Arlie Russell Hochschild

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Arlie Russell Hochschild ['hoʊkʃɪld] (* 15. Januar 1940 in Boston, Massachusetts) ist eine US-amerikanische Professorin für Soziologie an der University of California in Berkeley und Autorin.

Sie beschäftigt sich unter anderem mit der Doppelbelastung von Frauen, die sowohl die Hausarbeit erledigen als auch ein Arbeitsverhältnis aufrechterhalten. Hochschild prägte Ende der 1970er den Begriff der Emotionsarbeit, der sich auf die Vermittlung von Freundlichkeit und Gefühlen im Beruf bezieht; hierbei untersuchte sie vor allem die Dienstleistungsberufe. Sie ist verheiratet mit dem Schriftsteller und Journalisten Adam Hochschild.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Student Unions in North African Politics. (mit Clement Henry Moore) University of California Press, 1968
  • The Unexpected Community: Portrait of an Old Age Subculture. University of California Press, 1978, ISBN 0520036638
  • The Second Shift: Working Parents and the Revolution at Home. (mit Anne Machung) Avon Books, 1990, ISBN 0380711575
    • dt.: Der 48-Stunden-Tag. Wege aus dem Dilemma berufstätiger Eltern, Zsolnay, Wien und Darmstadt 1990, ISBN 3-552-04235-0
  • The Time Bind: When Work Becomes Home and Home Becomes Work. Metropolitan Books, 1997, ISBN 0-805044701
    • dt.: Keine Zeit. Wenn die Firma zum Zuhause wird und zu Hause nur Arbeit wartet, Leske und Budrich, Opladen 2002, ISBN 3-8100-3620-X
  • The Managed Heart: Commercialization of Human Feeling. University of California Press (1983) 2003, ISBN 0-520239334
  • The Commercialization of Intimate Life: Notes from Home and Work. University of California Press, 2003, ISBN 0-520214889
  • Global Woman: Nannies, Maids, and Sex Workers in the New Economy. (mit Barbara Ehrenreich) Henry Holt and Co., 2004, ISBN 0-805075097
  • The outsourced self. Intimate life in market times. Henry Holt and Co, 2012.
  • Strangers in Their Own Land: Anger and Mourning on the American Right. The New Press, New York 2016, ISBN 978-1-620972250.[1]

