Arduin von Ivrea

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Arduin von Ivrea (* um 955; † 14. Dezember 1015 in Fruttuaria) war ab etwa 990 bis zu seinem Tod Markgraf von Ivrea und ab 1002 König von Italien.

Herkunft, Markgraf von Ivrea[Bearbeiten]

Arduin war, neben seinem Bruder Amadeus, einer der Söhne eines Grafen Dado, der möglicherweise Graf von Pombia war. Doch kann die Verwandtschaft mit Graf Adalbert von Pombia nicht erwiesen werden. Der Name seiner Mutter ist nicht überliefert. Aufgrund ungeklärter Anrechte – entweder durch Verwandtschaft oder als einer der Aufsteiger, der homines novi – erlangte er um 990 als Markgraf der oberitalienischen Markgrafschaft Ivrea die Nachfolge Konrad Kunos (Corrado Cono) aus dem Geschlecht der Anskarier, später Haus Burgund-Ivrea genannt. Anskar I. war von 879 bis 887 Markgraf gewesen. Die Anskarier hatten als Markgrafen von Ivrea bereits zwei Könige Italiens gestellt, nämlich Berengar II. (950–961) und dessen Sohn und Mitregenten Adalbert II. Konrad, der besagte Sohn Berengars, starb 990, Dado war sein zweiter Sohn.

Arduin war mit Berta verheiratet, „regina nostra dilecta coniunx nostrique regni consors“, wie es in einer Urkunde heißt, über die wir jedoch kaum etwas wissen. Das Paar hatte Söhne, doch nur Ardicin tritt ein wenig hervor. Er heiratete eine Tochter Herzog Hugos von Tuszien.

Interne Konflikte, Eingriffe durch Otto III., erste Verurteilung (etwa 990 bis 1001)[Bearbeiten]

Durch seine Politik, sich auf die teilweise unrechtmäßigen Nutznießer von Kirchengut zu stützen, geriet er in Konflikt mit den lokalen Bischöfen, besonders in der Stadt Vercelli. Deren Bischof Petrus von Vercelli wurde von seinen Anhängern nach wochenlangen Unruhen am 13. Februar 997 ermordet. Arduin verhinderte nicht, dass der Leichnam des Ermordeten in der in Brand gesetzten Kirche mitverbrannte. Arduins zweiter Gegner, Bischof Varmundus von Ivrea, exkommunizierte ihn zwei mal.

Im Dezember 997 zog Kaiser Otto III. mit seinem Heer nach Italien. In Rom setzte er den Gegenpapst Johannes Philagathos gefangen und ließ am 28. April 998 Crescentius, den Aufstandsführer, hinrichten. Im September 998 berieten die Großen mit Otto in Pavias Kloster San Pietro in Ciel d'Oro über die „rechtlosen Zustände“ besonders in Ivrea. Ein Gesetz vom 20. September gab den Kirchen das Recht, ausgetanen Besitz nach dem Ableben des Vertragspartners zurückzufordern. Zwei weitere Gesetze vom selben Tag richteten sich gegen die Landflucht der unfreien Bauern und gegen die Amtsführung der Richter. Arduin und Ardicin erschienen nicht vor Ort, so dass die Entscheidung über die beiden nach Rom vertagt wurde.

Arduin, der persönlich in Rom erschien, wurde im April 999 durch eine seit Weihnachten des Vorjahres tagende Synode im Beisein von Otto III. und Silvester II. auf Betreiben Bischof Leos von Vercelli wegen Bischofsmords verurteilt und exkommuniziert. Sein Verbrechen wurde als schlimmer als das des Judas bezeichnet, denn er habe noch nach der Tat Gemeinschaft mit den Tätern gehabt. Er und seine Anhänger verloren einen Großteil ihrer Besitzungen an die Kirche von Vercelli. Arduin wurde zur Kirchenbuße verurteilt. Ihm wurde auferlegt, die Waffen abzulegen und er durfte keine zwei Nächte am selben Ort verbringen, vorausgesetzt, seine Gesundheit erlaubte dies. Als Alternative zu dieser Bußleistung stellte man ihm den Eintritt in ein Kloster frei. Die Markgrafschaft ging an Arduins gleichnamigen Sohn über, doch war sie durch Abtretungen von Rechten an die Kirchen von Ivrea, Novara und Vercelli geschwächt.

Schon im Juni des Jahres 1000 beschwerten sich die Bischöfe von Vercelli, Novara und Ivrea über das Verhalten Arduins und Ardicins sowie ihrer Anhänger. Doch verhielten sich Vater und Sohn offenbar bis zum Tod Ottos III. im Jahr 1002 ruhig. Gegen ihn führten sie nie eine militärische Auseinandersetzung.

