Arianismus

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Der Arianismus war u. a. eine theologische Position innerhalb des Frühchristentums, die unmittelbar von ihrem namens gebenden Theologen Arius (ca. 260–327 n. Chr.) und seinen direkten Anhängern vertreten worden ist. Arius betrachtete jene später im Bekenntnis von Nicäa (325) bzw. Nicäno-Konstantinopolitanum (381) zum Dogma erhobene Dreifaltigkeit bzw. Trinitätslehre Gottes als Irrlehre, da sie dem Monotheismus zu widersprechen schien. Umgekehrt wurde und wird aus Sicht der damaligen Vertreter der Trinitätslehre von Nicäa bzw. Konstantinopel und der christlichen Gemeinschaften sowie Kirchen, die diese noch heute anerkennen, der Arianismus als Häresie betrachtet (Arianischer Streit).

Seit der Spätantike wurde allerdings die Bezeichnung „Arianer“ durch Anhänger der 'nicänischen' Trinitätslehre oft als Kampfbegriff für verschiedene nicht-nicänische Christologien bzw. nicht-nicänische Trinitäts-Vorstellungen gebraucht, auch wenn diese Strömungen und ihre Anhänger nicht die speziellen Ansichten von Arius teilten. Im Unterschied zur früheren Forschung beschränken daher seit wenigen Jahrzehnten viele Althistoriker und Kirchenhistoriker den Ausdruck „Arianer“ auf die unmittelbaren Anhänger des Arius, während beispielsweise die so genannten Homöer mit ihrer nicht-nicänischen Trinitätslehre, seit der Spätantike sachlich nicht zutreffend ebenfalls als 'Arianer' bezeichnet, in der wissenschaftlichen Forschung inzwischen als eigenständige, 'nicht-arianische' trinitarische/christologische Strömung der Spätantike etabliert wurden.[1] Vermeintliche 'Neu-Arianer' im strengeren Sinne gab es ab den späten 350er-Jahren nur noch in den Anhängern des Aetius, den Heterousianern (früher auch 'Anhomöer' oder 'Neuarianer'), die eine Wesens-Ähnlichkeit von Vater und Sohn verneinten, dafür eine Willens-Gleichheit zwischen beiden behaupteten.[2]

Theologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arius[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fresko in der westgotischen Kirche Santa Comba de Bande

Die arianische Lehre fußt auf einer speziellen Interpretation des von Origenes vertretenen Subordinatianismus der drei Hypostasen der Trinität aus Gott, Logos-Sohn und Heiligem Geist:

„Wenn der Vater und der Sohn zwei Personen sind, dann verstieße man gegen das Monotheismusgebot, wenn man annähme, dass Vater und Sohn vom gleichen Wesen seien, denn dann hätte man zwei Götter; andererseits kann es sich aber nicht um eine Person handeln, denn das wäre der gleichfalls schon verurteilte Modalismus.“

Arius vertrat, ausgehend von seiner religions-philosophischen Bildung (die vor allem auf Platon gründete), die folgenden Positionen bezüglich der Trinität und Christologie:[3]

  • Dass Gott den Logos-Sohn durch den eigenen Willen aus dem Nichts gezeugt habe, der Logos-Sohn damit nicht aus dem Wesen Gottes gezeugt worden sei
  • dass der Logos und der Vater entsprechend nicht gleichen Wesens seien (Wesensgleichheit)
  • dass nur Gott daher wahrer Gott sei, der Logos-Sohn dagegen kein wahrer Gott
  • dass der Sohn ein, wenn auch einzigartiges, Geschöpf des Vaters sei
  • dass Gott erst Vater geworden sei, als er den Logos-Sohn gezeugt habe
  • dass es eine Zeit gegeben habe, zu welcher der Sohn noch nicht existierte; er habe einen Anfang gehabt (Bestreitung der anfangslosen Gleichewigkeit von Vater und Sohn, siehe Präexistenz Christi)
  • dass der Logos-Sohn daher Gott untergeordnet sei (siehe Subordinatianismus)