Der 48-Stunden-Tag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Hochschilds Buch Der 48-Stunden-Tag. Wege aus dem Dilemma berufstätiger Eltern wird von der Autorin mit dem Thema der Vereinbarkeit von Beruf und Familie und der Rolle der Frau und des Mannes darin ein aktueller Schwerpunkt diskutiert, welcher mitunter durch die größer werdende Gleichberechtigung von Mann und Frau sehr aktuell ist. Sie widmet sich unter anderem der Hektik im Familienleben, der kulturellen Verschleierung, dem Mythos der traditionellen Familie, der Vorstellung von Männlichkeit und Dankbarkeit, den Problemen einer Ehe bei der Berufstätigkeit der Frau, den Aufgabenbereichen des Mannes und der Frau und dem Konflikt von traditionellen und neuen Wegen. Hochschild führte zusammen mit Anne Machung Interviews mit 50 Ehepaaren und Beobachtungen dutzender Familien in ihrer häuslichen Umgebung durch.[2] Hochschild führt an, dass einer Hausfrau ein wichtiger Bereich des gesellschaftlichen Lebens fernbleibt.[3] Berufstätige Akademikerinnen hingegen haben kaum Zeit für ihre Familie. Sie führt weiter an, dass der Beruf des Wissenschaftlers ursprünglich nur den traditionellen Männern vorbehalten war. Die Frauen hatten die Aufgabe, zu Hause zu bleiben und sich um die Kinder zu kümmern. Das Berufsleben sollte, wenn möglich, vielleicht so umstrukturiert werden, dass nebenbei auch noch Zeit für die Familie bleibt. Dies käme einer Revolution gleich, welche sich, beginnend zu Hause, über Arbeitsplatz, Universitäten, Firmen, Banken und Fabriken erstreckt. Frauen wurden in den letzten Jahren immer mehr berufstätig, jedoch blieben sie in weniger hohen Stellen. An höheren Stellen wurden die Frauen unter anderem durch die Bedingungen der Berufswelt gehindert. Deren Regeln sind im Vorhinein auf die männliche Bevölkerung abgestimmt. Hochschild führt an, dass der Grund die geringere Beteiligung von Männern im Bereich der Pflege und Erziehung der Kinder sowie der Hausarbeit sei.[4] Den Frauen fällt es schwer, mit männlichen Maßstäben zu konkurrieren. Im Alter von Mitte 20 bis Mitte 30, dem Alter, in dem die Frauen die meisten Kinder bekommen, werden gerade die höchsten Anforderungen gestellt. Frauen verlieren bei einem Wiedereinstieg auch oft den Mut, da es ihnen an möglicher Berufserfahrung fehlt. Betroffen sind die Mittelschicht, aber auch Arbeiter. Nebenbei hat der Druck auch schlechte Auswirkungen auf das Familienleben. Neben dem Beruf, welcher nur die Hälfte des Problems darstellt, sollte auch das Familienleben genauer betrachtet werden. Fragen, die Hochschild an dieser Stelle nennt, sind auszugsweise, wer die Stelle der Mutter übernehmen soll, ob es Frauen möglich sei, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen und ob der Beruf Vorrang hat? Mit welchen Gefühlen werden gar Männer und Frauen konfrontiert und in welchem Grad sind die Partner voneinander abhängig?[5] Junge Studentinnen, welche von Hochschild befragt wurden, sagten klar, dass sie später ganztags arbeiten und eine Familie haben wollen. Wie dies möglich sein soll, wissen sie oft selbst nicht und haben vielmehr Angst vor dem zukünftigen Problem. Das Bild der Frau mit dem wehenden Haar dient als Beispiel für Leben einer berufstätigen Frau mit Familie. Diese sollte geschäftig, aktiv und fröhlich sein. Den Gegenpart bildet hier die Schaufensterpuppe mit umgehängter Schürze, welche reglos am Fenster steht. Der Wirklichkeit scheint letzteres Bild näherzukommen. Beide Bilder erinnern an die beiden Seiten der Revolution, welche die Frau erfasst und ihre Rolle verändert hat. Frauen werden im steigenden Maße ins Berufsleben integriert. Veränderungen haben sie erfahren bei ihren finanziellen Möglichkeiten, dem Selbstbewusstsein, ihrem Begriff der Weiblichkeit und ihrem Alltag. Motor dieser Revolution ist auch ein Wandel in der Wirtschaft. Löhne der Männer verlieren an Kaufkraft, „Männerberufe“ an Bedeutung und im wachsenden Dienstleistungssektor finden die Frauen immer mehr Beschäftigungsmöglichkeiten.[6] Die neue Geschlechterideologie ist bedeutend in dieser Revolution, und die Identität wird an neue Lebensumstände angepasst.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. FAZ.net / Michael Hochgeschwender: Rezension
  2. Arlie Russell Hochschild: Der 48-Stunden-Tag. Wege aus dem Dilemma berufstätiger Eltern. Droemer Knaur, München 1993, ISBN 3-426-84015-4, S. 27 (englisch: The second shift. Übersetzt von Andrea Galler).
  3. Arlie Russell Hochschild: Der 48-Stunden-Tag. Wege aus dem Dilemma berufstätiger Eltern. Droemer Knaur, München 1993, ISBN 3-426-84015-4, S. 14 (englisch: The second shift. Übersetzt von Andrea Galler).
  4. Arlie Russell Hochschild: Der 48-Stunden-Tag. Wege aus dem Dilemma berufstätiger Eltern. Droemer Knaur, München 1993, ISBN 3-426-84015-4, S. 15 (englisch: The second shift. Übersetzt von Andrea Galler).
  5. Arlie Russell Hochschild: Der 48-Stunden-Tag. Wege aus dem Dilemma berufstätiger Eltern. Droemer Knaur, München 1993, ISBN 3-426-84015-4, S. 16 (englisch: The second shift. Übersetzt von Andrea Galler).
  6. Arlie Russell Hochschild: Der 48-Stunden-Tag. Wege aus dem Dilemma berufstätiger Eltern. Droemer Knaur, München 1993, ISBN 3-426-84015-4, S. 305 (englisch: The second shift. Übersetzt von Andrea Galler).