Arco (Adelsgeschlecht)

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Stammwappen derer von Arco
(GHdA-Adelslexikon)

Arco ist der Name eines alten und edelfreien Adelsgeschlechts, das ursprünglich aus dem Fürstbistum Trient im heutigen Trentino-Südtirol stammt. Der Stammsitz der Herren von Arco war die Burg Arco nördlich des Gardasees. Die oberitalienische Linie erlosch im 20. Jahrhundert, Zweige der um 1700 nach Bayern gelangten Linie bestehen bis heute.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Burg Arco, der Stammsitz der Familie, auf einem Aquarell von Albrecht Dürer (1495)
Arco (Trentino): Burg, Stadt und Gardasee

Einer älteren Legende nach sollen die Herren von Arco von den im Jahre 1242 erloschenen Grafen von Bogen aus Altbayern abstammen („arco“ ist das italienische Wort für Bogen (Waffe)). Die Bogener Grafen, ein jüngerer Zweig der Babenberger, führten aber kein Wappen mit Bogen, sondern das (später auf Bayern übergegangene) weiß-blaue Rautenwappen. Dieses kombinierten aufgrund der Legende aber die oberitalienischen Arco (und einige Wappenbuchmaler) im 16. Jahrhundert mit ihrem alten Stammwappen, das einen (oder auch drei) Bogen zeigt.

Das Geschlecht Arco ist hingegen vermutlich romanischer Herkunft und wird im Jahre 1124 mit Fridericus de Archo erstmals urkundlich erwähnt.[1] Schon mit dessen Vater Riprandus de Arcu beginnt die ununterbrochene Stammreihe.[2] 1207 nannten sich die Brüder Ulrich und Friedrich bereits de Arco, milites nobiles und waren Lehensmannen des Bischofs von Trient. Friedrich (Federico d'Arco, † 1236) begleitete 1220 Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen zu seiner Krönung durch Papst Honorius III. nach Rom. Der Kaiser erhob ihn sowie seine Neffen Adelbert und Riprand (nepotes Adelpret et Riprandinus) 1221 zu Grafen von Arco und Torbole.

1413 verlieh König Sigismund Vinciguerra von Arco den Reichsgrafentitel und erhob die Herrschaft Arco mit Penede, Drena und Castellino zur reichsunmittelbaren Grafschaft. Eine Bestätigung aller Besitzungen und kaiserlichen Privilegien erfolgte 1433 durch Sigismund, der im selben Jahr Kaiser des Heiligen Römischen Reiches geworden war, für Anton von Arco, Bruder des kinderlos verstorbenen Vinciguerra. Die Burg Arco wurde während mehrerer mittelalterlicher Fehden belagert, immer vergebens, und galt daher als uneinnehmbar.

Nicolò d'Arco (ca. 1492-1546)

Nicolò d'Arco (ca. 1492-1546) machte sich als Dichter und Humanist („Nicolaus Archius“) am Hof der Gonzaga in Mantua einen Namen und wurde Rat von Kaiser Maximilian I. Er heiratete Giulia Gonzaga, Gräfin von Novellara, Tochter des Giovanni Gonzaga und der Laura Bentivoglio. Einer ihrer acht Söhne, der Deutschordenskomtur Prospero d'Arco (1520-1572), diente den Kaisern Ferdinand I., Maximilian II. und Rudolf II. als Diplomat.

1614, nach heftigen Kämpfen, leisteten die Grafen den Habsburgern als neuen Landesfürsten den Huldigungs­eid. 1680 übernahm Kaiser Leopold I. die Kontrolle der strategisch wichtigen Burg. Prosper von Arco (1615-1679) diente ihm als Generalfeldzeugmeister und dessen Sohn Johann Baptist von Arco (1650-1715) als Artilleriegeneral, letzterer trat dann in die Dienste Max Emanuels von Bayern und seines Verbündeten Ludwigs XIV. von Frankreich.