Bei Arius ist Gott also ungeworden und ungezeugt, anfangslos und ewig, unwandelbar wie unveränderlich und absolut transzendent. Der Logos-Sohn ist als selbständige Hypostase wie alles Außergöttliche erschaffen, doch unmittelbar von Gott, doch nicht identisch mit dem Gott innewohnenden Logos. Christus wurde als Träger des erschaffenen Logos entsprechend gleichfalls vor zwar undenkbarer Zeit erschaffen, doch gab es eine - logische - Zeit, in welcher Christus noch nicht erschaffen worden war. Der Logos wird bei Arius zum nicht-göttlichen, aber besonderen Schöpfungs-Vermittler, mit dem Gott alle weiteren Geschöpfe kreierte. Jesus gilt bei Arius entsprechend als geschaffen und damit nicht-göttlich, nicht wesensgleich mit Gott.[4] Zudem habe nur ein Mensch leidend am Kreuz sterben können, kein Gott; die menschliche Natur sei in Christus also dominant gewesen.

Die nachfolgenden Auseinandersetzungen um Arius' Aussagen konzentrierten sich vor allem auf die Thesen, Logos-Sohn/Gottes Sohn bzw. Vater Sohn sei 'geschaffen' und habe einen Anfang gehabt. Analog dazu war der Logos-Sohn bei Arius kein wahrer Gott. Für die Kritiker der Thesen von Arius war aber die Erlösung durch den neutestamentlichen Christus unausweichlich damit verbunden, dass der Logos-Sohn bzw. Vater Sohn auch wahrer Gott sei.

Die christologischen und trinitarischen Fragen prägten die Zeit bis ins 6. Jahrhundert. Arius fand Anhänger insbesondere in gebildeten hellenistischen Kreisen, da sein Trinitätsverständnis vom Mittelplatonismus und Neuplatonismus mitgeprägt und vor allem durch Clemens von Alexandria und Origenes im gebildeten, griechisch sprachigen Christentum des östlichen Mittelmeergebietes vermittelt worden war.

Kaiser Konstantin lässt arianische Bücher verbrennen (mittelalterliche Darstellung)

Ebenso wie die 'nicänischen Trinitarier' beriefen sich die 'Arianer' auf die Bibel; wie bei ihnen spielte in manchen Richtungen vermeintlich 'arianischer' Strömungen die Inspiration durch den Geist Gottes eine bedeutende Rolle, in anderen die Berufung auf die aristotelische Philosophie. In der biblischen Begründung ihrer Lehre zitierten die Arianer oft andere Stellen als die Nicäner (= Anhänger des Konzils von Nicäa), denn das Neue Testament enthält keine eindeutigen Aussagen zur Natur Jesu. Insbesondere beriefen sie sich auf den Bibelkommentar des Origenes: »Nun ist es möglich, dass manche nicht schätzen, was wir sagten, indem wir den Vater als den einen wahren Gott hinstellten und zugaben, dass andere Wesen neben dem wahren Gott dadurch Götter werden konnten, dass sie an Gott teilhatten.«[5] und auf Tertullian, der gelehrt hatte, dass Jesus dem Vater untergeordnet sei (Subordinatianismus).

Nach Arius: Heterousianer Homöusianer Homöer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen dem ersten Konzil von Nicäa 325 und dem ersten Konzil von Konstantinopel 381 entstanden verschiedene, teils nur vermeintlich arianische, hauptsächlich nicht-arianisch-origenistische ('origenistische Mittelgruppe') und damit nicht-nicänische Christologien und Trinitätslehren, die einander teilweise widersprachen.