Erhebung zum König von Italien (15. Februar 1002)[Bearbeiten]

Die sogenannte „Rocca di Arduino“, die Arduinsburg, in Sparone (Turin)

Nach dem Tod des römisch-deutschen Kaisers Otto III. ließ sich Arduin am 15. Februar 1002, in Anlehnung an den Anskarier Berengar II., zum König von Italien wählen (rex Italiae). Thietmar von Merseburg schreibt, er sei „a Langobardis falso rex appellatus“, also zu Unrecht von den Lombarden König genannt worden. Adalbold von Utrecht nannte ihn sogar einen „episcopicida“, einen Bischofsmörder. Dies liegt auf der ablehnenden Linie von Ottos Nachfolger Heinrich II., der Arduin gar als „regni nostri invasor“ bezeichnete, obwohl er selbst die Zeit von Februar/März bis Oktober 1002 brauchte, um sich jenseits der Alpen als König durchzusetzen.

Zunächst betrieb Arduin eine Art Kompromisspolitik, indem er einen seiner Anhänger dem Erzkanzler Ottos als Kanzler zur Seite stellte. Auch machte er, ähnlich wie Otto III., Konzessionen an die Bischofskirchen – wie etwa fünf Tage nach seiner Wahl an das Salvatorkloster in Pavia oder am 25. März, als er die Rechte der Bischofskirche von Como, einschließlich der Grafschaft Chiavenna, dazu Rechte an seiner Burg in Bellinzona, bestätigte –, gab aber auch kleinere Immunitäten an Laien. Auch in Lucca bestätigte er am 22. August 1002 klösterliche Rechte.

Sieg gegen Otto von Worms, Niederlage gegen Heinrich II. (1003–1004)[Bearbeiten]

Seine Gegner, insbesondere Leo von Vercelli, aber auch die Markgrafen Nordost- und Mittelitaliens wandten sich an den römisch-deutschen König Heinrich II. Heinrich entsandte Otto von Worms, den Herzog von Kärnten und Enkel Ottos des Großen. Doch Otto von Worms musste von Arduin im Januar 1003 an den Veroneser Klausen eine schwere Niederlage hinnehmen. Er starb 1004.

Im selben Jahr zog Heinrich persönlich an der Spitze einer Armee gegen Arduin. Nach Überwindung der Brenta-Klause, wo Otto die schwere Niederlage erlitten hatte, liefen die Truppen Arduins auseinander. In der Bischofskirche von Trient ging er zusammen mit seinen geistlichen und weltlichen Großen sowie den oberitalienischen Bischöfen eine Gebetsverbrüderung ein.[1] Erzbischof Arnulf II. krönte Heinrich am 14. Mai 1004 in Pavia zum König der Langobarden (rex Langobardorum), sicherlich ein Appell an die karolingische Titulatur. Auch wurde Heinrich in derselben Kirche gekrönt, wie zwei Jahre zuvor Arduin, nämlich in San Michele. In deren Vorgängerkirche wiederum war im Jahr 774 Karl der Große zum rex Langobardorum gekrönt worden.

Bürger Pavias griffen jedoch in der Nacht nach der Krönung Heinrich und seine Begleiter an, woraufhin diese Häuser in Brand setzten, um, wie Thietmar behauptet, die entfernt lagernden Truppen zu alarmieren. Der Aufstand konnte nur mit Mühe niedergeschlagen werden,[2] Heinrich musste die zerstörte Stadt verlassen.

Er nahm die Huldigung weiterer Lombarden auf einem Hoftag in Pontelungo entgegen und zog sich Anfang Juni 1004 aus Italien zurück. Am 4. Juni war er bereits wieder nördlich von Luzern.

Italien sich selbst überlassen, Unterwerfungsangebot, letzter Aufstandsversuch (bis 1014)[Bearbeiten]

Italien blieb nun für ein Jahrzehnt sich selbst überlassen. Doch sind Zeugnisse über herrscherliche Aktivitäten Arduins in dieser Zeit rar.[3] Heinrich II. richtete erst an der Jahreswende 1008/09 wieder eine italische Kanzlei ein. Bischof Eberhard von Bamberg wurde zum Kanzler erhoben.

Zu Verhandlungen mit Heinrich erklärte sich Arduin erst 1013 bereit, als dieser seinen zweiten Italienzug durchführte. Heinrich lehnte Ende des Jahres die bedingte Kapitulation Arduins ab, der zwar bereit war, auf die Langobardenkrone zu verzichten, jedoch nicht auf die Markgrafschaft. Möglicherweise war Arduin durch den Verrat einiger Großer geschwächt. Heinrich setzte seinen Zug nach Rom zur Kaiserkrönung fort, die am 14. Februar 1014 erfolgte. Doch auch in Rom kam es am 21./22. Februar zu einem Aufstand. Im April/Mai hielt sich Heinrich einen Monat lang in Pavia auf.

