Arbeit (Philosophie)

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Die Arbeit im philosophischen Sinn erfasst alle Prozesse der bewussten schöpferischen Auseinandersetzung des Menschen. Sinngeber dieser Prozesse sind die selbstbestimmt und eigenverantwortlich handelnden Menschen mit ihren individuellen Bedürfnissen, Fähigkeiten und Anschauungen im Rahmen der aktuellen Naturgegebenheiten und gesellschaftlichen Arbeitsbedingungen.

Wortgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Ansicht von Otfried Höffe[1] stammt das Wort von lateinisch arvus für Ackerland als Ausdruck für dessen Bearbeitung. Das Wort Arbeit entwickelte sich aus dem Althochdeutschen arabeit über das Mittelhochdeutsche arebeit, Wörter, die zu damaligen Zeiten oft in den Bedeutungen Mühsal und Not standen.[2] Es wird eine Verwandtschaft zum Altkirchenslawischen rabota (von rabu = ‚Knecht, Leibeigener‘) vermutet‚ das sich mit Knechtsarbeit oder Frondienst übersetzen lässt[2], und aus dem im 20. Jahrhundert das Wort Roboter gebildet wurde.[3] Der vorphilosophische Sprachgebrauch hat drei Bedeutungen:

  1. Arbeit als Mühsal, im Gegensatz zur Muße[4]
  2. Arbeit als Tätigkeit zur Sicherung des Lebensunterhaltes und zur Verbesserung der Lebensbedingungen
  3. Arbeit als Resultat dieser Anstrengungen: als Leistung, „Werk“.[1]

Im anthropologischen und philosophischen Sprachgebrauch meint Arbeit die „Tätigkeit des Menschen in Abhängigkeit von Natur und natürlicher Bedürftigkeit zum Zweck der Lebensunterhaltung und -verbesserung.“[2]

Zweck und Ziel der Arbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Soziologe Hans Paul Bahrdt bezeichnet Arbeit als „ein gekonntes, kontinuierliches, geordnetes, anstrengendes, nützliches Handeln, das auf ein Ziel gerichtet ist, welches jenseits des Vollzugs der Arbeitshandlung liegt“.[5] Menschen, die zunächst für den Lebensunterhalt tätig sind, wollen für sich mittels gemeinschaftlicher Arbeit auch gesellschaftliche Anerkennung und ein sinnvolles Leben erreichen. Die Tätigkeit des Künstlers ist ein Beispiel dafür, dass Arbeit materiell gesehen auch zweckfrei erscheinen kann. Ernst Cassirer beschreibt Kunst als schöpferischen Prozess der Formgebung, mit dem der Künstler den Menschen mit instrumentellen Medien seine Auffassung der sichtbaren, greifbaren oder hörbaren Erscheinungen in symbolischen Formen vermittelt.[6] Nach der Dialektik Friedrich Hegels steht der Mensch mit seinen persönlichen Interessen und Arbeitsschwerpunkten im Widerspruch verschiedener Ziele, wie zum Beispiel:

Damit befindet sich ein arbeitender Mensch mehr oder weniger in Konkurrenz zu Menschen in anderen sozialen Gruppen. Heute wird menschliche Arbeit im Wesentlichen nicht in der Ausübung vereinzelter individueller Tätigkeiten gesehen, sondern umfasst immer das intersubjektive Zusammenwirken der Menschen in Handlungsgemeinschaften, das heißt gemeinsam tätig sein in „Arbeits- und Handlungssystemen“.

Arbeit als Gegenstand wissenschaftlicher Theorien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wer sich mit dem Begriff „Arbeit“ vom philosophischen Standpunkt aus beschäftigt, stößt auf ein Dilemma: Obwohl die „Arbeit“ in ihrer Formenvielfalt eine Konstante des menschlichen Daseins ist, gibt es nur wenige namhafte Gelehrte, die sie aus der Ökonomie, Ethik oder Theologie herausgehoben haben. Überwiegend steht Arbeit synonym für „Anstrengung“, „Bemühung“, „Beruf“, „Dienst für die Gemeinschaft“, „Erwerbstätigkeit“, „nützliches Handeln“, „Interaktion“, „Produktion“, „Schaffen“, „Tätigkeit“, „Tat oder Tun“ etc. In der Arbeitssoziologie wird die Arbeit hauptsächlich nach besonderen soziokulturellen Merkmalen geordnet und unter technischen, institutionellen oder ökonomischen Aspekten partiell abgehandelt.[8] Philosophen entwickelten unterschiedliche, zeitgemäße Anschauungen zur Arbeit, wobei der „Arbeitsbegriff“ selbst einem geschichtlichen Wandel unterliegt.[9]

Von der Antike bis zum Beginn der Frühen Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der archaischen Epoche der griechischen Antike um ca. 700 v. u. Z. beschreibt der Dichter Hesiod im Epos Werke und Tage die Tätigkeiten der Bauern. Dabei hebt er die mühevolle Arbeit in der Landwirtschaft als Quelle ehrlichen Lebens und gerechten materiellen Wohlstands hervor. Diese ethische Arbeits- und Lebensauffassung allein ist jedoch nicht hilfreich, wenn der Mensch die Mühsal der Arbeit, die sein Leben vollständig ausfüllt, überwinden möchte. Philosophen des griechischen Altertums, wie zum Beispiel Sokrates oder dessen Schüler Platon und Xenophon, erkennen in physisch-handwerklichen Tätigkeiten nicht die über alltägliche Mühen hinausgehende, auf Selbstverwirklichung und Erkenntnisgewinn gerichtete „bewusste schöpferische Auseinandersetzung“ des Menschen, sondern sehen primär die kontemplative Muße als Grundbedingung für geistige Kreativität. Von der Antike bis ins Mittelalter ist die Anschauung verbreitet, dass nur derjenige, der sich alltäglichen Arbeitszwängen entziehe, Zeit für seine geistigen Bedürfnisse hat und den Kopf frei bekommt für neue Erkenntnisse und kreatives Handeln.[10] Der so Privilegierte sei damit dem göttlichen Bereich näher als der zu ökonomischen Tätigkeiten gezwungene Mensch. Aristoteles führt die philosophische Kategorie »Poiein« (altgriechisch ποιεῖν; deutsch: Tun, Schaffen, Bewirken) ein.[11] Sie kommt dem Arbeitsbegriff nahe, wobei aber nicht speziell Arbeiten im neuzeitlichen Sinne gemeint ist. Vielmehr beziehen sich seine handlungstheoretischen Betrachtungen wie bei anderen Philosophen der Antike hauptsächlich auf die Angehörigen der geistigen, politischen und militärischen Aristokratie und deren Anstrengungen zur Erlangung damals anerkannter Tugenden.[12] Wissenschaftliche Forschung und Lehre, die nach modernem Verständnis Formen der Arbeit sind, betrachten Platon und Aristoteles als besonders vornehme Betätigungen in der Muße. In den Selbstbetrachtungen stellt Mark Aurel die Arbeit in den ethischen Zusammenhang des stoischen lebenslangen Bemühens um Selbstformung.[13] Das mühsame, oft von wirtschaftlicher Not geprägte Schaffen der manuell arbeitenden Menschen nehmen die Philosophen der Antike dagegen als selbstverständliche, weniger zu problematisierende kontingente Tatsache hin. Diese Arbeit und die Ausbeutung der Sklaven handeln die Gelehrten im Wesentlichen nur in Verbindung mit rechtlichen, ethischen und ökonomischen Fragen ab, die die originäre Okkupation der Arbeits-Ressourcen und -Erzeugnisse betreffen. Ein Sklave wird — wie im Römischen Recht kodifiziert — nicht als Mensch betrachtet, sondern neben Grund und Boden, Vieh oder sonstigen Ressourcen als Sache im Eigentum eines freien, ihn beherrschenden Menschen.[14]

Seit dem frühen Christentum führen apostolische Gelehrte bis zu Beginn der Frühen Neuzeit meist theologische Debatten über die Arbeit. Sie diskutieren häufig über die Frage, ob manuelles Arbeiten den Menschen von der Gottessuche abhalte oder als Form des Gottesdienstes anzusehen sei. Diese Thematik erörtern zum Beispiel Paulus von Tarsus, Augustinus, Basilius von Caesarea, Benedikt von Nursia, Konstantin von Mananalis, Thomas von Aquin oder Meister Eckhart. Mit Bezug auf die Bergpredigt und den 2. Brief des Paulus an die Thessalonicher entstehen in der theologischen Diskussion unterschiedliche, teils widersprüchliche Auffassungen zu dem Satz: „Wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen.“[15] Während der Reformation entwickeln und verbreiten Huldrych Zwingli, Johannes Calvin, Martin Luther und andere evangelische Gelehrte des 16. Jahrhunderts die Idee, Arbeit sei eine vorbestimmte Pflicht, die der Mensch auf sich nehmen müsse um Gottes Segen, auch im Sinne gesellschaftlichen Ansehens und Wohlergehens zu erlangen.[16] Die davon ausgehende „protestantische Arbeitsethik“ definiert die Arbeit als primären Lebensinhalt des Menschen. Die Früchte der Arbeit darf der Mensch danach in gottgefälliger Wohltätigkeit und Muße genießen. Der Humanist Erasmus von Rotterdam veranlasst 1516 die Erstveröffentlichung der Schrift Utopia[17] von Thomas Morus (lateinischer Titel: De optimo rei publicae statu deque nova insula Utopia). In dieser Utopie „Vom besten Zustand des Staates der neuen Insel Utopia“ beschreibt Morus einen säkularen Staat ohne Privateigentum, dessen Bewohner zu gemeinschaftlicher Bildung und Arbeit“ verpflichtet sind. Im Gegensatz zu Luther, der die These vertritt, dass vor Gottes Gericht allein die göttliche Gnade für den Menschen zählt, verteidigt Erasmus in seiner Schrift De libero arbitrio (1524) die Auffassung der römischen Kirche, dass der Einzelne mit seinem freien Willen durch gutes Tun, also auch durch seine Arbeit die Gnade Gottes erwirken könne.[18]

Zeitalter der Aufklärung bis zur Philosophie Hegels[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts beginnt das Zeitalter der Aufklärung. Die Gelehrten lösen sich zunehmend von theologischen Anschauungen, wenden sich stärker den Naturwissenschaften zu und entwickeln säkulare naturrechtliche und staatsphilosophische Theorien, die auf den Arbeitsbegriff zurückwirken. Dabei wird die Arbeit im Spannungsfeld von Herrschaft, Eigentum und Konkurrenz als ein bestimmender Faktor für den Reichtum und die Macht im Staatswesen erkannt (vgl. Thomas Hobbes, William Petty, John Locke, François Quesnay, Francis Hutcheson, David Hume, Jean-Jacques Rousseau u. a.). Die protestantische Auffassung von der Arbeit findet ihre Fortsetzung im Puritanismus und im 18. Jahrhundert in den von John Wesley und George Whitefield begründeten Glaubensrichtungen, die zur ökonomischen Entwicklung Großbritanniens[19] und seiner nordamerikanischen Kolonien einen entscheidenden Beitrag leisten. Bis Mitte des 18. Jahrhunderts entsteht die Politische Ökonomie als Vorläufer der modernen Volkswirtschaftslehre. Gegenstand dieser Wissenschaft sind zunächst die Produktionsfaktoren Arbeit, Grund und Boden und Kapital. Im Mittelpunkt des Arbeitsbegriffs steht von da an die „Erwerbsarbeit“, deren Qualität und Produktivität im Zusammenhang mit der fortschreitenden Arbeitsteilung und den Ware/Geld-Beziehungen diskutiert wird. Adam Smith und David Ricardo untersuchen, wie die „Arbeit“ die Kosten, Löhne und Preise auf dem Markt beeinflusst, und begründen die Arbeitswerttheorie. Ein zentrales Thema der Politischen Ökonomie ist zu jener Zeit auch der Zusammenhang von „Arbeit und Eigentum“ (vgl. Charles Fourier, Henri de Saint-Simon, Pierre-Joseph Proudhon). Die ökonomischen und philosophischen Diskurse drehen sich dabei hauptsächlich um die beiden traditionellen Auffassungen zum ursprünglichen Eigentumserwerb: die „Okkupationstheorie“ und die „Arbeitstheorie“.

