Armee-Aufklärungsdetachement 10

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Abzeichen des AAD 10

Das Armee-Aufklärungsdetachement 10 (AAD 10) ist eine 2004 gegründete Spezialeinheit der Schweizer Armee mit einer Stärke von rund 90 Soldaten. Es ist als Berufsformation zentraler Bestandteil des Gren Kdo 1 sowie auch Kern-Komponente des KSK (Aufklärungs- und Grenadierformationen der Armee). Auf Französisch heisst die Einheit Détachement de Reconnaissance de l'Armée 10 kurz DRA10 und auf Italienisch Distaccamento d'esplorazione dell'esercito 10 kurz DEE 10.

Auftrag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einheit hat folgende Einsatzprofile:

  • Beschaffung von Schlüsselinformationen
  • Schutz von Truppen, Personen und Einrichtungen bei erhöhter Gefährdungslage
  • Rückführung von Schweizer Bürgern aus Krisenlagen im Ausland
  • Offensive Aktionen im Rahmen der Raumsicherung und Verteidigung

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das kompaniestarke AAD 10 gliedert sich in vier Spezialisten-Züge:

  • Zug 1: Spezialisten für Einsätze im Gebirge
  • Zug 2: Spezialisten für amphibische Einsätze
  • Zug 3: Fallschirm-Spezialisten
  • Zug 4: Spezialisten für den Einsatz motorisierter Mittel

Rekrutierung und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erfüllung der oben genannten Aufträge erfordert von den Angehörigen des Armee-Aufklärungsdetachements eine überdurchschnittliche physische und psychische Leistungsfähigkeit. Deshalb werden die zukünftigen Angehörigen des AAD einem strengen und mehrstufigen Auswahlverfahren unterworfen. Die Kandidaten werden dabei detailliert auf ihre physische, psychische und intellektuelle Leistungsfähigkeit geprüft.

Vorauswahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hier hat der Anwärter einen zweitägigen Sporttest zu bestehen, und zwar in folgenden Disziplinen, die alle sehr detailliert bestimmt sind.

Folgende Leistungen sind das Minimum (B-Klassifizierung):

  • Liegestütze: Der Anwärter muss innerhalb von 2 Minuten 50 Liegestütze ohne Unterbruch durchführen.
  • Rumpfbeugen: Der Anwärter muss innerhalb von 2 Minuten 60 Rumpfbeugen ohne Unterbruch durchführen.
  • Klimmzüge (Ristgriff): Der Anwärter muss innerhalb von 2 Minuten 10 Klimmzüge ohne Unterbruch durchführen.
  • 5 km-Geländelauf: Der Anwärter muss innerhalb von 24 Minuten in Sportkleidung eine Distanz von 5 km zurücklegen.
  • 8 km-Eilmarsch: Der Anwärter muss innerhalb von 58 Minuten in Tarnanzug, Kampfstiefeln und mit 15 kg Gepäck eine Distanz von 8 km zurücklegen.
  • 25 km-Eilmarsch: Der Anwärter muss innerhalb von 3,5 Stunden in Tarnanzug, Kampfstiefeln und mit 25 kg Gepäck eine Distanz von 25 km zurücklegen.
  • Schwimmen: Der Anwärter muss innerhalb von 10 Minuten eine Distanz von 300 m schwimmen.

Diese Disziplinen werden nach drei Kategorien bewertet: A = Erfüllt die Grundanforderungen nicht. B = Erfüllt die Grundanforderungen. C = Übertrifft die Grundanforderungen klar.

Auswahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch wenn der Anwärter diese Prüfungen gut oder überdurchschnittlich meistert, heisst das noch nicht, dass er im AAD 10 aufgenommen ist. Nach 3–4 Monaten folgt ein 3-wöchiger Auswahlkurs (engere Auswahl) in welchem die Kandidaten intensiv in allen Leistungsbereichen geprüft werden (körperlich, Persönlichkeit, Motivation u. v. a.). Sollte der Anwärter auch diese Auswahl bestehen, kann er nun einen Vertrag unterschreiben, mit welchem er offiziell Angehöriger des Armee-Aufklärungsdetachements 10 wird.

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ausbildung zum Armee-Aufklärer dauert insgesamt ca. 18 Monate, wobei die Grundausbildung nach ca. 40 Wochen abgeschlossen ist. Die Spezialisten- und Zugsausbildung wird nach der Grundausbildung gemäss den operationellen Bedürfnissen und Eignungen der jeweiligen Angehörigen des Armee-Aufklärungsdetachements durchgeführt.

