Archäologisches Museum Frankfurt

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Archäologisches Museum Frankfurt a. M.
Archaeologisches Museum Frankfurt Neubau.jpg
Eingangsbereich des Museums (2008)
Daten
Ort Frankfurt am Main
Art
Architekt spätmittelalterliches Karmeliterkloster, Neubau und Eingangsbereich: Josef Paul Kleihues
Betreiber
Stadt Frankfurt a. M.
Leitung
seit 1. Januar 2018 Wolfgang David[1]
Website
ISIL DE-MUS-047712

Das Archäologische Museum Frankfurt (bis 2002 Museum für Vor- und Frühgeschichte) erläutert die Geschichte Frankfurts in archäologisch relevanten Epochen. Darüber hinaus besitzt es eine Ausstellung Vorderer Orient sowie eine Antikensammlung.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Museum befindet sich im ehemaligen Karmeliterkloster im westlichen Bereich der Frankfurter Altstadt. Der Haupteingang befindet sich an der Ecke Alte Mainzer Gasse/ Karmelitergasse. Es ist fußläufig zu erreichen von der U-Bahn-Station Willy-Brandt-Platz, von der gleichnamigen Straßenbahnhaltestelle sowie der Haltestelle Paulskirche/Römer. Die Einrichtung verfügt über einen Fahrstuhl und Behindertentoilette, eine Klingel (zur Benutzung des Aufzuges) befindet sich am Mitarbeitereingang in der Karmelitergasse 1.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chor der Karmeliterkirche (2005)

Das Museum ging als selbstständiges Institut aus der Archäologischen Abteilung des Historischen Museums hervor und wurde am 22. Juni 1937 gegründet. Es erhielt zunächst den für den Zeitgeist kennzeichnenden Namen „Museum für heimische Vor- und Frühgeschichte“. Nach fünf Jahren im Dominikanerkloster musste das Museum am 22. Juni 1942 aufgrund des Zweiten Weltkriegs schließen. Ein Teil der Bestände wurde ausgelagert, ein anderer Teil fiel zusammen mit der Bibliothek 1944 den Luftangriffen zum Opfer.

Nach Kriegsende wurde das Museum mit der Pensionierung des ersten Leiters Karl Woelcke zunächst wieder mit dem Historischen Museum vereinigt, 1952 aber unter anderem auf Initiative des Direktors des Historischen Museums Heinrich Bingemer als selbstständiges Institut weitergeführt. 1953 fand das Museum ein neues Domizil im Holzhausenschlösschen. Der neue Direktor Ulrich Fischer eröffnete am 30. Oktober 1954 die Ausstellung zur Archäologie Frankfurts im dortigen Erdgeschoss und Treppenhaus.

Diese Ausstellung wurde 1976 durch eine Dauerausstellung zur Römerstadt Nida-Heddernheim im Deutschordenshaus sowie 1977 durch eine Ausstellung zur Altstadtgrabung – zusammen mit dem Historischen Museum – in den Räumen des Historischen Museums ergänzt. Die vielen Bauvorhaben im Rhein-Main-Gebiet in dieser Zeit und die Grabungstätigkeit des Museums führten dazu, dass die Räumlichkeiten des Holzhausenschlösschens nicht mehr ausreichten.

Dendrophoreninschrift aus einem Keller der Römerstadt Nida-Heddernheim im Archäologischen Museum

Unter Fischers Nachfolger Walter Meier-Arendt wurde 1984 bis 1988 ein Neubau am Karmeliterkloster gebaut, der sich südlich an das historische Ensemble anschließt. Er wurde von dem Architekten Josef Paul Kleihues geplant. Mit Ausnahme der Ausstellung zur Altstadtgrabung, die sich weiterhin im Historischen Museum befindet und den vom Museum betreuten Freilichtanlagen sind damit wieder alle Sammlungen an einem Ort vereint.

Sammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wetterauer Ware, eine Terra Sigillata-Imitation aus dem Rhein-Main-Gebiet.

