Armin Wolf (Journalist)

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Armin Wolf (2011)

Armin Wolf (* 19. August 1966 in Innsbruck) ist ein österreichischer Journalist und Fernsehmoderator. Seit 2002 ist er Moderator des Nachrichtenmagazins ZiB 2 und seit 2010 zudem auch stellvertretender Chefredakteur der ORF-Fernseheninformation.

Leben und Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sohn eines Hausmeisters, Betriebsrats und Christgewerkschafters[1] und einer Lebensmittelverkäuferin absolvierte in Innsbruck eine kaufmännische Ausbildung an einer Handelsakademie. Dort unternahm er als Mitbegründer einer Schülerzeitung auch erste journalistische Gehversuche. Er war im Vorstand der Schülerunion und Mitglied der JVP, aus der er mit 18 Jahren allerdings austrat.[2] Seine JVP-Mitgliedschaft bezeichnete Wolf später als „Jugendsünde“.[3]

Unmittelbar nach der Matura begann Wolf 1985 im Tiroler Landesstudio des ORF als freier Mitarbeiter in der Hörfunk-Redaktion. 1988 übersiedelte er nach Wien zum Radiosender Ö1, wo er sieben Jahre lang als außenpolitischer Journalist tätig war (unter anderem 1991/92 als USA-Korrespondent in Washington, D.C.). 1995 wechselte er zum Fernsehen als ZiB 2-Redakteur, von 1998 bis 2001 war er Redaktionsleiter der ZiB 3, die er auch mitentwickelt hat.

Sein nebenberufliches Studium der Politikwissenschaft (mit einer Kombination aus Soziologie, Pädagogik, Zeitgeschichte und Medienkunde als Nebenfach) beendete Wolf im Jahr 2000 an der Universität Wien mit einer Magisterarbeit über die mediale Inszenierung von Politik. 2005 promovierte er an der Universität Innsbruck mit einer Dissertation über prominente Quereinsteiger in der Politik, die unter dem Titel Image-Politik veröffentlicht wurde. 2010 beendete er während einer neunmonatigen Bildungskarenz mit einem beantragten und bewilligten Stipendium[4] ein Executive-MBA-Studium an der Berlin School of Creative Leadership mit einer Arbeit über junge Publika und politische Information.[5] Er war in der Vergangenheit Lehrbeauftragter an den Universitäten Innsbruck und Wien und hielt dort Vorträge über Politische Kommunikation und Journalismus.[6][7]

Seit dem Sommer 2002 präsentiert Wolf die ZiB 2 (erst alternierend mit Ingrid Thurnher, später mit Marie-Claire Zimmermann und seit 2010 mit Lou Lorenz-Dittlbacher). Von 2002 bis 2005 moderierte er auch die Diskussionssendung Offen gesagt, 2005 und 2012 leitete er die traditionellen Sommergespräche mit den Vorsitzenden der Parlamentsparteien.

Journalistischer Stil und Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Armin Wolf ist vor allem für seine Live-Interviews mit Politikern bekannt, in denen er laut Süddeutsche Zeitung „mit bissigem Witz und inquisitorischer Fragetechnik die Hohlheiten der Politik abklopft“.[8] Die FAZ nannte ihn Anfang 2008 „die österreichische Personalunion von Claus Kleber und Tom Buhrow“.[9]

Wolf ist seit 2009 auf Twitter aktiv und hat dort eine große Anzahl von Followern. In einer Podiumsdiskussion zum Thema „Twitterpolitik“ im Jahr 2012 meinte Wolf unter anderem über Twitter: „Ein Redakteur, der keinen Twitter-Account hat und das nicht zumindest als Recherche-Quelle benutzt, ist so wie ein Journalist ohne Handy.“[10][11] Der Journalist Christian Ortner bezeichnete Wolf in seinem Blog Ortner Online ironisch als „spirituelles Oberhaupt der Wiener Twitteria“.[12]

Der Medienpsychologe Peter Vitouch, der für die SPÖ als stellvertretender Vorsitzende Mitglied im ORF-Publikumsrat ist, warf Wolf vor, „destruktiven Journalismus“ zu betreiben und mit Körpersprache und Stimmlage zu vermitteln, dass Politiker bei ihm unter „Generalverdacht“ stünden und schlechte Menschen wären.[13]

„Extradienst“-Herausgeber Christian W. Mucha warf Wolf „überheblichen Journalismus“ und „Parteilichkeit“ vor. Letztere entstehe auch dadurch, dass dieser seit Jahren selbst entscheide, wen er gut oder schlecht dastehen lasse.[14][15]

