Arbeitszeit

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Arbeitszeit ist im Arbeitsrecht der Zeitraum, in welchem ein Arbeitnehmer seiner Arbeitspflicht nachkommen muss, wobei Arbeitspausen meist nicht mitzählen. Komplementärbegriff ist die Freizeit.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Arbeitszeit wird nicht ausschließlich mit der Arbeitsleistung des Arbeitnehmers ausgefüllt, sondern sie beinhaltet auch gesetzliche oder tarifvertragliche Zeiträume, in denen die Arbeitspflicht ruht. Dazu gehören vor allem die Arbeitspausen. Ebenfalls nicht zur Arbeitszeit gehört der Arbeitsweg. Er ist jedoch auch nicht Teil der Freizeit, sondern er zählt zur Obligationszeit, in der außerdem „Aktivitäten wie Haushalts- und Reparaturarbeiten, Behördengänge…“ erledigt werden.[1] Die Umkleidezeit (siehe Umkleide- und Rüstzeit) ist dagegen für maximal 27 Minuten pro Arbeitstag Arbeitszeit, wenn die vorgeschriebene Arbeitskleidung in einem Umkleideraum an- und abzulegen ist.[2] Der Arbeitsunfall geschieht versicherungsrechtlich während der Arbeitszeit (§ 8 SGB VII), wobei auch der Wegeunfall dem Arbeitsunfall gleichgestellt ist (§ 8 Abs. 2 Nr. 1 SGB VII). Weisungsgebunden ist, wer nicht im Wesentlichen frei seine Tätigkeit gestalten und seine Arbeitszeit bestimmen kann (§ 611a BGB).

Rechtsfragen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wichtigste Rechtsgrundlagen sind das Arbeitszeitgesetz (ArbzG) für die Privatwirtschaft sowie die Arbeitszeitverordnung (AZV) für die Normadressaten der Beamten. Sonderregelungen gibt es für die flexible Arbeitszeit und den Zeitausgleich. Die Einhaltung der Regelungen wird von der Gewerbeaufsicht - auch auf Anfrage - überwacht und ist mit Ordnungs- und Strafvorschriften bewehrt (§ 22, § 23 ArbzG).

Arbeitszeitgesetz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das ArbzG definiert in § 1 Abs. 1 ArbzG die Arbeitszeit als die Zeit vom Beginn bis zum Ende der Arbeit ohne die Ruhepausen, wobei im Bergbau unter Tage die Ruhezeiten zur Arbeitszeit zählen. Nachtzeit ist die Zeit von 23:00 bis 06:00 Uhr, in Bäckereien und Konditoreien die Zeit von 22:00 bis 05:00 Uhr (§ 1 Abs. 3 ArbzG).[3] Die Länge der Arbeitszeit wird normalerweise in einem Arbeitsvertrag geregelt. Sie hat meist direkten Einfluss auf die Berechnung des Arbeitsentgelts (Zeitlohn). Eine vertragliche Regelung der Arbeitszeit findet ihre Grenzen jedoch stets im ArbzG. Durch Tarifverträge können engere Grenzen, aber teilweise auch über die Begrenzungen des ArbZG hinausgehende Regelungen (§ 7 ArbZG), vereinbart werden.

Gemäß § 3 ArbzG darf die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer acht Stunden nicht überschreiten; sie kann auf bis zu zehn Stunden nur verlängert werden (Höchstarbeitszeit), wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden. In § 4 ArbzG sind die Ruhepausen geregelt, die mindestens 30 Minuten am Arbeitstag betragen müssen. Die Ruhezeit muss nach § 5 Abs. 1 ArbzG mindestens elf Stunden betragen, wobei eine Verkürzung für bestimmte Wirtschaftszweige gestattet ist. § 6 ArbzG regelt die Nachtarbeit und Schichtarbeit. Sonderregelungen bestehen aufgrund § 7 ArbzG für Arbeitsbereitschaft oder Bereitschaftsdienst. Generell ist gemäß § 9 ArbzG die Sonn- und Feiertagsruhe einzuhalten, doch lässt § 10 ArbzG zahlreiche Ausnahmen zu.

Arbeitszeitverordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Arbeitszeitverordnung (AZV) legt für Beamte die wöchentliche Arbeitszeit auf 41 Stunden fest (§ 3 Abs. 1 AZV), die Höchstarbeitszeit einschließlich der Pausen beträgt gemäß § 4 AZV 13 Stunden, wobei § 5 AZV die mindestens 30-minütigen Ruhepausen nicht zur Arbeitszeit zählt. Zur Arbeitszeit gehören nach § 11 AZV auch die Dienstreisen, wobei allgemein die Reisezeiten nicht zur Arbeitszeit gerechnet werden. Rufbereitschaft oder Bereitschaftsdienst erhielten in § 12 AZV und § 13 AZV Sonderregelungen.

Arbeitspausen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Arbeitspause

Unter Arbeitspausen werden verschiedene Begriffe subsumiert:

  1. Ruhezeit: Arbeitsfreie Zeit zwischen den einzelnen Arbeitstagen
  2. Ruhepausen = Arbeitspause im engeren Sinn: gesetzlich festgelegte Pausen innerhalb eines Arbeitstages, die in der Regel nicht zur Arbeitszeit zählen. Neben der Erholung sind sie v. a. zur Einnahme einer Mahlzeit in geeigneter Umgebung und der Aufnahme sozialer Kontakte gedacht. Die Arbeit soll jedoch so gestaltet sein, dass eine Erholung nicht notwendig wird (siehe Arbeitsstrukturierung).
  3. Kurzpause – eine Arbeitsunterbrechung kürzer als 15 Minuten.
  4. Erholungszeit: Zeit, die für eine Erholung nach einer Arbeit mit einer Belastung über der Dauerleistungsgrenze gewährt wird (siehe: Ablaufart). Sie ist Arbeitszeit und wird sinnvollerweise unmittelbar nach der Belastung gewährt.

Schichtarbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schichtarbeit besteht darin, dass mehrere Arbeitnehmer zu unterschiedlichen Zeiten am gleichen Arbeitsplatz oder an der gleichen Arbeitsaufgabe arbeiten (z. B. in der Frühe und am Abend) oder Personen zu sehr ungewöhnlichen Zeiten arbeiten (z. B. in der Nacht). Sie führt zu erhöhter physischer und psychosozialer Arbeitsbelastung und bringt auch höhere Fehler- und Unfallrisiken mit sich. Die Verbreitung von Schichtarbeit ist von Land zu Land sehr unterschiedlich, nimmt in der letzten Zeit aber zu.

Mitbestimmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Betrieben mit Betriebsrat hat diese Mitarbeitervertretung über den Beginn und das Ende der täglichen Arbeitszeit einschließlich der Pausen und der Verteilung der Arbeitszeit auf mehrere Wochentage mitzubestimmen (§ 87 Abs. 1 Nr. 2 BetrVG). Mitbestimmung gilt auch für die vorübergehende Verkürzung und Verlängerung der Arbeitszeit (§ 87 Abs. 1 Nr. 3 BetrVG). Der Betriebsrat übt seine Mitbestimmung bei der Arbeitszeit auch unter Berücksichtigung des Arbeitsschutzes aus (so verweis von § 5 Abs. 3 Nr. 4 ArbSchG auf § 87 Abs. 1 Nr. 7 BetrVG). Vergleichbares gilt im öffentlichen Dienst bez. der Beteiligungsrechte des Personalrates.

Flexibilisierung der Arbeitszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Flexible Arbeitszeit

Zusätzlich wird auch immer wieder über Arbeitszeitflexibilisierungen diskutiert, die vom Modell der Regelarbeitszeit abweichen. Damit sind verschiedene Arbeitszeitmodelle gemeint wie Jahresarbeitszeit, Arbeitszeitkonten, Gleitzeit, Vertrauensarbeitszeit, Teilzeitarbeit, Arbeitsplatzteilung, Lebensarbeitszeitkonto, Modulare Arbeitszeit, Telearbeit, Zeitautonome Arbeitsgruppen, Arbeit auf Abruf, Individuelle Arbeitszeit und Sabbatical.

Bei der Berechnung des Entgeltes werden unterschiedliche Modelle zu Grunde gelegt. Es gibt Arbeitsverhältnisse, in denen nur die jeweiligen Arbeitsstunden entgolten werden und andere, bei denen eine feste monatliche Grundvergütung unabhängig der von der Anzahl der Arbeitstage abhängigen Anwesenheitszeit gezahlt wird. Insgesamt gesehen, erleichtert eine geringere tatsächliche Wochenarbeitszeit die Flexibilisierung erheblich, da auf mehr Freizeiträume zurückgegriffen werden kann. Die gesundheitlichen und sozialen Auswirkungen hängen sehr stark von den konkreten Vereinbarungen (zum Beispiel Ankündigungsfristen von Veränderungen), vom Umfeld (zum Beispiel Verkehr, Kinderbetreuung) und davon ab, ob Beschäftigte selbst relevanten Einfluss auf die Festlegung der Zeiten haben.

