Arca (Musikerin)

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Arca in Barcelona (2019)

Arca, Bühnenname von Alejandra Ghersi Rodriguez[1] (geb. 14. Oktober 1989 in Caracas als Alejandro Ghersi[2]), ist eine venezolanische Produzentin elektronischer Musik und DJ, bekannt für Soloarbeiten sowie die Zusammenarbeit mit Björk, Kanye West und FKA Twigs. 2018 hatte Arca ein Coming-out als nichtbinäre Person und verwendet seitdem weibliche oder geschlechtsneutrale Pronomen (im Folgenden als weiblich beschrieben). Arca ist die erste nichtbinäre Person, die für einen Grammy nominiert wurde.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arca wuchs zunächst in den USA auf, dann in der Oberschicht von Caracas als Kind eines Anlagebankiers. Mit sieben Jahren begann sie, Klavier zu spielen. In ihrer Jugend machte sie mit der Software Fruity Loops erste Versuche, IDM zu produzieren.[3] Dabei war sie von R&B-Künstlerinnen wie Nelly Furtado und Aaliyah beeinflusst, vor allem aber auch von Nine Inch Nails und Aphex Twin.[4] Mit 17 Jahren[3] zog Arca nach New York, um am Clive Davis Institute of Recorded Music, einem Institut der Tisch School of the Arts an der New York University, zu studieren.[5] In New York entwickelte sie einen selbstständigen Musikstil, fühlte sich in ihrer Homosexualität erstmals akzeptiert und baute Verbindungen zum Künstlerkollektiv GHE2oGOTH1K auf,[3] mit dessen Mitgründer Shayne Oliver (Modedesigner) sie sich anfreundete.[6]

Seit 2014 lebt Arca in London.[3] Häufig arbeitet sie mit ihrem Freund und Mitbewohner Jesse Kanda zusammen, der für die graphische Gestaltung ihrer Alben und viele ihrer Musikvideos zuständig ist. Kanda und Arca hatten sich über die Onlineplattform deviantArt kennengelernt.[5][4] 2018 erklärte Arca ihre Geschlechtsidentität öffentlich als nichtbinär; als Pronomen nutzt sie das geschlechtsneutrale they sowie weibliche Formen.[7] Ihr 2020er-Album Kick i beginnt mit dem Track Nonbinary, in dem sie mehrfach wiederholt: speak for yourself („spreche für dich selbst“, oder: „sag wer du bist“).[8] Das Album bekam eine Nominierung bei den Grammy Awards 2021 in der Kategorie Bestes Dance-/Electronic-Album; Arca war damit die erste nichtbinäre Person, die für einen Grammy nominiert wurde.[1]

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arca (2019)

Im Februar 2012 veröffentlichte Arca die erste EP Baron Libre über das Label UNO NYC.[9] Im April erschien die EP Stretch 1 sowie im August deren Fortsetzung Stretch 2.[10][11]

2013 war Arca unter anderem als Produzentin und Songwriterin an fünf Songs des Albums Yeezus von Kanye West beteiligt, das im Juni veröffentlicht wurde. Zudem war sie mit zwei weiteren Personen in der Produktionsberatung von Yeezus tätig.[12] Im Juni 2013 veröffentlichte Arca das Mixtape &&&&& über das Label Hippos in Tanks auf Soundcloud.[13] Das Projekt beinhaltete auch eine audiovisuelle Performance im Oktober, bei der Jesse Kanda für die visuelle Untermalung zuständig war.[14] Im September 2013 veröffentlichte FKA Twigs eine EP namens EP2, auf der Arca an jedem Song als Produzentin und Co-Autorin beteiligt war.[15]

Arcas Debut-Album Xen erschien im November 2014 bei Mute Records.[16][17] An Björks achtem Studioalbum Vulnicura (veröffentlicht am 20. Januar 2015) wird Arca ein bedeutender Einfluss zugesprochen.[16] Sie wird als Co-Produzentin von sieben Songs und Co-Autorin von zwei Songs gelistet.[18][19] Im selben Jahr kollaborierte Arca mit der amerikanischen Sängerin Kelela auf deren EP Hallucinogen, die im Oktober 2015 erschien. Arca war bei zwei Songs an Produktion, Aufnahme, Mixing und Songwriting beteiligt. Der Titeltrack basiert auf einem Instrumental von ihrem Mixtape &&&&&.[20]

