Armenien

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Armenien (Begriffsklärung) aufgeführt.
Հայաստանի Հանրապետություն
Hajastani Hanrapetutjun
Republik Armenien
Flagge Armeniens
Wappen Armeniens
Flagge Wappen
Amtssprache Armenisch
Hauptstadt Jerewan
Staatsform Republik
Regierungssystem semipräsidentielles System
Staatsoberhaupt Präsident Sersch Sargsjan
Regierungschef Premierminister Tigran Sargsjan
Fläche 29.800 km²
Einwohnerzahl 3.264.500 (Juni 2011)[1]
Bevölkerungsdichte 107,4 Einwohner pro km²
Bruttoinlandsprodukt
  • Nominal
2010[2]
  • 10,2478 Milliarden US$ (126.)
Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner 2.846 US$ (108.)
Human Development Index 0,729 (87.)[3]
Währung Dram (AMD)
Unabhängigkeit 28. Mai 1918 (Erklärung)
21. September 1991 (Wiedererlangung)
Nationalhymne Mer Hajrenik
Zeitzone UTC+4
UTC+5 (März bis Oktober)
Kfz-Kennzeichen ARM
ISO 3166 AM, ARM, 051
Internet-TLD .am
Telefonvorwahl +374
Schwarzes Meer Kaspisches Meer Türkei Syrien Irak Iran Aserbaidschan Aserbaidschan Armenien Georgien Russland Turkmenistan Ägypten Tunesien Libyen Algerien Marokko Mauretanien Senegal Gambia Guinea-Bissau Guinea Sierra Leone Liberia Elfenbeinküste Ghana Togo Benin Nigeria Äquatorialguinea Kamerun Gabun Republik Kongo Angola Demokratische Republik Kongo Namibia Südafrika Lesotho Swasiland Mosambik Tansania Kenia Somalia Dschibuti Eritrea Sudan Ruanda Uganda Burundi Sambia Malawi Simbabwe Botswana Äthiopien Südsudan Zentralafrikanische Republik Tschad Niger Mali Burkina Faso Jemen Oman Vereinigte Arabische Emirate Saudi-Arabien Irak Iran Kuwait Katar Bahrain Israel Syrien Libanon Jordanien Zypern Türkei Afghanistan Turkmenistan Pakistan Griechenland Italien Malta Frankreich Portugal Spanien Kanaren Kap Verde Mauritius Réunion Mayotte Komoren Seychellen Madagaskar São Tomé und Príncipe Sri Lanka Indien Indonesien Bangladesch Volksrepublik China Nepal Bhutan Myanmar Kanada Dänemark (Grönland) Island Mongolei Norwegen Schweden Finnland Irland Vereinigtes Königreich Niederlande Belgien Dänemark Schweiz Österreich Deutschland Slowenien Kroatien Tschechische Republik Slowakei Ungarn Polen Russland Litauen Lettland Estland Weißrussland Moldawien Ukraine Mazedonien Albanien Montenegro Bosnien und Herzegowina Serbien Bulgarien Rumänien Georgien Aserbaidschan Armenien Kasachstan Usbekistan Tadschikistan Kirgistan Russland Vereinigte Staaten Malediven Japan Nordkorea Südkorea Republik China Singapur Australien Malaysia Brunei Philippinen Thailand Vietnam Laos Kambodscha IndienArmenia on the globe (Afro-Eurasia centered) (zoomed).svg
Über dieses Bild

Armenien (armenisch Հայաստան/Hajastan) ist ein Binnenstaat im Kaukasus (Vorderasien) und liegt im Bergland zwischen Georgien, Aserbaidschan, dem Iran und der Türkei. Das Land entspricht dem nordöstlichen Teil des ehemals viel größeren armenischen Siedlungsgebiets (siehe auch Geschichte Armeniens) und erlangte mit Auflösung der Sowjetunion 1991 seine Unabhängigkeit.

Geographie

Lage und Struktur

Armenien liegt am Übergang zwischen Kleinasien und (dem aus europäischer Sicht so benannten) Transkaukasien, zwischen 38° 51′ und 41° 16′ nördlicher geographischer Breite sowie 43° 29′ und 46° 37′ östlicher geographischer Länge. Der heutige Staat umfasst ein Gebiet von 29.800 Quadratkilometern im Nordosten des Armenischen Hochlands und am Südrand des Kleinen Kaukasus.

Die Landesfläche Armeniens ist etwa so groß wie die des deutschen Bundeslandes Brandenburg. Es grenzt im Norden an Georgien, im Osten an Aserbaidschan, im Südosten an den Iran, im Süden an die aserbaidschanische Exklave Nachitschewan und von Südwesten bis Westen an die Türkei. Die heutige Bevölkerungszahl beträgt etwa drei Millionen.

Armenien ist ein sehr ausgeprägtes Gebirgsland – 90 % der Landesfläche liegen mehr als 1000 Meter über dem Meeresspiegel, die mittlere Höhe beträgt sogar 1800 Meter. Von Norden her erstrecken sich die über 3000 Meter hohen Ausläufer des Kleinen Kaukasus. Die höchste Erhebung ist der erloschene Vulkan Aragaz (4090 Meter) unweit des biblischen Ararat, der tiefste Punkt liegt rund 380 Meter hoch am Fluss Aras an der Grenze zum Iran und zu Aserbaidschan. Das Gebiet liegt in einem Faltengebirge – es entstand und verändert sich nach wie vor durch den Zusammenstoß der Eurasischen Platte mit der Arabischen Platte – und ist dementsprechend stark erdbebengefährdet (siehe auch Störungslinie). Das Gestein ist oft vulkanischen Ursprungs. Unter den nachgewiesenen Bodenschätzen sind verschiedene Kupferoxide am wichtigsten, die als Nebenprodukt Molybdän, Eisen und Gold enthalten, außerdem Uran, verschiedene Halbmetalle, Schmucksteine und Gesteinsarten wie Tuff, Basalt, Marmor und andere. Hinzu kommen Mineralwasserquellen, deren Wasser für Heilzwecke und im Alltagsgebrauch Verwendung findet.

Landschaft in Lori

Der größte See Armeniens ist der östlich von Jerewan etwa 1900 Meter hoch gelegene Sewansee mit einer Fläche von derzeit ungefähr 940 Quadratkilometern. Durch Wasserentnahme ist seine Fläche stark zurückgegangen (1984: 1262 Quadratkilometer). Die längsten Flüsse Armeniens sind Aras, Worotan, Kassagh, Hrasdan und Debed.

Klima

Blick über den Sewansee

Das Territorium der Republik Armenien liegt zwar in den Subtropen, doch ergeben sich durch die beträchtlichen Höhenunterschiede – der Aragaz (4090 Meter) und das Tal des Aras (rund 380 Meter) liegen beispielsweise nur rund 80 Kilometer voneinander entfernt – und die kleinteilige Landschaft unterschiedliche lokale Klimata. Einerseits wirken die nahen Meere ausgleichend, andererseits begünstigen die Hochgebirge der Umgebung extreme Schwankungen. Die hohen Gipfel des Kaukasus wirken starken Kälteeinbrüchen von Norden her entgegen. In den Tälern und Niederungen ist das Klima kontinental, wobei die Temperaturen im Sommer mittags meist über 30 °C liegen, in den Bergen insgesamt etwas kühler und an der Grenze zum Iran subtropisch und sehr trocken.

Siehe auch: Klima im Artikel Jerewan

Pflanzen- und Tierarten

Armenische Felseidechse

Das Gebiet der Republik Armenien ist artenreich; es gibt eine Vielzahl endemischer Arten. In der Arasniederung finden sich Salzpflanzen. Bis zu einer Höhe von 1400 Metern sind Artemisia weit verbreitet. Im gebirgigen Gelände wachsen viele dornige Sträucher und andere stachelige Pflanzen, wie etwa Disteln. Im Hochgebirge treten vermehrt xerophile Pflanzen auf. Um das Jahr 1900 waren rund 25 Prozent der Fläche von Bäumen oder Sträuchern bedeckt, 1964 etwa 15 %, 2005 nur noch acht bis zehn Prozent.

In Sangesur im Süden des Landes liegt die Baumgrenze bei 2400 Metern. In noch höheren Lagen ähnelt die Pflanzenwelt derjenigen der Alpen.

Syrischer Braunbär

Der lateinische Name der Aprikose, Prunus armeniaca, lautet übersetzt „armenische Pflaume“. Die Aprikose gehört zu den Symbolen Armeniens, daher auch die Farbe des untersten Streifens der Flagge Armeniens.

