Armin Falk

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Armin Falk (* 18. Januar 1968 in Bergisch Gladbach) ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Falk studierte Volkswirtschaftslehre sowie Philosophie und Geschichte an der Universität Köln. 1998 promovierte er über das Thema Reciprocity and Wage Formation bei Ernst Fehr (Universität Zürich), wo er sich 2003 auch habilitierte.

Falk ist Professor für Volkswirtschaftslehre und Direktor des Behavior and Inequality Research Institute[1] (briq), des Centers for Economics and Neuroscience sowie des Labors für Experimentelle Wirtschaftsforschung an der Universität Bonn. Er ist externes wissenschaftliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft (und als solches Mitarbeiter des Max-Planck-Instituts zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern), Programmdirektor am Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA), Fellow des Centre for Economic Policy Research (CEPR), Fellow des Centers for Economic Studies (CESifo), Forschungsprofessor am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

Forschungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Forschung von Falk geht es, allgemein gesprochen, um eine bessere, empirische Fundierung des ökonomischen Verhaltensmodells. Während das traditionelle ökonomische Modell (Homo Oeconomicus) perfekte Rationalität und Eigennutz postuliert, zeigen die Arbeiten von Falk, dass das menschliche Verhalten in der Regel nur beschränkt rational ist und dass neben einer engen Eigennutzorientierung weitere Motive menschliches Verhalten relevant sind, v.a. soziale Präferenzen wie Fairness und Vertrauen.

Falks Forschung ist in hohem Maße interdisziplinär und nutzt Einsichten der experimentellen Wirtschaftsforschung, Sozialpsychologie, Genetik und den Neurowissenschaften. Methodisch stehen Feld- und Laborexperimente im Vordergrund, die durch neurowissenschaftliche Verfahren wie z.B. der funktionellen Magnetresonanztomografie ergänzt werden. Ein weiterer Schwerpunkt bildet die Analyse von repräsentativen Fragebogendaten.

Inhaltlich beschäftigt sich Falk vor allem mit zwei Bereichen, der Analyse von ökonomischen Präferenzen sowie mit psychologischen Aspekten des Arbeitsmarkts. Die Analyse von Präferenzen und Persönlichkeit ist von großer Bedeutung für die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, da jedem Modell Annahmen hierüber zu Grunde liegen. Im Vordergrund steht die Analyse von sozialen Präferenzen, sowie Zeit- und Risikopräferenzen, aber auch von Persönlichkeitsmerkmalen. Gefördert durch ERC Grants des Europäischen Forschungsrats werden u.a. die Verteilung von Präferenzen in der Bevölkerung sowie sozioökonomische Determinanten untersucht.[2] So hat Falk gemeinsam mit Koautoren in einer global repräsentativen Umfrage, dem "Global Preference Survey", Maße für Zeit- und Risikopräferenzen, Reziprozität, Altruismus und Vertrauen bei insgesamt 80000 Individuen in 76 Ländern erhoben und analysiert.[3] Darüber hinaus untersucht Falk in einer Langzeitstudie den Einfluss des Mentorenprogramms "Balu und Du" auf das prosoziale Verhalten von Grundschulkindern. Das kontrolliert randomisierte Studiendesign erlaubt es den Forschern dabei, Aussagen über die kausalen Wirkungszusammenhänge zu treffen, die zwischen einer solchen Bereicherung des sozialen Umfelds und dem Sozialverhalten der Kinder bestehen.[4] Die gesammelten Daten werden im "Bonn Intervention Panel" (BIP) zusammengefasst, das seit 2013 auch Bestandteil des "SOEP Innovation Sample" (SOEP-IS) ist.[5]

Ein zweiter wichtiger Arbeitsschwerpunkt von Falk betrifft psychologische Aspekte des Arbeitsmarkts (verhaltensorientierte Arbeitsmarktökonomik). Die Forschung zeigt, dass neben materiellen Aspekten, speziell am Arbeitsmarkt Themen wie soziale Präferenzen, sozialer Vergleich, Fairness, Vertrauen, soziale Anerkennung und intrinsische Motivation eine entscheidende Rolle spielen. Dies hat Auswirkungen auf die Arbeitsbeziehung, sowie die Funktionsweise von Organisationen und Arbeitsmärkten.