Arcas zweites Album Mutant erschien im November 2015 ebenfalls bei Mute Records.[21]

Stil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arca bezeichnet ihre Musik als absichtlich sperrig und tiefgründig, die britische Zeitung Guardian zitiert sie 2014: „I don’t want people to say, ‘Oh, yeah, I love this song’ on the first listen. I want them to listen to it again and again and, by the 10th time, finally see themselves in it“ (kurz: Ich möchte, dass Leute meine Musik wieder und wieder anhören, bis sie sich selbst darin sehen). Diese Eigenschaft mache auch den Reiz ihrer Musik aus; Kanye West habe Arca als Produzent für sein Album Yeezus engagiert (2013), als sie ihm absichtlich sperrige Musik geschickt habe.[4]

Arcas Selbstdarstellung wird in die Nähe von queerer und Postgender-Ästhetik gerückt, auch weil sie bei Liveauftritten mit Geschlechtsidentitäten spielt.[22][6] Bereits auf ihrem Debütalbum 2014 entwirft Arca eine fiktive Figur namens Xen als eigenes Alter Ego, das weder männlich noch weiblich ist, aber mit weiblichen Pronomen beschrieben wird (she/her „sie/ihr“).[16] 2021 findet sich auf Kick iiii der Track Xenomorphgirl; der Rolling Stone beschreibt das ganze Album als „Xenopop“ (von altgriechisch xenos „Fremder, Gast“; vergleiche xenomorph, Xenophobie).[23][24]

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alben

  • Xen (2014; Mute)[17]
  • Mutant (2015; Mute)[21]
  • Arca (2017; XL Recordings)
  • Kick i (2020; XL Recordings)[8]
  • Kick ii (2021; XL Recordings)[1]
  • Kick iii (2021; XL Recordings)[1]
  • Kick iiii (2021; XL Recordings)[23]
  • Kick iiiii (2021; XL Recordings)[1]

EPs

  • Barón Libre (2012; UNO NYC)
  • Stretch 1 (2012; UNO NYC)
  • Stretch 2 (2012; UNO NYC)

Mixtapes

  • Baron Foyel (2011; DIS Magazine)
  • MoMA PS1 Warm Up Mix (2012; The Fader)
  • &&&&& (2013; Eigenveröffentlichung)
  • Sheep (2015; Eigenveröffentlichung)
  • Entrañas (2016; Eigenveröffentlichung)

