Arbeitsvolumen

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Unter Arbeitsvolumen versteht man im Rahmen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung die insgesamt von den Arbeitnehmern und Selbständigen bzw. mithelfenden Familienangehörigen tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden bei Tätigkeiten innerhalb der Produktionsgrenzen, in der Betriebswirtschaftslehre das innerhalb der Arbeitszeit von den Arbeitskräften hergestellte Absatzvolumen an Gütern oder Dienstleistungen.

Definition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Übereinstimmung mit den von der Internationalen Arbeitsorganisation (10. Internationale Konferenz der Arbeitsstatistiker vom Oktober 1962) aufgestellten Normen umfasst das Arbeitsvolumen:

  • die während der normalen Arbeitsdauer tatsächlich geleisteten Stunden;
  • die außerhalb der normalen Arbeitsdauer zusätzlich geleisteten und normalerweise höher als mit dem normalen Satz (Überstunden) bezahlten Stunden;
  • die Zeit, die am Arbeitsplatz bestimmten Aufgaben, wie der Vorbereitung des Arbeitsplatzes, Reparatur- und Wartungsarbeiten, Vorbereitung und Reinigung der Werkzeuge und Ausstellung von Empfangsbescheinigungen, Rechnungen, Arbeitsvorgangskarten sowie Anfertigung von Berichten, gewidmet wird (Arbeitsvorbereitung);
  • die am Arbeitsplatz mit Warten oder im Rahmen von Bereitschaftsdienst verbrachten Ausfallzeiten beispielsweise wegen gelegentlichen Arbeitsmangels, Ausfalls von Maschinen oder Unfällen, oder am Arbeitsplatz verbrachte Zeit, während der nicht gearbeitet wird, die aber im Rahmen eines garantierten Beschäftigungsvertrags bezahlt wird;
  • die Zeit der am Arbeitsplatz verbrachten kurzen Ruhepausen einschließlich der Arbeitspausen zum Einnehmen von Erfrischungen.

Das Arbeitsvolumen umfasst hingegen nicht:

Laut dem Statistischen Bundesamt umfasst das Arbeitsvolumen auch die von mithelfenden Familienangehörigen geleisteten Arbeitsstunden.[1]

Von einem Pro-Kopf-Arbeitsvolumen zu sprechen ist hingegen mehrdeutig, da zu unterscheiden ist, auf welche Personengruppe sich das Arbeitsvolumen bezieht, etwa auf die Wohnbevölkerung (jährliches Arbeitsvolumen pro Einwohner) oder auf alle Erwerbstätige (mittlere jährliche Arbeitszeit pro Erwerbstätigem).[2] Dabei ergibt sich das Arbeitsvolumen pro Einwohner mathematisch als das Produkt aus Arbeitsvolumen pro Erwerbstätigem und Bruttoerwerbstätigenquote.

Arbeitsvolumen in einzelnen Staaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland betrug das Arbeitsvolumen 2011 insgesamt 58 Milliarden Arbeitsstunden bei ca. 41 Millionen Erwerbstätigen.[3] In Österreich wurden 2011 7,1 Milliarden Arbeitsstunden geleistet.[4] In der Schweiz betrug das Arbeitsvolumen 2011 insgesamt 7,7 Milliarden Arbeitsstunden; diese Zahl liegt 2,7 % höher als für 2010.[5]

Die Situation in der Bundesrepublik Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dekadenvergleich von Bruttoinlandsprodukt, Arbeitsproduktivität und Arbeitsvolumen
Vergleich Arbeitsvolumen und Erwerbspersonenpotential

Das Arbeitsvolumen in der Bundesrepublik Deutschland sinkt in seiner Tendenz seit 1960. Lediglich in den Phasen der Hochkonjunktur stieg es jeweils vorübergehend an. Das Arbeitsvolumen sinkt, wenn die gesamte Wirtschaftsleistung eines Landes (BIP) langsamer wächst als die Arbeitsproduktivität (AP = Wirtschaftsleistung der Beschäftigten pro Stunde). Dies war in Deutschland langfristig seit 1960 immer der Fall, d. h. die Arbeitsproduktivität ist im Dekadenvergleich immer schneller gewachsen als das BIP.

Diese Entwicklung hatte zur Folge, dass das Arbeitsvolumen in der Bundesrepublik Deutschland 1960 und 2008 fast identisch blieb (bei ca. 57 Mrd. Stunden), obwohl das Erwerbspersonenpotential seit 1960 von rund 26 Mio. auf 44,5 Mio. Personen stieg. Im Gegenzug sank die Wochenarbeitszeit.