Die Arco hatten inzwischen in der Altstadt von Arco mehrere Palazzi errichtet, darunter im 16. Jahrhundert den Palazzo Marchetti (der nach einer Familie benannt ist, die ihn Mitte des 19. Jahrhunderts erwarb) und den Palazzo dei Panni (Ende des 17. Jahrhunderts). Mitglieder der Familie wurden tirolische Landsassen; allerdings blieb ihre Grafschaft trotz des Verlusts der Reichsunmittelbarkeit weiterhin Reichslehen. 1695 wurde ihnen die „Edelmannsfreiheit“ verliehen. Im Spanischen Erbfolgekrieg wurde die Burg Arco 1703 infolge von Bombardierung durch General Vendôme zerstört und verfiel danach. Die Burggrafen von Arco verließen den Ort und teilten sich in einen seit 1740 in Mantua ansässigen sowie einen nach Bayern ausgewanderten Zweig.

In Mantua erwarben die Arco von den Grafen Chieppo einen Palazzo, den sie 1784 in palladianischem Klassizismus umgestalten ließen. Die Letzte dieser 1917 im Mannesstamm erloschenen Linie, Giovanna Marchesa Guidi di Bagno, geb. Gräfin d'Arco Chieppio Ardizzoni († 1973) vermachte ihren Besitz, darunter die Burgruine Arco und den Palazzo d'Arco in Mantua (mit bedeutender Gemäldesammlung) der von ihr gegründeten Fondazione d'Arco, welche die Burg und andere Immobilien 1982 der Stadt Arco verkaufte und den Mantuaner Palast zum Museum machte.

Die ins Kurfürstentum Bayern gelangte Linie wurde später auch in Schlesien und Österreich ansässig. Leopold von Arco heiratete im Jahre 1700 Maria Febronia Gräfin von Haunsperg, die das Schloss Oberköllnbach erbte (bis 1971 im Besitz der Familie Arco-Valley). Die bayerische Linie teilte sich im 19. Jahrhundert in die zwei gräflichen Äste Arco auf Valley und Arco-Zinneberg:

Graf Maximilian von Arco auf Oberköllnbach († 1875) erbte 1821 von seinem Onkel Heinrich Christian Graf von Tattenbach, dem Letzten seiner Linie, einen riesigen Grund- und Güterbesitz, darunter das Schloss Valley sowie Schloss Maxlrain in Oberbayern, Schloss Adldorf und Schloss Baumgarten in Niederbayern, ferner Schloss Sankt Martin im Innkreis und Schloss Aurolzmünster in Oberösterreich. Er nahm den Namen Arco-Valley an. Der Ast Arco-Valley ist mit Ferdinand Graf von Arco-Valley († 1968) im Mannesstamm erloschen. Erbe wurde sein Adoptivsohn Ulrich Philipp Graf von Arco-Zinneberg.

1825 kaufte die verwitwete Kurfürstin von Pfalz-Bayern, Maria Leopoldine von Österreich-Este, in zweiter Ehe verheiratet mit Ludwig Graf von Arco († 1854), das Schloss Zinneberg. Ihr jüngerer Sohn, Graf Maximilian, nahm mit Genehmigung des Königs von Bayern den Namen Graf von und zu Arco-Zinneberg gen. Bogen an. 1833 erhielt er von seinen Eltern anlässlich seiner Hochzeit mit Leopoldine Gräfin von Waldburg-Zeil das Palais Arco-Zinneberg am Wittelsbacherplatz in München zum Geschenk. Das bereits 1801 von der Kurfürstinwitwe erworbene Schloss Stepperg fiel an ihren älteren Sohn Aloys und mitsamt dem von ihm 1837 erworbenen Schloss Anif bei Salzburg 1890 über seine Tochter an die Grafen Moy.

Der schlesisch-preußische Zweig verlor nach einem Konfessions­wechsel die Ansprüche auf die Besitzungen in der ursprünglichen Grafschaft. Mit dem Vertrag von Saint-Germain und dem Übergang des Trentino von Österreich an Italien 1919 verloren die bayerischen Grafen von Arco alle Ansprüche auf ihre ursprünglichen Herrschaften. Sie wurden jedoch vom Königreich Italien dafür entschädigt. 1923 übertrugen sie ihre Anteile an der Stammburg Arco auf Giovanna Guidi di Bagno geb. Arco in Mantua.

