Archiv der Akademie der Künste

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Das Archiv der Akademie der Künste vereint seit 1993 die Bestände der 1950 gegründeten „Akademie der Künste der DDR“ und der 1954 gegründeten „Akademie der Künste in Berlin (West)“ und entwickelt sie zeitgemäß weiter. Außerdem betreut es museale Einrichtungen der Brecht-Weigel-Gedenkstätte und der Anna-Seghers-Gedenkstätte. Aufgrund der Bestände und der Sammelstrategie gilt es als das bedeutendste Archiv für Kunst und Kultur im deutschen Sprachraum ab 1900.[1]

Auftrag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Archiv erwirbt künstlerisch und kulturgeschichtlich wichtige Archive und Nachlässe zu allen in der Akademie vertretenen Künsten und stellt sie für Wissenschaft und Öffentlichkeit bereit (Ausstellungen, Vorträge, Lesungen, Konzerte, Publikationen, externe Ausstellungen).

Entsprechend der wechselseitigen Durchdringung der Künste im 20. und 21. Jahrhundert ist das Archiv auf ihre Wechselbeziehungen fokussiert. Das Zusammenwirken von Autoren, Schriftstellern, Komponisten, Regisseuren, Darstellenden Künstlern und Bildenden Künstlern in allen Kunstgattungen (wie Medien-, Bildende und Performative Kunst, einschließlich Opern- und Liedschaffen, Film, Theater und Kabarett) wird interdisziplinär aufgefasst und erfahrbar gemacht. Die institutionelle Trennung zwischen Kunstgattungen, wie Bildender und Darstellender Kunst, wird ebenso überwunden wie die Trennung von Film- und Theaterarchiven bei Regisseuren und Schauspielern.

Die übergreifende Sammelstrategie verweist auf Erfahrungsrahmen, die für die Künste prägend waren, wie das Exil während des Nationalsozialismus oder die Situation der Künste in der DDR.

Die Archiv- und Bibliotheksbestände am Robert-Koch-Platz in Berlin-Mitte stehen für wissenschaftliche, publizistische oder private Studien kostenlos zur Verfügung.[2]

Die Kunstsammlung der Stiftung Archiv der Akademie der Künste in der Luisenstraße 60 in Berlin-Mitte enthält rund 60.000 Werke und dazu 30.000 Plakate. Die Sammlung konzentriert sich auf Künstler mit Akademiebezug und Mitglieder der Akademie und deren Wirkungskreis. Sie kann nur nach Anmeldung besichtigt werden.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Archiv der 1694/1696 gegründeten Preußischen Akademie der Künste sind Teile erhalten. Sie befinden sich im Historischen Archiv des Archivs der Akademie der Künste. Das heutige Archiv der Akademie, als einzigartige interdisziplinäre Sammlung, entstand durch Übereignungen der Nachlässe der Mitglieder der Akademie und durch Initiativen zur Übernahme anderer Nachlässe und Archive. Wertvolle Einzelstücke und ganze Nachlässe brachten die ersten Mitglieder der 1950 in Ost-Berlin gegründeten Deutschen Akademie der Künste ein. In der Mehrzahl waren es zurückgekehrte Emigranten, die nach der Zeit des Nationalsozialismus und der Emigration die Akademie als geistige Heimat betrachteten. So übergab Wieland Herzfelde (ursprünglich Herzfeld) über mehrere Emigrationsstationen gehütete Zeichnungen von George Grosz, und später den künstlerischen Nachlass seines Bruders John Heartfield.[4] In der Akademie der Künste in Berlin (West) wurden Übernahmen von Nachlässen, und besonders ihre wissenschaftliche Bearbeitung, durch Walter Huder gefördert, der von 1959 bis 1986 ihr Archiv leitete. Von 1986 bis 2015 leitete Wolfgang Trautwein das Archiv, 2015 Birgit Jooss und seit 2016 Werner Heegewaldt.

Sammlungsbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hier nur in einer engen Auswahl enzyklopädisch relevanter Namen und Bestände angedeutet:

Archiv Bildende Kunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sammlungen: Werner Haftmann

Nachlässe von Malern, Grafikern, Bildhauern, Kunsthistorikern und Publizisten: Lovis Corinth, George Grosz, John Heartfield, Käthe Kollwitz, HAP Grieshaber,Christian Theunert

Archive: Archiv Klaus Hoffmann

Dokumente von Künstlervereinen und Künstlerverbänden

Baukunstarchiv[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Archive und personenbezogene Bestände: Karl Friedrich Schinkel, Adolf Behne, Erich Mendelsohn, Harry Rosenthal, Julius Posener, Haus-Rucker-Co, Jörg Schlaich[5], Rudolf Bergermann[5]

Nachlässe: Hans Scharoun, Bruno Taut, Max Taut, Karl Otto

Musikarchiv[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachlässe, Arbeitsarchive, personenbezogene Bestände (Komponisten, Dirigenten, Interpreten, Theoretiker, Publizisten): Siegfried Behrend, Ernest Borneman, Paul Hindemith, Arnold Schönberg, Hans Zender, Bernd Alois Zimmermann, Hanns Eisler, Paul Dessau, Johannes Fritsch, Helmut Lachenmann, György Ligeti, Ralph Benatzky, Blandine Ebinger, Eduard Künneke, Friedrich Hollaender

Literaturarchiv[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personenbezogene Bestände: Günter Grass, Harald Hartung, Christa Wolf, Edgar Hilsenrath, Helmut Heißenbüttel, Imre Kertész, Georg Kreisler, Gottfried Benn, Leonhard Frank, Klabund, Carl Einstein, Salomo Friedlaender, Walter von Molo, Kurt Tucholsky, Walter Mehring, Erich Mühsam,Johannes R. Becher, Anna Seghers, Arnold Zweig, Hans Werner Richter, Walter Jens, Wolfdietrich Schnurre, Peter Weiss, Heiner Müller, Kurt Bartsch, Jurek Becker, Ehm Welk, Ronald M. Schernikau

Nachlässe: Heinrich Mann, Georg Kaiser

Archive von Autoren: Archiv Ginka Steinwachs, Archiv Walter Kempowski, Walter Benjamin Archiv , Theodor-W.-Adorno-Archiv Frankfurt am Main (Manuskripte und Materialien als Reproduktionen), Bertolt Brecht Archiv,

Archive von Literaturinstitutionen: Schriftstellerverband der DDR, P.E.N.-Vereinigungen west- und ostdeutsch, Archiv Zentralhaus für Kulturarbeit der DDR, Verlag Volk und Welt

Archiv Darstellende Kunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personenbezogene Bestände: Erwin Piscator,Tilla Durieux, Heinrich George, Alexander Lang, Einar Schleef, Bernhard Minetti, George Tabori, Kurt Hübner, Walter Felsenstein, Ruth Berghaus, Götz Friedrich, Heiner Müller, Frank Castorf, Christoph Marthaler, Peter Zadek, Julius Bab, Alfred Kerr, Wolfgang Neuss, Mary Wigman, Gret Palucca, Valeska Gert

19 thematische Sammlungen (2011)

Filmarchiv[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personenbezogene Archive: Heiner Carow, Ulrich Plenzdorf, Paul Wegener, Helmut Käutner, Dieter Borsche, O. E. Hasse, Hanna Schygulla, Sabine Sinjen, Jeanine Meerapfel, Konrad Wolf

Archive wichtiger DEFA#Wichtige DEFA-Regisseure

Kunstsammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personenbezogene Bestände: Johann Gottfried Schadow, Daniel Chodowiecki, Michael Ruetz, Alfonso Hüppi, Thomas Huber

Honoré Daumiers Bronzebüsten der Parlamentarier

Sammlung Kalligraphie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Initiative und Stiftung 1999 durch Hans-Joachim Burgert, enthält Nachlass von Friedrich Poppl.

Historisches Archiv[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Preußische Akademie der Künste 1696–1955, Akademie der Künste (Ost) 1950–1993, Akademie der Künste (West) 1955–1993, Akademie der Künste ab 1993

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.adk.de/de/archiv/aufbau-aufgaben/
  2. http://www.adk.de/de/archiv/benutzerservice/ Benutzerservice
  3. Gudrun Schmidt: Kulturberichte 1/01: Kunstsammlung der Stiftung Archiv der Akademie der Künste. ASKI – Arbeitskreis selbständiger Kulturinstitute, S. 1,6f, abgerufen am 8. Februar 2010.
  4. Gudrun Schmidt: Kulturberichte 1/01: Kunstsammlung der Stiftung Archiv der Akademie der Künste. ASKI – Arbeitskreis selbständiger Kulturinstitute, S. 1,4, abgerufen am 8. Februar 2010.
  5. a b Lydia Kotzan: Neu im Archiv: Szyszkowitz-Kowalski und Schlaich Bergermann, in: Bauwelt 22, 4. Juni 2010, S. 4