Die deutschsprachige Philosophie definiert während der Aufklärung bis ins 19. Jahrhundert die Arbeit moralphilosophisch und erklärt sie zur sittlichen Pflicht und Existenzbedingung des menschlichen Daseins (vgl. Immanuel Kant, Johann Gottfried Herder, Johann Gottlieb Fichte, Friedrich Schelling u. a.). Nach Kants Maximenethik unterwirft sich der Mensch in seinen »guten Handlungen« bewusst einer sittlichen Pflicht. Findet er für sein Handlungsmotiv keine Maxime, die mit dem Sittengesetz übereinstimmt, muss die Handlung aus moralischen Gründen verworfen werden.[20] Diese Pflicht- und Moralauffassung Kants schließt die Arbeit im philosophischen Sinn, d. h. alle Prozesse der bewussten schöpferischen Auseinandersetzung des Menschen ein. Auch in der deutschsprachigen Philosophie kommen ökonomische und sozialwissenschaftliche Zusammenhänge zunehmend ins Blickfeld. So versucht Hegel mit den „Kategorien von »Arbeit« und »Tausch« die ganze bürgerliche Gesellschaft ihrer ökonomischen Struktur nach“ zu erfassen.[21] In der Phänomenologie des Geistes setzt sich Hegel im Kapitel über das Selbstbewusstsein mit dem dialektischen Verhältnis von Herrschaft und Knechtschaft auseinander. Der Knecht arbeitet für den Herrn, der die Früchte der Arbeit des Knechts genießt und dabei in der Natürlichkeit seines Daseins verharrt. Der Knecht dagegen formt mit der Bearbeitung der Dinge die äußere und seine eigene Natur um. Er lernt sich durch die Arbeit selbst kennen und entwickelt daraus ein Selbstbewusstsein. Das „Große“ an Hegels „Phänomenologie“ ist, dass er „die Selbsterzeugung des Menschen als einen Prozeß faßt“ und „den gegenständlichen Menschen […] als Resultat seiner eigenen Arbeit begreift“. Allerdings ist die „Arbeit, welche Hegel allein kennt und anerkennt, […] die abstrakt geistige“.[22]

Bedeutung der Arbeit bei Marx und Engels[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Grundlage des von Ludwig Feuerbach entwickelten religionskritischen Humanismus und seinem sinnenbezogenen »anthropologischen Materialismus« analysieren Karl Marx und Friedrich Engels ab Mitte des 19. Jahrhunderts die Arbeit unter entwicklungsgeschichtlichen, ökonomischen und politischen Aspekten. Eine ausführliche Darstellung findet sich in Das Kapital Band I, fünftes Kapitel:

„Die Arbeit ist zunächst ein Prozeß zwischen Mensch und Natur, ein Prozeß, worin der Mensch seinen Stoffwechsel mit der Natur durch seine eigne Tat vermittelt, regelt und kontrolliert. Er tritt dem Naturstoff selbst als Naturmacht gegenüber. Die seiner Leiblichkeit angehörigen Naturkräfte, Arme und Beine, Kopf und Hand, setzt er in Bewegung, um sich den Naturstoff in einer für sein eignes Leben brauchbaren Form anzueignen. Indem er durch diese Bewegung auf die Natur außer ihm wirkt und sie verändert, verändert er zugleich seine eigne Natur. Er entwickelt die in ihr schlummernden Potenzen und unterwirft das Spiel ihrer Kräfte seiner eignen Botmäßigkeit.“[23]

„An die Stelle des göttlichen Absoluten bei Hegel tritt bei Marx das materiell-ökonomische Absolute des Produktionsprozesses bzw. der Arbeit als die alles begründende Wirklichkeit.“[24] In einem Aufsatz über den „Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen“ schreibt Friedrich Engels: „Die Arbeit ist die Quelle allen Reichtums, sagen die politischen Ökonomen. Sie ist dies – neben der Natur, die ihr den Stoff liefert, den sie in Reichtum verwandelt. Aber sie ist noch unendlich mehr als dies. Sie ist die erste Grundbedingung alles menschlichen Lebens, und zwar in einem solchen Grade, daß wir in gewissem Sinn sagen müssen: Sie hat den Menschen selbst geschaffen.“[25] Einige Arbeitsaspekte und -begriffe, die Karl Marx in den Schriften Zur Kritik der politischen Ökonomie und in seinem Hauptwerk Das Kapital verwendet, sind bis heute Gegenstand soziologischer und politischer Diskurse.

Konkrete Arbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arbeitende Menschen führen immer wirkliche, das heißt konkrete Tätigkeiten aus und leisten damit i. d. R. zweckmäßige, zielgerichtete konkrete Arbeit. Marx nennt diese „konkret-nützliche Arbeit“. Entsprechend den Fähigkeiten, Fertigkeiten und Bedürfnissen des Einzelnen und seiner individuellen Lebenssituation ist konkrete Arbeit nach Form und Inhalt unendlich vielfältig. Auch unter dem Aspekt der individuellen Zweckmäßigkeit und Zielsetzung bestimmt der tätige Mensch, welche Arbeit durch ihn zu leisten ist. Konkrete Arbeit erfordert den Einsatz seiner Arbeitskraft – das bedeutet stets ein Quantum an „lebendiger“ Arbeit – sowie die Bereitstellung und Nutzung „vergegenständlichter“ Arbeit in Form notwendiger Produktions- und Lebensmittel. Durch den Gebrauch und die Verarbeitung dieser Mittel entstehen ihm in der warenproduzierenden Gesellschaft Kosten; dafür gehört ihm das Produkt seiner Arbeit. Als Eigentümer des Arbeitsergebnisses verfügt er – je nach Grad der Zielerreichung – über einen Gebrauchswert. Über die „konkret-nützliche Arbeit“ schreibt Marx:

„Als Bildnerin von Gebrauchswerten, als nützliche Arbeit, ist die Arbeit daher eine von allen Gesellschaftsformen unabhängige Existenzbedingung des Menschen, ewige Naturnotwendigkeit, um den Stoffwechsel zwischen Mensch und Natur, also das menschliche Leben, zu vermitteln.“[26]

Abstrakte Arbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der von Marx postulierte „Doppelcharakter der in den Waren dargestellten Arbeit“[27] beruht auf der Tatsache, dass der mittels konkreter Arbeit (s. o.) geschaffene Gebrauchswert einer Ware zwar die Grundvoraussetzung für deren Vermarktbarkeit darstellt, damit aber noch keine Aussage über die Höhe des Tauschwerts vorliegt. Der materialistischen Weltsicht zufolge entspringt jedoch auch der Tauschwert einer Ware primär der dafür aufgewendeten Arbeit. Aus diesem Grund führt Marx den Begriff der „abstrakten Arbeit“ ein. Über den Doppelcharakter von Arbeit schreibt er:

„Alle Arbeit ist einerseits Verausgabung menschlicher Arbeitskraft im physiologischen Sinn, und in dieser Eigenschaft gleicher menschlicher oder abstrakt menschlicher Arbeit bildet sie den Warenwert.“[26]

„Alle Arbeit ist andererseits Verausgabung menschlicher Arbeitskraft in besonderer zweckbestimmter Form, und in dieser Eigenschaft konkreter nützlicher Arbeit produziert sie Gebrauchswerte.“[26]

Ausgehend von der „abstrakten Arbeit“, die selbst den Charakter des Tauschwertes in sich trägt, entwickelt Marx die von Adam Smith begründete Arbeitswerttheorie. Diese Theorie, nach der die verausgabte Arbeit für den Warenwert bestimmend sei, gilt unter Volkswirten heute jedoch als weitgehend widerlegt. Allerdings spielen Formen abstrakter Arbeit gegenwärtig bei der Arbeitsbewertung im Rahmen von Lohn- und Gehaltstarifverträgen und den darin festgelegten Bewertungskriterien eine grundlegende Rolle. Zumindest der Wert der Ware „Lohnarbeit“ wird mit Bezug auf das Genfer Schema unter Aspekten der „Lohngerechtigkeit“ unbestreitbar im Zusammenhang mit „abstrakter Arbeit“ gesehen.

Lebendige und vergegenständlichte Arbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Tätigkeit des Menschen in laufenden Arbeitsprozessen bezeichnet Marx als „lebendige Arbeit“, wogegen er unter dem Begriff „vergegenständlichte Arbeit“ alle Gebrauchswerte subsumiert, die Menschen hergestellt haben. Die „vergegenständlichte Arbeit“, das heißt die Produkte der Arbeit verbraucht oder verzehrt der Mensch entweder als Konsumgüter, oder er verwendet sie in Arbeitsprozessen als Produktionsmittel. Im Gegensatz zur „lebendigen Arbeit“ stellt die in den Produktionsmitteln „vergegenständlichte Arbeit“ ein ruhendes Arbeitskraft- und Informations-Potential dar, das der Mensch mehr oder weniger zweckmäßig in Arbeitsprozessen nutzt und damit aktiviert. Die besondere Bedeutung der Produktions- und Arbeitsmittel für die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft erkennt Marx in der Tatsache, dass sie Kondensatoren und Akkumulatoren für zurückliegende Arbeitsleistungen sind, die die Menschen in späteren Arbeitsprozessen mit erhöhter Produktivität durch „lebendige Arbeit“ wieder freisetzen können.

Entfremdung der Arbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Marxsche Arbeitsbegriff verweist nicht nur auf das erwerbsmäßige Handeln, sondern umfasst in seiner anthropologischen Dimension alle für das menschliche Dasein nützlichen Tätigkeitsformen. Entfremdung der Arbeit bedeutet, dass die gesellschaftlichen Verhältnisse, die die Menschen in der Produktion ihres Lebens eingehen, obwohl von den Menschen geschaffen, ihnen als eine fremde Macht gegenübertreten, über die nicht mehr sie selbst verfügen, sondern vielmehr die Verhältnisse über sie. Erst wenn die Menschen ihre Arbeit bewusst und ohne Klassenantagonismen gestalten, wird das die allseitige menschliche Entfaltung befördern, anstatt sie zu hemmen.[28]

Die „Entfremdung der Arbeit“ unter kapitalistischen Produktionsverhältnissen zwingt Lohnarbeiter u. a. ihre Arbeitskraft an die Eigentümer der Produktionsmittel zu verkaufen. Der Tauschwert der Ware Arbeitskraft ist der Arbeitslohn, also Geld. Lohnarbeiter interessiert deshalb die Werthaltigkeit ihrer Arbeitsergebnisse, die sich in der Qualität, in den Kosten und in den Preisen der hergestellten Waren und Dienstleistungen manifestiert, hauptsächlich unter Aspekten der Lohnsicherheit und Arbeitsplatzerhaltung. Eine durchaus vergleichbare primäre Interessenlage findet sich auf Seiten der angestellten Manager[29], die mit sehr hohen Einkommen nichts anderes als „entfremdete (geistige) Arbeit“ leisten und i. d. R. nur bereit sind Verantwortung für die ökonomischen, ökologischen und sozialen Folgen ihrer Entscheidungen zu übernehmen, wenn sie der ordnungspolitische Rahmen staatlicher Gesetze mit entsprechenden Strafverfolgungsmaßnahmen dazu zwingt.[30]

Arbeitsethik als Grundlage der Arbeitsgesellschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Analyse des gesellschaftlichen Produktionsprozesses haben Marx und Engels vor allem die kapitalistische »Arbeitsgesellschaft« vor Augen, die sich im 19. Jahrhundert entfaltet und in ihren Grundzügen bis heute besteht. Wie Hegel definieren Marx und Engels den Freiheitsbegriff als Einsicht in die Notwendigkeit.[31][32] Damit heben sie, auch in Übereinstimmung mit früheren Philosophen des Deutschen Idealismus, den aus freiem Willen handelnden Menschen, dem die Arbeit ein notwendiges Lebensbedürfnis ist, aus der Masse jener heraus, die unter Zwang als Vasallen, Hörige oder gar Sklaven ausgebeutet werden.

Andere zur »Arbeitsgesellschaft« hinführende Theorien verfolgen Anfang des 20. Jahrhunderts beispielsweise Max Weber in seinem Werk: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus, oder Max Scheler, der die Menschen mit ihren Handlungen in eine vorbestimmte phänomenologische Wertethik[33] eingebunden sieht. Eine ähnliche ethische Auffassung von der Arbeit äußert Ernst Bloch u. a. in „Stachel der Arbeit“[34] mit den Sätzen:

„Der auf die Dauer Faule wie der auf die Dauer Einsame halten sich auf verschiedene Weise in der Unerträglichkeit des hohlen Existierens auf, gestört und nicht mit sich in Ordnung. […] Das Jetzt und Hier des Menschen, ohne Tun, schmeckt ihm nicht; nicht zuletzt, weil es so vortrefflich sein könnte und es nicht ist.“

Ernst Bloch

Wie Hegel und Marx ordnet auch Bloch die Arbeit dem „Reich der Notwendigkeit“ zu. Das „Reich der Notwendigkeit“ und damit die Arbeit des Menschen soll aus marxistischer Sicht seine dialektische Aufhebung schließlich in einer kommunistischen Utopie erfahren, dem erstrebenswerten „Reich der Freiheit“.

