgerufen am 11. April 2017.
  11. a b Displacement in the Middle East and North Africa – between the Arab Winter and the Arab Spring. (PDF) In: International Affairs. AUB, 28. August 2013, abgerufen am 16. September 2019.
  12. Fear and Faith in Paradise. Exploring Conflict and Religion in the Middle East. Rowman & Littlefield Publishers, 2012, ISBN 978-1-4422-1479-8, S. 296 (books.google.de).
  13. Arab Winter. In: America Staging. Abgerufen am 23. Oktober 2014.
  14. Analysis: Arab Winter is coming to Baghdad. In: The Jerusalem Post. Abgerufen am 23. Oktober 2014.
  15. Egypt and Tunisia’s new ‘Arab winter’. In: Euro news. Abgerufen am 23. Oktober 2014.
  16. Yemen’s Arab winter. In: Middle East Eye. Abgerufen am 23. Oktober 2014.
  17. Egypt & Tunisia’s new Arab winter. In: Euro news. 8. Februar 2013, abgerufen am 11. April 2017.
  18. The Coup in Egypt: An Arab Winter?. In: The Nation. 5. Juli 2013. Abgerufen am 1. November 2014.
  19. In Egypt, Arab Spring Gives Way To Military Winter. In: The World Post. The Huffington Post. 21. Januar 2014. Abgerufen am 1. November 2014.
  20. Lecture Explores Past and Future Arab Spring. In: The Daily Gazette. 10. Oktober 2014. Abgerufen am 2014.10.19.
  21. The role of Al-Qaeda in Mali. A lesson for Arab Spring future. 23. Oktober 2012, abgerufen am 11. April 2017: „In Mali AQ achieved to infiltrate and take over Tuareg insurgency. If AQ succeeds to keep the Arab Spring countries destabilized, this will lead to a viral reproduction of Azawad scenario. AQ is the ‘Islamic Winter’.“
  22. a b Arab Spring to Arab Winter. A predictable debacle in the Middle East. In: Richmond Times-Dispatch. (richmond.com).
  23. The Arab winter. In: The Economist. 9. Januar 2016, abgerufen am 11. April 2017.
  24. P. Rivlin:@1@2Vorlage:Toter Link/www.dayan.org(Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: Iqtisadi) (PDF) Dayan Research Center Januar 2014.
  25. High Wall, Narrow Sea.
  26. “Displacement in the Middle East and North Africa: Between an Arab Winter and the Arab Spring”. aub.edu.lb