Arbeitsleistung

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Arbeitsleistung bezeichnet in der Ökonomie das Ergebnis einer zielgerichteten Anstrengung von Menschen in Verbindung mit dem Einsatz von Betriebsmitteln pro Zeiteinheit bei bestimmter Arbeitsqualität. Die menschliche Arbeitsleistung wird von einer Vielzahl von Einflussfaktoren beeinflusst, die zum Teil auch wechselseitig voneinander abhängig sind.[1] Hier sind insbesondere die Leistungsdisposition, Leistungsfähigkeit und die Leistungsbereitschaft zu nennen.[2]

Bestimmungsgrößen der Arbeitsleistung

Begriff[Bearbeiten]

Wenn man von der Bedeutung des Begriffs „Leistung“ in der Physik ausgeht, stellt der Begriff „Arbeitsleistung“ eine Tautologie (Logik) dar, weil „Leistung“ in der Physik als „Arbeit pro Zeiteinheit“ definiert ist und daher der Begriff „Arbeitsleistung“ sprachlich auch in die Form „Arbeits-Arbeit pro Zeiteinheit“ gebracht werden könnte. Eine Tautologie stellt der Begriff „Arbeitsleistung“ allerdings insofern nicht dar, als mit ihm in der Ökonomie (anders als in der Physik) nicht der Vorgang der Leistungserbringung, sondern deren Ergebnis gemeint ist, das in die „Kosten- und Leistungsrechnung“ eines Betriebs eingeht.

Die Arbeitsproduktivität[Bearbeiten]

Die Arbeitsleistung kann als Arbeitsproduktivität gemessen werden, soweit Output und Input messbar sind. Beachten sollte man hierbei, dass die Produktivität eine rein mengenmäßige Größe ist. Produktivitäten lassen sich am besten innerhalb einer Branche oder bei gleicher Tätigkeit vergleichen (Homogenität (Gleichheit) der Arbeitsbedingungen)

Beispiel: Schusterfirma A und B vergleichen ihre Produktivität:

  • Schuster A stellt 50 Paar Schuhe in 5 Stunden her: Leistung = 10 Schuhe pro Stunde.
  • Schuster B stellt 15 Paar Schuhe in 1 Stunde her: Leistung = 15 Schuhe pro Stunde.

Hierbei sind die hergestellten Schuhe das Arbeitsergebnis (das Produkt als sog. Output) und die eingesetzten Arbeitsstunden der Arbeitseinsatz (Input).

Berechnung der Arbeitsproduktivität allgemein durch gemessener Output / gemessener Input. Beispiele:

  • Arbeitsproduktivität Schuster A: 50 Paar Schuhe/5 Arbeitsstunden = 10 Schuhe pro Stunde
  • Arbeitsproduktivität Schuster B: 15 Paar Schuhe/1 Arbeitsstunde = 15 Schuhe pro Stunde

Ergebnis: Der Produktivitätsfaktor ist also bei Schuster A mit 10 Schuhe pro Stunde, und bei B mit 15 Schuhe pro Stunde anzusehen.

Das einfache Beispiel macht deutlich, dass bei sehr hohen Zahlen nicht immer auf den ersten Blick zu sehen ist, welcher Betrieb produktiver arbeitet.

\mathrm{Produktivit\ddot at\ (Leistung)} {=} \frac{\mathrm{Output}}{\mathrm{Input}} {=} \frac{\mathrm{Schuhe}}{\mathrm{Stunde}}

Zum Problem der fehlenden Metrik[Bearbeiten]

Bei Durchführung derartiger Messungen ist eine genaue Betrachtung der verwendeten Maßstäbe von besonderer Bedeutung. So wird im obigen Beispiel die Qualität und Ausführung (z.B. Schuhgröße und damit Menge des Materials) der hergestellten Schuhe nicht berücksichtigt, was ggf. zu einer Fehlbeurteilung der beiden Schuster führt. Ferner wird nicht berücksichtigt, ob der Schuster B diese Leistung über eine Schicht (z.B. 8 Stunden) durchhält.

In einigen Arbeitsgebieten ist es nicht hinreichend möglich, geeignete Metriken zur Bemessung der Arbeitsleistung aufzustellen.

Die Wirtschaftlichkeit[Bearbeiten]

Ein Vergleich zwischen unterschiedlichen Branchen ist hingegen mit der Wirtschaftlichkeitsberechnung möglich: Umsatz/Arbeitskosten, bzw. Ausbringung in Werteinheiten/Einsatz in Werten. Ein wirtschaftlich arbeitender Betrieb wird folglich einen Faktor größer als 1,0 aufweisen.