Es gibt viele Reptilien, darunter die Armenische Felseidechse und Giftschlangen wie etwa Vipern, unter den Spinnentieren auch Skorpione. In feuchten Niederungen leben Wildschweine, Schakale, Rehe, Nerze, Möwen und Adler; in den Steppen im Gebirge vor allem Nagetiere; in den Wäldern auch Syrische Braunbären, Wildkatzen und Wölfe. Im Naturschutzgebiet Chosrow leben noch Luchse, Wildziegen und einige Kaukasische Leoparden. Das Armenische Wildschaf kommt ebenfalls in der Nähe dieses Reservats und in den südlichen Sangesur-Bergen vor. Deren Gesamtbestand in Armenien wird auf nur etwa 250 Tiere geschätzt. Allerdings kommt die Unterart des Mufflons auch in angrenzenden Ländern wie dem Iran vor.[4]

Die Wirbellosen sind in Armenien nur schlecht untersucht. So sind zum Beispiel von den sehr artenreichen Webspinnen bisher nur etwa 150 Arten nachgewiesen worden.[5][6]

Schutzgebiete

Armenien verfügt seit längerem über drei streng geschützte Reservate. Diese sind das südöstlich der Hauptstadt gelegene Chosrow-Reservat, das trockene Erebuni-Reservat in unmittelbarer Nähe zu Jerewan und das waldreiche Shikahogh-Reservat im Süden des Landes. Daneben wurden seit einigen Jahren der Sevan-Nationalpark und der Dilijan-Nationalpark eingerichtet.[7] Kürzlich wurden der Arevik-Nationalpark, der Arpi-Nationalpark und ein weiteres Reservat, das Zangezur-Reservat ausgewiesen.[8]

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Armeniens

Frühgeschichte und Antike

Königreich Urartu

Die Ursprünge des Königreichs Urartu liegen am Vansee. Um sich gegen die Assyrer wehren zu können, kam es unter König Arama von Arzaškun um 850 v. Chr. zum Bündnis mit dem aramäischen Stadtstaat Bit Agusi.[9] 848 v. Chr. erfolgten schwere Angriffe von Salmanassar III. gegen Arzaškun, in dessen Verlauf auch die umliegenden Orte zerstört wurden und Arama in das Gebirge flüchtete. In den Jahren 844–832 v. Chr. führte Salmanassar III. weitere Feldzüge gegen Nairi. Unter Sarduri I. wurde um 832 v. Chr. die Königs- und Hauptstadt Tušpa (heutige Stadt Van) in einer Provinz von Nairi am Vansee gegründet.

Seine Nachfolger vergrößerten das Reich und führten es zu hoher Blüte; viele Festungen wurden neu gegründet (wohl zur Sicherung der eroberten Gebiete). Unter Menuas Herrschaft (etwa 810–785 v. Chr.) entwickelten sich Handwerk und Landwirtschaft. Magazine und Getreidespeicher wurden angelegt. Auch legte er einen 70 Kilometer langen Kanal zur Süßwasserversorgung aus dem Hoşap-Tal nach Tušpa an, da der naheliegende Vansee salzig ist. Heute wird er fälschlich nach der sagenhaften Königin Semiramis benannt.

Unter Sarduri II. (etwa 765–733 v. Chr.) erreichte Urartu seine größte Ausdehnung. Doch im Bestreben, die Vormachtstellung der Assyrer zu brechen, überspannte er seine Kräfte und wurde von ihnen vernichtend geschlagen.

Urartu konnte sich unter Rusa I. (etwa 733–714) wieder erholen. Der assyrische König Sargon II. (721–704 v. Chr.) zerstörte im Jahre 714 Musasir. Rusa I. beging angeblich Selbstmord und seine Nachfolger versuchten, das Reich erneut zu festigen. Bis 609 v. Chr. existierte Urartu weiter, ehe nach dem Ende von Assyrien bis 547 v. Chr. ein erneuter Aufschwung erfolgte und es dem Perser Kyros II. vorbehalten blieb, das Land erneut tributpflichtig zu machen.

Entstehung Armeniens

In persischer Zeit wurde der Name Armenien 521 v. Chr. auf einer dreisprachigen Inschrift erstmals erwähnt. Auf assyrisch wird von Uraštu (assyrisch für Urartu) gesprochen, auf persisch von Arminia (Armenien). Ging man ursprünglich davon aus, dass die Armenier die Urartäer verdrängt hatten, so ist nach heutigen Kenntnissen eine Vermischung und Assimilierung wahrscheinlicher, wofür auch die zwei Namen für die gleiche Region sprechen würden.

Als Beweis wird oft auf Reliefdarstellungen der Assyrer und Perser hingewiesen, auf denen die Kleidung der Armenier denen der Urartäer sehr ähnlich ist.

Die Armenier könnten zwischen 585 (625)–521 v. Chr. eingewandert sein; eine recht kurze Zeit, um sich mit den Ureinwohnern zu vermischen und deren Führung zu übernehmen. Wahrscheinlicher scheint, wie Herodot berichtete, dass sie im 7. Jahrhundert v. Chr. unter Arame (Armenos) aus Phrygien einwanderten. Beides sind indogermanisch sprechende Völker. Doch lässt sich die Einwanderungsroute derzeit nicht sicher entscheiden.

Herrschaft der Perser

Ab etwa 546–331 v. Chr. wurde das Land von den Persern beherrscht, die inzwischen die Meder verdrängt und deren Reich übernommen hatten, ja es sogar zum ersten Weltreich ausbauten, das von Kleinasien bis nach Indien reichte. Die Provinz Armenien kam als Teil der Großsatrapie Medien an die Perser. Armenien selbst war in Ost- und Westarmenien aufgeteilt, wobei der Ostteil die Oberherrschaft über den Westen hatte.

„Über das Schicksal Armeniens unter der Achämenidenherrschaft macht deutlich, daß das Land in jenen zwei Jahrhunderten gleichsam im Windschatten der Geschichte lag. Das Satrapiensystem im Perserreich konservierte Armenien als geopolitische Einheit in Form einer Provinz. Bevor das Land im Hellenismus als eigenständiges Königreich selbst Geschichte machte, erfahren wir nur wenig über seine Bevölkerung, ihre Sitten und Gebräuche.“

Bruno Jacobs[10]

Alexander der Große, Seleukiden

334 v. Chr. begann Alexander der Große mit seinem Feldzug gegen die Perser und eroberte Persien in wenigen Jahren. Sein Ziel bestand darin, die Herrschaft der Hellenen durch die Verschmelzung der Kulturen auf Dauer zu festigen (Massenhochzeit von Susa, eigene Heirat mit der Tochter des Dareios III.). Er konnte sein Werk jedoch nicht beenden, da er 323 v. Chr. in Babylon an Fieber starb. Armenien kam auch unter hellenistischen Einfluss, doch wurde es nicht erobert.

Alexanders Nachfolger (Diadochen) teilten das riesige Reich unter sich auf (Diadochenreiche). Armenien kam in den Interessenbereich des Seleukidenreichs, die Armenien zwischenzeitlich (215–190 v. Chr.) auch beherrschten. Deren Reich umfasste Persien, Mesopotamien und Teile Kleinasiens.

Nach der Niederlage des Seleukidenreichs gegen die Römer in der Schlacht bei Magnesia im Jahr 188 v. Chr. rief sich Artaxias I. zum König von Armenien aus. Seine Nachkommen, die Dynastie der Artaxiden, festigten die weitere Unabhängigkeit Großarmeniens als selbstständiges Königreich. Um 95 bis 55 v. Chr. erreichte die Macht des Artaxidenstaates ihren Höhepunkt. Tigranes der Große ließ sich zum König der Könige ausrufen und kontrollierte zeitweise sogar das ehemalige seleukidische Kernland Syrien. Sein Bündnis mit Mithridates von Pontos brachte ihn jedoch in Konflikt mit den Römern, die ihn zwangen, Syrien wieder aufzugeben und ihre Oberhoheit über seinen Staat anzuerkennen. Vor allem im Westen des Landes wurde der griechisch-römische Einfluss nun auch kulturell spürbar.

Der Tempel von Garni orientiert sich an hellenistisch-römischen Formen und wurde im 1. Jahrhundert v. Chr. errichtet. In der Neuzeit durch ein Erdbeben zerstört, wurde er im 20. Jahrhundert aus Originalteilen wieder errichtet.

Da Armenien geostrategisch zentral lag, wurde es bald zum Zankapfel zwischen Rom und den Parthern: Den in Mesopotamien und dem Iran herrschenden Partherreichs gelang es, Vertreter des eigenen Herrscherhauses, der Arsakiden (Arschakuni, herrschten zwischen 54 und 428), auf den Thron zu setzen. Das Römische Reich erkannte dies nach einem militärischen Schlagabtausch 66 n. Chr. an: Ein Kompromiss sah vor, dass die Parther den jeweiligen armenischen Herrscher bestimmen dürften, dass dieser aber offiziell vom römischen Kaiser eingesetzt werden müsse. Unter Kaiser Trajan kam es 114 n. Chr. zu einem Krieg, als der damalige Partherkönig versuchte, die Römer bei der Nachfolgeregelung in Armenien zu übergehen. Für kurze Zeit wurde Armenien nun als Provinz Armenia in das Römische Reich integriert, bereits nach wenigen Jahren aber wieder aufgegeben.

Römische Provinzen unter Kaiser Trajan (117 n. Chr.)