Der ehemalige Salzburger ORF-Studioleiter und designierte ORF2-Chef Roland Brunhofer warf seinem Sender in Bezug auf Wolf vor, spätabends „politisches Verhör“ zu betreiben.[16] Thomas Prantner, stellvertretender Direktor des ORF für Technik, Online und neue Medien, meinte gegenüber Profil, dass es „unzumutbar für einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk [sei], wenn das TV-Studio wie ein Verhörraum oder eine Anklagebank wirkt. Politiker müssen sich kritische Fragen gefallen lassen, es kommt aber immer auf Ton und Stil der Fragestellung an.“[17] Cathrin Kahlweit hingegen befand in der Süddeutschen Zeitung, dass Wolf ein „Aushängeschild“ für den ORF sei, dessen „straff geführten Interviews“ an „Journalistenschulen als vorbildliche Beispiele“ gelten. Die Kritik an ihm führte sie darauf zurück, dass er „bei den Parteien, die im ORF entscheidenden Einfluss haben, nachhaltig unbeliebt“ sei. Wolf frage „ihnen zu kritisch - und zu hartnäckig“. Brunhofer sei SPÖ-Mann, während Prantner der FPÖ seine Position zu verdanken habe. Der ORF-Redakteursrat stellte sich gegen Prantner und zeigte sich überrascht, dass sich „die Technische Redaktion für journalistische Inhalte zuständig fühle: "Wollen Sie ernsthaft einen Rückfall in die Zeiten, als Journalisten ihre Fragen erst bei Politikern einreichen mussten oder ihnen gar vorgeschrieben wurde, was gefragt werden musste?"“ [18] Auch die Neue Zürcher Zeitung sah Wolf als „Aushängeschild“ seines Senders und den Hintergrund der Kritik an ihm seitens SPÖ, FPÖ und ÖVP darin, dass diese Parteien den ORF verstärkt unter ihre Kontrolle bringen wollen.[19] Falter-Chefredakteur Armin Thurnher verteidigte Wolf in einem Kommentar: „Über Wolfs Stil lässt sich in der Tat streiten, und auch über die Rolle, die er als Austro-Titan der Social Media spielt, gewiss zum Ärger des stellvertetenden Online-Direktors. Bei all dem sollte aber auch außer Streit stehen, dass Wolf den ORF rettet, indem er exemplarisch tut, was ein demokratisches Publikum braucht: Er stellt Fragen, die den Mächtigen nicht angenehm sind. Und er macht etwas, das wesensmäßig gerade kein "Produkt" ist. Er macht guten Journalismus.“[20] Wolf selbst erklärte anlässlich der Verleihung des renommierten Axel-Corti-Preises die Kritik an seinem Stil mit dem Bestreben der im ORF-Stiftungsrat vertretenen Parteien, den ORF in ihrem Sinne umzugestalten und meinte dazu: „Es müssen nämlich nicht Politiker und Parteien mit dem ORF zufrieden sein, sondern unser Publikum muss zufrieden sein“.[21]