Friedrich Nietzsche nimmt 1882 in seinem aphoristischen Werk Die fröhliche Wissenschaft ironischen Bezug auf die Debatte des 19. Jahrhunderts über selbst- und fremdbestimmte Arbeit:

„Die Arbeit bekommt immer mehr alles gute Gewissen auf ihre Seite: Der Hang zur Freude nennt sich bereits ‚Bedürfniss der Erholung‘ und fängt an, sich vor sich selber zu schämen. ‚Man ist es seiner Gesundheit schuldig‘ — so redet man, wenn man auf einer Landpartie ertappt wird. Ja, es könnte bald so weit kommen, dass man einem Hange zur vita contemplativa (das heißt zum Spazierengehen mit Gedanken und Freunden) nicht ohne Selbstverachtung und schlechtes Gewissen nachgäbe.“

Friedrich Nietzsche

In Auseinandersetzung mit den Theorien des 19. Jahrhunderts über den Arbeitsbegriff als ökonomische und philosophische Kategorie sind bis ins 20. Jahrhundert hinein zahlreiche Philosopheme zur Arbeit entwickelt worden (vgl. Georg Simmel, Ferdinand Tönnies, John Dewey, George Herbert Mead, Georg Lukács, Antonio Gramsci u. a.). „In den Debatten des 19. und beginnenden 20 Jahrhunderts lassen sich drei Konzeptionen von Arbeit unterscheiden: Arbeit als zweckrationales Handeln, Arbeit als Spiel oder Kunst, Arbeit als sittliches Handeln.“[35]

Wirtschafts- und arbeitswissenschaftliche Theorien seit Ende des 19. Jahrhunderts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Volkswirtschaftslehre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die von Marx entwickelte Arbeitswerttheorie wird schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch die Neoklassische Theorie widerlegt. Ökonomen wie Alfred Marshall, William Stanley Jevons, Léon Walras und Vilfredo Pareto analysieren unter Berücksichtigung des psychologisch begründeten Entscheidungsverhaltens der Marktteilnehmer die Preis/Nutzen-Relationen auf dem Markt genauer und veröffentlichen grundlegende Theorien und mathematische Modelle zur Entwicklung der Grenznutzenschule.[36] Außerdem knüpft die Neoklassik an Vorstellungen der Klassischen Nationalökonomie an, nach denen der Markt durch eine »unsichtbare Hand« geführt einem idealen Gleichgewicht zustrebt. Obwohl durch zyklisch wiederkehrende Krisen regelmäßig soziale Verwerfungen insbesondere auf dem Arbeitsmarkt entstehen, hält sich die Idee der »unsichtbaren Hand« bei Vertretern des Neoliberalismus und des Freien Marktes zum Teil bis heute. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts analysieren u. a. Joseph Schumpeter und John Maynard Keynes die in der Marktwirtschaft auftretenden destruktiven Erscheinungen und Wirtschaftskrisen, die den Arbeitsmarkt betreffen, und entwerfen Theorien zu deren Abwendung. Schumpeter prognostiziert zur Überwindung der kapitalistischen Wirtschaftskrisen die Entwicklung einer zukünftigen sozialistischen Planwirtschaft.[29] Nach der von Keynes begründeten Wirtschaftstheorie ist die gesamtwirtschaftliche Nachfrage die entscheidende Größe für die erwerbsbezogene Beschäftigung. Durch finanz-, fiskal- und sozialpolitische Eingriffe des Staates und die Nachfrage der öffentlichen Hand können nach Keynes Krisen auf dem Arbeitsmarkt abgemildert oder sogar verhindert werden. John Kenneth Galbraith vertritt die Auffassung, dass die stillschweigende Bereitschaft der Marktteilnehmer, sich mit dem Grenznutzen der Güter abzufinden, in der Verkürzung der Arbeitszeit[37] sichtbar wird. „Innerhalb des 20. Jahrhunderts ist – bei steigenden Löhnen – die Arbeitszeit auf rund die Hälfte der Wochenstunden geschrumpft[38]. In der Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftspolitik, die sich auf die Arbeit in der Marktwirtschaft beziehen, konkurrieren heute Theorien des Keynesianismus (vgl. u. a. John Kenneth Galbraith, Gunnar Myrdal, Paul A. Samuelson und Joseph E. Stiglitz) mit neoliberalen und marktradikalen Theorien (vgl. u. a. Walter Eucken, Friedrich August von Hayek, Milton Friedman, José Piñera oder Hans-Werner Sinn).

Die Theorien und Modelle staatlicher Planwirtschaft[39] werden seit dem ökonomischen Zusammenbruch des Realsozialismus um das Jahr 1990 in der Volkswirtschaftslehre als historisch überholt angesehen. Wissenschaftliche und politische Diskurse über die Arbeit in der Planwirtschaft finden im 21. Jahrhundert im Wesentlichen nur noch mit Blick auf die kommunistisch geführten Wirtschaftssysteme in Vietnam oder China statt.[40]

Auffällig in der Volkswirtschaftslehre insgesamt ist, dass in allen Theorien und Modellen die Arbeit hauptsächlich in ihrer abstrakten Wertform analysiert wird, Prozesse der konkreten lebendigen Arbeit dagegen weniger wissenschaftliche Beachtung finden.

Betriebswirtschaftslehre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgehend von den Kameralwissenschaften im frühen 19. Jahrhundert – eine Verbindung der Handlungswissenschaft[41] und der Politischen Ökonomie mit den Rechts- und Staatswissenschaften – entwickelt sich gleichzeitig mit der Volkswirtschaftslehre die Betriebswirtschaftslehre. „Erkenntnisobjekt dieser Wissenschaft ist bis heute primär die einzelwirtschaftliche Entscheidungseinheit Betrieb mit allen seinen wirtschaftlichen Vorgängen.“[42] Die Betriebswirtschaftslehre analysiert und modelliert die Prozesse innerbetrieblicher Arbeits- und Handlungssysteme, wobei die Arbeit – anders als in der abstrakteren Volkswirtschaftslehre – in ihrer konkreten und abstrakten Form untersucht wird. Die Arbeitskosten, das heißt die Tauschwerte der abstrakten Arbeit in Form von Löhnen und Gehältern, werden im Rahmen des Rechnungswesens, der Betriebsbuchhaltung und der Kostenrechnung geplant, erfasst und analysiert. Die Betriebsorganisation untersucht die funktions- oder prozessorientierte Aufbau- und Ablauforganisation und fasst damit auch die konkrete Arbeit im Rahmen der Speziellen Betriebswirtschaftslehre näher ins Auge. (Vgl. Eugen Schmalenbach, Heinrich Nicklisch, Erich Gutenberg, Erich Kosiol, Hans Ulrich, Jürgen Weber u. a.) Aus der Verbindung der Speziellen Betriebswirtschaftslehre mit den Ingenieurwissenschaften und den Anfängen der Arbeitsmedizin entstehen im 20. Jahrhundert die Fachgebiete der Arbeitswissenschaft.

Entwicklung der Arbeitswissenschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende des 19. Jahrhunderts beginnt die Entwicklung der interdisziplinären Arbeitswissenschaft mit verschiedenen Schwerpunkten, wie Arbeitsgestaltung, Arbeitsbewertung, Zeitwirtschaft, technologische Arbeitsvorbereitung oder Managementlehre. Als Begründer der Arbeitswissenschaft wird Frederick Winslow Taylor angesehen, dessen Prinzipien der wissenschaftlichen Betriebsführung im 20. Jahrhundert (und teilweise bis heute) für die Gestaltung der Erwerbsarbeit maßgebend sind. Außer den betriebswirtschaftlich-technologischen Prinzipien Taylors werden auch die physischen und psychischen Belastungen der Fabrikarbeit und deren Auswirkungen auf die Gesundheit[43], Leistungsfähigkeit und Einsatzbereitschaft der Beschäftigten als Problemfelder der Betriebsführung in Industriebetrieben erkannt und untersucht. Ein Beispiel dazu sind die 1890 von Emil Kraepelin durchgeführten Laboratoriumsversuche zur „Hygiene der Arbeit“, um die Zusammenhänge von Ermüdung und Übung zu erforschen und Leistungsverläufe in Arbeitskurven darzustellen.[44] Die Erkenntnisse der Arbeitsmedizin gehen zusätzlich zu Taylors Prinzipien in die Arbeitswissenschaft ein und werden bis Mitte des 20. Jahrhunderts wesentliche Elemente der Ergonomie[45], des Arbeitsschutzes und der Arbeitspsychologie bis hin zur Ergotherapie. Der Psychologe Fritz Giese veröffentlicht 1920 den Vortrag Psychotechnik und Taylorsystem[46], in dem er vom Standpunkt der angewandten Psychologie die Prinzipien Taylors kritisch würdigt. Giese gehört in Deutschland während der 1920er Jahre zu den Mitbegründern der Arbeitswissenschaft und beginnt ein mehrbändiges Handbuch der Arbeitswissenschaft herauszugeben. Im Rahmen dieses Kompendiums erscheint 1932 das Buch Philosophie der Arbeit[47], in dem die Arbeit ausgehend von der Wissenschaftslehre der Arbeit unter den Abschnitten Logik, Erkenntnistheorie, Ästhetik, Ethik und Metaphysik philosophisch interpretiert wird.

Die von Taylor propagierte innerbetriebliche Arbeitsteilung ist auch auf die Trennung geistig anspruchsvoller Arbeit von einfachen manuellen Tätigkeiten ausgerichtet. Aufbauend auf die Arbeitsteilung nach dem Babbage-Prinzip gerät sie unter dem Begriff Taylorismus in die Kritik. Im Taylorismus sieht der Sozialpsychologe Kurt Lewin 1920 „eine Entwürdigung der Arbeit durch ins Extrem getriebene Arbeitsteilung ohne Rücksicht auf die Seele des Arbeitenden, kurz einen Verbrauch des Arbeiters im Dienste der Produktion gemäß den für Maschinen geltenden Abnützungs- und Amortisationsberechnungen.“[48] Der Psychologe Willy Hellpach entwickelt 1922 im Rahmen einer »Gruppenfabrikation« ein Konzept der ganzheitlichen Aufgabenwahrnehmung als Einheit von „Planen, Ausführen und Kontrollieren“. Hellpach erkennt in der Gruppenarbeit eine Form der Arbeitsorganisation, „die der Atomisierung und Sinnentleerung der Fabrikarbeit entgegenwirkt“.[49] In den USA initiiert Elton Mayo ab Mitte der 1920er Jahre die Hawthorne-Arbeitstudien. Mit den Untersuchungen in Hawthorne weist Mayo nach, dass nicht Lohnanreize, Arbeitszeiten, Ruhepausen oder Arbeitsplatzausstattungen längerfristig für die Arbeitsleistung maßgeblich sind, sondern primär die Beziehungen in der Arbeitsgruppe. Damit begründet er die Human relations Richtung, die seit den 1950er Jahren grundlegend ist für die Organisationsentwicklung. Bis Ende des 20. Jahrhunderts können sich Konzepte der Gruppenarbeit in der Industrie nur begrenzt gegen die vom Taylorismus geprägte Fließbandfertigung durchsetzen. Der Philosoph Georges Friedmann konstatiert 1953 eine „weltweite Tendenz des Verfalls ganzheitlicher Berufe“ und einen zunehmenden „Bedarf der Industrie an immer vollkommeneren Maschinen“[50], was zur Automatisierung der in der Fließfertigung systematisch verknüpften Arbeitsvorgänge führt. Letztlich befreit die Automatisierung den Menschen von der Durchführung immer wiederkehrender gleichartiger geistiger oder manueller Verrichtungen und löst ihn aus der zeitlichen Bindung an den Rhythmus der technischen Einrichtung.[51]

Aufhebung des Arbeitsbegriffs seit Mitte des 20. Jahrhunderts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den wissenschaftlichen Theorien und lebensweltlichen Anschauungen der Menschen erscheint die Arbeit in der Industriegesellschaft des 20. Jahrhunderts primär als erwerbsbezogene, arbeitsteilig verkürzte Tätigkeit vereinzelter Arbeitspersonen. Diese reduktionistische Auffassung von Arbeit führt zu der philosophischen Frage, in welchem Verhältnis dazu soziale Interaktion und Kommunikation zu sehen sind. Bedeutende Philosophen des 20. Jahrhunderts, wie Karl Popper, Max Horkheimer, Theodor W. Adorno oder Jürgen Habermas kritisieren mit unterschiedlichen Intentionen die „alles begründende“ evolutionäre Rolle der Arbeit bei Marx und Engels und erkennen darin eine vermeintliche Fortführung der „Philosophie Hegels“.[52] Das aus dem Marxschen Arbeitsbegriff resultierende Produktionsparadigma[53] zur Herleitung anthropologischer und soziologischer Zusammenhänge wird in soziologischen und systemtheoretischen Diskursen vielfach als zu kollektivistisch[54] und zu holistisch[55][56] verworfen. Karl Popper bezeichnet Marx als „methodologischen Kollektivisten“, der „glaubt, dass es das ‚System der ökonomischen Bedingungen‘ als solches ist, das die unerwünschten Konsequenzen[57] herbeiführt – ein System von Institutionen, das nur durch seine Abhängigkeit von den Produktionsmitteln erklärt werden, aber nicht auf die einzelnen Individuen, ihre Beziehungen und Handlungen zurückgeführt werden kann.“[58]

Hannah Arendt führt Mitte des 20. Jahrhunderts den Begriff Arbeitsgesellschaft ein.[59] Sie sieht die Arbeit als Zwang zur Erhaltung des Lebens, dem der Mensch von der Geburt bis zum Tod ständig unterliegt. In ihrem Werk „Vita activa oder Vom tätigen Leben“ unterscheidet Arendt drei Tätigkeiten: Arbeiten, Herstellen und Handeln. Ohne Geräte und Werkzeuge, die der Mensch herstellt, „um die Arbeit zu erleichtern und die Arbeitszeit zu verkürzen, könnte auch menschliches Leben nichts sein als Mühe und Arbeit.“[60] Das „Animal laborans“ ist dasjenige Wesen, das nur arbeitet. Für das Animal laborans ist es „wie ein Wunder, daß es als Mensch auch und zugleich ein Wesen ist, das eine Welt kennt und bewohnt; vom Standpunkt des Homo fabers ist es wie ein Wunder, wie eine Offenbarung eines Göttlichen, daß es in dieser von ihm hergestellten Welt so etwas wie Sinn geben soll.“[61]

Für Arendt stellen das Handeln und Sprechen die „höchsten und menschlichsten Tätigkeiten der Vita activa“ dar.[60] Gemäß den Prinzipien des zu ihrer Zeit vorherrschenden Taylorismus subsumiert sie unter dem Arbeitsbegriff nur einfache erwerbsbezogene Verrichtungen, die durch das interaktive, kommunikative Handeln der Menschen dominiert und gesellschaftlich vermittelt werden. Durch die begriffliche Reduktion der Arbeit auf Tätigkeiten vereinzelter Individuen, weitgehend abstrahiert von der gesellschaftlich notwendigen Organisation und Kommunikation in Arbeitsprozessen, wird unwillkürlich die Entfremdung der Arbeit aufgedeckt.[62] Dazu schreibt Arendt: „(In) ihrem letzten Stadium verwandelt sich die Arbeitsgesellschaft in eine Gesellschaft von Jobholdern, und diese verlangt von denen, die ihr zugehören, kaum mehr als ein automatisches Funktionieren, als sei das Leben des Einzelnen bereits völlig untergetaucht in den Strom des Lebensprozesses, der die Gattung beherrscht, und als bestehe die einzige aktive, individuelle Entscheidung nur noch darin, sich selbst gleichsam loszulassen, seine Individualität aufzugeben, bzw. die Empfindungen zu betäuben, welche noch die Mühe und Not des Lebens registrieren, um dann völlig „beruhigt“ desto besser und reibungsloser „funktionieren“ zu können.“[63]