Spätantike

Auch nach dem Ende des Partherreichs blieb Armenien zwischen Rom und Iran umstritten. Zwischen 252 und 297 gelang es dem Sassanidenreich, den Nachfolgern der Parther, Großarmenien unter ihren Einfluss zu bringen. Das Gebiet blieb aber in der gesamten Spätantike ein Streitpunkt zwischen den Sassaniden und Rom. Nachdem Kaiser Diokletian die Sassaniden 298 besiegt hatte, mussten diese die Oberhoheit vorläufig aufgeben. Trdat III. aus dem Haus der Arsakiden bestieg den Thron und erklärte 301 n. Chr. das Christentum zur Staatsreligion. Armenien wurde so der erste christliche Staat der Welt.

387 teilten Rom und das persische Reich der Sassaniden das großarmenische Königreich untereinander auf (siehe auch Persarmenien). In dieser Zeit entwickelten die Armenier eine hochstehende christliche Kultur, Literatur und Baukunst – vor allem nach der Schaffung eines eigenen Alphabets durch Mesrop im Jahr 406. 428 setzten die Sassaniden die arsakidischen Könige Armeniens ab und unterstellten Persarmenien direkter persischer Verwaltung. Als die Sassaniden dann unter König Yazdegerd II. versuchten, die zoroastrische Staatsreligion in Armenien einzuführen, kam es 451 unter den Mamikonian zu einem Aufstand der Armenier. Es folgte ein langer Guerillakrieg, der schließlich im Jahr 484 mit der Anerkennung des Christentums durch die Sassaniden endete.

Im 6. Jahrhundert wurde Armenien erneut zu einem der Hauptkampfgebiete zwischen dem Oströmischen Reich und den Sassaniden (siehe Römisch-Persische Kriege). Kaiser Justinian I. unterstellte den römischen Teil Armeniens einem eigenen magister militum per Armeniam, was die gewachsene militärische Bedeutung des Gebietes unterstreicht. 572 bildete das gewaltsame Vorgehen des persischen Statthalters gegen die Christen Persarmeniens den Anlass für einen neuen Krieg mit den Römern. Im Friedensschluss von 591 gelang es den Oströmern, den Großteil von Großarmenien unter ihre Kontrolle zu bringen. Allerdings führte die Besetzung zu Aufständen des armenischen Adels. Mit der Islamischen Expansion endete im 7. Jahrhundert dann die antike Phase der armenischen Geschichte. Die Oberhoheit über das Gebiet wechselte später mehrfach zwischen Ostrom/Byzanz und dem Kalifat.

Mittelalter

Bis 700 gelang es den arabischen Stämmen, eine dauerhafte Herrschaft im Land zu errichten. Aufstände des armenischen Adels schlugen sie nieder. Innerhalb des Adels kam es in dieser Zeit zu einem Wechsel der führenden Familie: Die Bagratiden (Bagratuni) übernahmen sie von den Mamikonian und konnten ihre Herrschaft auf Teile Georgiens ausdehnen.

Aschot I. gelang es in der Schwächephase des Kalifats 885/886, wieder ein armenisches Königreich zu errichten, das sowohl der Kalif als auch der byzantinische Kaiser anerkannten. Aschot II. (915–928) brachte die Freiheitskämpfe zu einem vorläufig erfolgreichen Abschluss.

In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts ging das Reich durch unglückliche Kriege und innere Zwistigkeiten zugrunde. Byzanz ließ den letzten Herrscher ermorden. In der Folge gründeten armenische Flüchtlinge 1080 in Kilikien ein unabhängiges Fürstentum von Kleinarmenien unter den Rubeniden. Diese verbündeten sich mit den Kreuzfahrern gegen Byzantiner und Türken. 1342 fiel das Königreich an das katholische Haus Lusignan von Zypern, kam aber bald darauf an die ägyptischen Mamluken und darauf zum osmanischen Reich.

Armenier im Osmanischen Reich

Armenisch besiedelte Regionen 1896; Karte aus Petermanns Geographischen Mitteilungen

Das ursprüngliche, antike Armenien geriet zumeist jeweils unter die Herrschschaft der Mächte, die den Iran beherrschten, der Seldschuken, Choresm-Schahs, der mongolischen Ilchane, der Timuriden, der Qara Qoyunlu und der Aq Qoyunlu. Zuletzt geriet es unter die Herrschaft der Safawiden. Nach der Schlacht bei Tschaldiran 1514 wurde die Kaukasusregion mit Georgien, Armenien und Aserbaidschan, Mesopotamien und die angrenzenden iranischen Gebiete Gegenstand der Expansion des Osmanischen Reiches und mehrerer Kriege zwischen Osmanen und Safawiden. Schließlich wurde 1639 im Vertrag von Qasr-e Schirin die Grenze zwischen den beiden Reichen in etwa dort festgelegt, wo noch heute die Grenze zwischen dem Irak und der Türkei einerseits und dem Iran, der zu Aserbaidschan gehörenden Autonomen Republik Nachitschewan und der Republik Armenien andererseits verläuft. Der östliche Teil des armenischen Siedlungsgebietes, einschließlich des Territoriums der heutigen Republik Armenien verblieb unter persischer Herrschaft, der der Safawiden und ihrer Nachfolger.

Unter der Herrschaft der Osmanen genossen die Armenier nach dem Millet-System eine gewisse persönliche Autonomie. Das am dichtesten besiedelte Kerngebiet lag im Dreieck ErzurumJerewanVansee (siehe nebenstehende Karte).

Als das Osmanische Reich ab etwa 1800 zunehmend verfiel, gerieten Armenier unter den Einfluss der kulturell und religiös näherstehenden Großmacht Russland. Zunächst kam der östliche Teil Armeniens mit dem Frieden von Turkmantschai 1828 als Folge des Russisch-Persischen Kriegs von 1826–1828 unter die Oberhoheit des Russischen Reiches. Nach dem neunten Russisch-Türkischen Krieg (1877 bis 1878) im Kontext der Balkankrise musste das Osmanische Reich im Frieden von San Stefano weitere Teile Ostarmeniens und die Provinzen Kars und Ardahan an Russland abtreten. Diese territorialen Bestimmungen wurden auf dem Berliner Kongress weitgehend aufrechterhalten. Der Berliner Vertrag sah auch „Verbesserungen und Reformen“ vor, „welche die örtlichen Bedürfnisse in den von den Armeniern bewohnten Provinzen erfordern“, sowie „für die Sicherheit derselben gegen die Tscherkessen und Kurden einzustehen“ (Artikel 61 des Berliner Vertrages). Den diplomatischen Vertretungen der europäischen Mächte wurden Schutzrechte für Geistliche zuerkannt.

1885 wurde in Van, das mehrheitlich von Armeniern bewohnt wurde, die erste armenische politische Partei gegründet, die Demokratisch-Liberale Partei (unter dem damaligen Namen Armenakan).

Erster Weltkrieg und Unabhängigkeit

Am 24. April 1915 veranlasste die 1908 an die Macht gekommene und – im Gegensatz zur multikulturellen Politik des Osmanischen Reiches – nationalistisch orientierte jungtürkische Bewegung um Talât Pascha die Verhaftung und Deportation armenischer Intellektueller in Istanbul und leitete damit einen Völkermord an den Armeniern ein.

Von 1918 bis 1920 existierte die unabhängige Demokratische Republik Armenien, die sich der Entente gegen die Mittelmächte anschloss. Der Vertrag von Sèvres vom 10. August 1920, einer der Pariser Vorortverträge, die den Ersten Weltkrieg beendeten, sah die Unabhängigkeit Armeniens vor. Der Vertrag trat nie in Kraft, da ihn nicht alle Vertragsstaaten ratifizierten. Infolge des Griechisch-Türkischen Krieges (1919–1922) wurde der Vertrag von Sèvres im Vertrag von Lausanne vom 24. Juli 1923 zugunsten der Türkei revidiert.

Die neue Ostgrenze der Türkei hatte bereits die Republik Armenien der Türkei im Vertrag von Alexandropol zugestehen müssen. Zu einer Ratifizierung des Vertrages durch die Republik Armenien kam es durch die Sowjetisierung Armeniens nicht mehr. Nachdem die Türkei und Sowjetrussland im Vertrag von Moskau die heutige Grenze zwischen der Türkei und Georgien und Armenien festgelegt hatten, stimmten die formal noch unabhängigen transkaukasischen Sowjetrepubliken dieser Regelung im Vertrag von Kars vom 23. Oktober 1921 zu. Nach der Gründung der Sowjetunion im Jahr 1922 wurde Ostarmenien ein Teil der Transkaukasischen Sozialistischen Föderalen Sowjetrepublik.

Sowjetische Herrschaft

1936 wurde Ostarmenien eine formal eigenständige Unionsrepublik der Sowjetunion, die Armenische Sozialistische Sowjetrepublik (Armenische SSR). Sie entwickelte sich zu einem wichtigen Standort der chemischen Industrie, der Schuhindustrie und der Informatik. Viele elektronische Bauteile für die sowjetische Raumfahrt und auch Roboter wurden hier entwickelt. In der Sowjetunion war die Armenische SSR unter anderem wegen des warmen Klimas ein beliebtes Reiseziel.