Die nachfolgend drei genannten Richtungen, 'Homöer', 'Homöusianer' wie 'Heterousianer' entwickelten sich erst ab etwa 357 n. Chr., wobei der entstehende, vermeintliche 'Neu-Arianismus' der Heterousianer mit seiner Radikalität diese Entwicklungsdynamik hauptsächlich ausgelöst hatte. 'Homöer' und 'Homöusianer' werden inzwischen nicht mehr dem 'Arianismus' zugeordnet werden, sondern der so genannten 'origenistischen Mittelgruppe', einer Richtung aus der Theologie des Origenes:[6][7]

  • die Heterousianer (von griechisch ἑτερο-ούσιος [hetero-ousios], ein anderer nach dem Wesen als Gott-Vater), Vater und Sohn sind wesensverschieden, doch Übereinstimmung beider im Willen hinsichtlich des heilsgeschichtlichen Handelns; früher auch - nicht zutreffend - als 'Neuarianer' bezeichnet oder 'Anhomöer';[8]
  • die Homöer (von griechisch ὁμοῖος [homoios kata tas grafas], ähnlich nach den Schriften), die vertraten, dass der Vater und der Sohn ähnlich seien, und
  • die Homöusianer (von griechisch ὁμοι-ούσιος [homoi-oúsios], wesensähnlich), die der trinitarischen Lehre nahestanden und vertraten, dass der Vater und der Sohn im Wesen und der Substanz ähnlich bzw. gleich seien.[9][10]

Die verschiedenen Richtungen lagen nicht nur mit den Nicänern, sondern auch untereinander im Streit.

Siehe auch: Wesensgleichheit

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der arianische Streit, die Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern der nicänischen Trinität und den 'echten' arianischen Christen sowie vermeintlich 'arianischen' Christen wie den Homöern und Homöusianern samt den vermeintlich 'neuarianischen' Heterousianern, dominierte die Kirchengeschichte im 4. Jahrhundert. Nicht-trinitarische Lehren und nicht-nicänische Trinitätslehren, seit den Auseinandersetzungen im 4. Jh. sehr lange Zeit unterschiedslos als 'Arianismus' bezeichnet, prägten damals phasen- und teilweise das Kirchenleben im Römischen Reich.

Die Mehrheit der Bischöfe im Osten des Römischen Reiches, das wurde in den nächsten Jahren nach dem nicänischen Konzil durch die weiter gehenden Auseinandersetzungen um die Christologie bzw. Trinitätslehre deutlich, gehörte zur 'origenistischen Mittelgruppe'. Konstantin der Große, welcher die auf dem Nicänischen Konzil verabschiedete trinitarische Formel unter Ausschluss 'arianischer' Positionen befürwortete, hatte sich nach dem Konzil eine Versöhnung der gegnerischen Trinitäts-Auffassungen zum Ziel gesetzt. So wurden beispielsweise 327/328 Eusebius von Nikomedia sowie Arius von Kaiser Konstantin rehabilitiert, Arius, nachdem dieser ein 'rechtgläubiges Bekenntnis' abgelegt hatte.[11] Von Eusebius von Nikomedia, dem später als vermeintlich 'arianisch' betrachteten, tatsächlich aber der origenistischen Mittelgruppe zugehörenden Bischof, hat sich Konstantin 337 auf dem Sterbelager taufen lassen.[12] Auch sein Sohn Constantius II. bevorzugte und förderte die origenistische Mittelpartei, später speziell die Richtung der 'Homöer'.[13] Nach wenigen Jahre Unterbrechung seit dem Tod von Constantius II. wurde das 'homöische' Glaubensbekenntnis von Kaiser Valens erneut zum offiziellen Kirchendogma erhoben.[14] Besonders in der Armee hingen ihr viele an.

Die Antitrinitarier und nicht-nicänischen Trinitarier wurden aber durch Streitigkeiten zwischen den verschiedenen Richtungen geschwächt, zudem dominierten sie nur weit im östlichen Teil des Römischen Reiches. Ab 362 entwickelten die nicänischen Trinitarier sowie Theologen der 'origenistischen Mittelgruppe' im Laufe einiger Jahre zudem eine mehrheitsfähige Lehre, unterstützt durch klarere Definition der verwendeten Ausdrücke, wodurch sie sprachliche Missverständnisse innerhalb der griechischen und zwischen griechischen und lateinischen Kirchenregionen ausräumen konnten und so auch für viele akzeptabel wurden, die vorher zwischen den Parteien standen.

