Armin-Paul Hampel

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Armin-Paul Hampel (2014)

Armin-Paul Hampel (eigentlich Armin-Paulus Hampel;[1] * 23. Juli 1957 in Bielefeld) ist ein deutscher Journalist, Filmautor und Politiker der AfD. Seit Oktober 2017 ist er Mitglied des Deutschen Bundestags. Hampel gehört der Goslarer Runde an, einem rechten Parteinetzwerk innerhalb der AfD.[2]

Er war von November 2013 bis Januar 2018 Landesvorsitzender der AfD Niedersachsen. Am 19. Januar 2018 wurde Hampel vom Bundesvorstand seines Amtes enthoben. Als Grund wurde angeführt, der Vorstand unter Hampel habe „schwerwiegend gegen die Grundsätze beziehungsweise die Ordnung der Partei verstoßen“.[3] Am 7. April 2018 wurde Dana Guth zur neuen Landesvorsitzenden der AfD Niedersachsen gewählt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Journalistischer Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hampel begann seine journalistische Laufbahn als freier Mitarbeiter beim Bonner Generalanzeiger. Für RTL und Sat.1 war er Parlamentskorrespondent in Bonn, bevor er 1991 als Chefreporter zum neu gegründeten MDR wechselte. Ab 1999 war Hampel Parlamentskorrespondent im Gründungsteam des neuen ARD-Hauptstadtstudios in Berlin und von 2003 bis 2008 als Auslandskorrespondent Leiter des Südasien-Studios der ARD in Neu-Delhi. Seitdem ist er freier Produzent und Medienberater. 2013 kehrte er nach Deutschland zurück. Seine Reportage aus Afghanistan für den Westdeutschen Rundfunk erhielt 1998 wegen der nach Ansicht der Teilnehmerinnen des jährlichen Medienfrauentreffens mangelnden Thematisierung von Frauen den von ihnen vergebenen Negativpreis (nach seinem ARD-Kollegen Fritz Pleitgen 1995 und vor Sabine Christiansen 1999) Saure Gurke.[4] Seine ARD-Reportage Indische Höllenfahrt über den Verkehrswahnsinn auf der GrandTrunk Road (Delhi-Kalkutta) wurde 2006 vom Spiegel gelobt: „Ohne überheblichen Unterton, ohne soziale Anklage, ohne dramatisches Getue, … was kann eine Dokumentation mehr leisten?“.[5]

Hampel wurde zweimal für den Tagesthemen-Award der ARD nominiert.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hampel war im Alter von 16 Jahren nach eigener Aussage einige Wochen lang Mitglied der Jungen Union.[6][7] 2013 wurde er Mitglied der neu gegründeten Partei AfD. Am 23. November 2013 wurde er Landesvorsitzender der AfD Niedersachsen; er wurde 2015 und 2017 wiedergewählt. Bei der Europawahl 2014 kandidierte er für die AfD auf Listenplatz 9.[8] Auf dem Parteitag vom Juli 2015, bei dem er 59,1 Prozent der Stimmen bekam, wurde er als Beisitzer in den AfD-Bundesvorstand gewählt, aus dem er nach dem Parteitag vom Dezember 2017 wieder ausschied. Bei der Aufstellungsversammlung für die Bundestagswahl 2017 wählten ihn die anwesenden niedersächsischen AfD-Mitglieder mit knapp 90 % zum Spitzenkandidaten.[9] Über die Landesliste wurde er in den Bundestag gewählt.[10]

Hampel ist für eine radikale Reform der Steuer- und Sozialpolitik eingetreten und hat unter anderem 2015 den Vorschlag geäußert, in Syrien und dem Irak Schutzzonen für Flüchtlinge einzurichten, die durch ein robustes Mandat der Vereinten Nationen auch von NATO-Truppen gesichert werden sollten. Ergänzend dazu, so Hampel, solle Deutschland eine Wehrpflicht für alle irakischen und syrischen Männer im Alter zwischen 18 und 45 Jahren einführen. Diese Männer könnten nach einer infanteristischen Ausbildung zum Schutz dieser Zonen an der Seite ihrer NATO-Kameraden eingesetzt werden. Er nannte seinen Vorschlag „ungewöhnlich“, aber durchaus „überlegenswert“.[11]

Hampel äußerte sich im April 2016 sehr kritisch zu etablierten Medien; er sprach ihnen Kritikfähigkeit ab und warf ihnen Parteilichkeit sowie zu große Minderheitenfreundlichkeit vor.[12] Hampel hielt 2016 einen Vortrag beim Arbeitskreis für deutsche Politik, der in einem schleswig-holsteinischen Verfassungsschutzbericht mit dem Merkmal „rechtsextreme Bestrebungen“ versehen wurde. Der Journalisten und Buchautor Andreas Speit äußerte im April 2017, Hampel gehöre zum „weit rechten Klientel der AfD“.[13]

Ermittlungsverfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hampel wurden finanzielle Ungereimtheiten innerhalb seines Landesverbandes vorgeworfen. Der damalige Landesschatzmeister Bodo Suhren behauptete, es hätten Belege zu von Hampel getätigten Ausgaben für Kamera-Equipment gefehlt. 2013 fertigte Hampel im Auftrag der AfD Niedersachsen ein Videoporträt über den damaligen Parteichef Bernd Lucke an. Hampel wurde vorgeworfen, für diese Tätigkeit doppelt Geld verlangt und erhalten zu haben. Im Frühjahr 2017 stellte ein ehemaliges AfD-Mitglied bei der Staatsanwaltschaft Lüneburg deshalb Strafanzeige gegen Hampel wegen des Verdachts auf Untreue und Steuerhinterziehung.[14]

Im September 2017 zeigte Bodo Suhren, AfD-Bundesvorstandsmitglied und stellvertretender AfD-Bundesschatzmeister, Hampel wegen Beleidigung, übler Nachrede, Verleumdung sowie übler Nachrede und Verleumdung gegen Personen des politischen Lebens an. Hampel hatte Suhren am 19. August 2017 vorgeworfen, eine Finanzkonstruktion geschaffen zu haben, die den niedersächsischen AfD-Landesverband nicht lebensfähig erhalten hätte, und Suhren die Absicht zugeschrieben, besagtem Landesverband zu schaden. Suhren bezeichnete Hampels Angaben als „freche Lügen“.[15]

Am 9. Oktober 2017 wurden Hampels Haus und eine Geschäftsstelle der AfD Niedersachsen von der Staatsanwaltschaft Lüneburg wegen Verdachts auf Betrug zum Schaden seiner Partei durchsucht.[16] Die Ermittlungen wurden wenige Tage später eingestellt.[17] Die Ermittlungen seien eingestellt worden, „da die Durchsuchung zum Auffinden entlastenden Beweismaterials geführt hatte“, hieß es in einer Erklärung der Staatsanwaltschaft. Sie führte weiter aus: „Soweit zunächst ein Anfangsverdacht gegen Armin Paulus Hampel bestand, hat sich dieser durch die unter allen rechtlichen Gesichtspunkten geführten und schnellstmöglich abgeschlossenen Ermittlungen nicht bestätigt“.[18] Hampel wertete die Hausdurchsuchung als politische Kampagne. Er mutmaßte, die damalige Justizministerin Niedersachsens Antje Niewisch-Lennartz (Die Grünen) habe versucht, durch „Missbrauch der Justiz“ missliebige Parteikonkurrenz auszuschalten. Die Staatsanwaltschaft habe die Möglichkeit gehabt, ihn stattdessen zu einem Gespräch vorzuladen und ihm so zu ermöglichen, die benötigten Unterlagen vorzulegen. Die zeitliche Übereinstimmung zwischen der Hausdurchsuchung und der Landtagswahl am 15. Oktober 2017 hielt er für auffällig.[18][19]

Im April 2018 gab es bei einem Parteitag der AfD Niedersachsen eine Kampfabstimmung zwischen Hampel und Dana Guth. Hampel erhielt 205 der abgegeben 521 Stimmen (39,3 %) und Guth 280 Stimmen. Hampel kandidierte nach dieser Niederlage nicht für den Posten des Vize-Vorsitzenden.[20]

Familie und Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hampels Eltern waren Heimatvertriebene. Die Mutter stammte aus Königsberg, der Vater aus Breslau (aufgewachsen in Bonn und Detmold). In der Schule wurde er von Lehrern nach eigenen Angaben als „Rucksackdeutscher“ bezeichnet.[21] Er ist Vater von vier Kindern.[22]

Er hat nach eigenen, unbestätigten Angaben den Bundeswehr-Dienstgrad Kapitänleutnant der Reserve.[21] Im März 2018 sind Zweifel an dieser Darstellung und Vorwürfe der Fälschung des Lebenslaufs aufgekommen.[23] Hempel räumte in diesem Zusammenhang ein, keine „militärische Ausbildung im engeren Sinne“ absolviert zu haben; interne Archive der Bundeswehr zeigen, dass Hampel Anfang der Achtzigerjahre seine Wehrpflicht bei den Feldjägern ableistete und als Obergefreiter entlassen wurde. Er habe sich allerdings an mehreren „VIP-Wehrübungen“ beteiligt, wie sie die Bundeswehr regelmäßig für Prominente, Politiker und Journalisten anbieten würde. Auf diesem Wege sei er zum Kapitänleutnant befördert worden, „ein Dienstgrad, der meinem Berufsbild angepasst war“.[23]