Die Armenische SSR war seit dem Ende der 1980er Jahre neben der Estnischen SSR, der Lettischen SSR, der Litauischen SSR und der Georgischen SSR ein Zentrum der separatistischen Bewegungen innerhalb der Sowjetunion. Zu dieser Zeit flammte auch der Konflikt um Bergkarabach, ein mehrheitlich armenisch besiedeltes Gebiet innerhalb der Aserbaidschanischen SSR, wieder auf.

Jerewan mit dem Ararat (Türkei) im Hintergrund

Am 7. Dezember 1988 erschütterte ein schweres Erdbeben die Region Lori im Norden der Armenischen SSR, das den Wert 6,8 auf der Richterskala erreichte. Viele Gebäude, insbesondere Schulen und Krankenhäuser, hielten dem Erdbeben nicht stand, 25.000 Menschen starben. Hinzu kamen die winterlichen Temperaturen und die äußerst mangelhafte Vorbereitung der Behörden. Die Regierung ließ ausländische Helfer ins Land. Dies war der erste Fall, in dem die Sowjetunion ausländische Hilfe in größerem Ausmaß annahm. Die damals entstandenen schweren Schäden an der Infrastruktur hemmen die wirtschaftliche Entwicklung dieser Region bis in die heutige Zeit (2006).

Im August 1991 benannte sich die Armenische SSR in Anlehnung an die erste Republik in Republik Armenien um. Nach der Unabhängigkeitserklärung am 21. September 1991 entstand das heutige Armenien. Der westliche, weitaus größte Teil des historischen Siedlungsgebietes der Armenier blieb unter türkischer Herrschaft.

Politik

Politische Verhältnisse

Am 21. September 1991 erklärte sich Armenien von der sich in Auflösung befindlichen Sowjetunion für unabhängig. Das Parlament, die Nationalversammlung, wird alle vier Jahre gewählt. Es gibt nur eine Kammer mit 131 Abgeordneten. Die bedeutendsten Parteien sind die Republikanische Partei Armeniens (die mit Andranik Markarjan bis zu dessen Tod am 25. März 2007 den Premierminister stellte) und die Armenische Revolutionäre Föderation (gegründet 1890). Erstgenannte stellt seit den letzten Wahlen 2007 mit den Parteien Blühendes Armenien und Rechtsstaat eine Fraktionsgröße von 79 Sitzen und die Regierungskoalition. Ministerpräsident ist Tigran Sargsjan, ein ehemaliger Vorsitzender der Zentralbank der Republik Armenien.[11]

Armenien ist eines der wenigen Länder der so genannten Zweiten Welt, in dem (ex-)kommunistische Parteien nie an der Regierung beteiligt waren.

Am 6. Oktober 1991 wurde Lewon Ter-Petrosjan zum ersten Präsidenten der armenischen Republik gewählt. Am 22. September 1996 wurde er wiedergewählt. Seine Popularität sank jedoch zunehmend. Im Februar 1998 wurde er zum Rücktritt gezwungen, weil er im Krieg um die Region Bergkarabach zusätzliche Zugeständnisse an Aserbaidschan zur Lösung des Konflikts machte. Lewon Ter-Petrosjans Minister, angeführt von Premierminister und späterem Nachfolger im Präsidentenamt Robert Kotscharjan, lehnten einen Friedensplan ab, den internationale Vermittler im September 1997 vorgeschlagen hatten und den Lewon Ter-Petrosjan und Aserbaidschan befürworteten. Kotscharjan gewann 1998 die vorgezogenen Präsidentschaftswahlen. Seine Wiederwahl 2003 war von Unregelmäßigkeiten und Protesten von Demonstranten begleitet. Im Januar 2006 trat auf Grundlage des Referendums vom 27. November 2005 eine Änderung der Verfassung von 1995 in Kraft, wodurch das Parlament mehr Rechte erhielt, was vom Europarat schon seit langem gefordert worden war. So darf der Präsident zwar weiterhin den Ministerpräsidenten ernennen, welcher fortan jedoch vom Parlament bestätigt werden muss. Die Todesstrafe wurde im September 2003 abgeschafft.[11]

Bei der Präsidentenwahl am 19. Februar 2008 kam es zu Ausschreitungen, die laut offiziellen Angaben acht Todesopfer und zahlreiche Verletzte forderten. Anhänger der Opposition und ihres Kandidaten Lewon Ter-Petrosjan protestierten tagelang gegen angebliche Wahlfälschungen. Ihr Kandidat kam auf nur 21,5 % der Stimmen, während Amtsinhaber Sersch Sargsjan mit 49,9 % der Stimmen bereits im ersten Wahlgang fast eine absolute Mehrheit erreichte. Beobachter der OSZE stellten zwar Unregelmäßigkeiten fest, konnten jedoch keinen Wahlbetrug feststellen. Die Regierung verhängte einen vierwöchigen Ausnahmezustand und ging mit massiver Waffengewalt gegen die Demonstranten der Opposition vor. Zurzeit befinden sich trotz Protests der internationalen Gemeinschaft noch immer 79 Oppositionspolitiker in politischer Gefangenschaft. Auf Grundlage von Empfehlungen des Europarats respektive der Venedig-Kommission wurde danach in Armenien das Versammlungs-, Medien- und Wahlrecht reformiert und Änderungen im Strafgesetzbuch beschlossen. Der Prozess einer unabhängigen Judikative ist noch nicht abgeschlossen.[11]

Außenpolitik

Hauptartikel: Außenpolitik Armeniens

Die Außenpolitik der Republik Armenien soll vor allem drei Zwecken dienen: Zum einen soll die nationale Sicherheit gewährleistet und die Entwicklung der wirtschaftlichen Beziehungen verbessert werden. Zum anderen bemüht sich Armenien um die weltweite Anerkennung des Völkermordes an den Armeniern. Zum Erreichen dieser Ziele wird auf gleichermaßen gute Beziehungen zu Russland, den USA, der EU und dem Iran Wert gelegt. Trotz dieser Anstrengungen ist die außenpolitische Lage Armeniens instabil, was insbesondere auf die Konflikte mit den Nachbarstaaten Aserbaidschan und Türkei zurückzuführen ist. Die Beziehungen zu Aserbaidschan sind durch den Konflikt um Bergkarabach belastet. Trotz eines Waffenstillstandes hält Armenien etwa 16 % des aserbaidschanischen Territoriums besetzt. Mit der Türkei unterhält Armenien zurzeit keine offiziellen diplomatischen Beziehungen, die Spannungen der beiden Staaten sind überwiegend auf historische Belastungen zurückzuführen. Die Türkei macht den Rückzug Armeniens aus Bergkarabach zur Vorbedingung von diplomatischen Beziehungen. Die Beziehungen zu den Nachbarstaaten Georgien und Iran sind nicht durch derartige Konflikte belastet. Derzeit strebt Armenien eine engere militärische Zusammenarbeit mit dem Iran an.[12]

Das am 10. Oktober 2009 in Zürich unterschriebene Protokoll zwischen der Türkei und Armenien gibt die Grundlage für diplomatische Beziehungen und die Öffnung der Grenzen.[13] Seitdem die Ratifizierung dieser Protokolle im April 2010 durch den armenischen Präsidenten suspendiert wurde, ist ein Stillstand in der Annäherung zwischen den beiden Ländern zu verzeichnen.[14] Zuvor hatte bereits das türkische Parlament die Ratifizierung dieses Protokolls ausgesetzt.

Verhältnis zu Aserbaidschan

Hauptartikel: Bergkarabachkonflikt

Armenien befindet sich in einer lang dauernden Auseinandersetzung mit der Nachbarrepublik Aserbaidschan um Bergkarabach, einem mehrheitlich von Armeniern bewohnten Gebiet in der vormaligen Aserbaidschanischen Sowjetrepublik. Es erklärte sich 1991 für unabhängig und nennt sich Republik Bergkarabach, ist jedoch international nicht anerkannt. Es starben in diesem Konflikt schätzungsweise 17.500 Armenier und 25.500 Aserbaidschaner, 700.000–1.000.000 Aserbaidschaner und 300.000 Armenier wurden zu Flüchtlingen. Seit einem Waffenstillstand im Mai 1994, der der Kontrolle eines Sechstels Aserbaidschans durch Truppen der Republik Armenien und der Republik Bergkarabach folgte, verbesserte sich die Situation nicht wesentlich. Bis heute gibt es keinen Durchbruch in der Beziehung zwischen Armenien und Aserbaidschan; ein Zustand, der ihre wirtschaftliche Entwicklung negativ beeinflusst.

