Arfurt

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Arfurt
Stadt Runkel
Wappen der ehemaligen Gemeinde Arfurt
Koordinaten: 50° 24′ 24″ N, 8° 11′ 54″ O
Höhe: 161 m ü. NHN
Fläche: 5,49 km²[1]
Einwohner: 856 (31. Dez. 2017)[2]
Bevölkerungsdichte: 156 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1970
Postleitzahl: 65594
Vorwahl: 06482

Arfurt ist ein Stadtteil von Runkel mit nahezu 900 Einwohnern. Der Ort liegt an der Lahn im mittelhessischen Landkreis Limburg-Weilburg.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luftaufnahme von Arfurt im Juli 1997, südöstlicher Ortsrand mit Steilhang zur Lahn (rechts) und weniger steiles Gelände im Westen (links)

Arfurt liegt im Osten des Limburger Beckens, oberhalb des an dieser Stelle steil abfallenden Nordhangs der Lahn. Der Ort befindet sich rund drei Kilometer Luftlinie östlich der Kernstadt von Runkel und rund zehn Kilometer östlich der Kreisstadt Limburg an der Lahn. Der Ort zerfällt in den alten Ortskern und ein durch den Linnebach und den umgebenden breiten Grünlandzug davon getrenntes, kleineres Neubaugebiet im Norden. Am Lahnufer südlich des Orts verläuft die Lahntalbahn, die einen Haltepunkt in Arfurt hat. Der Bahnhof Arfurt (Lahn) befindet sich allerdings rund einen Kilometer außerhalb des Orts und sticht unter den Lahntal-Bahnhöfen durch seine Wellblech-Bauweise hervor.

Die 5,5 Quadratkilometer große Gemarkung grenzt im Westen an den Nachbarstadtteil Schadeck und im Norden an ein größeres Waldgebiet, das zur Kernstadt Runkel gehört, aber von deren Gemarkung getrennt ist. Im Süden befindet sich durch die Lahn getrennt der benachbarte Marktflecken Villmar und im Osten dessen Ortsteil Seelbach.

Luftaufnahme von Arfurt im Juli 1997 mit abgetrenntem Neubaugebiet (oben) und kleinerem Waldstück am Ort (rechter oberer Rand)

Der Ort selbst liegt auf rund 160 Metern Höhe. Unmittelbar an seinem Südostrand fällt das Gelände bis zur Lahn rund 50 Meter steil ab. Im Westen des Orts gestaltet sich dieser Übergang wesentlich sanfter, so dass auch der Hang bis zum Lahnufer hinab bebaut ist.

Die Gemarkung steigt nach Norden über eine lange Strecke gleichmäßig auf bis zu 270 Meter an. Das gegabelte, in Nord-Süd-Richtung verlaufende Tal des Linnebachs, das auch den Ort in zwei Hälften trennt, stellt einen leichten Einschnitt in diesen lang gestreckten Hang dar. Der Tiefenbach an der Westgrenze der Gemarkung hat sich ein deutlich steileres Tal geformt. Die Gemarkung besteht hauptsächlich aus landwirtschaftlich genutzter Fläche. Den nördlichen und westlichen Rand bedecken Teile eines größeren Mischwaldgebiets, der aber größtenteils auf dem Gebiet der Nachbarorte liegt. Nordöstlich von Arfurt befindet sich ein weiterer, deutlich kleinerer Wald.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arfurt bestand möglicherweise schon als kleinere Bauernsiedlung zum Zeitpunkt der urkundlichen Ersterwähnung Villmars 1053. Der größere Nachbarort liegt am gegenüberliegenden Lahnufer und hatte eine wichtige Bedeutung für die Entwicklung Arfurts. Rund einhundert Jahre später ist Arfurt (Arenvurt) in einer durch Trierer Benediktinermönche gefälschten Abschrift der kaiserlichen Schenkungsurkunde genannt. Der Papst Eugen III. bestätigte 1148 die kaiserliche Schenkung einschließlich Arfurts anlässlich eines Besuches bei den Trierer Benediktinermönchen.[3] Die ebenfalls in der Urkunde genannte Siedlung „Zultebach“ fiel später wüst und befand sich vermutlich im Wald an der heutigen westlichen Gemarkungsgrenze Arfurts.

Das älteste heute noch vorhandene Haus im Ort wurde im Jahr 1690 erbaut.

Im Jahr 1881 brannte ein großer Teil des Dorfes ab.

Am 30. Mai 1901 gründete sich die Freiwillige Feuerwehr Arfurt. Damit bildete sie mit weiteren bereits bestehenden Freiwilligen Feuerwehren den Löschbezirk Oberlahn im Feuerwehr-Verband für den Regierungsbezirk Wiesbaden, innerhalb dessen sie am 3. September 1906 bei der Bezirksversammlung in Obertiefenbach in einer Stärke von 34 Mitgliedern antrat.[4]

Im Ersten Weltkrieg fielen 29 Arfurter, im Zweiten Weltkrieg 57. Im September 1944 brannte ein Wohnhaus nach dem Treffer durch eine Brandbombe ab.

