ʿArafāt

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Arafat-Ebene zur Zeit des Haddsch

ʿArafāt (arabisch ‏عرفات‎) ist eine Ebene rund 20 km südöstlich von Mekka, in der das zentrale Ritual der islamischen Haddsch-Wallfahrt stattfindet. Der Tag, der für dieses Ritual vorgesehen ist, der 9. Dhu l-hiddscha, wird auch ʿArafa-Tag (arabisch ‏يوم عرفة‎) genannt. Ohne die Teilnahme an dem Ritual hat der Haddsch keine Gültigkeit.

Die Ebene von ʿArafāt hat eine Fläche von vier Meilen in ost-westlicher Richtung und sieben bis acht Meilen in nord-südlicher Richtung. Am nordöstlichen Rand liegt der 200 Fuß hohe "Dschabal ar-rahma" (‏ جبل الرحمة‎ / ǧabal ar-raḥma / ‚Berg der Barmherzigkeit‘). Er wird auch ʿArafāt-Berg (ǧabal ʿArafāt) genannt.[1] Um vor der Sonne Schutz zu geben, werden für den ʿArafa-Tag Zelte aufgeschlagen. Während dieses Tages befinden sich mehrere Millionen Pilger in dieser Ebene . Die übrige Zeit des Jahres ist die ʿArafāt-Ebene menschenleer.

Beschreibung des in ʿArafāt stattfindenden Rituals[Bearbeiten]

Haddsch-Pilger beim Wuqūf

Am Vormittag des 9. Dhū l-Hiddscha begeben sich in ihrer Ihram-Kleidung in die ʿArafāt-Ebene und versammeln sich dort. Sobald die Sonne ihren höchsten Punkt überschritten hat, beginnt das zentrale Ereignis des Haddsch. Die Pilger verrichten das Mittags- und das Nachmittagsgebet zusammen und verweilen dann dort bis zum Sonnenuntergang. Diese Verweilzeremonie wird Wuqūf (‏وقوف‎ / ‚Stehen‘), im Sinne von „Stehen vor Gott“ genannt. Der Raum, in dem der Wuqūf ritualrechtlich zulässig ist, ist durch Grenzmale gekennzeichnet.[2]

Am Anfang des Wuqūf, dieses ritualen Verweilens, hält ein bekannter islamischer Gelehrter eine zweiteilige Chutba und gedenkt dabei der Abschiedspredigt des Propheten, die er kurz vor seinem Tod an dieser Stelle hielt. Die Pilger rezitieren während dieser Zeremonie Koranverse, sprechen Segenswünsche über den Propheten und sprechen Bittgebete und die Talbiya. Kurz nach Sonnenuntergang beginnt die sogenannte Ifāda, das "Ausströmen". Hierbei eilen die Pilger aus der Ebene in Richtung Muzdalifa, das auf halber Strecke zwischen ʿArafāt und Mekka liegt. In diesem Tal beenden die Pilger die Ifāda und verrichten zum Abschluss des Tages Abend- und Nachtgebet zusammen. Das Zusammenziehen von jeweils zwei Gebeten am Mittag und nach Sonnenuntergang ist eine Besonderheit des ʿArafa-Tages.[3]

Einige Muslime fasten am ʿArafa-Tag. Umstritten ist, ob dieses Fasten als Sunna vorgeschrieben, oder als eine freiwillige Handlung zu betrachten ist; denn im Koran liegt dazu keine entsprechende Anweisung vor.[4]

Geschichte[Bearbeiten]

Pilger am Dschabal ar-Rahma beim Haddsch des Jahres 2009

Der Wuqūf am ʿArafa-Tag hat vorislamische Ursprünge.[5] Er bildete im alten Arabien das Abschlussritual der jährlichen Märkte von ʿUkāz, Dhū l-Madschāz und Madschanna, die in den heiligen Monaten in der Nähe von ʿArafāt stattfanden.[6] Nach der Einnahme von Mekka durch die Muslime wurde das Ritual islamisiert. Bei der sogenannten „Abschiedswallfahrt“ kurz vor seinem Tode im Jahre 632 hielt Mohammed in der ʿArafāt-Ebene eine Rede und legte dabei auch die Regeln für das Ritual fest.

Die Grenzen des Gebietes von ʿArafāt wurden im 8. Jahrhundert im Fiqh geographisch fixiert. Im 12. Jahrhundert errichtete der zengidische Wesir al-Dschawād al-Isfahānī auf dem Dschabal ar-Rahma eine Moschee und legte eine Treppe an, die zu ihr hinaufführte. Außerdem baute er eine unterirdische Wasserleitung, die die ʿArafāt-Ebene während der Tage des Haddsch mit Wasser versorgte.[7]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. z.B. an-Nuwairi: Nihāyat al-arab fī funūn al-adab. Ed. Saʿīd ʿĀšūr. Kairo 1985. Bd. XXVII, S. 176.
  2. Al-mausūʿa al-fiqhiyya Kuwait 1994 (1. Auflage). Band 30, S. 60-61.
  3. W. Montgomery Watt; Alford T. Welch: Der Islam I. Mohammed und die Frühzeit, islamisches Recht, religiöses Leben. Stuttgart 1980. S. 336f.
  4. The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Brill, Leiden. Bd. 9, S.94f.
  5. Julius Wellhausen: Reste arabischen Heidentums. 2. Auflage. Berlin und Leipzig 1927, S. 81–82; The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Brill, Leiden, Bd. 11, S. 220 (wuqūf); Robertson Smith: Lectures on the Religion of the Semites. 3. Auflage. London 1927, S. 340–341
  6. Vgl. Crone 170.
  7. Vgl. an-Nuwairī XXVII 176.

21.35483055555639.983886111111454Koordinaten: 21° 21′ N, 39° 59′ O