Streitkräfte Armeniens

Hauptartikel: Streitkräfte Armeniens

Internationale Organisationen

Armenien ist seit 1992 Mitglied der Vereinten Nationen. Es ist seit 2003 Mitglied in der WTO.[15] Armenien ist Mitglied der folgenden internationalen Organisationen: Vereinte Nationen, Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit, GUS, OSZE, Europarat, NATO-Partnerschaft für den Frieden, EBRD, Schwarzmeer-Wirtschaftskooperation, Asiatische Entwicklungsbank, Welthandelsorganisation. Seit 2005 wird mit der NATO im Individual Partnership Action Plan kooperiert, an dem auch die Nachbarländer Georgien und Aserbaidschan teilnehmen. An ISAF in Afghanistan ist Armenien ebenso wie diese als Truppensteller beteiligt. Seit Juli 2010 befindet sich Armenien in Assoziierungsverhandlungen mit der EU.[14]

Verwaltung

Verwaltungseinheiten

Aserbaidschan Iran Georgien Georgien Aserbaidschan Aserbaidschan Aserbaidschan Türkei Jerewan Amawir Ararat Wajoz Dsor Sjunik Kotajk Gegharkunik Aragazotn Schirak Lori Tawusch
Armenien nach Verwaltungseinheiten gegliedert
Armenien gliedert sich in elf Provinzen (= Marser; Singular Mars)
Lage-# Provinz Hauptstadt
1 Aragazotn Արագածոտնի մարզ Aschtarak Աշտարակ
2 Ararat Արարատի մարզ Artaschat Արտաշատ
3 Armawir Արմավիրի մարզ Armawir Արմավիր
4 Gegharkunik Գեղարքունիքի մարզ Gawar Գավառ
5 Kotajk Կոտայքի մարզ Hrasdan Հրազդան
6 Lori Լոռու մարզ Wanadsor Վանաձոր
7 Schirak Շիրակի մարզ Gjumri Գյումրի
8 Sjunik Սյունիքի մարզ Kapan Կապան
9 Tawusch Թավուշի մարզ Idschewan Իջևան
10 Wajoz Dsor Վայոց Ձորի մարզ Jeghegnadsor Եղեգնաձոր
11 Jerewan Երևան seit Referendum im Jahr 2005
Status einer Stadtgemeinde

Städte

Die größten Städte und deren Einwohnerzahlen (Januar 2005) sind:

  1. Jerewan: 1.312.956
  2. Gjumri: 148.383
  3. Wanadsor: 107.394
  4. Etschmiadsin: 49.514
  5. Hrasdan: 40.796

Bevölkerung

Von den etwa drei Millionen Einwohnern des Landes sind laut der 2001 erfolgten Volkszählung 97,9 % Armenier, 1,3 % Kurden und 0,5 % Russen (darunter auch Molokanen), weitere sind Assyrer und Pontosgriechen. Kleine Gemeinden bilden Ukrainer, Georgier, Weißrussen, Walachen, Mordwinen, Osseten, Udinen und Taten. Die Minderheit der Kaukasiendeutschen (1941–1944 zumeist deportiert) ist heute wie die kleine polnische Minderheit stark russifiziert. Vor dem Berg-Karabach-Konflikt lebten auch zahlreiche Aserbaidschaner in Armenien (2,5 % im Jahr 1989).[16]

In Armenien ist die Bevölkerungsentwicklung rückläufig (–0,4 % pro Jahr). Allein zwischen 1991 bis 1998 sind etwa 750.000 Armenier vor allem nach Russland und in andere Staaten der GUS emigriert.

Bildung

Trotz der Armut gilt das Bildungssystem Armeniens als ausgezeichnet, vor allem da die Staatsausgaben für Bildung sehr hoch sind, im Gegensatz zu Sozialleistungs- und Militärausgaben.[17] Seit langem stellen die Analphabeten eine verschwindend geringe Minderheit dar.[18] Bereits im Jahr 1960 wurde eine Alphabetisierungsrate von 100 Prozent verzeichnet.[17]

Obwohl der Bildung traditionell große Bedeutung beigemessen wird, fehlen teilweise die Mittel für Lehrmaterialien, Gebäude oder Heizung.[19] Das Land hat mehrere Universitäten, die größte und bedeutendste ist die 1919 gegründete Staatliche Universität Jerewan.

Gesundheit

Im Jahre 2006 betrug die Lebenserwartung der Männer 70 und die der Frauen 76 Jahre.[20] 2004 lagen die Gesundheitsausgaben bei 5,6 % des BIP.[20] Sie waren überwiegend außerhalb des privaten Sektors.[20] 2006 beliefen sich die Gesundheitsausgaben der Regierung auf 112 US-Dollar pro Person.[21]

Sprachen

Die armenische Sprache ist die Amtssprache des Landes und stellt einen eigenen Zweig der indogermanischen Sprachfamilie dar. Sie (Eigenbezeichnung Hajeren) wird weltweit von etwa sieben Millionen Menschen gesprochen, in Armenien von etwa drei Millionen, das sind über 95 Prozent der Bevölkerung. Das armenische Alphabet wurde am Anfang des 5. Jahrhunderts durch Mesrop für das Altarmenische entwickelt. Seitdem ist dieses Alphabet die feste Grundlage der nationalen Sprache und der Kultur geworden. Als Standardvarietät gilt in Armenien der ostarmenische Dialekt.

Eine Sonderrolle spielt in Armenien das Russische. Es ist zwar keine Amtssprache, aber Pflichtfach an den Schulen, Unterrichtssprache an zahlreichen Universitäten und auch im Geschäftsleben weit verbreitet. Es wird von etwa 100.000 Muttersprachlern in Armenien gesprochen, 94 % der Bevölkerung besitzen mindestens grundlegende Kenntnisse dieser Sprache.[22] Es gibt inzwischen aber einen gewissen Trend für das Englische als erste Fremdsprache.[23]

Eine weitere bedeutende Sprache des Landes war bis 1989 die Turksprache Aserbaidschanisch mit rund 160.000 Sprechern; aufgrund des Konfliktes um Bergkarabach wanderten die meisten Aserbaidschaner aus Armenien aus. Das nordwestiranische Kurmandschi (je zur Hälfte muslimische und jesidische Kurden) wird von 100.000 Muttersprachlern gesprochen.

Insgesamt werden in Armenien zwölf Sprachen aus vier verschiedenen Sprachfamilien gesprochen. Weitere kleine Minderheitensprachen sind Ukrainisch (8000 Sprecher), Griechisch (Pontisch, 5000), Georgisch (Grusinisch, etwa 2000), Karatschai-Balkarisch (unter 1000), Lomavren (Bosha, noch 50 Sprecher), Aramäisch, Deutsch (fast ausgestorben) und Türkisch (Sprecherzahl unbekannt).[24]

Religion

Die dominierende Konfession im Land ist das orientalisch-orthodoxe Christentum, das in Armenien die Armenische Apostolische Kirche repräsentiert; ihr gehören etwa 94 Prozent der Bevölkerung an. Sie spielt eine zentrale Rolle für die armenische Identität. Das Christentum ist tief verwurzelt, immerhin erhob Armenien im Jahre 301 als erstes Land der Welt das Christentum zur Staatsreligion. Zwar ist die Religionsfreiheit in der Verfassung garantiert, aber faktisch ist die Armenische Apostolische Kirche eine Art Staatskirche, der gewisse Sonderrechte eingeräumt werden.

Das Kloster Chor Virap vor dem Berg Ararat. Der Mönch Krikor Lusavoritsch war hier eingekerkert, bevor er den König Trdat III. zum Christentum bekehrte

Es gibt eine katholische Minderheit, die Anhänger der Armenisch-katholischen Kirche sind. Seit dem 18. Jahrhundert leben auch einige Tausend Molokanen (eine Abspaltung von der russisch-orthodoxen Kirche) in eigenen Dörfern, nachdem sie ihr angestammtes Siedlungsgebiet an der Wolga verlassen mussten. Zu den bedeutenden Minderheiten gehören ferner die Zeugen Jehovas mit 0,5 Prozent. Die Kurden Armeniens sind häufig Jesiden oder Sunniten. Die wenigen noch im Land verbliebenen Aserbaidschaner sind schiitische Muslime.

Diaspora

Weniger als ein Drittel der rund zehn Millionen ethnischen Armenier auf der Welt lebt in der Republik Armenien. Seit Jahrhunderten gibt es armenische Gemeinschaften im Iran und in Georgien, seit dem Völkermord an den Armeniern gibt es traditionelle Gemeinschaften im Libanon, Frankreich und den Vereinigten Staaten. Nach Angaben des Instituts für Genozid und Diaspora an der Ruhr-Universität Bochum liegt die Zahl der in der Bundesrepublik lebenden Armenier bei 35.000 bis 40.000. Seit 2000 besitzt die Diaspora in Russland, vor allem in Moskau und St. Petersburg, die größte Bedeutung. Die Überweisungen an Verwandte in der Heimat sind wichtig für die Übertragungsbilanz und Armenien profitiert von einer Vielzahl von Stiftungen.

Wirtschaft

1988 wurde Armenien durch ein sehr starkes Erdbeben schwer getroffen, was einige Regionen noch immer belastet. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR geriet der junge Staat (ähnlich wie die meisten anderen ehemaligen Unionsrepubliken) in eine schwere Wirtschaftskrise. Neben den üblichen tiefgreifenden Problemen, die sich bei einer Umstellung von einer Zentralverwaltungswirtschaft auf eine liberale Marktwirtschaft ergeben, kam erschwerend der Konflikt um Bergkarabach mit Aserbaidschan hinzu.

