Arkadi Wladimirowitsch Dworkowitsch

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Arkadi Dworkowitsch (2015)

Arkadi Wladimirowitsch Dworkowitsch (russisch Аркадий Владимирович Дворкович; * 26. März 1972 in Moskau) ist ein russischer liberaler[1] Ökonom und Politiker. Von Mai 2008 bis Mai 2012 war er einer von fünf persönlichen Beratern des Präsidenten der Russischen Föderation. Von Mai 2012 bis 2018 war er einer der Stellvertretenden Ministerpräsidenten in der Regierung der Russischen Föderation. Sein Vater Wladimir Jakowlewitsch Dworkowitsch (russisch Владимир Яковлевич Дворкович) (1937–2005) war ein international bekannter Schach-Schiedsrichter. Seit Oktober 2018 ist Dworkowitsch Präsident des Weltschachverbandes FIDE.[2] Seit 2017 ist er auch Aufsichtsratsmitglied des staatlichen russischen Geldhauses Rosselchosbank (russisch Россельхозбанк, dt. Landwirtschaftsbank).

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arkadi Dworkowitsch besuchte die Mittelschule 444 in Moskau. Er schloss 1994 sein Studium an der Lomonossow-Universität in Wirtschafts-Kybernetik ab und 1996 als einer der Absolventen des ersten Jahrgangs an der Moskauer Wirtschaftshochschule New Economic School in Wirtschaftswissenschaften. An der Duke-University in Durham (North Carolina), einer der renommiertesten US-Universitäten, schloss er 1997 mit einem Master in Wirtschaftswissenschaften ab.

Dworkowitsch gilt als Spezialist für die Regulierung der Wirtschaft, für Finanzmanagement und Steuerplanung. Die New Yorker Zeitschrift BusinessWeek nahm ihn 2003 in die Liste der 50 wichtigsten Politiker der Welt auf.[3] Arkadi Dworkowitsch spricht fließend Englisch und Deutsch.

Im Oktober 2016 war nach dem Machtkampf um Baschneft von einer Kabinettsumbildung und dem dortigen Ausscheiden Dworkowitschs die Rede; ein möglicher Chefposten für Dworkowitsch wäre die Staatliche Russische Eisenbahn.[4]

Politische Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1994: Berater, Senior Expert, CEO, wissenschaftlicher Direktor der Wirtschafts-Expertengruppe im russischen Finanzministerium
  • 2000: Experte des Center for Strategic Research[5]
  • August 2000: Berater des Ministers für wirtschaftliche Entwicklung und Handel, German Gref
  • 2001: Stellvertretender Minister für wirtschaftliche Entwicklung und Handel
  • April 2004: Leiter der Moskauer Economic Expert Group (EEG),[6] einem Think Tank des Präsidenten
  • Seit 13. Mai 2008: Persönlicher Wirtschaftsberater des Präsidenten
  • Seit Mai 2012: Stellvertretender Ministerpräsident

Am 19. Mai 2008 wurde Dworkowitsch von Dmitri Medwedew als Chefunterhändler des russischen Präsidenten zum G-8-Gipfeltreffen in Tōyako entsandt.[7] Zum G8-Gipfel in Camp David 2012 kündigte Dworkowitsch an, dass sich die russische Regierung gegen die Verabschiedung unausgewogener Erklärungen der G8 zum Umgang mit Irans Atomprogramm und dem Aufstand in Syrien einsetzen werde, die dann die Rolle einer Vorentscheidung im UNO-Sicherheitsrat spielen könnten.[8]

Während des WEF in Davos im Jahr 2018 erklärte er, es gäbe in Russland keine Oligarchen mehr, sondern nur staatsdienende Unternehmer.[9]

Sportliches Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Jahren 2006 bis 2009 war Dworkowitsch im Vorstand der Russischen Fußball-Union und leitete dort die Jugendförderung. Er war der Leiter der Organisation der Fußball-Weltmeisterschaft 2018.

Seit 2007 war Dworkowitsch zunächst Vize-Präsident, ab 2010 bis 2014 Vorsitzender des Aufsichtsrates des nationalen russischen Schachverbandes und als solcher verantwortlich für die Entwicklung der Schachjugend sowie für die allgemeine Förderung des Schachspiels in Russland. Schach ist in Russland hoch politisch. Während der Wahl zum Präsidenten der FIDE waren Diplomaten, Banken- und Konzernmanager eingesetzt worden, welche einerseits Geld versprachen, andererseits mit politischem Druck drohten. Dworkowitsch versprach seinerseits die Säuberung des Verbandes von Korruption.[10]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dworkowitsch ist seit August 2000 mit Sumrud Chandadaschewna Rustamowa (russisch Зумруд Хандадашевна Рустамова) verheiratet, der ehemaligen stellvertretenden Ministerin für staatliches Eigentum, die heute im Vorstand des russischen Bergbauunternehmens Polymetall und der russischen Entwicklungsbank ist. Dworkowitsch hatte sie Anfang 2000 bei einer Dienstreise nach Tübingen (Deutschland) kennengelernt. Aus der Ehe gingen drei Söhne hervor.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Arkadi Dworkowitsch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Putin will es prunkvoll und pragmatisch, NZZ, 7. Mai 2018
  2. Arkady Dvorkovich elected FIDE President. In: FIDE. 3. Oktober 2018, abgerufen am 3. Oktober 2018 (englisch).
  3. Bloomberg vom 6. Juli 2003.
  4. Bewegung in der Regierung, Kommersant, 10. Oktober 2016
  5. Центр Стратегических Разработок, Website Center for Strategic Research
  6. Экономическая экспертная группа (ЭЭГ), Website Economic Expert Group
  7. RIA Novosti, Arkadi Dworkowitsch wird G8-Beauftragter des russischen Präsidenten
  8. Dvorkovich: Russia Opposes Adopting Statement by G8 on Syria and Iran That Could Be Used to Impose Provisions in Security Council (Memento vom 20. Juni 2012 im Internet Archive) Decisions SANA am 17. Mai 2012.
  9. ‘There are No More Oligarchs in Russia,’ Announces Deputy Premier, The Moscow Times, 25. Januar 2018
  10. Putis Mann zieht es nach Lausanne, Tages-Anzeiger, 12. April 2019, Seite 17