Die konkreten Formen und die Verbreitung flexibler Arbeitszeitmodelle unterscheiden sich sehr stark von Land zu Land.

Die Atmende Fabrik bezeichnet in diesem Zusammenhang ein flexibles, produktionsorientiertes Unternehmen, das eine gute Reaktionsfähigkeit gegenüber der Auftragslage aufweist. So ist es einem solchen Unternehmen möglich, durch flexible Arbeitsverträge bei einer hohen Nachfrage mehr zu produzieren, im anderen Fall weniger. Erreicht wird das beispielsweise durch zusätzliche Schichten oder Arbeit an Sonn- und Feiertagen. Typisch ist das in der Computerindustrie oder generell in der Montage elektronischer Konsumprodukte.

Ein langes Wochenende (Samstag und Sonntag) im Kreise der Familie ist heute für viele Beschäftigte in Deutschland immer weniger möglich. Gut 45 Prozent von ihnen arbeiteten 2008 zumindest gelegentlich wie an anderen Werktagen.[4]

Unbezahlte Arbeitszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Teil der Arbeitszeit wird weder monetär noch durch entsprechenden Freizeitausgleich vergütet. In einem Bericht der Friedrich-Ebert-Stiftung wird hervorgehoben, dass unbezahlte Mehrarbeit in mehr als 20 % der Betriebe mit Betriebsrat stattfindet und in jedem dritten Betrieb mit Arbeitszeitkonten Teile der angesammelten Zeitguthaben verfallen.[5] Das Gesamtausmaß solcher unbezahlten Arbeitszeit lässt sich dem Bericht zufolge bislang nicht quantifizieren und ist in Arbeitszeitstatistiken unzureichend erfasst.[6]

Historische Veränderung der Arbeitszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In vorindustrieller Zeit, in der die Mehrheit der Bevölkerung in der Landwirtschaft arbeitete, richtete sich die Arbeitszeit nach natürlichen Grenzen wie etwa der Tageslänge, im Sommer wurde länger gearbeitet als im Winter. Mit der Industrialisierung kam nicht nur künstliche Beleuchtung durch Gas. bzw. Elektrizität auf, sondern auch das Bestreben, die Betriebszeit kapitalintensiver Maschinen möglichst rund um die Uhr auszudehnen. Da gleichzeitig keine gesetzlichen und tariflichen Schranken galten und die Löhne durch ein Überangebot an Arbeitskraft sehr gering waren, führte dies zu fast unbegrenzten Arbeitstagen von 16 Stunden und mehr. Alkoholismus, eine Verelendung breiter Bevölkerungsschichten und eine verkürzte Lebenserwartung der Arbeiterschaft waren die Folge.[7] Eine der ersten Forderungen der Arbeiterbewegung war dementsprechend die Begrenzung der Arbeitszeit, die in England mit dem Zehnstundentag bereits im 19. Jahrhundert durchgesetzt wurde.

Im 20. Jahrhundert kam es auch in Deutschland auf gewerkschaftlichen Druck hin zu einer stetigen Verkürzung der tariflichen Wochenarbeitszeit. 1900 wurden der 10-Stunden-Arbeitstag (in einer Sechs-Tage-Woche) und 1918/19 als Folge der Novemberrevolution der Acht-Stunden-Arbeitstag gesetzlich geregelt. 1955/56 wurde in der Bundesrepublik die Fünf-Tage-Woche schrittweise realisiert.[8] Im Jahr 1965 folgte die 40-Stunden-Woche. In der DDR wurde die Fünf-Tage-Woche per Gesetz vom 9. April 1966 zunächst für jede zweite Woche festgesetzt; durch den Ministerratsbeschluss vom 3. Mai 1967 galt sie dann ab dem August 1967 durchgehend für jede Woche. Dafür wurden einige, vornehmlich christliche Feiertage abgeschafft. In der sich wandelnden Bundesrepublik einigten sich 1990 die Tarifparteien in der Metall-, Elektro und Druckindustrie auf eine schrittweise Einführung der 35-Stunden-Woche bis 1995. Schon vor Ende der 1990er Jahre wurden die Arbeitszeitverkürzungen vielerorts zurückgenommen. Nach und nach wurden die 38,5-Wochenstunden für Beamte auf ausnahmsweise bis zu 42 Stunden die Woche verlängert.