Entwicklung

Nach einer umfassenden Liberalisierung der Wirtschaft – die Privatisierung begann 1994 und ist inzwischen weitgehend abgeschlossen – setzte 1997 das Wirtschaftswachstum wieder ein. Seit dem Jahr 2001 weist Armenien sogar zweistellige Wachstumsraten auf und konnte im Jahre 2006 die Wirtschaftskraft des Jahres 1988 wiedererlangen.

Das jährliche Pro-Kopf-Einkommen betrug im Jahre 2004 durchschnittlich 790 Dollar. Im Jahr 2005 betrugen die Steuer- und Zolleinnahmen 304 Milliarden Dram (680 Millionen US-Dollar) oder 21,6 % mehr als 2004. Trotzdem machen die Einnahmen nur 14,4 % des Bruttoinlandsproduktes aus – im internationalen Vergleich ein sehr niedriger Wert. Die Landwirtschaft basiert vor allem auf dem Anbau von Obst und Gemüse sowie Tabak. Die Wirtschaft des Landes basiert auf der Nutzung der Rohstoffe Kupfer, Bauxit, Gold und Molybdän.

Währung

Die nationale Währung, der Dram (AMD), wurde 1993 eingeführt. Die Zentralbank der Republik Armenien verfolgt eine Politik des flexiblen Wechselkurses. Lange verlor der Dram gegenüber dem US-Dollar wegen des Handelsbilanzdefizits Armeniens an Wert, der niedrigste Wechselkurs lag im März 2003 bei 591,76 AMD:1 USD. Im August 2006 sank der Kurs erstmals unter 400 AMD:1 USD, was eine Aufwertung um 45 % bedeutet. Die Zentralbank schätzt, dass die armenischen Haushalte jährlich rund 940 Millionen US-Dollar von Verwandten aus dem Ausland erhalten, das entspräche etwa 15 % des offiziellen Bruttoinlandsprodukts.[25] Diese Überweisungen und die ausländischen Direktinvestitionen sind der Hauptgrund für den Anstieg des Drams. Die Inflation lag in den letzten Jahren bei fünf Prozent, ein im regionalen Vergleich niedriger Wert, trotzdem ist Armenien weiterhin die ärmste Volkswirtschaft des Kaukasus und der angrenzenden Gebiete.

Industrie

Die Industrie ist wenig entwickelt. Ihre wichtigsten Zweige sind Maschinenbau, chemische Industrie, Textil-, Metall-, Nahrungsmittel- und Aluminiumindustrie. In den Schlüsselindustrien Energie und Telekommunikation sind insbesondere russische Firmen präsent. So gehören unter anderem die Firmen Armrosgazprom (Erdgasimport- und Versorgung) mehrheitlich dem russischen Staatskonzern Gazprom, das armenische Stromnetz gehört einer Tochterfirma der ebenfalls staatlichen UES und die Armenia Telephone Company ist zu 100 % im Besitz der Firma VimpelCom. Im Bereich der Hochtechnologien wird die armenische Wirtschaft gegenwärtig besonders durch IT-Unternehmen gestärkt, die Ihre Produktentwicklungen in Armenien durchführen, Lycos Europe beschäftigt gegenwärtig zum Beispiel 200 Programmierer in Ihrer Niederlassung in Armenien. Arminco (Armenian Internet Company) ist der größte Internetdienstanbieter in Armenien.

Außenwirtschaft

In den ersten Jahren der Unabhängigkeit des Landes war die Exportstruktur noch relativ stark differenziert, was der Rolle Armeniens innerhalb der intra-sowjetischen Arbeitsteilung entsprach. 17 verschiedene Güter auf dem dreiziffrigen SITC-Niveau machten 1997 drei Viertel des Exportvolumens aus: darunter auch verarbeitete Waren wie Elektromaschinen, optische Instrumente, Stahlrohre und Bekleidung. Im Jahr 2005 entfielen drei Viertel des Exportvolumens auf nur noch 7 verschiedene Güter: Edelsteine, Gusseisen, alkoholische Getränke, Kupfer, Gold, Juwelen und Erze – also fast ausschließlich unverarbeitete Güter.[26] Auf der Importseite allerdings konnte Armenien seine hohe Abhängigkeit von Nahrungsmittel- und Energieimporten reduzieren und führt nun auch zunehmend Kapitalgüter ein.

Seit Februar 2003 ist Armenien Mitglied der Welthandelsorganisation. Bilaterale Freihandelsabkommen bestehen unter anderem mit Georgien und Russland. Ein wirtschaftliches Problem ist die Binnenlage Armeniens, verbunden mit der Tatsache, dass zwei der vier Nachbarländer aufgrund politischer Konflikte die Grenzen zu Armenien geschlossen halten, nämlich die Türkei und Aserbaidschan. Ein großer Teil der Importe nach Armenien erfolgt deshalb über den georgischen Hafen Poti und von dort weiter per Eisenbahn durch Georgien.[27]

Geldtransfers der zahlreichen Auslandsarmenier sind eine wesentliche Stütze der armenischen Volkswirtschaft. Im Jahre 2004 entsprachen sie knapp 10 Prozent der armenischen Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt). Weitere Kapitalzuflüsse aus dem Ausland sind ausländische Direktinvestitionen und offizielle Entwicklungshilfezahlungen (entsprechend 6 bzw. 7 Prozent der armenischen Wirtschaftsleistung).[26]

Von den Transfers kamen ca. 45 % aus Russland und 15 % aus den USA. Hans-Heinrich Bass und Irina Schmidt bezeichnen diese Transfers als „mixed blessing“ (etwa: „zweischneidiges Schwert“) für die armenische Volkswirtschaft: einerseits trügen sie zur Armutsüberwindung bei, andererseits verschärften sie die Einkommensungleichheit im Land. Der Wachstumseffekt sei eher gering, da sie hauptsächlich zur Finanzierung von Immobilien verwendet würden. Zudem trügen die Überweisungen zu einer Aufwertung der armenischen Währung bei und wirkten sich damit nachteilig auf die Wettbewerbsfähigkeit armenischer Exporte aus.[28]

Im Jahre 2005 stiegen Firmen aus Deutschland zum größten Investor in Armenien auf, sie tätigten 97,5 Millionen US-Dollar Direktinvestitionen.

Im September 2013 erklärte Armenien, der Zollunion Russlands, Weißrusslands und Kasachstans beitreten zu wollen.[29]

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt[30] umfasste 2009 Ausgaben von umgerechnet 2,36 Milliarden US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 1,85 Milliarden US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 5,8 % des BIP.[31]
Die Staatsverschuldung betrug 2009 2,21 Milliarden US-Dollar oder 16,1 % des BIP.[32]

Der Anteil der Staatsausgaben (in Prozent des BIP) folgender Bereiche betrug:

Infrastruktur

Eine Besonderheit des armenischen Transportwesens ist der im internationalen Vergleich extrem hohe Anteil an Kraftfahrzeugen, die mit Erdgas statt Benzin oder Diesel betrieben werden. Das Verkehrsministerium schätzt, dass dieser Anteil 20–30 % beträgt, dies wäre ein einmalig hoher Wert (in den Niederlanden sind es rund drei Prozent, in Deutschland noch weniger). Der Grund sind die hohen Transportkosten für Benzin und Diesel, während Erdgas zu günstigen Preisen aus Russland per Pipeline importiert wird.[34] Im März 2007 wurde außerdem die strategisch bedeutende Iran-Armenien-Erdgaspipeline eröffnet. Die Energieversorgung beruht nur zu einem kleinen Teil auf den heimischen Wasserkraftwerken am Hrasdan, dem Abfluss des Sewansees, der Großteil der Stromversorgung (rund 39 %) wird durch das Kernkraftwerk Mezamor sichergestellt.

Die Eisenbahn in Armenien wird von der Harawkowkasjan Jerkatughi, einer Tochtergesellschaft der Russischen Eisenbahnen, seit dem 1. Juni 2008 nach dem Gewinn einer Ausschreibung zunächst für 30 Jahre betrieben. Während dieses Zeitraums sollen mindestens 570 Millionen USD investiert werden, 70 % davon in die Infrastruktur.[35] Die Eisenbahnverbindung zwischen Georgien und Russland ist wegen des Konflikts in Abchasien geschlossen; ebenso seit 1992 die Verbindung in die Türkei zwischen Gjumri und Kars. Zur Umgehung von Armenien ist die neue Bahnstrecke Kars–Tbilissi in Bau.[36] Zwischen Armenien und dem Iran besteht keine Eisenbahnverbindung. Der Grenzabschnitt zu Iran ist nur etwa 40 km lang, aber aufgrund der Blockade durch die Türkei und Aserbaidschan von großer Bedeutung für Armenien, das traditionell gute Beziehungen zu Iran pflegt.[37]

Kultur

Bedeutung der Familie

Die Familie steht im Zentrum des Lebens. Die Familienbande sind bei Armeniern im Vergleich zu Westeuropa extrem stark. Die Familien sind trotz der zur Zeit der Sowjetunion verordneten Emanzipation patriarchalisch strukturiert. Kindererziehung gilt als Frauensache. Eine Ausnahmestellung hat dabei die Familienälteste (üblicherweise die Frau oder Witwe des Familienoberhauptes) inne: Sie wird hoch geachtet und übt auf diskrete Art und Weise oft größeren Einfluss aus als das nominelle Familienoberhaupt. Überhaupt werden traditionell die Alten sehr geachtet (beispielsweise wird ein junger Anwalt einem alten Straßenfeger üblicherweise sehr respektvoll begegnen). Nachkommen ordnen sich auch als Erwachsene sehr stark ihren Eltern unter.

