Arlesheimer Dom

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Arlesheimer Dom von Schloss Birseck aus gesehen. Im Hintergrund Reinach und Ruine Landskron in Frankreich
Arlesheimer Dom von Schloss Birseck aus gesehen. Im Hintergrund Reinach und Ruine Landskron in Frankreich
Dom von Arlesheim

Der Arlesheimer Dom steht in der basellandschaftlichen Gemeinde Arlesheim in der Schweiz und wurde 1681 geweiht. Die Kirche und die Domherrenhäuser am Domplatz waren von 1679 bis 1792 Sitz des Domkapitels des Bistums Basel. Der Dom ist zum Wahrzeichen von Arlesheim geworden. Berühmt ist auch die Orgel von Johann Andreas Silbermann aus dem Jahr 1761.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eingangsportal des Doms
Innenansicht Richtung Hauptaltar
Deckengemälde mit der Darstellung der heiligen Jungfrau
Silbermann-Orgel
Grabinschrift von Franz Xaver von Maler (1746–1816) im Arlesheimer Dom. Er bewahrte 1811 durch Kauf die Domkirche von Arlesheim vor dem Zerfall. 1786 Domherr von Basel (päpstl. Provision), Nach 1801 von Arlesheim aus Verwaltung der Pfarreien der Diözese im Kt. Solothurn und im Fricktal
Grabinschrift von Franz Xaver von Maler (1746–1816) im Dom von Arlesheim

Von der Reformation vertrieben, flüchtete der Bischof des Fürstbistums Basel 1529 zunächst nach Altkirch, dann nach Pruntrut, wohingegen das Domkapitel sich zuerst nach Neuenburg am Rhein begab und sich dann im Basler Hof in Freiburg im Breisgau Aufnahme fand. Nach der Besetzung Freiburgs durch die Franzosen beschossen Bischof und Kapitel 1679, eine neue Residenz in Arlesheim zu errichten. Nach Pruntrut, zum Sitz des Fürstbischofs, konnte das Kapitel nicht verlegt werden, weil es kirchlich zur Erzdiözese Besançon und nicht zum Bistum Basel gehörte. Arlesheim dagegen lag nicht nur im Bistum, sondern auch in der Nähe des Elsass, von woher das Kapitel die meisten Einkünfte bezog.

1792, im Laufe der Französischen Revolution, floh der Fürstbischof Sigismund von Roggenbach ins Exil nach Konstanz. 1793 verliessen die letzten Domherren Arlesheim und Freiburg im Breisgau wurde wieder offizieller Sitz des Domkapitels. Der Dom, die Domherrenhäuser und die Fahrhabe wurden darauf versteigert und vieles ging verloren, u. a. der Kirchenschatz, einige Glocken und das kunstvolle schmiedeeiserne Chorgitter. Der Dom wurde zwischenzeitlich als Abstellraum und gar als Pferdestall benutzt, und seit 1812 ist er die Pfarrkirche der Gemeinde Arlesheim.

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Domplatz von Arlesheim
Domplatz von Arlesheim

Der Dom wurde 1679–1681 nach Plänen von Franz Demess gebaut, während für die Domherrenhäuser der Misoxer Baumeister Jakob Engel (1631–1714) und dessen Bruder Karl verantwortlich zeichneten. Am 26. Oktober 1681 konnte die feierliche Weihe des Domes vollzogen werden, und im Juli 1682 wurden die Glocken aufgezogen.

Der frühbarocke Bau war sehr einfach und streng. Der Einheitsraum war wie heute von Kapellen begleitet, und die Wände waren durch niedrige Emporen, wie man sie in Jesuitenkirchen antrifft, belebt. Das Mittelschiff schloss mit einer unabgesetzten, weiten Apsisrundung ab. Stuckaturen und schwere Kränze an der Decke milderten die Nüchternheit dieses Raumes.

Die Domkirche hat zwei Kirchtürme, welche von je einem Knauf und einem Kreuz abgeschlossen werden. Das Mauerwerk hat eine gelbliche Farbe, umrahmt von weissen Rahmen; der Turm wird durch ein hellgrünes Dach abgeschlossen. In einer Nische über der Eingangstür aus hellem Holz befindet sich Maria mit Kind und Baselstab als Statue, welches das Wappen des Domstiftes ist.