Verschiedene Autoren weisen darauf hin, dass eine Arbeitszeitverkürzung nicht mit einem Rückgang der Produktion verbunden sein muss. So hieß es z. B. im Jahr 2002: „Tatsache ist, dass sich das Arbeitsvolumen, das heißt, die Zahl der effektiv geleisteten Arbeitsstunden pro Kopf der Bevölkerung von 1900 bis zum Jahr 2000 recht genau halbiert hat. … Richtig ist, dass heute – jedoch aufgrund des Produktivitäts-Fortschritts – pro Kopf der Bevölkerung die sechsfache Menge an Gütern und Dienstleistungen erwirtschaftet wird wie vor 100 Jahren“.[9]

Im Vergleich des gesamtdeutschen Arbeitsmarkts von 2008 mit dem der Bundesrepublik (ohne DDR) von 1960 hat das Arbeitsvolumen nur um 2,7 % zugenommen, zugleich ist aber das Potenzial der Erwerbspersonen um 69 % von 26,3 Millionen auf 44,4 Millionen Personen gewachsen.[10]

Bewertung von Arbeitszeitänderungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ob Arbeitszeitverkürzungen oder Arbeitszeitverlängerungen für Normalarbeitskräfte[11] (d. h. Vollzeiterwerbstätige) sinnvoll sind, ist seit jeher umstritten. Die Veränderungen der gesellschaftlich üblichen Arbeitszeit verändert das Angebot an Arbeitskräften. Ein sinkendes Angebot stärkt die Gewerkschaftsseite bei Tarifvertragsverhandlungen, ein steigendes die der Arbeitgeber. Entsprechend befürworten Gewerkschaften überwiegend Arbeitszeitverkürzungen, von Arbeitgeberseite wird hingegen ein Anstieg der Arbeitszeit als sinnvoll angesehen.

Die Frage nach einer optimalen Arbeitszeit ist ebenso strittig. Die Neoklassische Theorie argumentiert: Je länger die Arbeitszeit, umso höher ist die erzeugte Menge an Waren und Dienstleistungen und damit der Arbeitslohn. Mit steigender Arbeitszeit nimmt das Arbeitsleid zu. Eine optimale Arbeitszeit ist daher die Arbeitszeit, in der der Grenznutzen des höheren Lohns dem Grenzschaden des zusätzlichen Arbeitsleides entspricht. Dies erklärt auch zum Teil die Reduzierung von Arbeitszeit in der Vergangenheit: Vielen Menschen ist frei verfügbare Zeit mehr wert als zusätzliches Einkommen.

In diesem Kontext werden auch gesundheitliche Aspekte diskutiert. Überlange Arbeitszeiten sind eine Quelle gesundheitlicher Belastung. Ein Indiz hierfür ist die Korrelation zwischen verkürzten Arbeitszeiten und längerer Lebenserwartung. Mit einer längeren Arbeitszeit können Überlastung und Überforderung der Beschäftigten einhergehen. In der Folge können sich z. B. die Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankung (Burnout-Syndrom) erhöhen.[12] Der Zusammenhang zwischen steigenden Anforderungen am Arbeitsplatz, wachsendem Stress, zunehmendem Konkurrenzdruck und Erkrankungen ist evident.[13]

Das Thema ist auch Teil der Wachstumskritik. Wachstumskritiker fordern ein Umdenken beim Thema Arbeitszeit und eine Abkehr vom einseitig ökonomistisch geprägten Denken, wonach die Menschen „leben, um zu arbeiten, arbeiten, um zu verdienen und verdienen, um zu konsumieren“.[14] Arbeit und Leben müssten miteinander in Balance gebracht werden. Das Dogma der 40-Stunden-und-mehr-Woche sei überholt. Es stamme aus dem industriellen Zeitalter.