Museen

Jerewan beherbergt die zentralen Museen des Landes. Am bekanntesten ist wohl die nationale Kunstgalerie mit mehr als 16.000 Werken. Die Bestände der Sammlung gehen bis ins Mittelalter zurück. Die Hauptstadt kann neben einer Vielzahl weiterer Museen ein Museum für moderne Kunst und ein dem wohl berühmtesten armenischen Maler Martiros Sarjan gewidmetes Museum vorweisen. In den letzten Jahren sind in Jerewan zudem zahlreiche private Galerien entstanden. Erwähnt werden muss auch das Matenadaran, in dem über 17.000 Manuskripte aufbewahrt werden, die zum Teil aus dem frühen Mittelalter stammen und sehr wertvoll sind.

Musik

Das Nationalinstrument Armeniens ist die duduk (auch nay), ein zylindrisches Doppelrohrblattinstrument aus Aprikosenholz mit einem samtigen weichen Klang. Sie spielt eine zentrale Rolle in der armenischen Volksmusik und Kammermusik. Außerhalb Armeniens ist sie insbesondere durch das Werk Dschiwan Gasparjans bekannt geworden. Das zweite, in der gepflegten Unterhaltungsmusik gespielte Blasinstrument ist die Längsflöte blul, die ursprünglich von Hirten auf der Weide geblasen wurde. Dagegen wird die schrill und laut klingende Kegeloboe zurna nur im Freien meist bei Familienfeiern zur Tanzbegleitung eingesetzt. Die ländliche armenische Volksmusik ist überwiegend vokal. Saiteninstrumente gehören zu den Kammerensembles der Städte und stammen sämtlich aus der persischen und osmanischen Musikkultur. Hierzu zählen die Stachelgeigen k’yamancha und k’amani, die arabische Knickhalslaute ʿūd, die Langhalslauten saz, tar und tschungur (ähnlich der georgischen tschonguri) sowie die Trapezzithern kanun und santur. Für den Rhythmus sorgen die zweifellige Zylindertrommel dhol (ähnlich der georgischen doli), die Rahmentrommeln ghaval oder dap und das Kesseltrommelpaar Naqqara. Ein typisches Ensemble ist das im Südkaukasus verbreitete sazandar (armenisch nvagurd), das mit tar, k’yamancha und ghaval auftritt. Häufig spielen Blas- und Saiteninstrumente zusammen.[38]

Neben der traditionellen armenischen Musik gibt es in Jerewan auch international erfolgreiche klassische Orchester. Hervorzuheben sind hier insbesondere das armenische philharmonische Orchester und das nationale Kammerorchester Armeniens. Der wohl bekannteste Komponist des Landes ist Aram Chatschaturjan. Begründer der modernen klassischen Musik Armeniens ist der Mönch Komitas Vardapet. Weitere Komponisten sind in der Liste armenischer Komponisten aufgeführt.

Im Mai 2006 nahm Armenien zum ersten Mal am Eurovision Song Contest in Athen teil. Mit dem Titel Without Your Love trat der landesweit bekannte Sänger Andre an. Nachdem er das Halbfinale überstanden hatte, konnte er im Finale einen überraschenden 8. Platz erreichen. Damit war Armenien auch für das nächste Finale in Finnland gesetzt, wo man wieder erfolgreich einen 8. Platz erreichen konnte mit dem populären Sänger Hayko und dem Song Anytime you need. 2008 in Belgrad erreichte Sirusho mit Quele Quele den 4. Platz. Eine sehr erfolgreiche Jazzformation ist die Armenian Navy Band um Arto Tunçboyacıyan, die ihre Musik als Avantgarde Folk Music bezeichnet.

Film

Seit 2004 hat sich im Sommer in Jerewan das Internationale Filmfestival „Goldene Aprikose“ etabliert, dessen Präsident der armenischstämmige Kanadier Atom Egoyan ist. Es vergibt Preise sowohl an Spielfilme als auch an Dokumentarfilme und kann teilweise prominente Teilnehmer aufweisen. Weltweit renommierte Filmregisseure sind – neben Egoyan – die Armenier Sergej Paradj.20 anov, Henri Verneuil, Don Askarian und der experimentelle Dokumentarfilmer Artawasd Peleschjan. Auch auf dem Gebiet des Zeichentrickfilms hat Armenien eine lange Tradition, die sich in der Sowjetzeit entwickelt hat.

Auch außerhalb Armeniens bekannte Schauspieler sind Armen Dschigarchanjan und Mher „Frunsik“ Mkrtschjan. Simon Abkarian stammt nicht aus dem heutigen Armenien, sondern aus der armenischen Diaspora im Libanon. Dort existiert seit dem Völkermord eine große armenische Gemeinde, die aus Nachkommen derjenigen Flüchtlinge besteht, die die Todesmärsche aus Westarmenien in die nordsyrischen Wüsten überlebten.

Armenische Literatur

Hauptartikel: Armenische Literatur

Die armenische Literatur zählt mit der aus der armenischen Bibelübersetzung rührenden armenischen Schrift und der dort fixierten armenischen Sprache zu den ältesten lebenden Nationalliteraturen der Welt.

Feiertage und Feste

Neben den gesetzlichen Feiertagen gibt es eine Reihe Feste, die zur christlichen Tradition und zum Brauchtum zählen. Hierzu gehören das Fest Mariä Aufnahme in den Himmel am nächsten Sonntag zum 15. August, das mit der Segnung der Traubenernte verbunden ist, und Barekendan, die armenische Variante des Karnival, die sieben Wochen vor Ostern gefeiert wird.

Medien

In Armenien erscheinen fünf Tageszeitungen mit einer Gesamtauflage von circa 18.000 Exemplaren.[39]

Sport

Schachclub Jerewan

Schach ist ein in Armenien weit verbreiteter Sport. Der ehemalige Schachweltmeister Tigran Petrosjan war Armenier. Garri Kasparow ist armenischer Abstammung. Die Nationalmannschaft gewann 2006 in Turin, 2008 in Dresden sowie 2012 in Istanbul die Schacholympiade, des Weiteren 2011 die Mannschafts-Weltmeisterschaft und 1999 die Europäische Mannschaftsmeisterschaft. Bekannte Großmeister sind Lewon Aronjan, Smbat Lputjan, Karen Asrjan, Sergej Movsesjan, Wladimir Hakobjan (bekannter als Wladimir Akopjan), Gabriel Sarkissjan, Rafael Vaganian und Artasches Minassjan.

Fußball ist in Armenien eine populäre Sportart, wobei sich die armenische Nationalmannschaft bei Weltmeisterschaften bislang nie für die Endrunde qualifizieren konnte.

Populär ist auch der Boxsport. Prominente Vertreter sind der Europameister Khoren Gevor und der langjährige IBF-Weltmeister im Fliegengewicht und Superfliegengewicht Vic Darchinyan. Der IBF-Titel im Mittelgewicht wird von Arthur Abraham gehalten, der die armenische und deutsche Staatsbürgerschaft besitzt. Im Frauenboxen ist die Armenierin Susianna Kentikian WBA- und WIBF-Weltmeisterin in Fliegengewicht.

