Armatur

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Armatur (Begriffsklärung) aufgeführt.

Eine Armatur (lateinisch armare „ausrüsten“) in Rohrleitungen bezeichnet ein insbesondere zum Verändern oder Absperren von Stoffströmen dienendes Bauelement.

Ausführungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Valve.jpg
Absperrschieber
Absperrventil für Heizungs-Rücklauf.jpg
Absperrschieber im Heizkreislauf


Je nach Bauart verschließt ein Schließelement die an die Armatur angeschlossene Rohrleitung. Beim Wasserhahn ist das der Ventilteller. Bei der Absperrklappe ist dies eine drehbare Klappe, beim Absperrschieber eine verschiebbare Scheibe und beim Hahn ein drehbarer Zylinder oder Konus oder eine Kugel, die alle mit einer Bohrung versehen sind.

Zu den Absperr- und Regel-Armaturen zählen:

Im weiteren Sinne werden andere Einbauten in Rohrleitungen ebenfalls als Armatur bezeichnet:

Zum Einbau von Armaturen in Rohrleitungen stehen verschiedene Verbindungsmöglichkeiten, wie z. B. Flansche und Verschraubungen, zur Verfügung.

Die Baulänge von Armaturen variiert je nach Armaturenbauart sehr stark. Diese Baulängen sind für den europäischen Bereich in EN 558-1 definiert. Typische Baulängen für Absperrschieber sind zum Beispiel die Grundreihen 14 und 15.[1]

Einsatzbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jede Armatur hat ihren Einsatzbereich entsprechend dem in der Rohrleitung vorherrschenden Druck und der Temperatur, der Größe der Rohrleitung, den Anforderungen der Dichtheit der Armatur, der Drosselung und der Richtung des Fluidstromes sowie des Mediums selbst. In Haus-Gasleitungen werden speziell abgedichtete, dem Gasdruck angepasste Armaturen, sogenannte Gashähne eingebaut; in Wasserleitungen entsprechende Absperrarmaturen oder Drosselventile, die umgangssprachlich „Wasserhähne“ genannt werden.

Sicherheits-/ Sicherungsarmaturen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sicherheitsarmaturen dienen der Begrenzung des Druckes in druckbelasteten Anlagen wie Kesseln oder Reaktoren.

Sicherungsarmaturen verhindern den Rückfluss von Brauchwasser in das Leitungsnetz.

Erstabsperrung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Erstabsperrung ist eine Armatur, welche in einem Rohrleitungsnetz die Trennung eines abzweigenden Rohrleitungsstranges ermöglicht.

Antriebe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Armaturen können manuell von Hand, wie beim häuslichen Wasserhahn, oder motorisch, z. B. durch Getriebemotor, Pneumatik- oder Hydraulikzylinder betätigt werden. Bei Rückschlagarmaturen bewirkt der Fluidstrom in der Rohrleitung ein selbständiges Schließen des Ventils.

Materialien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Armaturenkörper wird meist als Gusskonstruktion ausgeführt und aus Rotguss hergestellt, da dieser Werkstoff leicht bearbeitbar sowie weitgehend korrosionsbeständig ist, Bakterienwachstum nicht fördert und bei niedrigen Temperaturen nicht versprödet. Rotguss ähnelt in seiner Legierungszusammensetzung der Bronze.

Armaturenkörper als Zerspanungskonstruktion können auch aus Messing gefertigt werden. Messing ist fester als Rotguss, jedoch weniger beständig. [2]

Im häuslichen Bereich werden Armaturen aus Messing oder Rotguss oft verchromt oder vernickelt.

Größere Armaturen für den industriellen Einsatz werden auch aus Stahlguss gefertigt und mit einem Überzug aus Epoxidharz oder Emaille vor Korrosion geschützt.

Zur Anwendung mit korrosiven Medien werden auch Armaturen aus rostfreiem Stahl sowie Kunststoffen (z. B. Hart-PVC) gefertigt.

Kennzeichnung und Abkürzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übliche Kennzeichnungen auf Armaturen: [3]

  • 3/8, 1/2, 3/4, 1", 1 1/4, etc. - veraltende Kennzeichnung der Nennweite (entspricht: DN 15, 20, 25, 32, etc.); gegebenenfalls auch Größe des Anschlußgewindes
  • DN - Nennweite, z. B. 12, 15, 20, 25, 32, …
  • DVGW - vom DVGW zur Anwendung in der Trinkwasserinstallation freigegeben
  • OV - Kurzzeichen des Herstellers Oventrop
  • PN - Druckstufe, d. h. zulässiger Druck im typischen Einsatzbereich, je nach Temperatur und Anwendungsfall kann sich ein höherer oder niedrigerer Höchstdruck ergeben

Art der Armatur:

Material:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rainer Jockenhöfer (Hrsg.): Armaturen in der Gas- und Wasserverteilung. Vulkan Verlag, Essen, ISBN 3-8027-5408-5.
  • Bernd Thier: Industriearmaturen – Bauelemente der Rohrleitungstechnik. 5. Ausgabe, Vulkan Verlag, Essen 1997, ISBN 3-8027-2712-6.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Armaturen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Baulängen von Armaturen nach EN 558-1 (KVT GmbH)
  2. Broschüre Armaturenwerkstoffe, Gebr. Kemper GmbH + Co. KG - Metallwerke
  3. Abkürzungen im SHK-Handwerk, Bruno Bosy