Das Arbeitsvolumen pro Erwerbstätigem sank von 1960 bis 2010 um 31 Prozent, das Arbeitsvolumen pro Einwohner um 29 Prozent (bis 1990: Westdeutschland; ab 1991: Deutschland).[6] Dabei sank es bis 2005 auf 55,500 Milliarden Stunden und stieg seitdem wieder leicht an.[7]

2013 lag es nach Medienangaben 2013 bei 58,072 Milliarden Stunden, dem Höchststand seit 1994.[8] Anderen Angaben zufolge lag es erst ab 2014 wieder bei über 58 Milliarden Stunden.[7] Die durchschnittliche Zahl der Arbeitsstunden pro Erwerbstätigem erreichte 2013 in Deutschland mit 1362 Stunden im Jahr einen Tiefststand.[7]

Internationaler Vergleich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ländervergleich 2000/1970 I
Ländervergleich 2000/1970 II

Innerhalb der OECD gibt es mit der Bundesrepublik Deutschland nur eine Volkswirtschaft, die in allen Dekaden von 1970 bis 2000 ein sinkendes Arbeitsvolumen aufzuweisen hatte. Innerhalb der OECD gibt es mit den Vereinigten Staaten von Amerika nur eine Volkswirtschaft, die in allen Dekaden von 1970 bis 2000 ein steigendes Arbeitsvolumen aufzuweisen hatte. In allen anderen Volkswirtschaften der OECD wechseln sich steigende und sinkende Dekaden des Arbeitsvolumens von 1970 bis 2000 ab, obwohl in allen Ländern eine wachsende Bevölkerungs- und Erwerbstätigenzahl zu beobachten war.

Die für 11 EU-Staaten vorliegenden Daten zeigen, dass im Zeitraum von 1970 bis 2000 in 7 Ländern (Frankreich, Großbritannien, Italien, Deutschland, Dänemark, Belgien und Finnland) das Arbeitsvolumen zurückgegangen ist (im Durchschnitt um 7 %); Schweden, Spanien und die Niederlande konnten eine sehr geringe Zunahme (ca. 4 %) verbuchen. Lediglich in Irland stieg das Arbeitsvolumen signifikant (+26 %) an, allerdings hat sich hier Zahl der Erwerbstätigen um 77 % erhöht. Auch in den zehn anderen Ländern wuchs die Anzahl der Beschäftigen (zwischen 4 % und 43 %). Folglich ist überall ein Rückgang des Arbeitsvolumens pro Erwerbstätigen und eine sinkende Jahresarbeitszeit zu verzeichnen – bei BIP-Wachstumsraten von bis zu vier Prozent.

Schlussfolgerungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Unterschiede in der Entwicklung des Arbeitsvolumens ergeben sich neben der unterschiedlichen Bevölkerungsentwicklung vor allem aus der vorrangigen Orientierung der jeweiligen Volkswirtschaft auf den Außen- oder Binnenmarkt. Die Vorteile einer höheren Steigerung der Produktivität im Export sind gleichzeitig die Nachteile in der Entwicklung des Arbeitsvolumens.

Dazu ein bezeichnendes Beispiel aus Deutschland:

„Das verarbeitende Gewerbe hat mit seinen 5,9 Mio. Beschäftigten im Jahr 2006 den Gesamtumsatz um 6,5 % erhöht. Das führte trotzdem zur Entlassung von 33.000 Mitarbeitern (-0,6 % der Beschäftigten).“[9]

Im exportorientierten verarbeitenden Gewerbe sind die angestrebten Absatzerfolge auf Grund einer enormen Produktivitätssteigerung erreicht worden, ohne dass dabei ein Zuwachs an Beschäftigung generiert werden konnte.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik (2007); Memorandum, Mehr Beschäftigung braucht eine andere Verteilung
  • Heinz-J. Bontrup, Lars Niggemeyer, Jörg Melz (2007) - "ArbeitFairTeilen", Attac Basistext Nr. 27, VSA Hamburg

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Arbeitszeit und Arbeitsvolumen in den Volks­wirt­schaft­lichen Ge­samt­rech­nun­gen. In: Destatis. Statistisches Bundesamt, abgerufen am 1. April 2017.
  2. Meinhard Miegel, Hybris: Die überforderte Gesellschaft, Ullstein ebooks, 2014, ISBN 978-3-8437-0767-1. Schaubilder 1 und 2.
  3. Jahresarbeitsvolumen, Zahl der Erwerbstätigen und registrierte Arbeitslosigkeit 1991–2011. Abgerufen am 17. Februar 2013 (PDF; 130 kB).
  4. Tatsächlich geleistete Arbeitsstunden (Arbeitsvolumen) nach Haupt-, Zweittätigkeit bzw. Beschäftigungsausmaß. Statistik Austria, abgerufen am 17. Februar 2013.
  5. 7,7 Milliarden Arbeitsstunden im Jahr 2011. Medienmitteilung Nr. 0350-1205-30. Schweizerische Eidgenossenschaft, 18. Juni 2012, abgerufen am 17. Februar 2013 (PDF).
  6. Der aktuelle Beschäftigungsoptimismus in historischer Perspektive, grundeinkommensblog.blogspot.com, 3. November 2010, Grafik.
  7. a b c Arbeitsvolumen – Geleistete Arbeitsstunden der Erwerbstätigen 2000 bis 2016 (WZ 2008), Revision 2014, Berechnungsstand: August 2016. In: Destatis. Statistisches Bundesamt, abgerufen am 3. April 2017.
  8. Rekordbeschäftigung: Deutsche arbeiten soviel wie zuletzt vor 20 Jahren. stern.de, archiviert vom Original am 13. März 2014, abgerufen am 12. März 2014.
  9. (Pressemitteilung des Bundesamtes für Statistik vom 16. Februar 2007)