Phasen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Auseinandersetzungen kann man grob in drei Phasen unterteilen, detailliert geschildert in den Artikeln Arianischer Streit und Erstes Konzil von Nicäa:

  • ca. 318–325: Ein lokaler Streit zwischen Bischof Alexander von Alexandria und Arius eskalierte im östlichen Teil des Römischen Reiches. Der seit Herbst 324 neue Alleinherrscher über das ganze Römische Reich, Kaiser Konstantin I., berief für 325 eine Synode nach Nicäa ein. Eine der Aufgaben des Konzils war gewesen, die Parteien zu einigen und eine Kompromiss-Formel zu finden, jenes Nicänischen Glaubensbekenntnisses.
  • 325–361: Reaktion von Arianern, 'Anti-Nicäern' und später vermeintlichen 'Neuarianern', den Heterousianern, und weiteren vermeintlich 'arianischen' Strömungen wie den Homöusianern und den Homöern; Letztere erreichten aufgrund der Anregung wie Unterstützung durch mehrere Kaiser, besonders durch Constantius II., eine zeitweilige politische und religiöse Vormachtstellung.
  • 362/79–381: Zu einer Wende kam es in den 370er Jahren, nachdem ab 362 der wichtigste 'Anti-Arianier', Bischof Athanasius in Alexandria, einen weitaus kompromissbereiteren Weg eingeschlagen hatte. Basilius von Caesarea wurde 370 Bischof von Caesarea und vor allem er, neben seinem Bruder Gregor von Nyssa und seinem Freund Gregor von Nazianz, den drei 'kappadokischen Kirchenvätern', setzte trotz Druck von Seiten Kaiser Valens seine Kraft für die Entwicklung eines neuen Glaubensbekenntnis ein, welches das strittige Problem der Hypostasen und die damit verbundene Subordination in der Trinitätslehre zwischen 'Anti-Arianern' bzw. 'Anti-Origenisten' (eine Hypostase und ein Wesen) und den 'Anti-Nicäern' (drei Hypostasen, drei Wesen) lösen sollte.[15] Seit Januar 379 herrschte Theodosius I. als Kaiser über den Osten des Römischen Reiches und im November 380 wird der 'homöische' Bischof in Konstantinopel von Theodosius ausgewiesen.[16] Theodosius I. lud auch zum ersten ökumenischen Konzil von Konstantinopel (381), wo mit der Bekenntnisformel des Nicänisch-konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnisses der jahrzehntelange Streit um die richtige Trinitätsformel einen vorläufigen Abschluss findet.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Germanenstämme, die um die Mitte des 4. Jahrhunderts an den Nordostgrenzen des Römischen Reiches siedelten, wurden während der vermeintlichen Vorherrschaft des Arianismus christianisiert, da viele germanische Krieger in den Dienst Roms traten. Tatsächlich dominierte zu jener Zeit im östlichem Bereich des Römischen Reiches die 'origenistische Mittelgruppe', aus der nach 358 sich die beiden Richtungen der 'Homöer' und der 'Homöusianer' entwickelten. Der gotische Bischof Wulfila, trinitarisch bei der 'origenistischen Mittelgruppe' und nachfolgend bei den 'Homöern' angesiedelt, verfasste eine Bibel in gotischer Sprache (Wulfilabibel), die zu einem einigenden Band der Germanenstämme wurde, die das hömöische Glaubensbekenntnis angenommen hatten.[17][18] Da sie zwar in enger Beziehung zum Römischen Reich standen, diesem aber formal nicht angehörten, hatten die Beschlüsse von 381 keinen Effekt auf sie.