Im Mai 1014 versuchte Arduin gemeinsam mit einer großen Adelsopposition einen letzten Aufstand, der aber am Widerstand des Markgrafen von Canossa und des Bischofs von Vercelli scheiterte. Er konnte zwar Vercelli und Como erobern, scheiterte aber vor Novara. Die Markgrafen Hugo, Adalbert, Azzo und Obizo fielen durch List oder Gewalt in die Hand der Kaiserlichen. Arduin wurde auf der nicht weiter bekannten Feste Sparrone im Tal des Orco belagert. Heinrich konnte bereits am 1. September 1014 in Solingen über die Bestrafung der Gegner und die Belohnung seiner Anhänger befinden.

Rückzug ins Kloster Fruttuaria und Tod (1014-15)[Bearbeiten]

Arduin zog sich, vielleicht schon schwer erkrankt, ins Kloster Fruttuaria zurück, das er um 1005 mitgegründet hatte, wo er am 14. Dezember 1015 starb. Nach seinem Tod löste sich die Markgrafschaft Ivrea auf. Seine Söhne blieben im Besitz von Ivrea und verbündeten sich nun mit den Markgrafen von Turin.

Rezeption[Bearbeiten]

„Einheimische“, häufig auch „nationale“ Könige genannte, italienische Herrscher gab es in Italien erst wieder ab 1861. Daher wurde Arduin - und auch andere Könige, die aus Herrschaftshäusernn, die in Italien ansässig waren - im Zuge des aufkommenden Nationalismus (Risorgimento) zu Zwecken politischer Propaganda vereinnahmt. Im 19. Jahrhundert galt Arduin als Vorkämpfer der italienischen Freiheit gegen die transalpine Okkupation. Die Tatsache seiner fränkischen Abstammung stand dem keinesfalls im Wege. Während des Faschismus war es geradezu selbstverständlich, die „nationalen Kämpfe“ Arduins zu beschreiben.[4] Die 1942 erschienene Monographie von Cesare Violini: Arduino d'Ivrea, re d'Italia e il dramma del suo secolo, kommt dabei völlig ohne die Angabe von Quellen aus.

Andererseits galt Arduin lange als bloßer „Gegenkönig“, obwohl seine Krönung in der königslosen Zeit zwischen Otto III. und Heinrich II. erfolgt war, wie Gunter Wolf vermerkte. Rekurriert man nämllch auf die zeitliche Reihenfolge, so war nicht Arduin sondern Heinrich der „Gegenkönig“, wenn auch der Sieger.

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ursula Brunhofer: Arduin von Ivrea und seine Anhänger. Untersuchungen zum letzten italienischen Königtum des Mittelalters. Arethousa-Verlag, Augsburg 1999, ISBN 3-934207-00-6, (zugleich: München, Univ., Diss., 1997).
  • Gunther Wolf: Der sogenannte „Gegenkönig” Arduin von Ivrea (ca. 955–1015), in: Archiv für Diplomatik 39 (1993) 19–34 (abgerufen über De Gruyter Online).
  • Livia Fasola: Arduin von Ivrea. In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 1, Artemis & Winkler, München/Zürich 1980, ISBN 3-7608-8901-8, Sp. 915–916.
  • Girolamo Arnaldi: Arduino, re d'Italia, Dizionario Biografico degli Italiani, 4. Istituto dell'Enciclopedia Italiana, Rom 1962.
  • Giuseppe Sergi: Il declino del potere marchionale anscarico e il riassetto circoscrizionale del Piemonte settentrionale, in: Bollettino storico bibliografico subalpino 73 (1975) 441–492.
  • Art. Vita di Ardoino. Marchese d'Ivrea e Re d'Italia, in: Carlo Tenivelli: Biografia Piemontese, Turin 1784, S. 173-232.

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Gerd Althoff: Gebetsgedenken für Teilnehmer an Italienzügen. Ein bisher unbeachtetes Trienter Diptychon, in: Frühmittelalterliche Studien 15 (1981) 36–67, hier: S. 44ff.
  2. Thietmar VI, 7–8.
  3. Gerd Althoff, Hagen Keller: Die Zeit der späten Karolinger und der Ottonen. Krisen und Konsolidierungen 888–1024, Stuttgart 2008, S. 340. Ursula Brunhofer: Arduin von Ivrea und seine Anhänger. Untersuchungen zum letzten italienischen Königtum des Mittelalters. Augsburg 1999, S. 203–250.
  4. Von diesen „lotte nazionali“ schreibt etwa Cesare Violini: Arduino d'Ivrea, re d'Italia e il dramma del suo secolo, Turin 1942, S. 72 f.
Vorgänger Amt Nachfolger
Konrad Markgraf von Ivrea
990–1015
Wibert
Otto III. König von Italien
1002–1004
Heinrich II.