Siehe auch

 Portal: Armenien – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Armenien

Literatur

  • Museum Bochum – Kunstsammlung, Stiftung für Armenische Studien (Hrsg.): Armenien. 5000 Jahre Kunst und Kultur. Wasmuth, Tübingen 1995; ISBN 3-8030-3066-8
  • Tessa Hofmann: Annäherung an Armenien. Geschichte und Gegenwart. Beck, München 1997; ISBN 3-406-42023-0.
  • Jakob Künzler: Im Lande des Blutes und der Tränen. Erlebnisse in Mesopotamien während des Weltkrieges (1914–1918). Reihe ZeitZeugnisse. Tempel-Verlag, Potsdam 1921; Nachdruck: Chronos, Zürich 1999. ISBN 3-905313-06-5.
  • Adriano Alpago Novello: Die Armenier. Brücke zwischen Abendland und Orient. Belser, Stuttgart und Zürich 1986. ISBN 3-7630-2335-6.
  • Jean M. Thierry: Armenien im Mittelalter. Schnell und Steiner, Regensburg 2001; ISBN 3-7954-1435-0.
  • Huberta von Voss: Portrait einer Hoffnung: Die Armenier. Lebensbilder aus aller Welt.Schiler, Berlin 2004. ISBN 3-89930-087-4.
  • Christopher J. Walker: Armenia: the Survival of a Nation. Saint Martin’s Press, London 1980 (19902). ISBN 978-0-312-04230-1. : online Version.
  • Wilhelm Baum: Die Türkei und ihre christlichen Minderheiten. Geschichte – Völkermord – Gegenwart. Kitab-Verlag, Klagenfurt und Wien 2005. ISBN 3-902005-56-4. auch en: The Christian Minorities in Turkey. Kitab-Verlag, Klagenfurt und Wien: 2005. ISBN 3-902005-62-9.
  • Haig E. Asenbauer: Zum Selbstbestimmungsrecht des armenischen Volkes von Berg-Karabach. Ethnos 41. Braumüller, Wien 1993. ISBN 3-7003-0978-3
  • Burchard Brentjes: Drei Jahrtausende Armenien. Koehler und Amelang, Leipzig 19843. Schroll, Wien München 1984. ISBN 3-7031-0594-1
  • Johannes Lepsius: Armenien und Europa, eine Anklageschrift. Berlin 1897.
  • Johannes Lepsius: Der Todesgang des armenischen Volkes. Bericht über das Schicksal des armenischen Volkes in der Türkei während des Weltkrieges. Missionshandlung und Verlag Roon-Straße, Potsdam 19304.
  • Artem Ohandjanian: Armenien, der verschwiegene Völkermord. Böhlau, Wien Köln Graz: 1989. ISBN 3-205-05213-7.
  • Erwin M. Ruprechtsberger (Hrsg.): Armenien. Anlässlich der Armenien-Ausstellung im Stadtmuseum Linz – Nordico, 7. September – 22. Oktober 1989. Linzer Archäologische Forschungen 18. Stadtmuseum, Linz 1990. Band 1: Kunst und Geschichte im 1. Jahrtausend 1989. Band 2: Beiträge zur Sprache, Geschichte und Archäologie. 1990.
  • Editha Wolf Crome (Hrsg.): Aufbruch nach Armenien. Reise- und Forschungsberichte aus dem Lande Urartu – Armenien. Reimer, Berlin 1985; ISBN 3-496-00810-5.

Weblinks

 Wiktionary: Armenien – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Armenien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Armenien – Reiseführer
 Wikimedia-Atlas: Armenien – geographische und historische Karten
 Wikibooks: Wikijunior Europa/ Armenien – Lern- und Lehrmaterialien

Einzelnachweise

  1. National Statistical Service of the Republic of Armenia
  2. International Monetary Fund, World Economic Outlook Database, April 2011
  3. Human Development Index, abgerufen am 10. Oktober 2013
  4. Igor G. Khorozyan, Pavel I. Weinberg and Alexander G. Malkhasyan: Conservation Strategy for Armenian Mouflon (Ovis orientalis gmelini Blyth) and Bezoar Goat (Capra aegagrus Erxleben) in Armenia. in Status and Protection of globally threatened Species in the Caucasus. CEPF Biodiversity Investments in the Caucasus Hotspot 2004–2009. Edited by Nugzar Zazanashvili and David Mallon (2009).online PDF
  5. Caucasian Spiders » CHECKLISTS & MAPS
  6. Endemic Species of the Caucasus
  7. NAZIK KHANJYAN: SPECIALLY PROTECTED NATURE AREAS OF ARMENIA. MINISTRY OF NATURE PROTECTION OF THE REPUBLIC OF ARMENIA, YEREVAN 2004
  8. Nugzar Zazanashvili, Karen Manvelyan, Elshad Askerov, Vladimir Krever, Sedat Kalem, Başak Avcıoğlu, Siranush Galstyan, Roman Mnatsekanov and Maka Bitsadze: Territorial Protection of Globally Threatened Species in the Caucasus in Status and Protection of globally threatened Species in the Caucasus. CEPF Biodiversity Investments in the Caucasus Hotspot 2004–2009. Edited by Nugzar Zazanashvili and David Mallon (2009).online PDF
  9. Annahmen, dass eine Vereinigung mit den Nairi-Ländern erfolgte, werden durch den Feldzug von Salmanassar III. im 7. und 15. Regierungsjahr in die Nairi-Länder widerlegt. Ebenso wird Nairi unter Tiglat-Pileser III. erwähnt; vgl. dazu Bertold Spuler: Handbuch der Orientalistik.Teil 1: Einleitung in die assyrischen Königsinschriften, Teil 2: 934–722 v. Chr. von Wolfgang Schramm -, Brill, Leiden 1973, S. 85.
  10. Erwin M. Ruprechtsberger (Hrsg.): Armenien. Linzer Archäologische Forschungen Band 18, Linz 1990, S. 45
  11. a b c Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatArmenien – Innenpolitik. Auswärtiges Amt, Oktober 2011, abgerufen am 24. Dezember 2011.
  12. RIA Novosti – Politik – International – Armenien und Iran besprechen militärische Zusammenarbeit
  13. [1]
  14. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatArmenien – Außenpolitik. Auswärtiges Amt, Oktober 2011, abgerufen am 24. Dezember 2011.
  15. Der Fischer Weltalmanach 2008, Fischer Taschenbuch-Verlag, Frankfurt 2007, ISBN 978-3-596-72008-8
  16. Garnik Asatryan, Victoria Arakelova: The Ethnic Minorities of Armenia. 2002., Teil der OSZE
  17. a b Curtis, Glenn E. and Ronald G. Suny. "Education". Armenia: A Country Study. Library of Congress Federal Research Division (März 1994).
  18. Unterseite von http://lcweb2.loc.gov/frd/cs/amtoc.html
  19. Armenien – Kultur- und Bildungspolitik. Auswärtiges Amt, 1. Februar 2010, abgerufen am 23. März 2011.
  20. a b c http://www.euro.who.int/document/MPS/ARM_MPSEURO_countryprofile.pdf (Version vom 16. November 2009 im Internet Archive)Vorlage:Webarchiv/Wartung/Linktext_fehlt
  21. http://hdrstats.undp.org/en/countries/data_sheets/cty_ds_ARM.html
  22. The South Caucasus Between The EU And The Eurasian Union. Caucasus Analytical Digest #51-52. Forschungsstelle Osteuropa, Bremen and Center for Security Studies, Zürich. 17. Juni 2013. S. 22–23. ISSN 1867-9323. Abgerufen am 3. Juli 2013.
  23. Problems of Bilingualism in Armenia. Abgerufen am 25. Januar 2010 (PDF; 124 kB).
  24. Die Sprecherzahlen entstammen Ethnologue (5. Auflage 2005), dem Fischer Weltalmanach 2006 und der Fachliteratur zu den einzelnen Sprachfamilien.
  25. ARKA News Agency: Armenian households recieive money transfers for $940MLN in 2005
  26. a b Hans-Heinrich Bass, Management challenges in a small, post-soviet developing economy: the case of Armenia, in: A. Krylov / T. Schauf (Hrsg.), Internationales Management: Entwicklungen, Tendenzen und Best Practice, Festschrift für Axel Sell, Berlin 2008: Lit-Verlag, S. 295–310.
  27. armenialiberty.org: Armenia Faces Trade Blockade As Russia Widens Georgia Assault, abgerufen am 12. August 2008
  28. Hans-Heinrich Bass und Irina Schmidt, Small Economies Facing Global Challenges: The Case of Armenia, in: Meeting Global Challenges, Gdańsk 2008: Institute of International Business Series No. 25, Fundacja Rozwoju Uniwersytetu Gdańskiego, pp. 622-635 (PDF; 166 kB)
  29. RIA Novosti: Eurasische Kooperation: Putin begrüßt Integrationswunsch Armeniens, online auf de.ria.ru vom 3. September 2013.
  30. Anmerkung: Die Angaben zu den Wirtschaftsdaten unterscheiden sich – auch aufgrund des hohen Wachstums – je nach Quelle stark
  31. a b c The World Factbook
  32. RA Prime Minister Tigran Sargsyan’s Address to Joint Session of RA National Assembly Standing Commissions on FY2009 State Budget Bill
  33. Der Fischer Weltalmanach 2010: Zahlen Daten Fakten, Fischer, Frankfurt, 8. September 2009, ISBN 978-3-596-72910-4
  34. Armenialiberty: Necessity Mother Of Invention In Gas-Fuelled Armenia
  35. Eurailpress: RZD: Start des Bahngeschäfts in Armenien, 4. Juni 2008
  36. Tbilisi, Baku Agree on Funding of Regional Railway Link. 13. Januar 2007, abgerufen am 27. Dezember 2009.
  37. Armenien – Außenpolitik. Auswärtiges Amt, 1. Februar 2011, abgerufen am 30. März 2011.
  38. Alina Pahlevanian: Armenia. Folk Music. In: Stanley John Sadie (Hrsg.): The New Grove Dictionary of Music and Musicians. Vol. 2. Macmillan Publishers, London 2001, S. 18
  39. http://www.pressreference.com/A-Be/Armenia.html

40.38333333333344.95Koordinaten: 40° N, 45° O