Nebst der praktischen Ausbildung in den verschiedensten Einsatztechniken wird auch ein grosser Wert auf Weiterbildung im Bereich der Sprach-, Taktik-, Kommunikations- sowie Rechtskenntnisse etc. gelegt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Aufstellung der Einheit wurde im Bericht über die Konzeption der Armee XXI vom 24. Oktober 2001 (Armeeleitbild XXI) vorgesehen. Im Jahr 2004 wurde sie aufgestellt.[1] Seit dem 16. August 2007 ist die AAD einsatzbereit, allerdings ist sie erst ab 2011 voll einsatzbereit.[2]

Während einer Cyberattacke, die der Russischen Föderation zugerechnet wird, drangen Ende 2014 Unbekannte in Computer der RUAG ein, erlangten dabei jedoch auch Zugriff auf Daten des Verteidigungsdepartements und verschafften sich geheime Unterlagen zur AAD 10. Unter den Daten sollen auch die Identitäten der Soldaten der Einheit sein.[3]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Angaben des Departementes für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport erfolgt «ein Teil der Ausbildung des Armee-Aufklärungsdetachementes 10 [...] in Kooperation mit inländischen oder ausländischen Partnern, um auf ihrem Fachwissen basieren zu können oder um Wissenslücken zu schliessen. Die Ausbildungskooperation mit dem Ausland ist auf Wunsch und Vorgabe der Kooperationspartner klassifiziert. [...] Aus Gründen der Operationssicherheit sind Informationen zu Einsatzplanung und Einsatzführung des AAD klassifiziert.»[4]

Die Zeitschrift Die Weltwoche bezeichnet dies 2006 als «weitere[n] heimliche[n] Schritt[e] auf dem Weg in die totale Kooperation mit ausländischen Armeen» und zitiert einen Angehörigen des AAD mit der Aussage, er sei «in abgelegenen Camps im Ausland von amerikanischen Spezialisten für Nahkämpfe und verdeckte Operationen ausgebildet» worden.[4]

Kontroversen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im März 2013 sagte Lukas Reimann gegenüber der Tageszeitung «Blick», das AAD 10 sei von Januar bis März 2013 in Mali gewesen. Eine solche Stationierung im Ausland hätte einen Verstoss gegen geltendes Recht dargestellt, zumal ein Einsatz, der länger als drei Wochen dauert, vom Parlament hätte bewilligt werden müssen. Das VBS und der ihm vorstehende Bundesrat Ueli Maurer dementierten jedoch Reimanns Behauptung umgehend und sagten aus, dass sich Angehörige des AAD10 weder zu Ausbildungszwecken noch zur Durchführung von militärischen Operationen in Mali aufgehalten hätten.

Auch der grüne Politiker Geri Müller erhielt Informationen über einen Einsatz des AAD 10 in Mali und erkundigte sich in einer Anfrage an den Bundesrat, ob sich andere Angehörige der Schweizer Armee im Auftrag des Staates in Mali aufgehalten hätten. Der Bundesrat verneinte dies. [5][6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sören Sünkler: Elite- und Spezialeinheiten Europas. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-613-02853-1

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rambos sind nicht gefragt. Elitetruppe der Schweizer Armee vor allem in den Schlagzeilen präsent. In: NZZ. 24. Juni 2010, abgerufen am 26. August 2014.
  2. Das Armee-Aufklärungsdetachement 10 ist einsatzbereit. 16. August 2007, archiviert vom Original am 6. Dezember 2014; abgerufen am 26. August 2014. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.vtg.admin.ch
  3. Stefan Bühler, Andreas Schmid: "Russische Hacker enttarnen geheime Schweizer Elitetruppe" NZZ vom 8. Mai 2016
  4. a b Urs Paul Engeler, Heinrich L. Wirz: Los Rambolinos. In: Die Weltwoche Nr. 35.06, S. 8 f. ( MP3 Podcast (Memento des Originals vom 13. August 2011 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.weltwoche.ch)
  5. Martin Sturzenegger: «Ich habe Bilder von diesem Einsatz gesehen». Wie SVP-Nationalrat Lukas Reimann aus «sicherer Quelle» erfahren haben will, leistete die Schweizer Eliteeinheit AAD 10 einen Einsatz in Mali. Das VBS streitet dies vehement ab. In: TagesAnzeiger. 6. März 2013, abgerufen am 26. Januar 2014.
  6. Philipp Loser: geheimer Einsatz in Mali – Maurer dementiert. In einem knappen Satz hat Bundesrat Ueli Maurer in der Fragestunde des Nationalrats einen Einsatz der Schweizer Armee in Mali dementiert. Geglaubt wurde der Satz nicht. In: TagesWoche. 11. März 2013, abgerufen am 26. Januar 2014.