Die Debatte um die richtige Arbeitszeit behandelt auch die Frage der Work-Life-Balance. Kürzere Arbeitszeiten ermöglichten es den Menschen, sich intensiver ihren Beziehungen zu widmen. Sie erlaubten mehr Raum für Muße, um das Leben zu genießen. Zudem helfe eine kürzere Wochenarbeitszeit, mit kostbaren Ressourcen sorgsamer umzugehen und sich umweltbewusster zu verhalten.[15]

Daneben wird die Frage der Arbeitszeit im Zusammenhang mit der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung diskutiert. Während eine längere Arbeitszeit zu einer Erhöhung des Bruttoinlandsproduktes führt, soll eine Arbeitszeitverkürzung – bei gleichbleibender Produktivität – nach Ansicht einiger Forscher[15] dazu führen, soziale Ungleichheit in der Gesellschaft zu verringern. Erwerbslose könnten demnach besser in den Arbeitsmarkt integriert werden, da die Arbeit auf eine größere Anzahl von Beschäftigten verteilt werden müsste. Ferner ermögliche sie eine gerechtere Arbeitsteilung unter den Geschlechtern. Männern wie Frauen bliebe mehr Zeit für volkswirtschaftlich relevante, jedoch unbezahlte Arbeit in der Familie (Haushalt, Kinder-Erziehung, Pflege der Eltern) oder ehrenamtliches Engagement für die Gesellschaft.

Arbeitszeiterfassung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Terminal zur Personalzeiterfassung mittels RFID-Technik

Im Prinzip ist eine Erfassung der Arbeitszeit, beispielsweise mit Hilfe einer Stempeluhr, gesetzlich nicht vorgeschrieben. Der Arbeitgeber ist jedoch verpflichtet, die über acht Stunden hinausgehende Arbeitszeit an Werktagen und jegliche Arbeitszeit an einem Sonn- und Feiertag aufzuzeichnen (§ 16 Abs. 2 ArbZG). Es zeigt sich in der Praxis der Arbeitszeitflexibilisierung, dass Arbeitgeber ihre Mitarbeiter mit der Erfüllung der Aufzeichnungspflicht beauftragen konnten.[16] Damit verringert sich auf der einen Seite die Überwachung der Arbeitnehmer durch die Arbeitgeber, andererseits befreien sich die Arbeitgeber damit von einem Teil ihrer Verantwortung für eine korrekte Arbeitszeiterfassung. Der Arbeitgeber kann die Aufzeichnungsverpflichtung auch auf den Arbeitnehmer übertragen. Dieser muss sodann die Zeiten, die über die tariflich oder arbeitsvertraglich vereinbarte tägliche Arbeitszeit (üblicherweise ca. 8 Stunden) hinausgehen, eigenverantwortlich aufschreiben. Der Arbeitgeber kann sich allerdings selbst mit der Übertragung der Aufzeichnungsverpflichtung nicht (ganz) aus seiner Verantwortung zur Einhaltung der Höchstarbeitszeiten schleichen. Er muss zumindest in regelmäßigen Stichproben kontrollieren, dass die Höchstarbeitszeiten nicht überschritten werden.

Wird die Mehrarbeit vorsätzlich nicht wahrheitsgemäß dokumentiert, so liegt dann ein Betrugsdelikt vor, wenn durch die falsche Dokumentation Arbeitszeiten verschleiert werden sollen, die zu Übermüdung führen können. Das gilt auch dann, wenn es betriebliche Übung ist, Arbeitszeiten nicht wahrheitsgemäß zu dokumentieren, die beispielsweise 10 Stunden überschreiten. Alleine durch Überschreitung der Arbeitszeiten verliert der Arbeitnehmer seinen Versicherungsschutz noch nicht, denn es ist Aufgabe des Arbeitgebers, die Einhaltung von Arbeitszeitvorschriften durchzusetzen. Dazu ist eine ordnungsgemäße Dokumentation der Arbeitszeit erforderlich.

Viele gesetzliche Ausnahmeregelungen machen zur Auflage, dass zusätzlich zur Beschränkung der täglichen Arbeitszeit die durchschnittliche Arbeitszeit innerhalb eines bestimmten Zeitraums einen vorgegebenen Wert nicht überschreiten darf, beispielsweise 48 Stunden pro Woche innerhalb eines halben Jahres. Werden bei der Zeiterfassung, die zur Überprüfung der Einhaltung dieser Beschränkung notwendig ist, vorsätzlich falsche Angaben gemacht, so kann das auch in diesem Fall zu einer strafrechtlichen Verfolgung wegen Betrugs führen. Die Überschreitung einer maximalen Arbeitszeit selbst ist zunächst nur eine Ordnungswidrigkeit des Arbeitgebers.

