Arbeitsamt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Siegelmarke Arbeitsamt Aschaffenburg

Ein Arbeitsamt ist eine Behörde, welche für die Arbeitsvermittlung zuständig ist. Heute wird diese Aufgabe in Deutschland von der Bundesagentur für Arbeit und von privaten Arbeitsvermittlern wahrgenommen.

Geschichte der Arbeitsvermittlung in Deutschland[Bearbeiten]

Die Arbeitsvermittlung in Deutschland blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück, in der sie nicht immer unumstritten war. Eine zentrale Organisation zur Arbeitsvermittlung gab es in Deutschland zunächst nicht, es wurden lediglich regionale Strukturen z. B. durch sogenannte Arbeitsnachweisämter geschaffen. Obwohl bereits im Ersten Weltkrieg seitens des Militärs gefordert, um die Arbeitsprozesse fern der Front zu erhalten, wurde erst am 4. Oktober 1918 das Reichsarbeitsamt geschaffen, welches für Arbeitsmarktpolitik und Arbeitsschutz, nicht aber für Arbeitsvermittlung zuständig war. Es bestand nur kurz und wurde am 13. Februar 1919 in das Reichsarbeitsministerium umgewandelt, der Vorstand des Reichsarbeitsamtes, Staatssekretär Gustav Bauer, wurde Reichsarbeitsminister. Am 15. Januar 1920 folgte die Errichtung des Reichsamts für Arbeitsvermittlung, seit 1922 in der Reichsarbeitsverwaltung als Mittelbehörde des Reichsarbeitsministeriums organisatorisch eingegliedert. Erster Präsident des Reichsamtes war der Geheime Regierungsrat Dr. Friedrich Syrup. Die Organisationsstruktur war bereits in 13 Landesarbeitsämter und 361 Arbeitsämter als regionale Stellen aufgeteilt. Am 16. Juli 1927 ging dies Amt mit dem Gesetz über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung (AVAVG) in die neu gegründete Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung (RAfAuA) über, in deren Aufgaben der Zusammenschluss von Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung festgelegt wurde. Präsident blieb Dr. Friedrich Syrup. Die RAfAuA enthielt Organe der Selbstverwaltung. 1938 wurde sie wieder weitgehend in das Reichsarbeitsministerium eingegliedert und die Selbstverwaltung aufgehoben, 1945 praktisch aufgelöst.

Gedenkinschrift Arbeitsamt 1939-45 in Piotrków_Trybunalski, Polen

Während des Zweiten Weltkrieges unterhielten die Landesarbeitsämter in den besetzten Ländern und in den abhängigen Staaten einen Rekrutierungsapparat für Fremdarbeiter, die in den meisten Fällen Zwangsarbeiter waren. In Deutschland teilten die Arbeitseinsatzverwaltungen diese Arbeiter gemäß Anforderungslisten der Industrie, Agrarwirtschaft, Bahn, Post, Gemeinden, Familienbetrieben und Landwirten bestimmten Arbeitslagern und Arbeitsstellen zu.[1] Im Jahr 1942 wurde der durchsetzungsstarke Fritz Sauckel von Hitler zum Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz berufen. Er wurde im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher wegen seiner Rolle bei der systematischen Verschleppung und Ausbeutung von Zwangsarbeitern zum Tode verurteilt und gehängt.

Erst im Gesetz über die Errichtung einer Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung vom 10. März 1952 wurde wieder die paritätische Beteiligung der Sozialpartner und der Vertreter der öffentlichen Körperschaften, neben Gewerkschaften und Arbeitgebervereinigungen, an der Selbstverwaltung festgelegt. Hier wurde der Grundstock für die heutige Bundesagentur für Arbeit (BA) gelegt. Die B.f.A.u.A. erhielt mit der Verabschiedung des Arbeitsförderungsgesetzes am 1. Juli 1969 einen neuen Namen: Bundesanstalt für Arbeit. Zusätzlich zur Berufsberatung, Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung wurde den Arbeitsämtern die Förderung der beruflichen Aus- und Weiterbildung zugewiesen, es trat also die Vorsorge für einen quantitativen und qualitativen Ausgleich von Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt in den Vordergrund.

  • 2003 traten die Hartz I und Hartz II-Gesetze in Kraft.
  • Ab 1. Januar 2004 ist der Name Bundesagentur für Arbeit.
  • 2004 trat das Hartz III-Gesetz in Kraft, das den Umbau der Arbeitsverwaltung zu einer „modernen, kundenorientierten Dienstleistungsbehörde“ vorsah.
  • 2005 trat das Vierte Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt, kurz Hartz IV genannt, in Kraft.[2]

Arbeitsvermittlung in anderen Staaten[Bearbeiten]

Heute oder historisch:

Siehe auch[Bearbeiten]

 Wiktionary: Arbeitsamt – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ute Vergin: Die nationalsozialistische Arbeitseinsatzverwaltung und ihre Funktionen beim Fremdarbeiter(innen)einsatz während des Zweiten Weltkriegs, Osnabrück 2008
  2. www.arbeitsagentur.de - Kurze Chronik der Bundesagentur für Arbeit