Produktionen

  • Dean Blunt: The Redeemer auf The Redeemer (2013; Hippos in Tanks)
  • Kanye West: Hold My Liquor, I’m In It, Blood on the Leaves und Send It Up auf Yeezus (2013; Def Jam Recordings)
  • FKA Twigs: EP2 (2013; Young Turks)
  • FKA Twigs: Lights On, Hours und Give Up auf LP1 (2014; Young Turks)
  • Björk: Vulnicura (2015; One Little Indian Records)
  • Kelela: Hallucinogen (2015; Warp Records)
  • Babyfather (Dean Blunt): Meditation, Deep und Snm auf BBF: hosted by DJ Escrow (2016; Hyperdub)
  • Frank Ocean: Mine auf Endless (2016; Def Jam)
  • Björk: Utopia (2017; One Little Indian Records)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Arca – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Ralf Summer: „Kick ii – iiiii“: Warum Arca die heftigste KünstlerIn der Moderne ist. In: BR.de. 6. Dezember 2021, abgerufen am 15. Dezember 2021.
  2. How cruising, graveyards and swan songs inspired Arca’s new album. The Guardian, 6. April 2017, abgerufen am 13. Mai 2022 (englisch).
  3. a b c d Porträt: Personajes: ¿Quién es Arca? In: RevistaExclama.com. 2015, abgerufen am 16. Dezember 2021 (spanisch).
  4. a b c Kate Hutchinson: Arca: “Nothing is off limits emotionally”. In: The Guardian. 31. Oktober 2014, abgerufen am 22. Januar 2020 (englisch).
  5. a b Besprechung: Niki Matita: Arca: “Mutant”. In: hhv-mag.com. 17. Dezember 2015, abgerufen am 22. Januar 2020 (englisch).
  6. a b Alex Frank: Shayne Oliver + Arca: feeling themselves. In: DazedDigital.com. 11. Februar 2016, abgerufen am 22. Januar 2020 (englisch).
  7. Patric Fallon: Arca Is the Artist of the Decade. In: Vice.com. 8. November 2019, abgerufen am 16. Dezember 2021 (englisch); Zitat: “The Venezuela-born artist, who came out as non-binary in 2018 and uses the pronouns ‘she’ and ‘it,’ has come to embody practically every positive thing that is synonymous with the 2010s. She has been […].”
  8. a b Markus Mayer: Electro als „Ernste Musik“: „Kick I“, das neue Album von Arca. (Memento vom 22. Juli 2020 im Internet Archive) In: BR.de. 8. Juli 2020, abgerufen am 15. Dezember 2021.
  9. Sam Hockley-Smith: Download Arca’s Debut EP Baron Libre. In: The Fader. 1. Februar 2012, abgerufen am 22. Dezember 2020 (englisch).
  10. Sam Hockley Smith: Download Arca’s Stretch 1 EP. In: The Fader. 19. April 2012, abgerufen am 22. Dezember 2020 (englisch).
  11. Andrew Ryce: RA Reviews: Arca - Stretch 2 on UNO (Album). In: Resident Advisor. 17. August 2012, abgerufen am 22. Dezember 2020 (englisch).
  12. Brittany Lewis: Interesting! Read The Full Production Credits Of Kanye West’s “Yeezus”. In: Globalgrind.com. 20. Juni 2013, abgerufen am 22. Dezember 2020 (englisch).
  13. Evan Minsker: Download Arca’s New Mix &&&&&. In: Pitchfork. 27. September 2013, abgerufen am 22. Dezember 2020 (englisch).
  14. Pitchfork’s FORMS and MoMA PS1 Present a Multimedia Event Featuring Arca and Jesse Kanda. In: Pitchfork. 27. September 2013, abgerufen am 22. Dezember 2020 (englisch).
  15. Nick Neyland: FKA Twigs: EP2 Album Review. In: Pitchfork. 19. September 2013, abgerufen am 22. Dezember 2020 (englisch).
  16. a b c Emile Friedlander: Cover Story: Arca Finds Xen. In: theFader.com. 30. September 2014, abgerufen am 15. Dezember 2021 (englisch).
  17. a b Meldung: Arca: Signs to Mute. Debut album Xen out on 3/4 November. Hear the first single Thievery. In: Mute.com. 11. September 2014, abgerufen am 15. Dezember 2021 (englisch).
  18. Sean Michaels: Björk working with Kanye producer Arca on next album. In: The Guardian. 1. Oktober 2014, abgerufen am 22. Dezember 2020 (englisch).
  19. Lars Brandle: Björk Shares Details On New Album 'Vulnicura'. In: Billboard. 14. Januar 2014, abgerufen am 22. Dezember 2020 (englisch).
  20. Anupa Mistry: Kelela: Hallucinogen EP Album Review. In: Pitchfork. 7. Oktober 2015, abgerufen am 22. Dezember 2020 (englisch).
  21. a b Evan Minsker: Arca Details New Album “Mutant”, Shares “EN” Video. In: Pitchfork.com. 15. Oktober 2015, abgerufen am 15. Dezember 2021 (englisch).
  22. Felix Johannes Enzian: Album der Woche: Die schönen Schmerzen der Mutation. In: faz.net. 4. Januar 2016, abgerufen am 22. Januar 2020.
  23. a b Julyssa Lopez: Arca „Queers the Void“ With New Album „Kick iiii“. In: Rolling Stone. 18. November 2021, abgerufen am 15. Dezember 2021 (englisch).
  24. Rhino’s Review: Arca: kick iiii. In: AlbumOfTheYear.org. 3. Dezember 2021, abgerufen am 15. Dezember 2021 (englisch).