Umbau von 1759[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die schnelle Bauweise um 1680 liess bald schwere Schäden zu Tage treten, und 1759 wurde nach nur 80 Jahren eine umfassende Restaurierung nötig. Der Dom erhielt ein Rokoko-Aussehen und wurde innen und aussen erneuert und weitgehend verändert.

Der Architekt war Franz Anton Bagnato (1732–1810). Für die Ausführung der Stuckarbeiten und den Hochaltar war Francesco Pozzi (1704–1789) zuständig. Die Deckengemälde und das Altarbild in Fresko wurden durch Giuseppe Appiani ausgeführt. Die Schreinerarbeiten wie das Hauptportal, die Seitentüren mit ihren Schnitzereien und das Chorgestühl wurden von Peter Schacherer aus Rheinfelden 1761 ausgeführt.

Beim Umbau wurde der Dom verlängert und die Seiteneingänge weiter gegen den Chor verlegt, der Innenraum wurde leicht umgestaltet, die kleinen Emporen entfernt, und der Dom erhielt eine Gruft unter dem Chorboden. Auch das Äussere der Kirche wurde überarbeitet, die Fassade durch eine Verstärkung der vertikalen Elemente leichter gestaltet und durch zusätzliche Schnörkel an den Fenstern verschönert.

1932 wurde das Innere und 1954/1955 das Äussere der Domkirche renoviert.

Silbermann-Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel ist die letzte in der Schweiz noch weitgehend original erhaltene Silbermann-Orgel und besitzt damit Seltenheitswert. Das Domkapitel gab am 2. November 1759[1] dem bekannten Orgelbaumeister Johann Andreas Silbermann aus Strassburg den Auftrag zum Bau einer Orgel. Diese wurde auf der Empore über dem Eingang eingebaut und am 31. August 1761 vollendet. 1962 erfolgte eine Restaurierung durch das Unternehmen Metzler Orgelbau. 1998 ist die Orgel wieder mit einer originalgetreuen Silbermannschen Keilbalg-Anlage versehen worden. Im Juni 2005 wurde eine erneute Restaurierung abgeschlossen. Das Instrument hat den typischen „hellen“ Klang einer Silbermann-Orgel, wie es bei einer französischen Barock-Orgel üblich war. Typisch dafür sind unter anderem die Kornett-Register.[2] Sie hat folgende Disposition:

I Rückpositiv C–e3
Bourdon 08′ S
Prestant 04′ S
Flûte 04′ S
Nazard 0223 S
Doublette 02′ S
Tierce 01350 S
Larigot 0113
Fourniture III
Cromorne 08′
Tremblant doux
II Hauptwerk C–e3
Bourdon 16′ S
Montre 08′ S
Bourdon 08′ S
Prestant 04′ S
Nazard 0223 S
Doublette 02′ S
Tierce 01350 S
Sifflet 01′ S
Fourniture III
Cymbale III
Cornet V (ab c0) S
Trompette (B/D) 08′
Voix humaine 08′
Tremblant fort
III Récit/Echo C–e3
Bourdon 08′ S
Prestant 04′ S
Nazard 0223
Doublette 02′
Tierce (ab c0) 01350
Basson-Trompette 08′
Pedal C–d1
Subbass 16′ S
Octavbass 08′ S
Quinte 05130
Prestant 04′
Fourniture III
Bombarde 16′
Trompette 08′
Clairon 04′
S = Erhaltene Register von Andreas Silbermann 1761

Das Instrument wurde bei zahlreichen LP- oder CD-Einspielungen verwendet, zum Beispiel für die Orgelwerke von Johann Sebastian Bach durch Walter Kraft, Karl Richter oder Lionel Rogg. Berühmt geworden ist Richters Einspielung der sechs Orgelkonzerte von Bach (BWV 592–597), in denen Bach Kompositionen anderer Komponisten bearbeitet hat.[3] Es finden regelmässig Konzerte im Rahmen der «Domkonzerte Arlesheim» statt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Arlesheimer Dom – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Informationen zum Orgelbau im Arlesheimer Dom
  2. Die Orgel von J. A. Silbermann, abgerufen am 2. April 2018 auf: [1]
  3. Johann Sebastian Bach: Die 6 Orgelkonzerte BWV 592–597. Interpret: Karl Richter an der Silbermann-Orgel Arlesheim. Archiv Produktion, 9/1973.


Koordinaten: 47° 29′ 32″ N, 7° 37′ 14,7″ O; CH1903: 613726 / 260178