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften (Auswahl, nach Erscheinen geordnet)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit Steffen Altmann, Andreas Grunewald, David Huffman: Contractual Incompleteness, Unemployment, and Labor Market Segmentation. In: The Review of Economic Studies 81.1 (2014): S. 30–56.
  • mit Nora Szech: Morals and Markets. In: Science 340.6133 (2013): 707-711.
  • mit Thomas Dohmen, David Huffman, Uwe Sunde: The Intergenerational Transmission of Risk and Trust Attitudes. In: The Review of Economic Studies 79.2 (2012): S. 645–677.
  • mit Johannes Abeler, Lorenz Götte, David Huffman: Reference Points and Effort Provision. In: American Economic Review 101.2 (2011): S. 470–492.
  • mit Thomas Dohmen: Performance Pay and Multidimensional Sorting: Productivity, Preferences and Gender. In: American Economic Review 101.2 (2011): S. 556–590.
  • mit Thomas Dohmen, David Huffman, Uwe Sunde: Are Risk Aversion and Impatience Related to Cognitive Ability? In: American Economic Review, 100.3 (2010): S. 1238–1260.
  • mit James J. Heckman: Lab Experiments are a Major Source of Knowledge in the Social Sciences. In: Science 326 (2009): S. 535–538.
  • mit Bernd Weber, Antonio Rangel, Matthias Wibral: The Medial Prefrontal Cortex exhibits Money Illusion. In: Proceedings of the National Academy of Sciences PNAS, 106.13 (2009): S. 5025–5028.
  • mit Klaus Fließbach, Bernd Weber u.a.: Social Comparison Affects Reward-Related Brain Activity in the Human Ventral Striatum. In: Science 318.5854 (2007): S. 1305–1308.
  • Gift-Exchange in the Field. In: Econometrica 75.5 (2007): S. 1501–1511.
  • mit Ernst Fehr, Christian Zehnder: Fairness Perceptions and Reservation Wages: The Behavioral Effects of Minimum Wage Laws. In: Quarterly Journal of Economics 121.4 (2006): S. 1347–1381.
  • mit Ernst Fehr, Urs Fischbacher: Driving Forces Behind Informal Sanctions. In: Econometrica 7.6 (2005): S. 2017–2030.
  • mit Martin Brown, Ernst Fehr: Relational Contracts and the Nature of Market Interactions. In: Econometrica 72 (2004): S. 747–780.
  • mit Ernst Fehr: Wage Rigidities in a Competitive Incomplete Contract Market. In: Journal of Political Economy 107 (1999): S. 106–134.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Strategische Neuausrichtung des Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit (IZA). Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), abgerufen am 10. Februar 2016.
  2. Understanding Preferences: Measurement, Prevalence, Determinants and Consequence. Universität Bonn, abgerufen am 10. Februar 2016.
  3. The Nature and Predictive Power of Preferences: Global Evidence. IZA DP, abgerufen am 18. Februar 2016.
  4. Was bringt's? SROI-Analyse des Mentoring-Programms Balu und du. Balu und Du e.V., abgerufen am 18. Februar 2016.
  5. SOEP newsletter No. 95, Januar 2012. Das Sozio-oekonomische Panel, abgerufen am 18. Februar 2016.
  6. Ehrung für Professor Armin Falk. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 10. Februar 2016.
  7. Handelsblatt.com, 10. Mai 2011, Johannes Pennekamp: Armin Falk als Top-Ökonom ausgezeichnet (Zuletzt aufgerufen: 29. November 2015)
  8. Recipients of the Yrjö Jahnsson Award in Economics. Yrjö Jahnsson Foundation, abgerufen am 1. Februar 2016.
  9. Mitgliedseintrag von Prof. Dr. Armin Falk (mit Bild und CV) bei der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 5. Juli 2016.
  10. Gossen-Preis Preisträger. socialpolitik.org, abgerufen am 25. Dezember 2015.