Während der so genannten Völkerwanderung gelangten germanische Kriegerverbände der Burgunden und Langobarden, Ostgoten und Rugier, Sueben und Vandalen sowie Westgoten zumeist als foederati, teilweise auch als Eroberer in Gebiete des kulturell fortschrittlicheren Römischen Reichs, die weitgehend von Kirchengemeinden geprägt waren, welche die Trinitätslehre des Bekenntnis von Nicäa bzw. Nicäno-Konstantinopolitanum übernommen hatten. Die meisten dieser Krieger teilten jedoch das 'anti-nicänische', 'homöische' Glaubensbekenntnis und womöglich führte dieses Bekenntnis zu einer gewissen Trennung zwischen ihnen und der römischen Bevölkerung. Im Verlauf des Zusammenbruchs des Weströmischen Reiches bildeten sich auf dem Boden des ehemaligen Westreichs unabhängige germanische Nachfolgereiche, in denen daher meistens eine kleine germanische, 'homöische' Minderheit über eine romanische Mehrheit mit Nicänisch-konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnis herrschte. In einigen Fällen führte politischer Druck dazu, dass die Minderheit das Glaubensbekenntnis der Mehrheit übernahm. So ließen sich der 'homöische' burgundische König Sigismund im Jahre 516, der Sueben-König Miro im Jahre 572 und der 'homöische' Westgotenkönig Rekkared I. im Jahre 587 gemäß dem Nicänisch-konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnisses von 381 taufen. Teils wird vermutet, auch der Merowinger Chlodwig I. sei vor seinem Übertritt zum Nicänisch-konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnisses nicht etwa Heide (wie meistens angenommen), sondern 'Homöer' gewesen. Er vermied durch sein 'katholisches', nicänisches Bekenntnis jedenfalls Spannungen mit der romanischen Mehrheitsbevölkerung. Sein Enkel Chilperich I. soll allerdings laut Gregor von Tours noch 580 selbst eine 'anti-nicänische' Schrift verfasst haben, was jedoch folgenlos blieb.

Die Vandalenherrscher in Nordafrika, mit der Ausnahme von Thrasamund und Hilderich, verfolgten hingegen nicht-homöische, nicht-nicänische Christen mehr oder weniger stark. Offenbar hielten sie christlichen Kirchengemeinden mit nicänischem Glaubensbekenntnis für gefährlich, da diese das gleiche Glaubensbekenntnis wie der römische Kaiser vertraten. Geistliche wurden ins Exil geschickt, Klöster aufgelöst und Gläubige des nicänischen Bekenntnis unter Druck gesetzt. Die Verfolgung durch die Vandalen traf jedoch bei den katholischen Christen ebenso wie bei den Donatisten auf Widerstand. Beendet wurde sie, nachdem sie bereits lange zuvor abgeklungen war, durch die militärische Niederlage der Vandalen gegen Kaiser Justinian.

Im ehemaligen Vandalenreich in Nordafrika und auf Sardinien, die nun unter oströmische Herrschaft kamen, gab es bis zur Eroberung durch die Muslime parallel lateinisch-nicänische, griechisch-nicänische und homöisch-nichtnicänische Christen. Im Westgotenreich in Spanien existierten, möglicherweise bis zur islamischen Eroberung, homöische und lateinisch-nicänische Christen nebeneinander. Zwischen 603 und 610 reaktivierte der westgotische König Witterich im Bündnis mit Langobarden und Burgundern vorübergehend nochmals das homöische Glaubensbekenntnis, und auch bei den Langobarden wurde das homöische Glaubensbekenntnis endgültig erst 662 unter König Grimoald I. vom nicäno-konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnis abgelöst.

Unter den Arabern war das anti-nicänische Christentum in der Spätantike recht weit verbreitet. In der Forschung wird daher mitunter ein Zusammenhang mit dem strikten Monotheismus des späteren Islam vermutet bzw. eine geringere Hemmschwelle für anti-nicänische Christen, zum Islam zu konvertieren. Die nicänische bzw. nicäno-konstantinopolitanische Trinität, u. a. also die Göttlichkeit Jesu sowie seine Gottessohnschaft, werden auch im Koran unter anderem an folgenden Stellen ausdrücklich abgelehnt:

„Christus Jesus, der Sohn Marias, ist doch nur der Gesandte Gottes und sein Wort, das Er zu Maria hinüberbrachte, und ein Geist von ihm. So glaubt an Gott und seine Gesandten. Und sagt nicht: Drei.“