Kontroversen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Interview mit Susanne Winter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Nationalratsabgeordnete Susanne Winter war im November 2015 wegen ihrer ausdrücklichen Zustimmung zu einer antisemitischen Aussage auf Facebook, dass „zionistische Geldjuden“ an der Flüchtlingskrise schuld seien, von der FPÖ ausgeschlossen worden. Danach war sie bei Wolf im ZIB 2-Studio zu Gast, der sie mit dieser und weiteren Aussagen ihrer Facebookseite konfrontierte und aufforderte, ihr Mandat im Parlament niederzulegen.[22] Wolf erhielt für den Stil des Interviews viel Zustimmung, jedoch gab es auch Kritik. Die SPÖ-Nationalratsabgeordnete Daniela Holzinger bezeichnete Winters Posting zwar als „inakzeptabel, rassistisch und zum Schämen“, kritisierte aber die Interviewführung als „niveaulos“ und von „neutralem Journalismus“ könne keine Rede sein. Der ehemalige Grünen-Europaabgeordnete Johannes Voggenhuber bezeichnete das Interview als „Lynchjustiz“ und „lustvoll inszenierte mediale Hinrichtung“. Wolf verwahrte sich gegen Voggenhubers Vorwürfe und warf ihm vor, „eigene Fakten“ über das Interview zu verbreiten. So habe Wolf keineswegs, wie von Voggenhuber behauptet, Winter als „Schmarotzerin“ tituliert. Unterstützung erhielt Wolf vom ZiB-Redakteursvertreter Dieter Bornemann: Journalisten hätten nicht die Aufgabe, bei Interviews nur Stichwortgeber zu sein, außerdem seien kritische und auch harte Fragen selbstverständlich erlaubt.[23][24][25][26]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Armin Wolf lebt mit seiner Frau Euke Frank, der Chefredakteurin der Zeitschrift Woman, und ihren beiden Kindern in Wien. Von 2001 bis 2004 war er mit der ORF-Moderatorin Birgit Fenderl verheiratet. Sein Urgroßvater war der Bergsteiger und Kirchenrechtler Viktor Wolf von Glanvell.[27]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hoch hinaus - Artikel im Falter 11/2003 vom 12. März 2003 (Memento vom 21. Juni 2012 im Internet Archive)
  2. Armin Wolf - Munzinger Biographie. Abgerufen am 8. November 2015.
  3. Kein Befreiungsschlag, aber eine Atempause, Kurier, 4. September 2012. Abgerufen am 6. September 2012.
  4. ZIB 2-Moderator Wolf im Interview trend.at, abgerufen am 10. April 2017
  5. "Young Audiences, Mass Media, and Political Information" - MBA-Thesis von Armin Wolf (PDF; 1,7 MB)
  6. Interview mit Armin Wolf, auf uibk.ac.at, abgerufen am 8. November 2015
  7. Armin Wolf übernimmt die Theodor Herzl-Dozentur für Journalismus 2012, auf univie.ac.at, abgerufen am 16. Juni 2015
  8. Süddeutsche Zeitung, 31. Jänner 2008: Wiener Opernball: Zuckersüßes Österreich
  9. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. Jänner 2008: In medias res (Feuilleton)
  10. Armin Wolf zur "Twitteria": "Ich grüße mein Volk" diepresse.com, abgerufen am 10. April 2017
  11. "Armin Wolf's first tweet" (Memento vom 19. Juli 2009 im Internet Archive)
  12. Was stört die Linken eigentlich an Donald T.? ortneronline.at, abgerufen am 25. Mai 2017
  13. ORF-Publikumsrat zu Armin Wolf: "Eine brutale Mimose" Salzburger Nachrichten, abgerufen am 24. Mai 2017
  14. Christian W. Mucha: Beim ORF fliegen die Fetzen. Und die Hackeln. Die Werfer treten aus der Deckung, in: extradienst.at, abgerufen am 22. Mai 2017
  15. Christian W. Mucha: Im Mediengeschäft haben die Trickser immer Saison, in: extradienst.at, abgerufen am 22. Mai 2017
  16. ORF-Landeschef wirft Journalisten "Politikerverarschung" vor derstandard, abgerufen am 24. Mai 2017
  17. ORF-Online-Chef Prantner: "TV-Studio ist keine Anklagebank" profil.at, abgerufen am 24. Mai 2017
  18. Cathrin Kahlweit: Er fragt - zu kritisch, zu hartnäckig, Süddeutsche Zeitung vom 24. April 2017
  19. Meret Baumann: Angriff auf den ORF - Hartnäckige Interviews unerwünscht, Neue Zürcher Zeitung vom 29. April 2017
  20. https://www.falter.at/archiv/FALTER_2017050388A62473F5/armin-wolf-und-die-zynische-vernunft-wer-oder-was-den-orf-wirklich-rettet
  21. Axel-Corti-Preis: Dankesrede von Armin Wolf, NDR, abgerufen am 4. Juli 2017
  22. Salzburg24, 4. November 2015: Nach FPÖ-Ausschluss: Winter liefert sich Wortgefecht mit Armin Wolf
  23. Winter in der „ZiB 2“: Voggenhuber und Holzinger kritisieren Wolf. In: Der Standard, 6. November 2015.
  24. Voggenhuber kritisiert die „Lynchjustiz“ von Armin Wolf. In: DiePresse.com, 6. November 2015.
  25. Susanne Winter bei Armin Wolf in der ZIB2 #transkript. Auf: neuwal, 4. November 2015.
  26. "Lynchjustiz": ZiB-Redakteure verteidigen Wolf, Kurier vom 6. November 2015
  27. Thomas Hanifle: Interview mit Armin Wolf: „Ich mache nichts Besonderes“. In: Barfuss. Das Südtiroler Onlinemagazin. 19. August 2014, abgerufen am 19. August 2014 (deutsch).
  28. Pressemitteilung der Universität Innsbruck vom 23. Juni 2008
  29. Hajo Seppelt erhält Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis 2016 – Sonderpreis für ORF-Nachrichtenmoderator Armin Wolf. presse.wdr.de, 25. April 2016, abgerufen am 25. April 2016.
  30. netzwerk recherche: Leuchtturm 2017 für Armin Wolf - netzwerk recherche. In: netzwerk recherche. 23. Mai 2017 (netzwerkrecherche.org [abgerufen am 13. Juli 2017]).
  31. derStandard.at: Armin Wolf erhält den Axel-Corti-Preis. Artikel vom 4. April 2017, abgerufen am 5. April 2017.
  32. Österreichisches Jahrbuch für Politik 2004, S. 619–668: Prominente Quereinsteiger als Testimonials der Politik. Abgerufen am 14. Januar 2014.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Armin Wolf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien