Arch Linux

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Arch Linux
Arch Linux logo.svg
Screenshot
Arch Linux mit der Desktopumgebung Gnome (3.2)
Entwickler 2002–2007: Judd Vinet;
seit 2007: Aaron Griffin
Lizenz(en) GPL und andere Lizenzen
Akt. Version Rolling Release (Monatlicher Snapshot zur Installation[1])
Abstammung GNU/Linux
↳ Arch
Architektur(en) AMD64, ARM (inoffiziell)
www.archlinux.org
www.archlinux.de

Arch Linux [ɑːrtʃ ˈlinʊks] ist eine AMD64-optimierte Linux-Distribution mit Rolling Releases, deren Entwicklerteam dem KISS-Prinzip („keep it simple, stupid“) folgt. Zugunsten der Einfachheit wird auf grafische Installations- und Konfigurationshilfen verzichtet. Aufgrund dieses minimalistischen Ansatzes ist Arch Linux als Distribution für fortgeschrittene Benutzer zu sehen. Arch Linux wurde Anfang 2001 von Judd Vinet eingeführt, inspiriert von Crux und BSD. Am 1. Oktober 2007 gab Vinet seinen Rücktritt als Projektleiter bekannt, sein Nachfolger wurde Aaron Griffin.[2]

Arch Linux wird von einem ungefähr 25-köpfigen Kernteam und Helfern aus der wachsenden Community, sogenannten „Trusted Users“, weiterentwickelt. Sämtliche distributionsspezifischen Entwicklungen werden unter der GPL veröffentlicht. Ende 2005 lag Arch Linux der Zeitschrift LinuxUser bei.[3]

Besonderheiten der Distribution[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arch Linux wurde mit Linux From Scratch komplett neu entwickelt, orientiert sich aber an Crux und anderen Distributionen. Für Arch wurde der Aufbau eines Slackware-Linux respektive eines BSD-Systems mit einer Debian-ähnlichen Paketverwaltung und dem Build-System von Gentoo kombiniert. Ähnlich wie in Gentoo sind die Releases lediglich Snapshots vom momentanen Entwicklungsstand (Rolling Release).

Als Init-System wird seit Oktober 2012 auch bei einer Neuinstallation systemd verwendet.[4] Konfigurationsprogramme für die Installation und Einrichtung des Grundsystems sowie für Anwendungs- und Serverprogramme gibt es nicht, stattdessen wird auf die Originaldokumentation und -konfiguration verwiesen, so dass allgemeine Howtos und Anleitungen herangezogen werden können.

Philosophie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arch Linux wurde als „Basis-Betriebssystem für fortgeschrittene Anwender“ entwickelt. Die Philosophie von Arch Linux basiert auf den folgenden beiden Punkten:

  • Einfach halten, Folge dem KISS-Prinzip. Einfachheit wird hierbei als ohne unnötige Ergänzungen oder Veränderungen definiert.[5]
  • Keine GUI-Werkzeuge zur Konfiguration benutzen, die die eigentlichen Vorgänge vor dem Benutzer verstecken.

Paketverwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arch Linux ist auf den Einsatz von Binärpaketen ausgelegt. Grundsätzlich werden Pakete mit der eigens entwickelten Paketverwaltung Pacman organisiert. Zusätzlich können mit dem Arch Build System (ABS) neue Pakete für Software erstellt werden, die nur im Quellcode vorliegt.

Pacman[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pacman-Versionsübersicht

Pacman ist ein speziell für Arch Linux entwickelter Paketmanager, der aber auch bei anderen Linux-Distributionen zum Einsatz kommt. Pacman kann Abhängigkeiten auflösen und automatisch alle notwendigen Pakete von den Arch-Repositorien herunterladen, installieren, aktualisieren und auch wieder entfernen, vergleichbar mit Debians APT. Das Besondere an Pacman ist dessen konsequente Anwendung auch bei lokalen Quellen, die meistens als vom Arch Build System (ABS) erstellte Pakete vorliegen.

Bis zur Version 4 des Paketmanagers Pacman fehlte die Unterstützung für signierte Pakete.[6] Pakete und Metadaten wurden von Pacman während des Download-Prozesses nicht auf Authentizität überprüft. Im März 2011 wurde durch einen Beitrag des renommierten Online-Magazins LWN.net die Sicherheit der Paketverteilungs-Infrastruktur mangels Integritätsprüfung der Paket-Metadaten kritisiert.[7] Es existierten zwar Prüfsummen der einzelnen Pakete, diese Metadaten waren aber nicht mit einer digitalen Signatur versehen, weshalb bösartige Modifikationen an Paketen nicht festgestellt werden konnten.[8] Im November 2011 wurde die Paket-Unterzeichnung Pflicht für neue Pakete und seit dem 21. März 2012 wird jedes offizielle Paket unterzeichnet.[9][10][11]

Paketquellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die offiziellen Arch-Linux-Pakete werden in vier Software-Repositorien verwaltet:

  • core enthält Pakete, die für den Betrieb eines Basissystems benötigt werden.
  • extra enthält Pakete, die den Funktionsumfang erweitern, z. B. Desktop-Umgebungen, Datenbanksysteme usw.
  • community enthält Pakete, die von der Community, also den „Trusted Users“, gewartet werden.
  • multilib[12] enthält Pakete, die es auf einem AMD64-System erlauben, native i686-Programme (wie Steam) auszuführen.

Der Hauptteil der Entwicklung findet in den testing-Repositorien statt, bevor die Pakete in die stabilen Repositorien verschoben werden:

  • testing, community-testing und multilib-testing enthalten Pakete, die fehlerbehaftet sein könnten und noch getestet werden müssen.

Dabei müssen Transfers von Paketen, die von testing nach core wechseln, vorher von mehreren Entwicklern abgesegnet werden. Für Pakete in den anderen Repositorien sind deren jeweilige Entwickler verantwortlich.

Außerdem gibt es noch einige Repositorien, die die neusten Versionen der Desktop-Umgebungen enthalten:

  • gnome-unstable enthält die neuesten Pakete der Gnome-Software, ehe diese in extra veröffentlicht werden.
  • kde-unstable enthält die neusten Pakete der KDE-Software, ehe diese in extra veröffentlicht werden.

Zusätzlich können Repositorien Dritter eingebunden werden, welche angepasste oder neuere Versionen der Softwarepakete anbieten.

Arch Build System (ABS)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Arch Build System ist eine Ports-ähnliche Paketverwaltung. Arch nutzt dabei jeweils eine Textdatei mit dem Namen PKGBUILD, die unter anderem die Anweisungen zum Herunterladen und Konfigurieren der jeweiligen Programme enthält. Der Nutzer kann mit dieser Datei die in der Paketverwaltung von Arch enthaltenen Programme seinen eigenen Bedürfnissen anpassen, indem er beispielsweise einen Patch einfügt. Das Programm makepkg führt diese Anweisungen aus und kompiliert und/oder bereitet die Pakete zur Installation durch pacman vor. Ein Arch-Paket ist im Grunde nicht mehr als ein komprimiertes tar-Archiv, das neben den zu installierenden Dateien noch einige weitere (.PKGINFO, .BUILDINFO und .MTREE) mit allen Metadaten enthält, die Pacman für den Umgang mit Paketen benötigt.

Zusätzlich bietet ABS die Möglichkeit, das komplette System mit eigenen Compiler-Flags neu zu bauen.

Arch User Repository (AUR)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zusätzlich zu den Repositories bieten Benutzer im Arch User Repository (AUR) selbstgemachte PKGBUILD-Skripte für Pakete an, die nicht in den Repositories enthalten sind. Die PKGBUILD-Skripte vereinfachen das Erstellen von Paketen aus den Quellen durch explizite Auflistung und Überprüfung von Abhängigkeiten und Konfiguration der Installation entsprechend der Arch-Architektur. Wegen der möglichen Sicherheitsrisiken werden diese PKGBUILD-Skripte jedoch nie automatisch in den offiziellen Repositories vorhanden sein.[13] Das Arch User Repository bietet der Gemeinde über 40.000 PKGBUILDs, die nicht in den offiziellen Repositorien enthalten sind.