1931 nahm der erste Arfurter Kindergarten seine Arbeit auf. 1957 wurde ein neues Schulgebäude errichtet, 1964 die Mehrzweckhalle. Bis in die 1960er Jahre gab es einen Fährverkehr über die Lahn nach Villmar.

Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen schloss sich Arfurt am 31. Dezember 1970 der Stadt Runkel an.[5]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Arfurt lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][6]

Religionsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spätestens 1148 besaß der Ort eine Kapelle auf einer Erhöhung am Lahnufer. 1652 wurde sie dem Heiligen Lambert von Lüttich geweiht. Bis 1715 blieb Arfurt der Pfarrei Villmar zugeordnet. Die Kapelle wurde damit Sitz einer eigenen Pfarrei. 1828 wurde die heutige, immer noch St. Lambertus geweihte Kirche fertiggestellt. Die alte Kapelle war baufällig geworden und wurde fünf Jahre später abgerissen. Bis 1855 blieb der alte Bahnhof am Standort der Kapelle in Benutzung.

Im Jahr 1920 wurde ein Schwesternhaus der Pallottinerinnen eingerichtet, die bis 1997 hier lebten und wirkten.

Arfurt ist, zusammen mit Villmar, eine weitgehend katholische Enklave, umgeben von mehrheitlich protestantisch geprägten Dörfern (Seelbach, Runkel, Aumenau). Die nach dem Zweiten Weltkrieg in Arfurt aufgenommenen Flüchtlinge aus dem Sudetenland waren wohl alle Katholiken. Die Einwohnerzahl lag 1960 bei 925, davon waren mehr als 900 Katholiken.

1815 wurde nahe Arfurt ein Friedhof der jüdischen Gemeinde in Villmar eingerichtet. In Arfurt selbst lebten vermutlich nie Juden. Die Katholiken von Arfurt pilgern seit vielen Jahrzehnten zur Wallfahrtskapelle Maria Hilf Beselich und geben dort ihren Glauben kund.[7]

Wirtschaftsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Arfurt wurde an den nach Süden gelegenen Hängen des Lahntales bis in das 19. Jahrhundert hinein Wein angebaut. Dort findet man noch heute verfallende Mauerreste von Böschungsbefestigungen der früheren Weinberge.

Außerdem wurde auch in Arfurt bis in die 1960er Jahre graufarbener Marmor abgebaut. Den Stein findet man heute noch verarbeitet in den Pfarrkirchen in Arfurt, Villmar und in der Abteikirche St. Matthias des gleichnamigen Benediktinerklosters in Trier.

Im Jahr 1830 nahm eine Papiermühle am Linnebach ihren Betrieb auf. Nach mehreren Besitzerwechseln stellte sie 1879 ihre Arbeit ein.

Um 1850 betrieb der Chemiker Fritz Muck, ein Schüler Justus Liebigs in Arfurt eine Farbenfabrik, die ihre Produkte deutschlandweit und ins Ausland verkaufte.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arfurt: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1970
Jahr  Einwohner
1834
  
642
1840
  
697
1846
  
770
1852
  
807
1858
  
799
1864
  
850
1871
  
820
1875
  
805
1885
  
803
1895
  
715
1905
  
645
1910
  
650
1925
  
718
1939
  
654
1946
  
972
1950
  
943
1956
  
897
1961
  
911
1967
  
927
1970
  
858
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1885: 7 evangelische, 796 katholische Einwohner
• 1961: 39 evangelische, 868 römisch-katholische Einwohner

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arfurt verfügt über einen Sportverein, seit 1901 über die Freiwillige Feuerwehr Arfurt (seit 1. März 1999 mit ihrer Jugendfeuerwehr), den Kirchenchor „St. Lambertus“, einen Tanzsportverein "TSV Arfurt", den Gesangverein „Linnebachtiroler“, einen Bläserchor, einen Kameradschaftsverein, eine Ortsgruppe der Katholischen Frauengemeinschaft und die Lambertusbrüder e.V.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Freiwillige Feuerwehr Arfurt, gegr. 1901 (seit 1. März 1999 mit Jugendfeuerwehr), sorgt für den abwehrenden Brandschutz und die allgemeine Hilfe.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Arfurt – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Arfurt, Landkreis Limburg-Weilburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 23. März 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Stadt Runkel: „Zahlen und Fakten“, abgerufen 8. März 2018.
  3. P. Johannes Hau O.S.B.: Villmar Grundherrschaft/Vogtei/Pfarrei. Limburger Vereinsdruckerei, Limburg/Lahn 1936
  4. Franz-Josef Sehr: Feuerwehr-Bezirkstage um die Jahrhundertwende. In: Jahrbuch für den Kreis Limburg-Weilburg 2000. Der Kreisausschuss des Landkreises Limburg-Weilburg, Limburg-Weilburg 1999, ISBN 3-927006-29-7, S. 187–189.
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 372.
  6. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  7. Franz-Josef Sehr: 250 Jahre Wallfahrtskapelle Maria Hilf Beselich. In: Jahrbuch für den Kreis Limburg-Weilburg 2017. Der Kreisausschuss des Landkreises Limburg-Weilburg, Limburg-Weilburg 2016, ISBN 3-927006-54-8, S. 137–141.