Armatur

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Eine Armatur (lateinisch armare „ausrüsten“) in Sanitärtechnik und Anlagenbau bezeichnet ein zum Verändern und Steuern von Stoffströmen dienendes Bauteil, das insbesondere an Kesseln und Rohrleitungen verwendet wird.

Ausführungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Valve.jpg
Absperrschieber
Absperrventil für Heizungs-Rücklauf.jpg
Absperrschieber im Heizkreislauf


Absperrorgane[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ventile verschließen den Durchgang eines Mediums durch axial bewegliche Ventilteller oder konisch geformte

Beim traditionellen Wasserhahn ist das der Ventilteller, bei der Absperrklappe eine drehbar gelagerte Klappe, beim Absperrschieber eine verschiebbare Scheibe und beim Kolbenschieber ein verschieblicher Kolben. Ein Hahn besitzt einen drehbaren Zylinder oder Konus und ein Kugelhahn eine Kugel, die jeweils mit einer Bohrung versehen sind.

Zu den einfachen Absperr- und Steuer-Armaturen zählen:

Demgegenüber sind Rückschlagklappen, Rückschlagventile, Rückflussverhinderer, Kugelventile und KFR-Ventile automatisch tätig und lassen das Medium nur in eine Richtung passieren.

Eine Mischarmatur hat meist drei oder vier Ein- und Ausgänge (Drei- oder Vier-Wege-Ventil) und dient zum kontrollierten Mischen von Stoffströmen.

Automatisch tätige Armaturen mit besonderen Aufgaben sind:

Armaturen für spezielle Anwendungen:

Im weiteren Sinne werden auch andere Einbauten in Rohrleitungen als Armatur bezeichnet. Z.B.:

Die Verbindung zwischen Armatur und Rohrleitungen geschieht traditionell durch feste Verschraubung oder durch eine lösbare Verschraubung per Überwurfmutter mit metallischer Dichtung oder mit Flachdichtung. Vermehrt werden auch Armaturen angeboten, die für Quetsch-, Klemm- oder Steckverbindungen vorgesehen sind. Wenn besondere Anforderungen bestehen sowie bei größeren Rohrdurchmessern werden auch Flanschverbindungen verwendet.

Die Baulänge von Armaturen variiert stark. Baulängen sind für den europäischen Bereich in EN 558-1 definiert. Typische Baulängen für Absperrschieber sind zum Beispiel die Grundreihen 14 und 15.[1]

Einsatzbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jede Armatur hat ihren Einsatzbereich entsprechend dem in der Rohrleitung vorherrschenden Druck und der Temperatur, der Größe der Rohrleitung, den Anforderungen der Dichtheit der Armatur, der Drosselung und der Richtung des Fluidstromes sowie des Mediums selbst.

In häuslichen Gasleitungen werden speziell abgedichtete, dem Gasdruck angepasste Armaturen, sogenannte Gashähne eingebaut; in Wasserleitungen entsprechende Absperrarmaturen oder Drosselventile, die umgangssprachlich „Wasserhähne“ genannt werden.

Sicherheits-/ Sicherungsarmaturen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sicherheitsarmaturen (Überdruckventil) dienen der Begrenzung des Druckes in druckbelasteten Anlagen wie Kesseln oder Reaktoren.

Sicherungsarmaturen verhindern den Rückfluss von Brauchwasser in das Leitungsnetz.

Absperrung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Erstabsperrung ist eine Armatur, welche in einem Rohrleitungsnetz die Trennung eines abzweigenden Rohrleitungsstranges ermöglicht. In der Nähe der Hauseinführung der Versorgungsleitungen befindet sich die Hauptabsperreinrichtung (HAE) des Hausanschlusses.

Regelarmaturen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Druckminderer reduzieren den Fließdruck in einer Rohranlage, meist um empfindliche Anlangenkomponenten vor Druckstößen und -schwankungen zu schützen.

Strangregulierventile helfen beim hydraulischem Abgleich von Rohranlagen mit mehreren Strängen, die alle mit einem definierten Volumenstrom versorgt werden sollen. Um einen möglichst geringen Druckabfall zu erzeugen, bieten sich für diese Aufgabe (Absperr-)Schieber, Kolbenschieber, (Absperr-)Klappe und Schrägsitzventile an. Kugel- und Kükenventile würden sich eignen, lassen jedoch keine präzise Regulierung des Volumenstroms zu.

Differenzdruck-Überstromventile bewahren Pumpen vor zugeringem Durchfluß, indem sie eine Umgehungsleitung öffnen, wenn der Druck im Hauptstrang zu stark ansteigt.

Antriebe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Armaturen können manuell von Hand, wie beim häuslichen Wasserhahn, durch den Einsatz von Luftdruck (pneumatisch) oder Flüssigkeitsdruck (hydraulisch), sowie elektrisch über Magneten oder Motoren betätigt werden. Bei Rückschlagarmaturen bewirkt der Fluidstrom in der Rohrleitung ein selbständiges Schließen des Ventils.

Materialien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Armaturenkörper wird oft als Gusskonstruktion ausgeführt und aus Rotguss hergestellt, da dieser Werkstoff leicht bearbeitbar sowie weitgehend korrosionsbeständig ist, Bakterienwachstum nicht fördert und bei niedrigen Temperaturen nicht versprödet. Rotguss ähnelt in seiner Legierungszusammensetzung der Bronze.

Einfache Armaturenkörper können als Zerspanungskonstruktion gefertigt werden und bestehen häufig aus Messing. Messing ist fester als Rotguss, jedoch weniger beständig. [2]

Im häuslichen Bereich werden Armaturen aus Messing oder Rotguss oft verchromt oder vernickelt.

Größere Armaturen für den industriellen Einsatz werden auch aus Stahlguss gefertigt und mit einem Überzug aus Epoxidharz oder Emaille vor Korrosion geschützt.

Zur Anwendung mit korrosiven Medien kommen auch Armaturen aus rostfreiem Stahl sowie Kunststoffen (z. B. Hart-PVC) gefertigt.

Kennzeichnung und Abkürzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übliche Kennzeichnungen auf Armaturen: [3]

  • 1/4", 3/8", 1/2", 3/4", 1", 1 1/4", etc. - veraltende Kennzeichnung der Nennweite (seltener auch Größe des Anschlussgewindes)
  • DN - Nennweite, z. B. DN12, DN15, DN20, DN25, DN32, DN40, … (Reihenfolge und Maße entsprechen ungefähr den oben genannten zölligen Nennweiten)
  • DVGW - vom DVGW zur Anwendung in der Trinkwasserinstallation freigegeben
  • OV - Kurzzeichen des Herstellers Oventrop
  • PN - Druckstufe, d. h. zulässiger Druck im typischen Einsatzbereich, je nach Temperatur und Anwendungsfall kann sich ein höherer oder niedrigerer Höchstdruck ergeben

Art der Armatur:

Material:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rainer Jockenhöfer (Hrsg.): Armaturen in der Gas- und Wasserverteilung. Vulkan Verlag, Essen, ISBN 3-8027-5408-5.
  • Bernd Thier: Industriearmaturen – Bauelemente der Rohrleitungstechnik. 5. Ausgabe, Vulkan Verlag, Essen 1997, ISBN 3-8027-2712-6.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Armaturen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Baulängen von Armaturen nach EN 558-1 (KVT GmbH)
  2. Broschüre Armaturenwerkstoffe, Gebr. Kemper GmbH + Co. KG - Metallwerke
  3. Abkürzungen im SHK-Handwerk, Bruno Bosy