Wirtschaftliche Aspekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Änderungen der Arbeitszeit wirken sich unmittelbar auf die Arbeitskapazität und damit auf die gesamte Kapazität eines Unternehmens aus.[17] Wird die Arbeitszeit verringert, so sinkt zumindest bei limitationalen Produktionsfaktoren auch das Arbeitsvolumen sowie das Absatzvolumen und umgekehrt. Die Personalkosten verändern sich bei einer Veränderung der Arbeitszeit nur dann, wenn Zeitlohn besteht. Wird bei unveränderter Arbeitszeit die Arbeitsintensität verändert, ändert sich auch die Kapazität durch intensitätsmäßige Anpassung. Aus diesen Gründen sind die Arbeitgeber daran interessiert, die Arbeitszeit nicht zu verkürzen (gewerkschaftliche Forderungen der Senkung der 40-Stunden-Woche auf die 35-Stunden-Woche). Die Verkürzung der Wochenarbeitszeit führt - bei sonst gleichbleibenden Verhältnissen - zwar kurzfristig zu einer Erhöhung der Arbeitsproduktivität, hat jedoch mittelfristig Mehrarbeit oder eine Erhöhung der Personalkapazität (Einstellung von Personal) zur Folge. Auch die Einführung oder Streichung von Feiertagen oder bereits Kalendereffekte (ein Feiertag fällt auf einen Sonntag) wirken sich nicht nur in Unternehmen, sondern auch in der gesamten Volkswirtschaft aus (Veränderung des Bruttoinlandsprodukts).[18]

International[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

EU-Recht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemäß Art. 2 Nr. 1 der Richtlinie 2003/88/EG über bestimmte Aspekte der Arbeitszeitgestaltung wird im EU-Recht unter Arbeitszeit jede Zeitspanne verstanden, „während der ein Arbeitnehmer gemäß den einzelstaatlichen Rechtsvorschriften und/oder Gepflogenheiten arbeitet, dem Arbeitgeber zur Verfügung steht und seine Tätigkeit ausübt oder Aufgaben wahrnimmt“. Dies schließt Bereitschaftsdienste ein. Diese EU-Richtlinie gilt als arbeitsrechtliche Rahmenbedingung in allen EU-Mitgliedstaaten.

Internationaler Vergleich von Arbeitszeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gewöhnliche Arbeitszeit wichtiger OECD-Länder nach IAT 2003

Arbeitszeiten international zu vergleichen ist nicht einfach. Oft wird in den Medien die OECD-Statistik zitiert. Nach dieser betrug in Deutschland 2003 die durchschnittliche Arbeitszeit 1.361 Stunden im Jahr. Von den 12 alten EG-Ländern arbeitete man danach nur in den Niederlanden noch etwas weniger als in Deutschland. Die OECD weist in ihrer Statistik allerdings selbst darauf hin, dass ein solcher Vergleich über die Länder mit ihren Zahlen unzulässig sei, da die einzelnen Länder in ganz unterschiedlicher Weise die Daten erheben und zum Beispiel auch in unterschiedlichem Umfang Teilzeitarbeit hätten und dies die Statistik verfälsche.

Das Institut für Arbeit und Technik in Gelsenkirchen hat deswegen mit der Gewöhnlichen Jahresarbeitszeit eine Kennzahl entwickelt, der nur abhängige Vollzeitarbeitsverhältnisse zu Grunde liegen und für die nur die tarifliche Arbeitszeit nebst üblichen Überstunden sowie Urlaub und Feiertage berücksichtigt werden.[19]

Bei der Urlaubszeit liegt Deutschland mit 29,1 Tagen im Jahr deutlich über dem EU-Durchschnitt (25,9 Tage). Hingegen entfielen zwischen 2000 und 2002 auf 1000 Arbeitnehmer nur 10 Streiktage. Damit liegt Deutschland in dem Drittel der EU-Länder, in denen am wenigsten gestreikt wird; in Spanien streikten die Arbeitnehmer im selben Zeitraum 489 Tage lang, in Italien 433.[20]

In einer Studie der EU-Behörde zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen in Dublin hatte im Jahre 2008 Frankreich mit 38,4 Wochenstunden die im europäischen Vergleich geringste Wochenarbeitszeit. Am längsten arbeiten Rumänen mit 41,8 Stunden, während Deutschland mit einer durchschnittlichen realen Arbeitszeit von 41,2 Stunden im oberen Bereich lag. Zudem sei die tatsächliche Wochenarbeitszeit länger, da viele Beschäftigte Überstunden ableisten oder in Betrieben arbeiten, die keine Tarifbindung haben.[21] Bei diesen Zahlen ist jedoch die Zahl der Urlaubstage nicht berücksichtigt.[22]