Bis heute sind die Besitzungen in Valley, Adldorf, Baumgarten, das Schloss Sankt Martin im Innkreis sowie das Palais Arco-Zinneberg in München im Besitz der Familie geblieben; ferner gelangte 1940 auf dem Erbweg Schloss Moos von der Familie Preysing an die Arcos. 1998 erwarb Riprand Graf von und zu Arco-Zinneberg auf Moos die böhmische Burg Vysoký Chlumec. Albert Graf von und zu Arco-Zinneberg (* 1932) wurde von seinem kinderlosen Onkel mütterlicherseits, Fürst Joseph-Ernst Fugger von Glött, adoptiert, nahm dessen Namen an und erbte das Fuggerschloss Kirchheim/Schwaben.

Die Brauerei Arcobräu in der niederbayerischen Gemeinde Moos befindet sich im Besitz der Familie Arco-Zinneberg. Die Gräfliche Brauerei Arco Valley in Adldorf und Schloss Birnbach in Niederbayern ist im Besitz des Hauses von Arco auf Valley.[3]

Arcobräu Gräfliches Brauhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte der Marke Arcobräu ist mit der Geschichte der Grafen Arco-Zinneberg verbunden. Das Markenzeichen ist durch das Arco-Wappen geprägt, das den Doppeladler des Heiligen Römischen Reiches führt, der von Kaiser Sigismund mit der Reichsunmittelbarkeit und den erblichen Grafenstand 1415 an die Familie der Grafen Arco verliehen wurde.

Die heutige Firma Arcobräu Gräfliches Brauhaus entstand aus der Schlossbrauerei Moos, welche 1567 von Warmund Graf von Preysing gegründet wurde. Durch Erbschaft seiner Mutter Gräfin Maria-Theresia von und zu Arco-Zinneberg, geborene Gräfin von Preysing-Lichtenegg und Moos, die eine Enkelin des letzten bayrischen Königs Ludwig III. ist, gelangte die Brauerei 2003 an ihren Sohn Graf Riprand von und zu Arco-Zinneberg (* 1955). Dieser ist heute der alleinige Eigentümer von Arcobräu.[4] Er gründete 1989 die American Asset Corporation, in Charlotte, North Carolina, ist Mitglied des American Council on Germany, Gouverneur der Englischen Ditchley Park Foundation und ist im von Vaclav Havel gegründeten Forum 2000 engagiert. Seit 1980 ist er mit Maria-Beatrice Erzherzogin von Österreich-Este verheiratet. Sie haben sechs Töchter.[5]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Stammwappen zeigt nach dem GHdA in Gold einen aufrechten blauen Bogen. Auf dem Helm mit blau-goldenen Decken ein bärtiger wachsender Bogenschütze mit blau gegürtetem Gewand, blau-goldenem Stirnband (Tortillon) mit flatterndem Ende und gespanntem goldenen Bogen und aufgelegtem Pfeil.

Nach Hupp liegen in Gold drei blaue Bögen übereinander, die Sehnen nach unten gekehrt. Auf dem Helm ein wachsender Mann in goldener Kleidung und goldenem Spitzhut mit blauer Krempe, einen Bogen mit Pfeil gespannt haltend.

Das Wappen der bayerischen Linie zeigt denselben Schild, als Helmzier eine Laubkrone aus der ein goldbewehrter schwarzer Doppeladler wächst. Das Wappen der Tiroler Linie ist geviert, 1 und 4 der Stammschild in verwechselten Farben, 2 und 3 ein senkrecht gestellter blauen Bogen in Gold.

Der Bogen aus dem Wappen der Familie Arco erscheint noch heute in einigen bayerischen und italienischen Ortswappen.

Namensträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Arco – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tiroler Urkundenbuch, Band 1, Innsbruck 1937, S. 69, Nr. 150
  2. Codex Wangianus, hrsg. v. Rudolf Kink in: Fontes rerum Austriacarum, II. Abt., 5. Band, S. 24 ff., Nr. 5
  3. Brauerei Graf-Arco
  4. Familienchronik auf www.arcobraeu.de
  5. Lebenslauf von Graf Riprand von und zu Arco-Zinneberg