Arata Takeda

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Arata Takeda (Japanisch 武田新, * 15. Juni 1972 in Ueno, Japan) ist ein japanischstämmiger Literatur- und Kulturwissenschaftler, der unter anderem durch seine Arbeiten über das Phänomen des Selbstmordattentats und die transkulturelle Erziehung bekannt ist.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Takeda, Sohn des japanischen Theologen Takehisa Takeda, zog im Alter von drei Jahren zusammen mit seinen Eltern und Geschwistern von Japan nach Deutschland und wuchs in Mainz, München und Berlin auf. Nach der Hochschulreife in Japan und einem Bachelor in Humanities an der International Christian University studierte er von 1997 bis 2003 Germanistik, Romanistik und Komparatistik an der Universität Tübingen und 2001/2002 Germanistik und Komparatistik an der Universität Venedig. Er promovierte 2008 an der Universität Tübingen mit einer Dissertation über die Kulturgeschichte des Selbstmordattentats, für die er 2009 mit dem Promotionspreis der Universität Tübingen ausgezeichnet wurde.[1]

2011 wurde Takeda durch ein von Alexander Kluge über seine Dissertation mit ihm geführtes Interview bekannt, das zuerst im Feuilleton der Welt abgedruckt[2] und später in der Sat.1-Sendung News & Stories ausgestrahlt wurde.

In den Jahren 2008 bis 2011 forschte und lehrte Takeda an der Universität Tübingen. Im Wintersemester 2011/2012 war er am Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften in Wien, von 2012 bis 2014 an der University of Chicago und 2014/2015 an der Universität Paderborn tätig. Seit 2015 arbeitet er an der Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien der Freien Universität Berlin.

Takeda erhielt eine Reihe von Stipendien und Förderungen, darunter das Botschafterstipendium der Rotary Foundation, das Promotionsstipendium der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, das Research Fellowship des Internationalen Forschungszentrums Kulturwissenschaften, das Feodor Lynen-Forschungsstipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung, das William M. Calder III Fellowship der American Friends of the Alexander von Humboldt Foundation[3] und die Einzelförderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Takeda ist Mitglied des Internationalen Ausschusses der Gesellschaft für Interkulturelle Germanistik und des Rates für Migration.[4]

Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwerpunkte von Takedas Forschungs- und Lehrtätigkeit liegen in den Bereichen der interkulturellen Hermeneutik, Erzähltheorie (u. a. Herausgeberfiktion), Dramengeschichte und Dramentheorie, Theorie der literarischen Übersetzung, der literarischen Anthropologie und der transkulturellen Erziehung. Neben seiner Dissertation fanden unter anderem seine Untersuchung zur Herkunftsgeschichte der Fabel vom Skorpion und dem Frosch[5] und seine Vorschläge zur Förderung von transkultureller Erziehung[6] innerhalb wie außerhalb der akademischen Kreise Beachtung.[7]

Varia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elfriede Jelinek ließ Passagen aus Takedas Dissertation im originalen Wortlaut in ihren 2017 publizierten Text Unseres 2.0 einfließen. Der Text nimmt unmittelbar Bezug auf „das Buch über Ajax und Selbstmordattentäter wie ihn“, und am Ende wird Takeda zusammen mit Sophokles, Emmanuel Levinas und Frantz Fanon als die „Herren dieser Schöpfung“ aufgeführt.[8]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monographien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Erfindung des Anderen. Zur Genese des fiktionalen Herausgebers im Briefroman des 18. Jahrhunderts. Königshausen & Neumann, Würzburg 2008, ISBN 978-3-8260-3973-7.
  • Ästhetik der Selbstzerstörung. Selbstmordattentäter in der abendländischen Literatur. Wilhelm Fink, München 2010. ISBN 978-3-7705-5062-3 (Dissertation Universität Tübingen 2008, 314 Seiten Volltext online im Viewer bei Digi20 der Bayerischen Staatsbibliothek)
  • Wir sind wie Baumstämme im Schnee. Ein Plädoyer für transkulturelle Erziehung. Waxmann, Münster / New York / München / Berlin 2012, ISBN 978-3-8309-2716-7.

Beiträge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Altstipendiat der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit erhält Promotionspreis der Universität Tübingen.
  2. „Zerstörungsphantasien gab es immer schon“. Das Selbstmordattentat ist kein Importprodukt: Alexander Kluge befragt den Forscher Arata Takeda. In: Die Welt, 7. Juni 2011, S. 23–24.
  3. Arata Takeda auf der Webseite der American Friends of the Alexander von Humboldt Foundation.
  4. https://rat-fuer-migration.de/mitglieder/
  5. Arata Takeda: Blumenreiche Handelswege: Ost-westliche Streifzüge auf den Spuren der Fabel Der Skorpion und der Frosch. In: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 85/1 (2011), S. 124–152.
  6. Arata Takeda: Transkulturalität im Schulunterricht. Ein Konzept und vier ‚Rezepte‘ für grenzüberschreitendes Lehren und Lernen, S. 4–6; Arata Takeda: Wir sind wie Baumstämme im Schnee. Ein Plädoyer für transkulturelle Erziehung. Münster/New York/München/Berlin: Waxmann, 2012. S. 79–89.
  7. Jörg Schlömerkemper: Lese-Empfehlungen. In: Pädagogik 12 (2012), S. 53; Kostya Kennedy: Pete Rose: An American Dilemma. New York: Time Home Entertainment, 2014. S. 207; Peter Linke: „Denn wir sind wie Baumstämme im Schnee …“. In: Das Blättchen 18/8, 13. April 2015.
  8. Elfriede Jelinek: Unseres 2.0.