Jürgen Habermas setzt sich 1968 in seinem Werk Technik und Wissenschaft als „Ideologie“ mit Hegels „Jenenser Philosophie des Geistes“ auseinander.[64] Darin formuliert Habermas die seiner Ansicht nach noch offene philosophische Frage zum Verhältnis von »Arbeit und Interaktion«. Er beantwortet diese Frage 1981 in seinem Hauptwerk „Theorie des kommunikativen Handelns“ zugunsten des „Kommunikationsparadigmas“. Danach wird er zum Haupterben der Kritischen Theorie und „Philosophie der Praxis“. „Entwürfe einer modernen Praxisphilosophie, die am Produktionsparadigma festhalten, geraten seither in den Verdacht veraltet bzw. durch die „Theorie des kommunikativen Handelns“ überwunden zu sein.“.[62] Die fragwürdige Trennung[65] von „Arbeit und Interaktion“ bzw. „Produktion und Kommunikation“ und die a priori Setzung der Kommunikationsbeziehungen löst nur scheinbar ein philosophisches Henne-Ei-Problem: Sprechen Menschen in Arbeits- und Handlungssystemen miteinander, weil sie gemeinsam arbeiten, oder arbeiten sie gemeinsam, weil sie miteinander sprechen wollen? Habermas und Arendt reduzieren den Arbeitsbegriff mehr oder weniger auf instrumentelles Handeln bzw. praktische Tätigkeiten, deren sinnvolle Ausführung nur im Rahmen vorherrschender Kommunikationsprozesse denkbar ist.

Auch die Praxisphilosophie des Philosophen Helmut Seidel, die man als eine historisch-materialistische Identitätsphilosophie[62] bezeichnen kann, bewegt sich im Spannungsfeld von Arbeit und dialogischer Interaktion. Als gleichaltriger Zeitgenosse von Jürgen Habermas „geht [er] davon aus, dass die vernünftige Reproduktion eines humanen Daseins von der Arbeit im Sinne der grundlegenden, elementaren Tätigkeitsform des Menschen, dem bewussten Handeln, abhängig ist, und dass die formale, abstrakte Arbeit als elementare Gattungstätigkeit jedes einzelnen, als einfachste und allen gemeinsame Lebenstätigkeit ein sinnvolles und anerkanntes Dasein des Menschen erst ermöglicht.“[62] Wilhelm Schmid kommt als Philosoph der Lebenskunst in einem Vortrag über Work-Life-Balance 2012 unter individualistischeren Prämissen zu ähnlichen Schlussfolgerungen: „Arbeit ist all das, was ich in Bezug auf mich und mein Leben leiste, um ein schönes und bejahenswertes Leben führen zu können. […] Erstrebenswert erscheint jedoch, in jeder Arbeit ‚Fülle‘ und ‚Erfüllung‘ erfahren zu können, aufgrund der vielfältigen Vernetzung mit Anderen, nicht allein für sich sein zu müssen, sondern ‚unter Menschen sein‘ zu können; aufgrund der Vielzahl von Erfahrungen, die den Spielraum des Selbst erheblich erweitern; aufgrund von Herausforderungen, die gesucht und angenommen werden, in denen das Selbst wachsen und sich um Exzellenz bemühen kann.“[66]

Im Buch Die Alternative[67] schreibt Rudolf Bahro 1977 zum Verhältnis von Arbeit und Kommunikation: „Der größte Teil […] der geistigen Arbeit resultiert aus der technischen Arbeitsteilung innerhalb der Produktion und der Informationsverarbeitung. Die organisatorische Beherrschung arbeitsteiliger Kooperation ist von Anfang an ein Informationsproblem […], das als Verhältnis von Personen in Erscheinung tritt. Die Hierarchie der Arbeitsleitung drückt institutionell die Hierarchie der informationellen Kopplungen aus […]. Herrschaft, Ausbeutung und Entfremdung sind Begriffe, deren Realgehalt gerade vor diesem allgemeinen Hintergrund ein und derselbe ist […]. Gegenwärtig geht es um die entscheidende vertikale Arbeitsteilung, um die Tendenz zur Polarisierung […] in einen stofflich-energetischen und einen ihm steuernd und regelnd übergeordneten informationellen Prozeß.“[68] Bahro vermutet in der Überwindung der »vertikalen Arbeitsteilung« einen Weg, um allen Menschen eine gerechte Mitwirkung und Teilhabe in ihren Arbeits- und Handlungssystemen zu ermöglichen.

Der Ethnologe Gerd Spittler veröffentlicht 2016 das Buch Anthropologie der Arbeit, um darin die wesentlichen Elemente von Arbeit zu identifizieren, „die sich überall und zu allen Zeiten finden und unterschiedlich kombiniert werden.“[35] Er erwähnt darin Diskussionen, die Soziologen seit Anfang der 1990er Jahre darüber führen, dass in der nachindustriellen Dienstleistungsgesellschaft eine Vermischung von Arbeits- und Lebenswelt zu beobachten ist. „Es ist die Rede von […] Entgrenzung der Arbeit, von subjektivierter Arbeit[69], von Work-Life-Balance, von arbeitenden Kunden usw. Im Gegensatz zu diesen Debatten“ geht Spittler „davon aus, dass die Arbeitswelt immer ein Teil der Lebenswelt ist und ihr nicht dichotomisch gegenüber steht.[70] Sie ist niemals völlig aus anderen sozialen Bezügen losgelöst. […] Wie sie sich als besondere Welt innerhalb der Lebenswelt konstituiert, ist ein faszinierendes Thema, das losgelöst von dichotomischen Paradigmen behandelt werden muss. […] Entgegen der Vorstellung von Habermas, der Arbeit in allen Gesellschaften kategorial als instrumentelles Handeln bestimmt“, sieht Spittler die Arbeit mit Verweis auf ethnographische Fallstudien immer als Interaktion. Aus Sicht des Ethnologen spricht nichts für die von Habermas postulierte instrumentelle Auffassung von Arbeit oder die Herrschaft der Technik. Vielmehr erweist sich die Arbeit in Spittlers Fallstudien als „Interaktion zwischen eigenständigen Arbeitern, Arbeitsmitteln und Arbeitsgegenständen.“[35]

Unter den zwischen Produktions- und Kommunikationsparadigma changierenden Handlungstheorien gibt es immer wieder philosophische Denkrichtungen, die zur dialektischen Aufhebung von Arbeit im Sinne der bewussten, schöpferischen Auseinandersetzung des Menschen hinführen. Beispiele dafür sind Theorien des Pragmatismus, des Konstruktivismus oder auch der Methodische Kulturalismus[71], der — ausgehend von der alltäglichen Praxis — die Kultur als Ergebnis allen menschlichen Handelns definiert. In Weiterentwicklung des Konstruktivismus der Erlanger Schule von Paul Lorenzen und Wilhelm Kamlah erkennt der Methodische Kulturalismus im lebensweltlichen, vorwissenschaftlichen Handeln der Menschen die primäre Grundlage und den Ausgangspunkt für Wissenschaft und Kultur. Nach der von Alfred North Whitehead in seinem Werk Prozess und Realität entwickelten Prozessphilosophie, die seit Ende des 20. Jahrhunderts vermehrt rezipiert wird,[72] kann der Begriff Arbeit als »extensive Abstraktion« und als »Symbol« für die ständige Wiederholung der »elementaren Ereignisse« gelten, die die Kreativität der menschlichen Gesellschaft in ihrer arbeits- und damit auch lebensweltlichen Ausformung bestimmen.[73] Diese Auffassung des Arbeitsbegriffs stimmt weitgehend mit jener von Karl Marx überein,[23] dessen Theorie, die Arbeit sei grundlegend für den gesellschaftlichen Produktionsprozess, eine zeitgemäße, philosophische Bestätigung erfährt.

Für Kybernetiker[74] und Systemtheoretiker ist „menschliche Arbeit“ ein abstrakter Begriff für die von Menschen bewusst ausgeführten Interaktionen und Handlungen in sozialen und soziotechnischen Systemen, welcher Art auch immer diese Arbeits- und Handlungssysteme sein mögen. Der soziologische Systembegriff geht auf Talcott Parsons zurück, der in Handlungen (Arbeitsprozessen) die konstitutiven Elemente sozialer Systeme erkannt hat.[75] Abweichend davon sieht Niklas Luhmann in den Kommunikationsbeziehungen die bestimmenden Elemente[56] und hebt diese aus den Handlungen hervor. Mit dieser Auffassung ist Luhmann in der Tendenz idealistisch und leugnet die Tatsache, dass Kommunikationsprozesse als Teil übergeordneter Arbeitsprozesse zwar notwendige, aber keine hinreichenden Voraussetzungen für die Aufrechterhaltung sozialer Systeme sind.

Zunehmend gibt es „technische Systeme“, die mit künstlicher Intelligenz ausgestattet ohne unmittelbares menschliches Eingreifen funktionieren und miteinander kommunizieren. Durch Automation wird die auf Erwerbstätigkeit beruhende Arbeitsgesellschaft mit den für die Menschen ausschlaggebenden „Einkommens-, Teilhabe- und Lebenschancen“[76] in Frage gestellt. Der Arbeitswissenschaftler Eberhard Ulich weist darauf hin, dass schon in den 1970er Jahren Vorschläge erarbeitet wurden, die „Erwerbstätigkeit zu rationieren oder eine »Duale Ökonomie« einzuführen mit bezahlter Erwerbstätigkeit einerseits und gesellschaftlich nützlichen bzw. notwendigen Aktivitäten andererseits.“ Mit der Einführung eines Bürgergeldes könnte (jetzt) tatsächlich die besondere Chance bestehen, unter reflektierter Nutzung der technologischen Möglichkeiten in soziotechnischen Systemen nicht nur inhumane Arbeitsbedingungen zu beseitigen, sondern die Dominanz der Erwerbsarbeit gegenüber sonstiger gesellschaftlich nützlicher Arbeit aufzuheben.[77]

Historischer Aspekt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Menschen setzen die Produktivkräfte ihrer Gesellschaftssysteme in „Arbeitsprozessen“ frei. Sie gestalten diese Prozesse „arbeitsteilig“ nach den Regeln und Gesetzen der Systeme, in denen sie jeweils leben und zusammenarbeiten. Dabei bewegen sie sich in Strukturen, in denen sie die Aneignung und Nutzung der Arbeits-Ressourcen und die Verteilung der Arbeits-Resultate – je nach Kultur oder Staatsform – geordnet haben. Die Marxsche Geschichtsphilosophie misst der vorherrschenden Produktionsweise, das heißt der Ökonomie die prägende Rolle zu. Max Weber geht von der Annahme aus, dass der historische Prozess durch das Zusammenwirken von Herrschaft, Kultur und Ökonomie geprägt wird, wobei der Einfluss epochenspezifisch unterschiedlich stark sein kann. Tendenziell sieht Weber Herrschaft als die dominierende anthropologische Universale.[78] Ungeachtet der unterschiedlichen philosophischen Anschauungen[79] durchdringt und verbindet die Arbeit alle Dimensionen der Lebenswelt[80] und nimmt dabei ihre epochengemäße, historische Form an.