Beispiel[Bearbeiten]

Ein Schuster und ein Autor vergleichen ihre Wirtschaftlichkeit:

  • Ein Schuster verkauft 20 Paar Schuhe zu 50 € in einer Stunde. Er hat für die Herstellung der Schuhe 60 Stunden gebraucht, für die je 20 € Kosten anfallen.
  • Ein Autor verkauft seine Kolumne mit 420 Seiten für 5 € pro Seite an einen Verlag. Er hat für die Erstellung seiner Kolumne 80 Stunden gebraucht, die ihn je 40€ gekostet haben.

Berechnung der Wirtschaftlichkeit durch:

  • Wirtschaftlichkeit Schuster: \frac{20 \text{ Schuhpaare} \cdot 50 \frac{Euro}{Schuhpaar}}{60 \text{ Stunden} \cdot 20 \frac{Euro}{Stunden}}{=}\!\ 0,83

Der Faktor 0,83 drückt die Effizienz der Produktion aus.

  • Wirtschaftlichkeit Autor: \frac{420 \text{ Seiten} \cdot 5 \frac{Euro}{Seite}}{80 \text{ Stunden} \cdot 40 \frac{Euro}{Stunden}}{=}\!\ 0,66

Ergebnis: Weder der Schuster noch der Autor arbeiten kostendeckend, da der Effizienzfaktor kleiner als 1 ist. Der Schuster hat aber weniger verlustträchtig gearbeitet als der Autor.

Betriebswirtschaftliche Sicht[Bearbeiten]

In der Betriebswirtschaftslehre werden die Begriffe Produktivität und Wirtschaftlichkeit ebenfalls ausgiebig gewürdigt. Während die Produktivität das mengenmäßige Verhältnis zwischen Output und Input des Produktionsprozesses bezeichnet,[3] wird mit der Wirtschaftlichkeit der wertmäßige Output (Ertrag) dem wertmäßigen Input (Aufwand) gegenübergestellt:

\mathrm{Wirtschaftlichkeit} {=}\!\ \frac{\mathrm{Ertrag}}{\mathrm{Aufwand}}

Gelangen mehrere Produktionsfaktoren zum Einsatz, verliert die genannte Kennzahl ihren Aussagewert, weil es sinnlos ist, zur Inputermittlung Werkstoff-Verbrauchsmengen, Menschliche Arbeitsstunden und Maschinenstunden zu einer Summe zusammenzufassen.[4] In der Praxis werden deshalb eher partielle Produktionskennziffern ermittelt, wie beispielsweise:

\mathrm{Arbeitsproduktivit\ddot at} {=} \frac{\mathrm{Anzahl gleichartiger Verrichtungen}}{\mathrm{Arbeitsstunde}}

Das Ziel unternehmerischer Tätigkeit besteht im marktwirtschaftlichen System darin, durch planvolles Handeln einen Zustand zu erreichen, der über die Erfüllung von Mindestbedingungen hinausgeht, wonach langfristig Aufwendungen durch Erträge gedeckt sein müssen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfgang Brandes, Peter Weise: Arbeitsleistung von Arbeitsgruppen als Prozess der Selbstorganisation. In: Ökonomie und Gesellschaft. Jahrbuch 12: Soziale Kooperation. Campus, Frankfurt am Main 1995, S. 263–302, hier S. 267.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Joachim Hentze, Andreas Kammel, Andrea Graf: 1. Grundlagen, Personalbedarfsermittlung, -beschaffung, -entwicklung und -einsatz (= Personalwirtschaftslehre). 7. überarbeitete Auflage. Haupt Verlag, Bern/Stuttgart/Wien 2001, ISBN 3-8252-0649-1, S. 432.
  2.  Günther Schanz: Personalwirtschaftslehre. Lebendige Arbeit in verhaltenswissenschaftlicher Perspektive. 3. neu bearb. und erw. Aufl. Auflage. Vahlen, München 2000, ISBN 3-8006-2665-9, S. 139.
  3.  Jean-Paul Thommen, Ann-Kristin Achleitner: Hauptband (= Allgemeine Betriebswirtschaftslehre). 4. überarb. und erw. Aufl. Auflage. Gabler Verlag, Wiesbaden 2003, ISBN 3-409-43016-4, S. 104.
  4.  Günter Wöhe, Ulrich Döring: Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre. 24. Auflage. Vahlen, München 2010, ISBN 978-3-8006-3795-9, S. 38.