Arbeiter-Zeitung

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Dieser Artikel behandelt die sozialdemokratische Zeitung aus Wien. Für die christlichsoziale Zeitschrift siehe Österreichische Arbeiterzeitung, siehe auch Christlich-soziale Arbeiter-Zeitung, Arbeiter-Zeitung (Chicago), bzw. Arbeiter Zeitung (Aachen).
Arbeiter-Zeitung
Sprache Deutsch
Verlag Vorwärts-Verlag (Österreich)
Erstausgabe 12. Juli 1889
Einstellung 31. Oktober 1991
Weblink www.arbeiter-zeitung.at
ZDB 820650-8

Die Arbeiter-Zeitung (AZ) war das Zentralorgan der österreichischen Sozialdemokraten bzw. der Sozialistischen Partei Österreichs. Sie erschien mit diktaturbedingter Unterbrechung von 1889 bis 1991.

Entwicklung der Zeitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie wurde als Nachfolgerin der 1889 verbotenen Zeitschrift Gleichheit von Victor Adler in Wien gegründet und erschien zum ersten Mal am 12. Juli 1889, anfangs vierzehntäglich, seit Oktober 1889 wöchentlich bzw. zweimal wöchentlich. Seit 1. Jänner 1895 war sie eine Tageszeitung. Von 1910 bis zum 12. Februar 1934 und vom 5. August 1945 bis 1986 wurde sie im neu erbauten, später traditionsreichen Gebäude des Vorwärts-Verlages an der Rechten Wienzeile 97 im 5. Bezirk gedruckt, wo sich bis 1934 auch das Büro des Parteivorstandes (Zentralsekretariat) befand.

Gebäude der Druck- & Verlagsanstalt „Vorwärts“ um 1912

Vor dem Ersten Weltkrieg galt die AZ als klassenkämpferisches Organ. Während des Ersten Weltkriegs erschien zusätzlich das Abendblatt AZ am Abend. In der Zwischenkriegszeit war die Arbeiter-Zeitung offizielles Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei, – daneben erschienen Regionalzeitungen und, ab 1927, das populäre Kleinformat Das Kleine Blatt.

Der austrofaschistische Ständestaat verbot die AZ am 12. Februar 1934, als die Februarkämpfe begannen. Die Redaktion produzierte die AZ bis 22. November 1936 im Exil in Brünn als Wochenblatt; sie wurde nach Österreich geschmuggelt. In der letzten Brünner Ausgabe gab die Redaktion bekannt, die Tschechoslowakische Republik gestatte das weitere Erscheinen des Blattes auf Grund einer Änderung ihrer Außenpolitik nicht mehr. Die Redaktion schrieb, die AZ solle weiterhin erscheinen.[1] Von nun an erschien sie unregelmäßig.[2]

Nach dem Zweiten Weltkrieg erschien die AZ ab dem 5. August 1945 wieder im Vorwärts-Verlag und war bis 1955 als führende Parteizeitung die auflagenstärkste Zeitung Österreichs, – nicht zuletzt deshalb, weil das Kleine Blatt nur mehr als Wochenzeitung wieder entstehen durfte. Der generelle Niedergang der Parteizeitungen berührte ab den 1960er Jahren auch die AZ. Es kam zu einem langsamen Schrumpfen der Auflage und zu einer Überalterung der Leserschaft, vor allem der Abonnenten. Alternative Presseexperimente der SPÖ, wie die von 1967 bis 1971 erschienene Neue Zeitung, scheiterten. Die 1974 etablierte staatliche Presseförderung, die der AZ besonders zugutekam, konnte nur eine Linderung und den Aufschub der Finanzkrise bringen. 1984 wurde das Salzburger Tagblatt zur regionalen Mutation der AZ (1987 gleichartige Lösung betreffend Oberösterreichisches Tagblatt).

Ab Mitte Oktober 1985 wurde die Zeitung als Neue AZ im Kleinformat hergestellt.[3] 1986 zog die Zeitung mit ihrer Druckerei aus dem Vorwärts-Gebäude in die Viehmarktgasse 4 im 3. Bezirk um.

Ende 1988 kündigte der damalige Bundeskanzler und Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Österreichs, Franz Vranitzky, den Verkauf der AZ an; die SPÖ könne sich das ständige Defizit bzw. nötige Investitionen nicht mehr leisten. 90 Prozent der AZ wurden 1989 an den erfolgreichen Werbeunternehmer Hans Schmid und seine Birko-Holding verkauft; die SPÖ behielt 10 Prozent. Die AZ blieb defizitär. Ihre letzte Ausgabe erschien am 31. Oktober 1991; am 24. Jänner 1992 stimmten die Gläubiger dem 40-prozentigen Liquidationsausgleich zu. Vor der Einstellung betrug die Auflage etwa 100.000 Stück (zum Vergleich: 1948 betrug sie bis zu 245.000 Stück, vor dem Ersten Weltkrieg bis zu 54.000 Stück).

Mitarbeiter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chefredakteure[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannte Redakteure / Autoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Digitalisate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2004 wurden alle Ausgaben der Arbeiter-Zeitung von 1945 bis 1989 unter der Federführung des ehemaligen AZ-Redakteurs Andy Kaltenbrunner in einem privaten, gratis zugänglichen Online-Archiv verfügbar gemacht (siehe Weblinks). Die Ausgaben von 1889 bis 1936 werden von der Österreichischen Nationalbibliothek auf ihrer 2003 eingerichteten Website ANNO – Historische österreichische Zeitungen und Zeitschriften, ihrem virtuellen Zeitungslesesaal, ebenfalls gratis zum Lesen bereitgestellt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Pelinka, Manfred Scheuch: 100 Jahre AZ. Die Geschichte der Arbeiter-Zeitung. Europa-Verlag, Wien u. a. 1989, ISBN 3-203-51080-4.
  • Helmut W. Lang (Hrsg.): Österreichische Retrospektive Bibliographie (ORBI). Reihe 2: Österreichische Zeitungen 1492–1945. Band 2: Helmut W. Lang, Ladislaus Lang, Wilma Buchinger: Bibliographie der österreichischen Zeitungen 1621–1945. A–M. Bearbeitet an der Österreichischen Nationalbibliothek. K. G. Saur, München 2003, ISBN 3-598-23384-1, S. 113–115.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Abschied
  2. 25. November, 12. Dezember, 20. Dezember 1936 sowie mehr als 20mal im Jahr 1937
  3. Hinweis auf der Website des Demokratiezentrums Wien
  4. Eintrag Helene Scheu-Riesz im Weblexikon der Wiener Sozialdemokratie