Gemeinschaften der Jäger und Sammler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich entwickelten sich die Arbeits- und Handlungssysteme der anatomisch modernen Menschen (Homo sapiens) innerhalb der Hordengesellschaft. Mit der allmählichen „Aneignung der Natur“ begann der Übergang zum abstrakten Denken in Wechselwirkung mit der sich gleichzeitig herausbildenden Sprache:

„Arbeit zuerst, nach und dann mit ihr die Sprache – das sind die beiden wesentlichen Antriebe, unter deren Einfluß das Gehirn eines Affen in das bei aller Ähnlichkeit weit größere und vollkommnere eines Menschen allmählich übergegangen ist. Mit der Fortbildung des Gehirns ging Hand in Hand die Fortbildung seiner nächsten Werkzeuge, der Sinnesorgane …“

Friedrich Engels: Dialektik der Natur

Die im Paläolithikum in Horden umherstreifenden Menschen, die „bei nomadisierender Lebensweise und vorwiegender Okkupationswirtschaft[81] die notwendigen Nahrungsmittel ausschließlich oder überwiegend durch die gemeinschaftliche Aneignung und Verteilung der Naturreichtümer gewannen, waren auf ihren Beutezügen an die jeweiligen Naturgegebenheiten gebunden. Längerfristige klimatische Entwicklungen, erschöpfte Jagdgründe, Auseinandersetzungen mit anderen Horden u. a. m. zwangen die Menschen, neue Lebensräume zu erkunden. Auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen zogen die Horden weiter und ließen sich in regelmäßig wechselnden, oder auch neu entdeckten Siedlungsgebieten nieder. Über „Jahrhunderttausende“[82] eroberten die Menschen auf der Suche nach Nahrungsmitteln und sonstigen natürlichen Reichtümern neue Lebensräume. Bis zum ausgehenden Jungpaläolithikum hatten diese nomadisierenden Jäger und Sammler im Zeitraum von mehr als 100.000 Jahren mit Ausnahme der Antarktis alle Kontinente besiedelt. Dabei passten sie sich immer wieder den Umweltbedingungen in unterschiedlichen Klimazonen an und entwickelten während dieser Jahrtausende ihre Methoden zur Nutzung der Natur und zur Durchsetzung gemeinschaftlicher Interessen gegen innere und äußere Feinde. Das betraf nicht nur die organisierte Vorbereitung und Durchführung gemeinschaftlicher Unternehmungen, sondern auch die Verwendung des Feuers, die Herstellung und Nutzung neuartiger oder verbesserter Kleidung, Werkzeuge, Jagd- und Kampfwaffen, Vorrats- und Transportbehältnisse oder die Errichtung befestigter Lagerplätze und Behausungen. Im Neolithikum begannen die Jäger- und Sammler sich durch Domestizierung nützlicher Tiere und Pflanzen und Herden begleitende Viehwirtschaft nach und nach auf agrikulturelle Produktionsmethoden umzustellen. Mit zunehmender Differenzierung der Arbeitsprozesse entwickelten sich neue kulturbildende Arbeitsfelder und Traditionen. Die Phänotypen der natürlichen Evolution, die vor allem äußere Merkmale der Menschen variierten, wie z. B. Hautfarbe oder Körperbau, wurden überlagert von kulturellen Variationen der sich herausbildenden Stämme und Völker. Grundlegend war dabei die Entwicklung der Sprachen, die den inneren Zusammenhalt der Gemeinschaften durch Rituale, Kunst und sonstige kommunikative Handlungen und Interaktionen verstärkten, wie zum Beispiel

  • Initiations- und Machtrituale, Bestattungskulte,
  • Freundschafts-, Versöhnungs-, Heiratszeremonien,
  • Heilungs-, Schadens- oder Verdammungszauber,
  • künstlerische Ausdrucksformen, Tanz, Musik, Ornamentik, Bilder, Skulpturen etc.,
  • Erzählungen von Abstammungs-, Jagd-, Kampf- und Überlebensmythen.

In den Stammesgemeinschaften und späteren Hochkulturen entwickelten sich metaphysische Vorstellungen, auf deren Grundlage das Schamanen- und Priestertum religiöse Kulte in die schöpferische Auseinandersetzung des Menschen einführte.

Agrargesellschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lebensweise der Menschen beruhte solange auf „aneignenden Produktionszweigen“[82] bzw. Okkupationswirtschaft, bis es den Menschen durch die Entwicklung und Anwendung agrikultureller Produktionsmethoden gelang, die Natur nach und nach ihren Lebensbedürfnissen anzupassen und die notwendigen Lebensmittel in festen Siedlungsgebieten ausreichend selbst zu erzeugen.[83] Im Zuge der „Neolithischen Revolution“ entwickelten sich die Arbeits- und Handlungssysteme der Bauern- und Hirtenvölker.

„Diese Revolution, meint Toynbee, bedeutete, dass die Menschheit nicht länger nur ein Schmarotzer der Natur war […] Die Menschen hingen nicht länger von den Unwägbarkeiten der Wanderungen der Tiere und der zufälligen Verteilung der Pflanzen ab, sondern begannen die Nahrung zu produzieren, anstatt sie einfach zu sammeln. Produzieren bedeutet Planung, Vorsorge, und Selbstbeherrschung, das Planen von Ernten […] weit in die Zukunft hinein und den Abschied vom impulsiven Von-Tag-zu Tag-Leben.“

Baden Eunson: Betriebspsychologie. 1990[84]

In der frühen Agrargesellschaft, etwa ab dem 9. Jahrtausend v. u. Z., entwickelte sich wahrscheinlich die Idee des Privateigentums an Grund und Boden sowie an Nutzpflanzen und -tieren, die nach und nach die Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen veränderte. „Die Landwirtschaft erforderte, dass bestimmte Dinge nicht mehr allen gehörten. […] Mit dem Sesshaftwerden wurde eines der fundamentalen Gesetze menschlichen Zusammenlebens ausgehebelt, eines, das eine halbe Ewigkeit lang ein alltägliches Gebot gewesen war: Nahrung muss geteilt werden! Die Idee des Eigentums unterläuft die urmenschliche Solidarität. […] Weil es den Jägern und Sammlern nicht möglich gewesen war, Vorräte anzulegen, hatten sie in soziale Beziehungen investieren müssen, damit sie Notsituationen mit Hilfe gegenseitiger Unterstützung überleben konnten. Kooperation war alles gewesen, Solidarität eine Lebensversicherung. Das kehrte sich jetzt um: Die Privatisierung der Ressourcen machte die Bauern von den Nachbarn unabhängig.“[85]

Infolge der zunehmend ortsfesten Produktion entstanden Dorfgemeinschaften. Neue Methoden der Bodenbewirtschaftung und Viehhaltung führten zu Nahrungsmittelüberschüssen, sodass spezialisierte Arbeiter beschäftigt und ernährt werden konnten. Diese erzeugten wiederum Produkte, die nicht für den sofortigen Verbrauch bestimmt waren. Neben handwerklichen Bereichen in der Nahrungsmittelveredlung, der Holz- und Steinbearbeitung, der Metallgewinnung, der Textil-, Keramik-, Werkzeug- und Waffenherstellung etc. entstanden sekundäre Arbeitssysteme, wie die des Handels[86] (Tausch, Transport, Lagerung), der Kommunikation (Schreib-, Botendienste), der Gefahrenabwehr (Militär- und Wachdienste), der Bildung und Kultur, der Organisation, Administration und Herrschaft. Die Zentralisierung der Handels-, Kultur-, Schutz- und Administrationsfunktionen führte zur Urbanisierung und Herausbildung der Politik. Mit fortschreitender Arbeitsteilung entwickelten sich Ständegesellschaften und mit der Konzentration der Schutz- und Herrschaftsfunktionen Staatsformen, die das soziale Leben bis in die Gegenwart bestimmen. Die agrikulturelle Revolution änderte die Arbeits- und Lebensweise der Menschen radikal. „Es brauchte Tausende von Jahren, bis die neuen Techniken und Wertesysteme dieser Revolution alle Teile des Erdballs durchdrungen hatten.“[84]

Industriegesellschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur Renaissance waren in Europa die agrikulturellen und handwerklichen Produktionsmethoden, wie sie sich im Verlauf des Mittelalters entfaltet hatten, vorherrschend. Die schon in der Agrargesellschaft angelegte Ständeordnung trug wesentlich dazu bei, dass zwischen niederwertiger und höherwertiger Arbeit unterschieden wurde – ein Begriffsverständnis, das sich bis heute erhalten hat.[87] Ausgehend von Norditalien, England und Frankreich begann im 17. Jahrhundert die Zergliederung und Verfeinerung handwerklicher Tätigkeiten in Manufakturen. In der Landwirtschaft entwickelten sich auf Basis des Großgrundbesitzes neue, arbeitsteiligere Produktionsmethoden. Die Lohnarbeit wurde zur bestimmenden Lebensgrundlage der Manufaktur- und Landarbeiter und deren Familien. Im späten 18. Jahrhundert kam es zu einer Welle gravierender soziotechnischer Durchbrüche. Erfindungen, wie der mechanische Webstuhl, die Dampfmaschine oder das Puddelverfahren zur Stahlherstellung lösten in Europa die industrielle Revolution aus. Sie ist bis ins späte 19. Jahrhundert hauptsächlich gekennzeichnet durch:

  1. den Ersatz tierischer Kraft durch unbelebte (insbesondere Wasser- und Dampfkraft);
  2. den Ersatz menschlicher Fertigkeit und Kraft durch Maschinen;
  3. die Erfindung und Einführung neuer Methoden zur Ur- und Umformung von Materie (Eisen, Stahl, industrielle Chemikalien);
  4. die Organisierung von Arbeit in großen, zentral mit Kraft versorgten Fabriken, was die unmittelbare Kontrolle der Produktionsprozesse und eine effizientere Arbeitsteilung erlaubte.[84]

Wirtschaftshistoriker bezeichnen diese Periode der Industrialisierung auch als die erste industrielle Revolution. Technische Neuerungen im späten 19. Jahrhundert, wie die Kohle-, Farben- und Düngemittelchemie, der Verbrennungsmotor, das Automobil, Erdölprodukte, Elektrotechnik, Telegrafie, Fernsprechtechnik, Fotografie u. a. m., leiteten die zweite industrielle Revolution ein. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts sorgten betriebswirtschaftliche Innovationen, für die hier stellvertretend F. W. Taylor und Henry Ford stehen, für arbeitsorganisatorische Entwicklungen, die in den Fabriken zu zeit- und ablaufoptimierten Arbeitsbereichen führten. Es entstanden dabei viele Arbeitsplätze, an denen in monotoner Abfolge immer wieder die gleichen, einfachen Handgriffe zu erledigen waren. Mitte des 20. Jahrhunderts begann die dritte industrielle Revolution mit weiteren Innovationen, wie Mechanisierung der Landwirtschaft, Leichtmetall- und Kunststofftechnik, Elektronik, Computertechnik, Nanotechnik, Atomphysik, Weltraumforschung etc. Im Zuge der fortschreitenden Automatisierung und CIM-Technologien begann der Abbau der Arbeitsplätze, die vom Taylorismus geprägt nur einfachste, mental anforderungsarme Tätigkeiten beinhalten. Mit der zunehmenden Nutzung des Internets in den globalisierten Arbeits- und Handlungssystemen des 21. Jahrhunderts ist die vierte industrielle Revolution eingeleitet, für die in Deutschland die Begriffe Industrie 4.0 und Arbeit 4.0 stehen. „Welche Terminologie man auch immer benutzt, es ist offensichtlich, dass das Tempo historischer Veränderungen zunimmt. Während die agrikulturelle Revolution Tausende von Jahren benötigte, um sich über den Erdball auszubreiten, brauchten die industriellen Revolutionen nur wenige Jahrhunderte oder Jahrzehnte, um ähnliche Veränderungen zu bewirken.“[84]

Gegenwart und Zukunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der heutigen Lebenswelt existieren immer noch vielfältige Formen der »ursprünglichen Okkupationswirtschaft«[88], der »agrikulturellen Subsistenzwirtschaft« und der entwickelten »industriellen Marktwirtschaft« weltweit nebeneinander. Diesen Zustand analysiert Immanuel Wallerstein unter dem Aspekt der internationalen Arbeitsteilung und Machtverhältnisse im Rahmen der Weltsystem-Theorie[89]. Die gesellschaftliche Arbeitsteilung beschleunigt sich national und global immer weiter, was an den zunehmenden weltwirtschaftlichen Verflechtungen und der fortschreitenden Auffächerung spezialisierter und kombinierter Wissenschaftsdisziplinen und qualifizierter Ausbildungsberufe gut zu beobachten ist. Mit den daraus entstandenen kulturellen und technischen Entwicklungen ist es den Menschen nicht nur gelungen, sich durch Arbeit in der Natur zu behaupten, sondern die Produktivität dermaßen zu steigern, dass aus dem Wachstum eine ernste Gefahr für den weiteren Bestand der Menschheit geworden ist. Dieser Aspekt der Arbeit rückt seit Mitte des 20. Jahrhunderts ins Bewusstsein der Menschen, die die ökologischen Grenzen des Wachstums erforschen und einhalten wollen.[90]

Der Mensch setzt in Arbeitsprozessen – je nach Können und Vermögen – außer seiner Arbeitskraft die leistungsstärkste, neueste Technik ein, um die Qualität und Produktivität seiner Arbeit sicherzustellen oder zu steigern. Je technisierter und vernetzter die Arbeitsmittel in soziotechnischen Systemen jedoch sind, umso weniger menschliche Arbeitskraft wird in den Arbeitsprozessen anteilig benötigt. Dadurch entsteht Arbeitslosigkeit. Objektiv gesehen sind Menschen auch in Lebenslagen der so genannten Arbeitslosigkeit nicht arbeitslos, sondern »erwerbslos«. Unter marktwirtschaftlichen Bedingungen gibt es immer wieder strukturelle Gründe[91] für krisenhafte „erwerbsbezogene Arbeitslosigkeit“, in der ein Teil der Bevölkerung von der Erwerbsarbeit ausgegrenzt ist. Hannah Arendt formulierte schon 1958 folgende These:

„Was uns bevorsteht, ist die Aussicht auf eine Arbeitsgesellschaft, der die Arbeit ausgegangen ist, also die einzige Tätigkeit, auf die sie sich noch versteht. Was könnte verhängnisvoller sein?“

Hannah Arendt: Vita activa oder Vom tätigen Leben

Im Industriezeitalter wurden Organisationsformen entwickelt, um die Aneignung und Nutzung der Arbeits-Ressourcen und die Verteilung der Arbeits-Resultate in institutionalisierten Arbeitskämpfen[92] sozial gerechter und volkswirtschaftlich effektiver zu gestalten. Die Geschichte der Arbeitskämpfe zeigt, dass die Reduzierung[93] der Arbeitszeit, die Einführung „beschäftigungsorientierter Arbeitszeitmodelle“[94] und sozial ausgewogene, arbeitsrechtlich kontrollierte Tarifverträge probate Mittel zur Umverteilung der Erwerbsarbeit, zur Überwindung von Massen-Arbeitslosigkeit und zu »Guter Arbeit« sind. Außerdem gilt es noch brachliegende oder neue Felder der Erwerbsarbeit für die Gesellschaft zu erschließen, zum Beispiel im Erziehungs-, Bildungs- und Gesundheitswesen, in Wissenschaft und Forschung oder in der Umwelttechnik. Im internationalen Rahmen bietet auch die Eroberung des Weltraums ein großes Arbeitsfeld, um extraterrestrische Ressourcen zu erkunden und zu nutzen. Noch unter dem Eindruck der Finanzkrise ab 2007 stellt Joseph Stiglitz die rhetorische Frage, „wie können wir in dieser Situation Arbeitsplätze schaffen?“ Seine Antwort: „Die beste Lösung besteht darin, die Chance der extrem niedrigen langfristigen Zinsen[95] zu nutzen, um jene langfristigen Investitionen in Infrastruktur, Technologie und Bildung vorzunehmen, die das Land so dringend braucht.[96]

Schlussendlich gilt für die philosophische „Kategorie Arbeit“, was Karl Popper in „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ intendierte: Selbstbestimmt und eigenverantwortlich handelnde Menschen in einer demokratisch verfassten Gesellschaft sind eine Grundbedingung für die „bewusste schöpferische Auseinandersetzung“. Sklaven, Zwangsarbeiter oder im Kadavergehorsam verhaftete Soldaten nehmen im Rahmen von Aufträgen oder Befehlen[97] die Rolle fremdbestimmter Arbeitsmittel und Waffen ein, die ihren Macht- und Befehlshabern mit Körperkraft und Intelligenz nützliche Dienste erweisen.[98] Die Hypothese, der Mensch könne sich irgendwann von der Arbeit befreien und ohne „bewusste schöpferische Auseinandersetzung“ selbstbestimmt leben, also leben ohne zu arbeiten, kann im Popperschen Sinne als hinreichend falsifiziert gesehen werden.