Koran 4:171, Übersetzung von Khoury

„Er [Gott] hat nicht gezeugt, und Er ist nicht gezeugt worden.“

Koran 112:3, Übersetzung von Khoury

Vertreter und Gegner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wichtigster Vertreter des Arianismus war Arius selbst. Aëtios von Antiochia und Eunomius gehören zu den späteren Heterousianern.[19] Eusebius von Nikomedia kann theologisch zur 'origenistischen Mittelgruppe' gerechnet werden, Basilius von Ancyra zu den Homöusianern, die mit dem Arianismus kaum etwas zu tun hatten.[20] Acacius von Caesarea und Eudoxius von Antiochia sind Hauptvertreter der so genannten Homöer.[21]

Die Gegenposition zum Arianismus wie zu den Positionen der 'origenistischen Mittelgruppe' vertraten insbesondere Athanasius von Alexandria und Alexander von Alexandria, im Westen des Römischen Reiches Hilarius von Poitiers und Ambrosius von Mailand.

Basilius von Caesarea und sein Bruder Gregor von Nyssa sowie ihr gemeinsamer Freund Gregor von Nazianz, die drei kappadokischen Kirchenväter, können als die Hauptakteure bei der Weiterentwicklung der Trinitätslehre und Überwindung der Auseinandersetzung darüber ab den 370er Jahren bezeichnet werden.

Nachfolger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Reformationszeit entwickelten sich wieder antitrinitarische Positionen. Die reformatorischen Antitrinitarier, die mit anderen Nichtkonformisten der Radikalen Reformation zugerechnet werden können, lehnten das Dogma der Trinität ab, weil sie hierin Luthers reformatorisches Prinzip sola scriptura („allein durch die Schrift“) verletzt sahen. Zu dauerhaften Kirchenbildungen kam es jedoch nur in Polen-Litauen (Polnische Brüder) und in Siebenbürgen (Unitarische Kirche Siebenbürgen). In Polen wurde der Antitrinitarismus vor allem durch Fausto Sozzini (1539–1604) geprägt, in Siebenbürgen kann der Reformator Franz David genannt werden. Von hier aus verbreitete sich auch der Begriff des Unitarismus, der sich über Deutschland, die Niederlande, Großbritannien und bis in die USA ausbreitete. Vor allem der von Fausto Sozzini begründete Sozinianismus hatte einen großen Einfluss auf die Theologie und insbesondere auf die religionskritische Literatur der Aufklärung im 18. Jahrhundert. Auch Isaac Newton war in seinen theologischen Schriften Antitrinitarier. Von Gegnern wurde den Antitrinitariern oft der ungenaue oder pauschale Vorwurf des Arianismus gemacht.