Arbeitszeit in der Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Schweiz gehören die Arbeitszeiten traditionell zu den höchsten Europas. Die 40-Stunden-Woche wurde etwa in der Maschinen- und Uhrenindustrie erst mit dem Friedensabkommen von 1993 eingeführt. Im Jahr 2009 betrug der statistische Arbeitszeit-Durchschnitt der letzten vier Jahre noch immer 41,7 Stunden.[23]

Arbeitszeit in Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Österreich bildet das Arbeitszeitgesetz den rechtlichen Rahmen für die Bestimmung der Arbeitszeit der meisten Arbeitnehmer. Das Arbeitszeitgesetz definiert die Arbeitszeit als die Zeit vom Beginn bis zum Ende der Arbeit ohne die Ruhepausen. Es legt die tägliche und wöchentliche Normalarbeitszeit (40 Stunden pro Woche, 8 Stunden am Arbeitstag), mit zahlreichen Varianten, und die Höchstgrenzen der Arbeitszeit fest. Die Differenz zwischen der zulässigen Höchstarbeitszeit und der Normalarbeitszeit bilden Mehrarbeits- und Überstunden. Die Wochenendruhe beträgt mindestens 36 Stunden, muss am Samstag spätestens um 13 Uhr beginnen und umfasst den Sonntag.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Buschmann, Rudolf; Ulber, Jürgen: Arbeitszeitgesetz: Basiskommentar mit Nebengesetzen und Ladenschluss. 6. Aufl., 2009, Bund-Verlag, Frankfurt am Main, ISBN 978-3-7663-3866-2.
  • Sascha Kristin Futh: Der DGB entdeckt die Kampagne. Der Kampf um den arbeitsfreien Samstag, in: Arbeit - Bewegung - Geschichte. Zeitschrift für historische Studien, Heft II/2016.
  • Hamm, Ingo: Flexible Arbeitszeit: Kontenmodelle – Analyse und Handlungsempfehlungen. Bund-Verlag, Frankfurt am Main: Bund-Verlag, 2008 (Schriftenreihe Betriebs- und Dienstvereinbarungen der Hans-Böckler-Stiftung). - ISBN 978-3-7663-3729-0.
  • Hamm, Ingo: Mehrarbeit, Überstunden. 2., überarb. und aktualisierte Aufl. Frankfurt am Main: Bund-Verlag, 2004, ISBN 3-7663-3547-2.
  • Lorenz, Frank; Schneider, Günter (Hrsg.): Vertrauensarbeitszeit, Arbeitszeitkonten, Flexi-Modelle: Konzepte und betriebliche Praxis. Hamburg : VSA-Verl., 2005 - ISBN 3-89965-108-1.
  • Cowling, Keith; Poolsombat, Rattanasuda: Advertising and Labour Supply: Why do Americans work such long Hours (PDF, 38S.; 158 kB). In: The Warwick Economics Research Paper Series (TWERPS), Working Paper 789[2007].
  • Marion Bretag: Arbeitszeitflexibilisierung im Interessenkonflikt zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern: eine unternehmungspolitische Analyse. München: Utz, 2007 - ISBN 978-3-8316-0716-7.
  • Michael Kopatz: Arbeit, Glück und Nachhaltigkeit. Warum kürzere Arbeitszeiten Wohlbefinden, Gesundheit, Klimaschutz und Ressourcengerechtigkeit fördern. Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, Wuppertal 2012, (online impw3.pdf als PDF, 60 Seiten, 5,2 MB).
  • Heinz-J. Bontrup, Lars Niggemeyer, Jörg Melz: Arbeitfairteilen. Massenarbeitslosigkeit überwinden!, Hamburg 2007, ISBN 978-3-89965-249-9