Das Archäologische Museum umfasst heute Sammlungen zu folgenden Themen:

  • Im Querschiff der Karmeliterkirche werden vorgeschichtliche Funde aus Frankfurt und Umgebung präsentiert. Die Exponate umfassen den Zeitraum von der Altsteinzeit bis zur frühen Eisenzeit.
  • Der Neubau beherbergt eine Ausstellung Vorderer Orient mit altiranischen Funden.
  • In der Antikensammlung (ebenfalls im Neubau) finden sich Kleinkunst und Gebrauchsgegenstände aus der klassischen Antike von der mykenischen Zeit (14. bis 12. Jahrhundert v. Chr.) bis zur Frühzeit der römischen Republik (5. Jahrhundert v. Chr.).
  • Im Langhaus der Karmeliterkirche wird die römische Geschichte Frankfurts, insbesondere die Römerstadt Nida dargestellt. Darunter befinden sich zahlreiche Steindenkmäler wie Jupitergigantensäulen, Weihesteine sowie das Malergrab, ein Grabinventar aus dem Gräberfeld an der Okarbener Straße. Es enthielt neben anderer Gebrauchskeramik 29 Farbtöpfe. Die römische Epoche dauerte im Frankfurter Raum von 83 n. Chr. bis 260 n. Chr.
  • Das frühe Mittelalter bis zur Karolingerzeit ist Thema der Ausstellung in der Annenkapelle.

Im Hauptteil des Querschiffs finden wechselnde Sonderausstellungen statt.

Weiterhin betreut das Museum Außenanlagen, ein Schutzhaus mit römischen Töpferöfen in Heddernheim, den Archäologischen Garten vor dem Dom sowie die Dokumentation zu fünf Kellergrundrissen aus dem 18. Jahrhundert des Frankfurter Judenviertels am Börneplatz (heute im Museum Judengasse).

Sonderausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2010: Die Gründer von Frankfurt-Harheim. Eine Vorschau auf die neuen frühmittelalterlichen Grabfunde der Frankfurter Bodendenkmalpflege (in Zusammenarbeit mit dem Denkmalamt der Stadt Frankfurt), 26. Juni bis 29. August 2010.
  • 2010/11: Fürsten, Feste, Rituale. Bilderwelten zwischen Kelten und Etruskern. 30. Oktober 2010 bis 20. März 2011.
  • 2011: Sagazeit. Geschichten und Funde aus dem Alten Island. 1. Oktober bis 30. November 2011.
  • 2012/13: Königinnen der Merowingerzeit. 10. November 2012 bis 24. Februar 2013.
  • 2014/2015: Gladiatoren – Tod und Triumph im Colosseum.
  • 2015/2016: Bärenkult und Schamanenzauber. Rituale früher Jäger.
  • 2017: Odin, Thor und Freyja. Skandinavische Kultplätze des 1. Jahrtausends n. Chr. und das Frankenreich.
  • 2017: Steinzeitkinder. Kleine Jäger und Sammler (in Kooperation mit der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg).
  • 2017/2018: Götter der Etrusker. Zwischen Himmel und Unterwelt.
  • 2018/19: Gold & Wein. Georgiens älteste Schätze

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Archäologische Reihe. Hrsg. im Auftrag des Dezernats Kultur und Freizeit der Stadt Frankfurt am Main, Band 1–22.
  • Schriften des Archäologischen Museums Frankfurt, Band 1–23 (bis 2002 Schriften des Frankfurter Museums für Vor- und Frühgeschichte).
  • Bilder und Texte zur Dauerausstellung.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ingeborg Huld-Zetsche: Die Dauerausstellung. Einführung in die Abteilungen. Museum für Vor- und Frühgeschichte, Frankfurt 1989, ISBN 3-88270-313-X (Archäologische Reihe 12).
  • Walter Meier-Arendt: Zur Geschichte des Museums für Vor- und Frühgeschichte – Archäologisches Museum. In: Die Dauerausstellung. Archäologische Reihe 12. Museum für Vor- und Frühgeschichte, Frankfurt 1989, ISBN 3-88270-313-X, S. 4–8.
  • Walter Meier-Arendt: Museum für Vor- und Frühgeschichte – Archäologisches Museum. In: Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland Bd. 19, Frankfurt am Main und Umgebung. Stuttgart 1989, ISBN 3-8062-0585-X, S. 177–181
  • Museen in Hessen. Herausgegeben vom Hessischen Museumsverband, Kassel 1994, ISBN 3-9800508-8-2, S. 280–282.
  • Dagmar Stutzinger: Griechen, Etrusker und Römer. Eine Kulturgeschichte der antiken Welt im Spiegel der Sammlungen des Archäologischen Museums Frankfurt. Schnell + Steiner, Regensburg 2012. ISBN 978-3-7954-2510-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Archaeologisches Museum Frankfurt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Journal Frankfurt vom 23. Juni 2017: Neuer Direktor für das Archäologische Museum. Wolfgang David übernimmt Leitung zum Januar 2018, abgerufen am 23. Dezember 2017

Koordinaten: 50° 6′ 32,2″ N, 8° 40′ 42,7″ O