Unter den modernen Unitariern hat sich jedoch inzwischen auch eine nicht-christliche humanistische Richtung herausgebildet, so dass der Unitarismus nicht mehr zur Gänze dem christlich-reformatorischen Antitrinitarismus zugeordnet werden kann. Neben den Unitariern entwickelten sich später jedoch auch noch weitere antitrinitarische Gruppen wie die Christadelphians, die in der Traditionslehre des unitarischen Sozinianismus stehen, und die Zeugen Jehovas. Doch wäre es unhistorisch, die Zeugen Jehovas als arianisch zu bezeichnen, zumal sie viele Glaubenslehren ablehnen, die die historischen Arianer noch angenommen hatten.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hanns Christof Brennecke: Augustin und der ‚Arianismus‘. In: Therese Fuhrer (Hrsg.): Die christlich-philosophischen Diskurse der Spätantike. Texte, Personen, Institutionen. Stuttgart 2008, hier S. 178.
  2. Wolf-Dieter Hauschild, Volker Henning Drecoll: Lehrbuch der Kirchen- und Dogmengeschichte. Band 1. Alte Kirche und Mittelalter. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2016, S. 90 - 92. 5., vollständig überarbeitete Neuausgabe.
  3. Franz Dünzl: Kleine Geschichte des trinitarischen Dogmas in der Alten Kirche. Verlag Herder, Freiburg (Breisgau) u. a. 2006, S. 53-59. ISBN 3-451-28946-6.
  4. Jan Rohls: Gott, Trinität und Geist (Ideengeschichte des Christentums, Band III/1). Mohr Siebeck, Tübingen 2014, S. 120f.
  5. Origenes, Kommentar zu Johannes 2,3
  6. Jan Rohls: Gott, Trinität und Geist (Ideengeschichte des Christentums, Band III/1). Mohr Siebeck, Tübingen 2014, S. 92.
  7. Wolf-Dieter Hauschild, Volker Henning Drecoll: Lehrbuch der Kirchen- und Dogmengeschichte. Band 1. Alte Kirche und Mittelalter. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2016, S. 76f., S. 90. 5., vollständig überarbeitete Neuausgabe.
  8. Wolf-Dieter Hauschild, Volker Henning Drecoll: Lehrbuch der Kirchen- und Dogmengeschichte. Band 1. Alte Kirche und Mittelalter. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2016, S. 92. 5., vollständig überarbeitete Neuausgabe.
  9. Jan Rohls: Gott, Trinität und Geist (Ideengeschichte des Christentums, Band III/1). Mohr Siebeck, Tübingen 2014, S. 133.
  10. Wolf-Dieter Hauschild, Volker Henning Drecoll: Lehrbuch der Kirchen- und Dogmengeschichte. Band 1. Alte Kirche und Mittelalter. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2016, S. 90. 5., vollständig überarbeitete Neuausgabe.
  11. Jan Rohls: Gott, Trinität und Geist (Ideengeschichte des Christentums, Band III/1). Mohr Siebeck, Tübingen 2014, S. 130f.
  12. Jan Rohls: Gott, Trinität und Geist (Ideengeschichte des Christentums, Band III/1). Mohr Siebeck, Tübingen 2014, S. 126.
  13. Wolf-Dieter Hauschild, Volker Henning Drecoll: Lehrbuch der Kirchen- und Dogmengeschichte. Band 1. Alte Kirche und Mittelalter. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2016, S. 93. 5., vollständig überarbeitete Neuausgabe.
  14. Eike Faber: Von Ulfila bis Rekkared. Die Goten und ihr Christentum. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2014, S. 16.
  15. Franz Dünzl: Kleine Geschichte des trinitarischen Dogmas in der Alten Kirche. Verlag Herder, Freiburg (Breisgau) u. a. 2006, S. 120.
  16. Justin Mossay: Gregor von Nazianz (gest. 390). In: Theologische Realenzyklopädie (TRE). Band 14, de Gruyter, Berlin/New York 1985, ISBN 3-11-008583-6, S. 164–173. (kostenpflichtig abgerufen über Theologische Realenzyklopädie, De Gruyter Online), S. 166f.
  17. Hanns Christof Brennecke: Augustin und der ‚Arianismus‘. In: Therese Fuhrer (Hrsg.): Die christlich-philosophischen Diskurse der Spätantike. Texte, Personen, Institutionen. Stuttgart 2008, hier S. 178f.
  18. Knut Schäferdiek, Der vermeintliche Arianismus der Ulfila-Bibel, in: Zeitschrift für antikes Christentum, Band 6 (2002), Heft 2, S. 320ff.
  19. Wolf-Dieter Hauschild, Volker Henning Drecoll: Lehrbuch der Kirchen- und Dogmengeschichte. Band 1. Alte Kirche und Mittelalter. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2016, S. 92. 5., vollständig überarbeitete Neuausgabe.
  20. Jan Rohls: Gott, Trinität und Geist (Ideengeschichte des Christentums, Band III/1). Mohr Siebeck, Tübingen 2014, S. 126.
  21. Wolf-Dieter Hauschild, Volker Henning Drecoll: Lehrbuch der Kirchen- und Dogmengeschichte. Band 1. Alte Kirche und Mittelalter. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2016, S. 91. 5., vollständig überarbeitete Neuausgabe.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]