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Arbeitszeit – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Renate Rau: Zur Wechselwirkung zwischen Arbeit, Beanspruchung und Erholung, in: Eva Bamberg/Antje Ducki/Anne-Marie Metz (Hrsg.), Gesundheitsförderung und Gesundheitsmanagement in der Arbeitswelt, 2011, S. 84.
  2. BAG, Urteil vom 26. Oktober 2016, Az. 5 AZR 168/16, Volltext.
  3. Thomas Pfeiffer/Josef Sauer: Arbeitsschutz von A-Z, 2013, S. 68.
  4. WSI-Experte Alexander Herzog-Stein: Das gemeinsame Wochenende fällt oft aus. Böckler-Impuls (PDF; 100 kB).
  5. Hartmut Seifert: Vom Gleitzeit- zum Langzeitkonto, in: WSI-Mitteilungen, 58 (6), S. 308–313, 2005. Zitiert nach Hartmut Seifert: Konfliktfeld Arbeitszeitpolitik Entwicklungslinien, Gestaltungsanforderungen und Perspektiven der Arbeitszeit. Friedrich-Ebert-Stiftung, Dezember 2006, abgerufen im 2. November 2010 (PDF; 1,1 MB, ISBN 978-3-89892-604-1). S. 14
  6. Hartmut Seifert: Konfliktfeld Arbeitszeitpolitik Entwicklungslinien, Gestaltungsanforderungen und Perspektiven der Arbeitszeit. Friedrich-Ebert-Stiftung, Dezember 2006, abgerufen im 2. November 2010 (PDF; 1,1 MB, ISBN 978-3-89892-604-1). S. 14
  7. Vgl. Ralf Hoffrogge: Sozialismus und Arbeiterbewegung in Deutschland. Stuttgart 2011, S. 106–114.
  8. Vgl. Sascha Kristin Futh: Der DGB entdeckt die Kampagne. Der Kampf um den arbeitsfreien Samstag. In: Arbeit - Bewegung - Geschichte. Zeitschrift für historische Studien, Heft II/2016.
  9. Meinhard Miegel: Wachstum bringt keine Jobs. In: Märkische Allgemeine Zeitung. 26. August 2002.
  10. Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik, Memorandum 2009: Von der Krise in den Absturz? Stabilisierung, Umbau, Demokratisierung - Kurzfassung (PDF; 791 kB)ISBN 978-3-89438-409-8 - Flyer (PDF; 198 kB) Darin: S. 18 der Kurzfassung
  11. Bundesministerium des Innern: Jahresarbeitszeit einer Normalarbeitskraft@1@2Vorlage:Toter Link/www.orghandbuch.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.. Amtliches Berechnungsverfahren zur Ermittlung der Jahresarbeitszeit in der Bundesrepublik Deutschland
  12. Gesundheitsreport 2011: Immer mehr Fehltage wegen psychischer Erkrankungen. In: tk.de. 2011, abgerufen am 7. Januar 2017 (JPEG).
  13. EU-Studie: Stress ist häufigster Grund für Krankmeldungen. In: Spiegel Online. 4. Februar 2008, abgerufen am 7. Januar 2017.
  14. Anne Coote; Jane Franklin; Andrew Simms: 21 hours. Why a shorter working week can help us all to flourish in the 21st century.@1@2Vorlage:Toter Link/www.neweconomics.org (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. In: New Economics Foundation (Hrsg.), London 2010, ISBN 978-1-904882-70-1, S. 3.
  15. a b Anne Coote; Jane Franklin; Andrew Simms: 21 hours. Why a shorter working week can help us all to flourish in the 21st century.@1@2Vorlage:Toter Link/www.neweconomics.org (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. In: New Economics Foundation (Hrsg.), London 2010, ISBN 978-1-904882-70-1, S. 16–25.
  16. Zur Umstrittenheit dieser Selbstaufschreibung durch Mitarbeiter siehe den Kommentar zu § 16 Abs. 2 ArbZG in Rudolf Buschmann/Rudolf Ulber: Arbeitszeitgesetz: Basiskommentar mit Nebengesetzen und Ladenschluss. Frankfurt am Main: Bund-Verlag, 2007 - ISBN 978-3-7663-3776-4.
  17. Britta Jelinek/Manfred Hannich: Wege zur effizienten Finanzfunktion in Kreditinstituten, 2009, S. 364.
  18. Matthias Premer: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre: Makroökonomik und Mikroökonomik, 2015, S. 35.
  19. Steffen Lehndorff (Institut Arbeit und Technik): IAT-Report: Wie lang sind die Arbeitszeiten in Deutschland Gelsenkirchen 2003, (PDF 210 kB).
  20. Karl Brenke (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung): Wochenbericht des DIW Berlin 47/04 – Dauer der Arbeitszeiten in Deutschland, Berlin 2004.
  21. Arbeitszeiten: Deutsche gehören zu den Fleißigsten in Europa. In: Spiegel Online. 31. Juli 2009, abgerufen am 7. Januar 2017.
  22. Working time developments – 2008
  23. Statistik Schweiz – Detaillierte Ergebnisse der BUA
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