Gute Arbeit – ein Menschenrecht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die fortschreitende Automatisierung der Arbeitsprozesse in den hochentwickelten Volkswirtschaften und die internationale Arbeitsteilung führen weltweit zu einem Verfall der Arbeitskraftnachfrage. In der Tendenz bewirken die Marktgesetze, dass durch den technischen Fortschritt die Quantität der »entfremdeten Arbeit« bzw. Lohnarbeit abnimmt und die erwerbsbezogene Arbeitslosigkeit steigt. Nach Auffassung des Kulturanthropologen David Graeber wird diese Entwicklung in der postindustriellen Dienstleistungsgesellschaft zum Teil dadurch kompensiert, dass staatliche und privatwirtschaftliche Institutionen vermehrt Beschäftigungsverhältnisse generieren und fördern, die er unter dem Begriff »Bullshit Jobs« zusammenfasst.[99] Menschen in »Bullshit Jobs« werden oft unter Berücksichtigung ihrer Fähigkeiten und Wahrung des augenscheinlichen sozialen Status[100] beschäftigt und per Einkommen finanziell »alimentiert«. Ihre Tätigkeiten selbst führen zu keinen sinnvollen Resultaten, sodass »Bullshit Jobs« die alimentierten Jobber demoralisieren und den sozialen Zusammenhalt in betroffenen Handlungsgemeinschaften zersetzen. Arbeitslose und Bullshit-Jobber fühlen sich ungeachtet ihres sozialen Rankings oft unnütz. In Anlehnung an ein Zitat Ernst Blochs kann hier das Resümee gezogen werden: Der Bullshit-Jobber wie der Arbeitslose „halten sich auf verschiedene Weise in der Unerträglichkeit des hohlen Existierens auf, gestört und nicht mit sich in Ordnung.“[34]

Eine der wichtigsten Aufgaben der »Staaten« im Rahmen der Sozialen Marktwirtschaft ist es die gesellschaftlichen Arbeitsbedingungen mittels wirtschafts-, finanz- und sozialpolitischer Maßnahmen so zu gestalten, dass aus Erwerbslosigkeit und verdeckter Arbeitslosigkeit keine gesellschaftsgefährdenden Krisen entstehen.[101] »Staaten« deshalb, weil im Weltwirtschaftssystem ein einzelner Staat Arbeitnehmerrechte und soziale Standards im Sinne guter Arbeit nur (sehr) begrenzt durchsetzen und kontrollieren kann.[102] Papst Johannes Paul II. äußerte sich zur gerechten Verteilung der Arbeit[103] auf seiner zweiten Deutschlandreise 1987 beim Besuch des Bergwerks Prosper-Haniel:

„Unverschuldete Arbeitslosigkeit wird zum gesellschaftlichen Skandal, wenn die zur Verfügung stehende Arbeit nicht gerecht verteilt und der Ertrag der Arbeit nicht dazu verwandt wird, neue Arbeit für möglichst alle zu schaffen.“

Johannes Paul II.

Arno Anzenbacher schreibt über das „Recht auf Arbeit“ und die Würde des Menschen[104], die laut Artikel 1 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland unantastbar sein soll:

„Aber Arbeit hat auch personale Bedeutung, da sie zur Selbstverwirklichung und zur sozialen Integration beiträgt. Die Würde der Person fordert insofern Subjektstellung und Humanisierung der Arbeit. Aus dem Stellenwert der Arbeit in der Selbstverwirklichung der Person ergibt sich das Recht auf Arbeit als Menschenrechtsmaterie.“

Arno Anzenbacher, Einführung in die Philosophie, 2002

In der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ ist das „Recht auf Arbeit“ im Artikel 23 erklärt.

  1. Jeder hat das Recht auf Arbeit, auf freie Berufswahl, auf gerechte und befriedigende Arbeitsbedingungen sowie auf Schutz vor Arbeitslosigkeit.
  2. Jeder, ohne Unterschied, hat das Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit.
  3. Jeder, der arbeitet, hat das Recht auf gerechte und befriedigende Entlohnung, die ihm und seiner Familie eine der menschlichen Würde entsprechende Existenz sichert, gegebenenfalls ergänzt durch andere soziale Schutzmaßnahmen.
  4. Jeder hat das Recht, zum Schutze seiner Interessen Gewerkschaften zu bilden und solchen beizutreten.

In der sächsischen Verfassung ist das „Recht auf Arbeit“ im Artikel 7 Menschenwürdiges Dasein als Staatsziel ebenfalls verankert.

  1. Das Land erkennt das Recht eines jeden Menschen auf ein menschenwürdiges Dasein, insbesondere auf Arbeit, auf angemessenen Wohnraum, auf angemessenen Lebensunterhalt, auf soziale Sicherung und auf Bildung, als Staatsziel an.
  2. Das Land bekennt sich zur Verpflichtung der Gemeinschaft, alte und behinderte Menschen zu unterstützen und auf die Gleichwertigkeit ihrer Lebensbedingungen hinzuwirken.

Das „Recht auf Arbeit“ beinhaltet nicht das „Recht auf einen Arbeitsplatz“.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstausgaben bis Mitte des 20. Jahrhunderts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Engels: Dialektik der Natur. 1873–1886. (darin enthalten Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen.)
  • Friedrich Engels: Die Lage der arbeitenden Klasse in England. Nach eigener Anschauung und authentischen Quellen. Dietz-Verlag, Stuttgart 1892. (Neu herausgegeben von Walter Kumpmann bei DTV, München 1987, ISBN 3-423-06012-3.)
  • Fritz Giese (Hrsg.): Philosophie der Arbeit. (Handbuch der Arbeitswissenschaft, Band X), Carl Marhold Verlagsbuchhandlung, Halle an der Saale 1932.
  • Karl Marx: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie.
    • Band I: Der Produktionsprocess des Kapitals. Verlag von Otto Meissner, Hamburg 1867.
    • Band II: Der Cirkulationsprocess des Kapitals. (Herausgegeben von Friedrich Engels), Verlag von Otto Meissner, Hamburg 1885.
    • Band III: Der Gesammtprocess der kapitalistischen Produktion, Kapitel I bis XXVIII. (Herausgegeben von Friedrich Engels), Verlag von Otto Meissner, Hamburg 1894.
  • Max Scheler: Die Stellung des Menschen im Kosmos., 1928.
    • Erkenntnis und Arbeit. Eine Studie über Wert und Grenzen des pragmatischen Motivs in der Erkenntnis der Welt. Klostermann, Frankfurt 1977.
  • Adam Smith: Der Wohlstand der Nationen : eine Untersuchung seiner Natur und seiner Ursachen. Aus d. Engl. übertr. u. mit einer Würdigung von Horst Claus Recktenwald. [Neu aus d. Engl. übertr. nach d. 5. Aufl., London (1776) 1789] Beck, München 1974, ISBN 978-3-406-05393-1. (Zahlreiche Neuauflagen)
  • Max Weber: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus, Vollständige Ausgabe. (Verfasst 1904/05, herausgegeben und eingeleitet von Dirk Kaesler), 3. durchgesehene Auflage, Beck, München 2010, ISBN 3-406-51133-3.