Aktualisierungsmodell[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zu anderen großen Distributionen wie zum Beispiel Ubuntu und Fedora, die in Abständen von mehreren Monaten oder Jahren aktualisierte Installationsmedien veröffentlichen, arbeitet Arch Linux mit einem Rolling-Release-System. Die Paketverwaltung ermöglicht es Benutzern, ihre Systeme kontinuierlich aktuell zu halten, indem aktuelle Softwarepakete meist ohne Veränderungen (keep it simple) zeitnah bereitgestellt werden.[14] Anstatt den Benutzer zwischen diskreten Versionen zu bewegen, sind Arch-Linux-Installationsmedien lediglich Schnappschüsse des aktuellen Satzes von Paketen, manchmal mit überarbeiteter Installations-Software. Sofern Updates installiert wurden, macht es keinen Unterschied, aus welchem einstigem Installationsmedium Arch installiert wurde. In der Tat zeigen einige Mitglieder der Arch-Foren stolz das Alter ihrer Installation.

Am 22. Juli 2012[15] wurde angekündigt, dass das Installationsprogramm durch einen Satz einfacher Skripte ersetzt werde, um Verzögerungen im Release-Zyklus zu vermeiden. Es wird nun jeweils zum Monatsanfang ein neues Abbild angeboten, welches das Veröffentlichungsdatum als Version im Dateinamen trägt; beispielsweise 2013.01.04 für das Abbild, das am 4. Januar 2013 erschien. Frühe Installationsabbilder hatten Namen, so erschien Version 0.1 am 11. März 2002 unter dem Namen Homer; es folgten Vega, Firefly, Dragon, Nova (2003), Widget (2004), Wombat (2005), Noodle (2006), Gimmick, Voodoo (als Version 0.8, 2007), Duke (als Version 2007.05), Don’t Panic, Core Dump (2008) und Overlord als letztes Release mit Namen.

Derivate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt mehrere Distributionen, die entweder direkt auf Arch Linux basieren oder dessen Programme nutzen, etwa Endeavour OS, Manjaro, Parabola GNU/Linux-libre oder SystemRescueCd. Im Arch Wiki findet sich eine umfassende Auflistung.[16]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Arch Linux – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Arch Linux Downloads. Abgerufen am 25. April 2019 (englisch).
  2. Judd Vinet: Arch Leadership. In: Arch Linux. 1. Oktober 2007, abgerufen am 18. Juli 2008 (englisch).
  3. Jürgen Lorenz: Von Grund auf – Arch Linux: Einfache Handhabung, volle Flexibilität. In: LinuxUser. 1. Oktober 2005, abgerufen am 12. September 2019.
  4. Arch Linux proposes switch to systemd. In: The H Open. 15. August 2012, abgerufen am 3. September 2012 (englisch).
  5. Arch Linux. In: Arch-Linux-Wiki. 26. Januar 2017, abgerufen am 15. Februar 2017.
  6. FS#5331 - Signierte Pakete. Abgerufen am 7. August 2011.
  7. 'Arch Linux and (the lack of) package signing' Englisch-sprachiger Artikel auf LWN, zuletzt abgerufen am 31. März 2011.
  8. FS#5331 - Signed packages im Pacman Bug Tracker, abgerufen am 10. November 2019.
  9. Allan McRae: Pacman Package Signierung – 4: Arch Linux. 17. Dezember 2011, abgerufen am 29. Februar 2012 (englisch).
  10. Having pacman verify packages. Gaetan Bisson. 4. Juni 2012. Abgerufen am 4. Juni 2012.
  11. Install media 2012.07.15 released. archlinux.org. 22. Juli 2012. Abgerufen am 13. August 2012.
  12. True multilib for Arch Linux x86_64 abgerufen am 10. November 2019.
  13. Arch Linux:Beliebte KISS distro – Interview – Part II. Hardware.no. Abgerufen am 19. Oktober 2009.
  14. Arch Linux Review. In: DVD-Guides.com. August 2007, abgerufen am 21. Oktober 2019 (englisch).
  15. Pierre Schmitz: Install media 2012.07.15 released. In: Arch Linux. 15. Juli 2012, abgerufen am 3. Januar 2013 (englisch).
  16. Arch-based distributions. 22. Mai 2019, abgerufen am 23. August 2019 (englisch).