Dokumentarfilme (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Typen, Tender und Torpedos SDR (1987)
  • Auftrag Bosnien MDR (1994)
  • Gandhis Enkel – 50 Jahre Unabhängigkeit in Indien ARD (1997)
  • Die Scheckbuch-Maharadschas: Von Südasiens Neu(en)-Reichen ARD (1997)
  • Wo die Spice Girls Pfeffer kriegen ARD (1997)
  • Die Rückkehr der Saris ARD (1998)
  • Gesichter Asiens – Der geliebte Feind (2004)
  • Die indische Höllenfahrt WDR (2005)
  • Wenn die Goetter reden könnten Geheimnisvolle Riten im Himalaja ARD (29. April 2006)
  • Schätze, Schiffe, Maharadschas ARD (2006)
  • Drogen, Terror, Taliban – verlorene Siege am Hindukusch ARD (2007)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Armin-Paul Hampel – Sammlung von Bildern

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Liste der Wahlbewerber zur Europawahl 2014. In: bundeswahlleiter.de. (PDF)
  2. Kurs auf Spitzenposition: Ersatz für Petry – Björn Höcke will AfD-Parteivorstand werden. In: Focus Online. 7. Oktober 2017.
  3. Armin Paul Hampel: AfD-Spitze entmachtet zerstrittenen Landesvorstand in Niedersachsen. In: Zeit Online. 19. Januar 2018, abgerufen am 20. Januar 2018.
  4. Saure Gurke: Gewinner. In: saure-gurke.info.
  5. Die indische Höllenfahrt. In: Der Spiegel. Nr. 1, 2006, S. 77 (online).
  6. Junge Freiheit: „Das hat mich erschüttert“, 21. März 2014
  7. AfD-Chef Niedersachsens. Hampels Sorge um die Heimat. In: haz.de. 6. Januar 2015, abgerufen am 1. Februar 2015.
  8. AfD Niedersachsen: Armin-Paul Hampel auf Platz 9 gewählt, 1. Februar 2014.Vorlage:Toter Link/!...nourl (Seite nicht mehr abrufbar)
  9. Klaus Wieschemeyer: Hampel wird AfD-Spitzenkandidat in Niedersachsen. In: noz.de. 4. Februar 2017, abgerufen am 22. April 2017.
  10. Dirk Müller: „Risikopotenzial wie in jeder anderen Partei“. In: Deutschlandfunk.de. 25. September 2017 (Interview).
  11. Justus Bender, Reinhard Bingener: Niederlage für AfD-Bundesvorstand. In: FAZ.NET. 28. November 2015.
  12. Stefan Niggemeier: Weniger Schwule, mehr glückliche Familien: Das AfD-Wunschprogramm für ARD und ZDF. In: uebermedien.de. 29. April 2016, abgerufen am 28. Mai 2018.
  13. Wie "rechts" ist Niedersachsens AfD-Chef Hampel? In: ndr.de. 2. April 2017.
  14. Streit in AfD Niedersachsen: „Er gebärdet sich zunehmend als Chef-Intrigant der AfD“. In: Welt Online. 23. April 2017.
  15. Matthias Kamann: Strafanzeige gegen AfD-Bundesvorstand Hampel aus eigenen Reihen. In: Welt Online. 2. September 2017.
  16. Matthias Kamann, Uwe Müller: Hausdurchsuchung bei AfD-Bundesvorstand Hampel. In: Welt Online. 9. Oktober 2017.
  17. Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungsverfahren gegen Hampel ein. In: Welt Online. 13. Oktober 2017.
  18. a b Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen gegen Paul Hampel ein. In: Spiegel Online. 13. Oktober 2017.
  19. AfD-Landeschef wertet Hausdurchsuchung als politische Kampagne. In: Welt Online. 10. Oktober 2017.
  20. AfD-Politiker Hampel verliert Chefposten. In: Spiegel Online. 7. April 2018.
  21. a b Andreas Waputta: Ex-Journalist bei der AfD: Der Heimatlose. In: taz.de. 24. Oktober 2015.
  22. Klaus Wallbaum: Landesvorsitzender Armin Paul: Der Mann, der die AfD retten möchte. In: haz.de. 29. Mai 2015.
  23. a b Melanie Amann, Matthias Gebauer: AfD-Landeschef Hampel: Ausgedient. In: Spiegel Online. 6. April 2018, abgerufen am 6. April 2018.