Erstausgaben seit Mitte des 20. Jahrhunderts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Günther Anders: Die Antiquiertheit des Menschen: Über die Zerstörung des Lebens im Zeitalter der dritten industriellen Revolution. Verlag C.H. Beck 1980, ISBN 3-406-47645-7.
  • Hannah Arendt: Vita activa oder Vom tätigen Leben. München 2002, ISBN 978-3-492-23623-2.
  • Michael S. Aßländer, Bernd Wagner (Hrsg.): Philosophie der Arbeit. Texte von der Antike bis zur Gegenwart. suhrkamp taschenbuch wissenschaft, Berlin 2017, ISBN 978-3-518-29801-5.
  • Dirk Baecker (Hrsg.): Archäologie der Arbeit. Kadmos, Berlin 2002.
  • Josette Baer, Wolfgang Rother (Hrsg.): Arbeit. Philosophische, juristische und kulturwissenschaftliche Studien. Schwabe, Basel 2014, ISBN 978-3-7965-3336-5.
  • Alexander Barzel: Der Begriff „Arbeit“ in der Philosophie der Gegenwart. Lang, Frankfurt 1973, ISBN 3-261-00824-5.
  • Maxi Berger: Arbeit, Selbstbewusstsein und Selbstbestimmung bei Hegel. Reihe Hegel-Jahrbuch/Sonderband 1, Akademie Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-05-006036-1
  • Jan Robert Bloch: Natur und Arbeit: Zur Bestimmung ihrer Vermittlung Beltz Verlag, Weinheim 1982, ISBN 3-407-69124-6.
  • Norbert Blüm: Ehrliche Arbeit. Ein Angriff auf den Finanzkapitalismus und seine Raffgier. Gütersloher Verlagshaus 2011, ISBN 978-3-579-06746-9.
  • Heinz-J. Bontrup: Arbeit, Kapital und Staat. Plädoyer für eine demokratische Wirtschaft. 2. Auflage. PapyRossa-Verlag, Köln 2005, ISBN 3-89438-326-7.
  • Manfred Brocker: Arbeit und Eigentum. Der Paradigmenwechsel in der neuzeitlichen Eigentumstheorie. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1992.
  • Peter Damerow (Hrsg.): Arbeit und Philosophie. Symposium über Philosophische Probleme des Arbeitsbegriffs. Germinal, Bochum 1983, ISBN 3-88663-504-X.
  • Thomas Donaldson & Patricia Werhane: Ethical Issues in Business: A Philosophical Approach. Prentice Hall, Upper Saddle River (NJ) 2002.
  • Arne Eggebrecht, Jens Flemming, Gert Meyer, Achatz v. Müller, Alfred Oppolzer, Akoš Paulinyi & Helmuth Schneider: Geschichte der Arbeit. Vom Alten Ägypten bis zur Gegenwart. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1980, ISBN 3-462-01382-3.
  • Georges Friedmann: Zukunft der Arbeit. Bund-Verlag, Köln 1953.
  • Manfred Füllsack: Arbeit. UTB, 2009, ISBN 978-3-8252-3235-1.
  • André Gorz: Arbeit zwischen Misere und Utopie. (aus dem Französischen von Jadja Wolf), Suhrkamp, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-518-41017-2.
  • Wulf D. Hund: Stichwort Arbeit: Vom Banausentum zum travail attractif. Distel Verlag, Heilbronn 1990, ISBN 3-923208-21-9.
  • Jürgen Habermas: Arbeit und Interaktion in Technik und Wissenschaft als „Ideologie“, Frankfurt am Main 1968, ISBN 3-518-10287-7.
  • Wieland Jäger & Kurt Röttgers (Hrsg.): Sinn von Arbeit. Soziologische und wirtschaftsphilosophische Betrachtungen. VS Verlag, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-531-15375-9.
  • Angelika Krebs: Arbeit und Liebe. Die philosophischen Grundlagen sozialer Gerechtigkeit. Suhrkamp, Frankfurt 2002.
  • Andrea Komlosy: ARBEIT. Eine globalhistorische Perspektive. 13. bis 21. Jahrhundert. Promedia, Wien 2014, ISBN 978-3-85371-369-3.
  • Ernst Michael Lange: Das Prinzip Arbeit – Drei metakritische Kapitel über Grundbegriffe, Struktur und Darstellung der Kritik der politischen Ökonomie von Karl Marx. Ullstein, Berlin 1980, ISBN 3-548-35041-0.
  • Ernst Lohoff, Norbert Trenkle, Karl-Heinz Lewed, Maria Wölflingseder (Hrsg.): Dead Men Working. Gebrauchsanweisungen zur Arbeits- und Sozialkritik in Zeiten kapitalistischen Amoklaufs. 2004. ISBN 3-89771-427-2.
  • Jürgen Moltmann (Hrsg.): Recht auf Arbeit – Sinn der Arbeit
  • Severin Müller: Phänomenologie und philosophische Theorie der Arbeit. Verlag Karl Alber, Freiburg/München
  • Oswald Neuberger: Arbeit. Begriff, Gestaltung, Motivation, Zufriedenheit. Enke, Stuttgart 1985, ISBN 978-3-432-94871-3.
  • Claus Offe: Arbeitsgesellschaft — Strukturprobleme und Zukunftsperspektiven. Campus-Verlag, Frankfurt am Main 1989, ISBN 978-3-5933-3311-3.
  • Birger Priddat: Arbeit und Muße. Über die europäische Hoffnung der Verwandlung von Arbeit in höhere Tätigkeit., Metropolis, Marburg 2019.
  • Jörg Reitzig: Gesellschaftsvertrag, Gerechtigkeit, Arbeit. Verlag Westfälisches Dampfboot, Münster 2005, ISBN 3-89691-611-4.
  • Alfred Sohn-Rethel: Geistige und körperliche Arbeit. Zur Theorie gesellschaftlicher Synthesis. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1970.
  • Peter Ruben: Dialektik und Arbeit der Philosophie. Köln 1978, ISBN 3-7609-0375-4.
  • Holger Schatz: Arbeit als Herrschaft. Die Krise des Leistungsprinzips und seine neoliberale Rekonstruktion. 2004, ISBN 3-89771-429-9.
  • Gerd Spittler: Anthropologie der Arbeit. Ein ethnographischer Vergleich. Springer VS, Wiesbaden 2016, S. 32, ISBN 978-3-658-10433-7
  • Dieter Wolf: Hegels Theorie der bürgerlichen Gesellschaft Teil 2, Hamburg 1980, ISBN 3-87975-182-X.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiktionary: Arbeit – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Otfried Höffe, Lexikon der Ethik, Verlag C. H. Beck, München 1992(4), S. 15f, ISBN 3-406-36666-X.
  2. a b c Friedrich L. Weigand: Deutsches Wörterbuch. Hrsg.: Herman Hirt. 5. Auflage. Band 1. Walter de Gruyter, 1968, S. 81 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 21. Februar 2018])..
  3. „Roboter“. In: Wolfgang Pfeifer et al., Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache. Abgerufen am 9. Oktober 2018..
  4. Vgl. auch Arnim Regenbogen, Uwe Meyer, Wörterbuch der philosophischen Begriffe, Meiner 1998, S. 60.
  5. Hans Paul Bahrdt: Arbeit als Inhalt des Lebens. (In Krise der Arbeitsgesellschaft?, Hrsg. Joachim Matthes); Campus Verlag, Frankfurt/New Yorck 1983, S. 124, ISBN 9783593328287
  6. Ernst Cassirer: Versuch über den Menschen. Einführung in die Philosophie der Kultur.; Meiner Verlag, Hamburg 2007, S. 218 ff, ISBN 9783787318292
  7. Georg Schreyögg, Jochen Koch: Grundlagen des Managements: Basiswissen für Studium und Praxis. ( 2. überarbeitete Auflage), Gabler Verlag, Wiesbaden 2010, S. 197 f, ISBN 3-8349-1589-0.
  8. Vgl. Fritz Böhle, Gerd-Günter Voß, Günther Wachtler: Handbuch Arbeitssoziologie, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010, ISBN 9783531154329; Im ersten Kapitel dieses Buches Was ist Arbeit? weist Gerd-Günter Voß darauf hin, dass die Arbeitssoziologie bislang noch über keinen allgemein gültigen Arbeitsbegriff verfügt.
  9. Heinz Eidam, Wolfdietrich Schmied-Kowarzik (Hrsg.): Kritische Philosophie gesellschaftlicher Praxis – Auseinandersetzungen mit der Marxschen Theorie nach dem Zusammenbruch des Realsozialismus. Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 1995, S. 314, ISBN 978-3-8260-1011-8.
  10. Heute ist diese aus der Antike überlieferte Auffassung vom Standpunkt der Arbeitspsychologie gut nachvollziehbar, denn erfahrungsgemäß gehen unter Zwang die Kreativität und der Bedürfnisbezug der Arbeit zum Teil verloren.
  11. Siehe unter Liste der aristotelischen Kategorien.
  12. Vgl. zum Beispiel Platons Dialog Protagoras oder Ergon-Argument und Nikomachische Ethik des Aristoteles (im 4. Jhd. v. u. Z.); siehe auch Lehren der Stoa in De officiis (um 44 v. u. Z.) von Marcus Tullius Cicero.
  13. Vgl. Mark Aurel: Selbstbetrachtungen IX, 12. (um 170 u. Z.)
  14. Vgl. zum Beispiel Marcus Porcius Cato Censorius, De agricultura. (um 150 v. u. Z.)
  15. Lutherbibel (2017): 2. Thessalonicher 3,10.
  16. Max Weber: Die Protestantische Ethik I. Eine Aufsatzsammlung, herausgegeben von Johannes Winckelmann, Siebenstern, Hamburg 1965, ab 5. Auflage, GTB/Siebenstern, Gütersloh 1979, S. 71 ff, ISBN 3-579-01433-1.
  17. „Utopia“; griechisch οὐτοπία utopía; lateinisch utópia bedeutet „Nirgendwo“.
  18. Werner Welzig (Hrsg.): Erasmus von Rotterdam: Ausgewählte Schriften. Band 4: De libero arbitrio Diatribe sive collatio. (1524), Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1969, S. 1–195. (lateinisch-deutsch)
  19. Vgl. Merton-These; Robert K. Merton: Science, Technology & Society in Seventeenth-Century England. Howard Fertig Publisher, New York 2002, ISBN 978-0865274341.
  20. Vgl. Marcus Willaschek: Praktische Vernunft: Handlungstheorie und Moralbegründung bei Kant. Verlag J.B. Metzler, Stuttgart 1992, S. 69 ff, ISBN 978-3-476-00864-0 (Online zuletzt abgerufen am 29. Oktober 2020); siehe auch Aussagen Kants über „Freiheit“ und das „Handeln aus Pflicht“ in Grundlegung zur Metaphysik der Sitten.
  21. Siehe bei Dieter Wolf: Der dialektische Widerspruch im Kapital. Ein Beitrag zur Marxschen Werttheorie, Hamburg 2018, Vorwort S. 5. (PDF zuletzt abgerufen am 21.Juni 2020)
  22. Karl Marx: Ökonomisch-philosophische Manuskripte aus dem Jahre 1844. In: MEW Bd. 40, S. 574.
  23. a b Karl Marx: Das Kapital, Dietz Verlag, Berlin 1972, Bd. 1, S. 192.
  24. Arno Anzenbacher: Einführung in die Philosophie. Verlag Herder GmbH, Freiburg 2002, S. 170, ISBN 978-3-451-27851-8.
  25. Marx/Engels – Werke, Dietz Verlag, Berlin 1962, Bd. 20, Dialektik der Natur, S. 444.
  26. a b c Karl Marx: Das Kapital, Dietz Verlag, Berlin 1972, Bd. 1, S. 57 ff.
  27. Im Englischen gibt es für „Arbeit“ zwei Wörter, die den von Karl Marx analysierten „Doppelcharakter“ genau beschreiben: (engl.) „work“ = „konkrete Arbeit“ vs. (engl.) „labour“ = „abstrakte Arbeit“.
  28. Ob die von Hegel übernommene Idee der Entfremdung und von deren Aufhebung bei Marx eine bedeutende Rolle spielte, ist umstritten. Die bekannteste Fassung wurde in den Ökonomisch-philosophischen Manuskripten von 1844 dargelegt, welche erstmals 1932 veröffentlicht wurden.
  29. a b Siehe unter Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie, eine Wirtschaftstheorie in Joseph Schumpeter: Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie. Übersetzt von Susanne Preiswerk. Einleitung von Edgar Salin. Francke, Bern 1946; 2. erweiterte Auflage ebd. 1950; 3. Aufl. 1972, ISBN 3-7720-0917-4.
  30. Zum Begriff der entfremdeten Arbeit des Managers vgl. etwa Klaus Türk: Die Organisation der Welt, Westdeutscher Verlag 1995, ISBN 978-3-531-12699-9, S. 38 ff. / Schon Erich Fromm hatte 1964 in The Psychological Problem of Man in Modern Society die Arbeit der Manager als entfremdet bezeichnet (dt. von Rainer Funk als Die psychologischen Folgen des Industrialismus in: Erich Fromm Gesamtausgabe), e-book, open publishing 2016, ISBN 978-3-95912-207-8.
  31. G. W. F. Hegel: Wissenschaft der Logik II. (=Gesammelte Werke Bd. 12), Felix Meiner Verlag, Hamburg 1981, S. 15, ISBN 3-7873-0383-9.
  32. Friedrich Engels: Herrn Eugen Dühring`s Umwälzung der Wissenschaft. Marx/Engels – Werke, Dietz Verlag, Berlin 1962, Bd. 20, S. 106.
  33. Max Scheler: Erkenntnis und Arbeit. Eine Studie über Wert und Grenzen des pragmatischen Motivs in der Erkenntnis der Welt. Klostermann, Frankfurt 1977.
  34. a b Ernst Bloch: Spuren (1910–1929), Abschnitt Dasein: Stachel der Arbeit., Berlin 1930
  35. a b c Gerd Spittler: Anthropologie der Arbeit. Ein ethnographischer Vergleich. Springer VS, Wiesbaden 2016, S. 32–66, ISBN 978-3-658-10433-7.
  36. Vgl. Léon Walras: Mathematische Theorie der Preisbestimmung der wirtschaftlichen Güter: Vier Denkschriften., Verlag Detlev Auvermann KG, Glashütten im Taunus 1972 (Neudruck der Stuttgarter Ausgabe von 1881); siehe auch Pareto-Optimierung.
  37. Gemeint ist hier die Dauer des Normalarbeitstages in Betrieben mit festen Arbeitszeitregelungen.
  38. Paul Heinz Kösters: Ökonomen verändern die Welt. Lehren, die unser Leben bestimmen., Verlag Gruner + Jahr, Hamburg 1983, S. 256, ISBN 3-570-07015-8.
  39. Vgl. u. a. Wladimir Iljitsch Lenin: Staat und Revolution: Die Lehre des Marxismus vom Staat und die Aufgaben des Proletariats in der Revolution. (verfasst 1917 in der Illegalität), Verlag Neuer Weg, Essen 2017, ISBN 978-3-88021-465-1; oder die Neue Ökonomische Politik der 1920er Jahre in der Sowjetunion; oder das Neue Ökonomische System, das Helmut Koziolek und Erich Apel in den 1960er Jahren in der DDR entwickelten.
  40. Die Wirtschaftssysteme in Vietnam und der VR China unterliegen einer politisch durch die kommunistischen Parteien geführten staatlichen Planung, funktionieren im Planungsrahmen aber marktwirtschaftlich.
  41. Vgl. Johann Heinrich Jung-Stilling: Lehrbuch der Cameral-Wissenschaft oder Cameral-Praxis. von 1790 und Lehrbuch der Handlungswissenschaft. von 1799.
  42. Artur Woll (Hrsg.): Wirtschaftslexikon: Jubiläumsausgabe. Oldenbourg Verlag, München 2008, S. 82, ISBN 978-3-486-58727-2.
  43. Für den Soziologen Talcott Parsons ist Gesundheit eine funktionale Voraussetzung sozialer Systeme, vgl. Talcott Parsons: Struktur und Funktion der modernen Medizin. In: René König; Margret Tönnesmann (Hrsg.): Probleme der Medizin-Soziologie. Sonderheft 3 der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychiatrie, 1958, S. 10–57.
  44. Emil Kraepelin: Die Arbeitskurve. In: Wilhelm Wundts Philosophische Studien Band 19, 1902, S. 459–507.
  45. Vgl. Étienne Grandjean: Physiologische Arbeitsgestaltung. Leitfaden der Ergonomie. Ecomed, Landsberg 1991, ISBN 3-609-64460-5.
  46. Fritz Giese, Frederick W. Taylor (beteiligt): Psychotechnik und Taylorsystem. Verlag Wendt & Klauwell, Langensalza 1920.
  47. Fritz Giese (Hrsg.): Philosophie der Arbeit. (Handbuch der Arbeitswissenschaft, Band X), Carl Marhold Verlagsbuchhandlung, Halle a. d. Saale 1932.
  48. Eberhard Ulich: Arbeitspsychologie (7. Auflage), Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart 2011, S. 22, ISBN 978-3-7910-3049-4.
  49. Gertraude Mikl-Horke: Industrie- und Arbeitssoziologie. (3. Auflage), Oldenbourg, München/Wien 1995, S. 148.
  50. Georges Friedmann: Zukunft der Arbeit. Bund-Verlag, Köln 1953, S. 265 ff.
  51. Eberhard Ulich: Arbeitspsychologie (7. Auflage), Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart 2011, S. 61, ISBN 978-3-7910-3049-4.
  52. Siehe unter Offene Gesellschaft, eine Gesellschaftstheorie Karl Poppers, und verschiedene Beiträge von Vertretern der Kritischen Theorie und der Frankfurter Schule, z. B. Der philosophische Diskurs der Moderne.
  53. Siehe Artikel von Dieter Wolf: Jürgen Habermas’ und Alfred Schmidts Kritik am „Marxschen Produktionsparadigma“ mit Ausführungen zur Einheit von Natur und Menschengeschichte. Kritik der politischen Ökonomie – interdisziplinär, 2. September 2012, (45 Seiten, PDF zuletzt abgerufen am 21. Juni 2020.)
  54. Vgl. Karl Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde; Band II: Falsche Propheten – Hegel, Marx und die Folgen. (7. Auflage, Übersetzung aus dem Englischen von Paul K. Feyerabend und Klaus Pähler), Mohr Siebeck Verlag, Tübingen 1992, S. 95–157, ISBN 3-16-145953-9.
  55. Vgl. Horst Müller: Jürgen Habermas: Neue Dualismen und Normativismus., BoD-Verlag, Norderstedt 2015, S. 16 ff. (PDF-Datei, zuletzt abgerufen am 7. März 2019)
  56. a b Vgl. Niklas Luhmann: Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie., Kapitel 4: „Kommunikation und Handlung“, Frankfurt am Main 1984, Ausgabe 2001, S. 191 ff., ISBN 3-518-28266-2.
  57. Gemeint sind negative Erscheinungen im von Klassengegensätzen gekennzeichneten gesellschaftlichen Produktionsprozess, wie die Entfremdung sozialer Beziehungen, die Ausbeutung in Arbeitsverhältnissen oder die politische Unterdrückung durch Institutionen der herrschenden Klasse.
  58. Karl Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde; Band II, Tübingen 1992, S. 394.
  59. Siehe bei Hannah Arendt: Vita activa oder Vom tätigen Leben. München 2002, ISBN 978-3-492-23623-2.
  60. a b Hannah Arendt: Vita activa oder Vom tätigen Leben. München 2002, S. 211 f.
  61. Hannah Arendt: Vita activa oder Vom tätigen Leben. München 2002, S. 301.
  62. a b c d Volker Caysa: Über die Transformation des Geistes der Leipziger Bloch-Zeit in der praxisphilosophischen Debatte um und vor 1968 in der DDR, in: Klaus Kinner (Hrsg.): Die Linke – Erbe und Tradition, Teil 1, Berlin 2010, S. 193 ff, ISBN 978-3-320-02212-9.
  63. Hannah Arendt: Vita activa oder Vom tätigen Leben. München 2002, S. 401.
  64. Vgl. Jürgen Habermas: Technik und Wissenschaft als „Ideologie“., Suhrkamp, Frankfurt am Main 1990, ISBN 978-3518284919.
  65. Vgl. Horst Müller: Das Konzept PRAXIS im 21. Jahrhundert. Karl Marx und die Praxisdenker, das Praxiskonzept in der Übergangsperiode und die latent existierende Systemalternative. BoD-Verlag, Norderstedt 2015, S. 191 ff, ISBN 978-3-7386-4684-9.
  66. Wilhelm Schmid: Was ist Arbeit?, momentum Magazin, Wilhelm Ernst & Sohn Verlag für Architektur und technische Wissenschaften GmbH & Co. KG, Berlin 13. Oktober 2012 (zuletzt abgerufen am 5. Juli 2017)
  67. Rudolf Bahros Buch Die Alternative wurde 1978 von Herbert Marcuse als wichtigster Beitrag zur marxistischen Theorie und Praxis der letzten Jahrzehnte bezeichnet, siehe Herbert Marcuse: Über Bahro, Protosozialismus und Spätkapitalismus – Versuch einer revolutionstheoretischen Synthese von Bahros Ansatz. In: Kritik, 6. Jg. (1978) Nr. 19, S. 5–27.
  68. Rudolf Bahro: Die Alternative. Zur Kritik des real existierenden Sozialismus. Europäische Verlagsanstalt, Köln/Frankfurt am Main 1977, S. 176 ff, ISBN 3-434-00353-3.
  69. Vgl. Frank Kleemann, Ingo Matuschek, Gerd-Günter Voß: Subjektivierung von Arbeit – Ein Überblick zum Stand der Diskussion. (In: Manfred Mondaschel, Gerd-Günter Voß (Hrsg.): Subjektivierung von Arbeit/Arbeit, Innovation und Nachhaltigkeit; Band 2) Rainer Hampp Verlag, München 2002, S. 53–100, ISBN 3-87988-651-2.
  70. Siehe auch Thomas Vašek: Work-Life-Bullshit: Warum die Trennung von Arbeit und Leben in die Irre führt. Goldmann Verlag, München 2015, ISBN 978-3-442-15860-7.
  71. Vgl. Dirk Hartmann, Peter Janich (Hrsg.): Methodischer Kulturalismus. Zwischen Naturalismus und Postmoderne. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1996, ISBN 9783518288726.
  72. Vgl. Michael Hampe: Alfred North Whitehead. Verlag C. H. Beck, München 1998, S. 180 f, ISBN 3-406-41947-X.
  73. Alfred North Whitehead: Prozeß und Realität: Entwurf einer Kosmologie. Suhrkamp Verlag (1. Auflage, Übersetzung aus dem Englischen von Hans Günter Holl), Frankfurt am Main 1987, ISBN 978-3518282908.
  74. Vgl. Georg Klaus, Heinz Liebscher: Was ist, was soll Kybernetik? Urania-Verlag, Leipzig 1966 (1. bis 9. Auflage 1974); siehe auch W. Ross Ashby: Einführung in die Kybernetik. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1974.
  75. Vgl. Talcott Parsons: Das System moderner Gesellschaften. ( 6. Auflage), Juventa, 2003, ISBN 3-7799-0710-0.
  76. Vgl. Armin Pongs: In welcher Welt leben wir eigentlich? Gesellschaftskonzepte im Vergleich. Band 1, Dilemma Verlag, München 1999, S. 201 f, ISBN 3-9805822-4-8
  77. Eberhard Ulich: Arbeitspsychologie (7. Auflage), Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart 2011, S. 633 ff, ISBN 978-3-7910-3049-4.
  78. Hans-Ulrich Wehler: Die neue Umverteilung, soziale Ungleichheit in Deutschland. Verlag C.H.Beck, München 2013, S. 31, ISBN 978-3-406-64386-6.
  79. Siehe auch Gesellschaftstypen nach Giddens; vgl. Anthony Giddens: Soziologie. (Neubearbeitung in deutscher Sprache von Christian Fleck und Mariana Egger de Campo), Nausner & Nausner, Graz/Wien 2009, ISBN 978-3-901402-16-6.
  80. Siehe u. a. bei Edmund Husserl: Hua XXXIX: Die Lebenswelt. Auslegungen der vorgegebenen Welt und ihrer Konstitution. Texte aus dem Nachlass (1916–1937). Hrsg. von Rochus Sowa. 2008, ISBN 978-1-4020-6476-0.
  81. Vgl. Werner Sombart: Die Ordnung des Wirtschaftslebens.; Reprint der 2. Auflage von 1927 im Springer-Verlag, Heidelberg/Wiesbaden 2007, S. 21, ISBN 978-3-540-72255-7; siehe auch bei Bernd Andreae: Weltwirtschaftspflanzen im Wettbewerb: Ökonomischer Spielraum in ökologischen Grenzen. Eine produktbezogene Nutzpflanzengeographie., Walter de Gruyter, Berlin 2016, S. 67, ISBN 978-3-11-083977-7.
  82. a b Walter Markov, Alfred Anderle (Hrsg.): Kleine Enzyklopädie – Weltgeschichte. (2. durchgesehene Auflage, Band 1), VEB Bibliographisches Institut, Leipzig 1981, S. 16 ff.
  83. Klaus Holzkamp: Grundlegung der Psychologie. Neuauflage. Campus, Frankfurt 2003, ISBN 3-593-33572-7, S. 181–184: Kapitel 5.3.5 Von der Okkupations- zur Produktionswirtschaft: Dominanz „innergesellschaftlicher“ Entwicklungsgesetze, hier S. 182 (erstveröffentlicht 1983).
  84. a b c d Baden Eunson: Betriebspsychologie. (Teil A, 1. Arbeit: Zukunft und Vergangenheit. McGraw-Hill, Hamburg 1990, S. 5 ff, ISBN 3-89028-227-X, (englisch 1987: Behaving – Managing Yourself and Others).
  85. Vgl. Carel van Schaik, Kai Michel: Das Tagebuch der Menschheit. Was die Bibel über unsere Evolution verrät. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2016, S. 64 ff, ISBN 978-3-498-06216-3.
  86. Siehe z. B. Mariano San Nicolò, Herbert Petschow (Hrsg.): Die Schlußklauseln der altbabylonischen Kauf- und Tauschverträge: Ein Beitrag zur Geschichte des Barkaufes.; Verlag C. H. Beck, München 1974, ISBN 9783406006043.
  87. Vgl. Rudolf Bahro: Die Alternative. Zur Kritik des real existierenden Sozialismus. (hier Kapitel 5: Gesamtgesellschaftliche Organisation auf Basis der alten Arbeitsteilung), Köln/Frankfurt am Main 1977, S. 164 ff.
  88. „Die San sind hier nur eines von vielen Beispielen.“ Gerd Spittler: Anthropologie der Arbeit. Ein ethnographischer Vergleich. Springer VS, Wiesbaden 2016, S. 161 ff, ISBN 978-3-658-10433-7.
  89. Vgl. Immanuel Wallerstein: Welt – System – Analyse: Eine Einführung. (Neue Bibliothek der Sozialwissenschaften; herausgegeben und übersetzt von Felix Merz, Julien Bucher und Sylke Nissen), Springer VS, Wiesbaden 2018, ISBN 978-3-658-21961-1.
  90. Siehe z. B. Donella Meadows, Dennis Meadows, Jørgen Randers & William W. Behrens III: The Limits to Growth. Universe Books, 1972, ISBN 0-87663-165-0; übersetzt aus dem Amerikanischen und herausgegeben von Hans-Dieter Heck: Die Grenzen des Wachstums. Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1972, ISBN 3-421-02633-5; Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1973, ISBN 3-499-16825-1.
  91. Siehe Strukturkrise als Ursache von Massenarbeitslosigkeit zum Beispiel durch Substitutionskonkurrenz, Produktivitätssteigerungen oder infolge zunehmender Automatisierung.
  92. Vgl. Oskar Negt: Wozu noch Gewerkschaften? Eine Streitschrift. Steidl Verlag, 2004, ISBN 3-86521-165-8.
  93. Oskar Negt: Lebendige Arbeit, enteignete Zeit. Politische und kulturelle Dimensionen des Kampfes um die Arbeitszeit. Frankfurt am Main/New York 1984.
  94. Eberhard Ulich: Arbeitspsychologie (7. Auflage), Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart 2011, S. 640 ff, ISBN 978-3-7910-3049-4.
  95. Gemeint sind die durch die expansive Geldpolitik der Fed, der EZB und anderer Zentralbanken ausgelösten Niedrigzinsen.
  96. Joseph Stiglitz: Reich und Arm. Die wachsende Ungleichheit in unserer Gesellschaft. (Aus dem amerikanischen Englisch von Thorsten Schmidt.), Siedler Verlag, München 2015, S. 449, ISBN 978-3-8275-0068-7.
  97. Zur Bedeutung und Wirkung von Befehlen in den „Sphären der Arbeit, des Kampfes oder des Glaubens“ siehe Elias Canetti: Masse und Macht; Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1980, S. 335–371, ISBN 3-596-26544-4.
  98. Die Römer sahen in ihren Sklaven „sprechende Werkzeuge“ (lateinisch: instrumenti genus vocale), siehe De re rustica. Buch I: De agricultura, von Marcus Terentius Varro (um 37 v. u. Z).
  99. Vgl. David Graeber: Bullshit Jobs: Vom wahren Sinn der Arbeit. (Übersetzung aus dem Englischen von Sebastian Vogel), Klett-Cotta-Verlag, Stuttgart 2018, ISBN 978-3-608-98108-7; Anmerkung: Die als sinnlos empfundene Beschäftigung in »Bullshit Jobs« ist keine Arbeit im philosophischen Sinne, weshalb sie hier unter dem Aspekt versteckter Arbeitslosigkeit erwähnt wird.
  100. Bullshit-Jobber gibt es in allen sozialen Milieus, z. B. als prekär Beschäftigte in überflüssigen, staatlich geförderten Ausbildungsmaßnahmen, als nicht benötigte Büroangestellte oder als gut bezahlte Consultants mit sinnlosen Beratungsaufgaben in der Finanzindustrie.
  101. Vgl. Claus Offe: Arbeitsgesellschaft — Strukturprobleme und Zukunftsperspektiven. Campus-Verlag, Frankfurt am Main 1989, ISBN 978-3-5933-3311-3.
  102. Siehe auch unter Internationaler Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte; zur Durchsetzung und Kontrolle der Arbeitnehmerrechte im Weltwirtschaftssystem ist immer mehr die Zusammenarbeit nationaler Regierungen mit Staatengemeinschaften und internationalen Organisationen sowie die Überwindung blockierender Interessenkonflikte dieser Institutionen erforderlich (z. B. UNO, EU oder IGB, IAO, Weltbank, IWF, WTO etc.).
  103. Johannes Paul II.: Predigt vor der Belegschaft des Bergwerks Prosper-Haniel auf der Schachtanlage Franz Haniel 1/2, deren Schließung bevorstand., 2. Mai 1987; siehe auch seine Sozialenzyklika Laborem exercens (über die menschliche Arbeit, zum 90. Jahrestag der Enzyklika Rerum Novarum), Vatikan 1981.
  104. Arno Anzenbacher: Einführung in die Philosophie. Verlag Herder GmbH, Freiburg 2002, S. 288, ISBN 978-3-451-27851-8; oder siehe auch bei Oskar Negt: Arbeit und menschliche Würde. Göttingen 2001, ISBN 3-88243-786-3.