Armin Wolf (Historiker)

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Armin Wolf (* 12. Mai 1935 in Berlin) ist ein deutscher Mittelalterhistoriker. Er hat weitreichende Hypothesen zur Genealogie von Herrschergeschlechtern und zur Entstehung des Kurfürstenkollegiums aufgestellt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er studierte nach dem Abitur in Frankfurt am Main ab 1955 in Tübingen, Frankfurt und Hamburg und promovierte 1961 zum Dr. phil. bei Otto Brunner. Danach war er wissenschaftlicher Assistent mit Lehrauftrag in Tübingen (Leibniz-Kolleg). 1965 wurde er wissenschaftlicher Referent am Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte in Frankfurt am Main. 1974/5 war er als Stipendiat der Volkswagenstiftung am Deutschen Historischen Institut in Rom. 1983 war er Gastwissenschaftler an der University of Pennsylvania. 1985 habilitierte er sich und wurde Privatdozent für Mittelalterliche Geschichte und Historische Hilfswissenschaften an der Universität Heidelberg, wo er 1993 außerplanmäßiger Professor wurde. Er war 1987 Gastdozent an der University of British Columbia und 1992 an der Universität Kyoto. 2000 wurde er emeritiert. Danach war er bis 2006 Gastwissenschaftler am Max-Planck-Institut für Rechtsgeschichte.

Er beschäftigt sich mit mittelalterlicher Rechtsgeschichte, insbesondere dem Kurfürstenkollegium und den Königswahlen im Heiligen Römischen Reich, mit Genealogie und historischer Kartographie (zum Beispiel der Ebstorfer Weltkarte). Im Rahmen dessen entwickelte er seine nicht unumstrittene Theorie, dass sich im Hochmittelalter die Wählbarkeit zum deutschen König und das Wahlrecht der Reichsfürsten danach richtete, ob und wie der Betreffende von den Ottonen und deren Tochterstämmen abstammte.[1]

Über die Fachkreise hinaus erlangte er mit seinen Theorien zur Geographie der Odyssee[2] Bekanntheit.[3] Seit 2015 ist Wolf Ehrenbürger der kalabrischen Stadt Tiriolo.[4] Wolf vertritt die These, in Tiriolo – und nicht, wie traditionell angenommen, auf der griechischen Insel Korfu – habe sich der Königssitz der Phäaken befunden. Er begleitete die sechsteilige Fernseh-Dokumentation Auf den Spuren von Odysseus (ausgestrahlt bei 3sat) von Nina Mavis Brunner.[5]

1994 erhielt er die Bardeleben-Medaille[6] „für seine weiterführenden Forschungen zur Adelsgenealogie sowie insbesondere zur Frage des Königswähler und des Kurfürstenkollegs“.[7] Seit 1998 ist er Ehrenmitglied der Academie International de Genealogie. 1993 bis 2006 war er Vorstandsmitglied der Zentralstelle für Personen- und Familiengeschichte in Frankfurt-Höchst.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Ebstorfer Weltkarte als Denkmal eines mittelalterlichen Welt- und Geschichtsbildes. In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht. Bd. 8, 1957, S. 204–215.
  • Die Gesetze der Stadt Frankfurt am Main 1373–1509 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission der Stadt Frankfurt. Bd. 13). 1962 (Dissertation).
  • Gesetzgebung in Europa 1100–1500: Zur Entstehung der Territorialstaaten (= Helmut Coing (Hrsg.): Handbuch der Quellen und Literatur der neueren europäischen Privatrechtsgeschichte. Bd. 1). 2. Auflage. Beck, München 2006 (Habilitation 1985).
  • The Family of Dynasties in Medieval Europe: Dynasties, Kingdoms and Tochterstämme. In: Studies in Medieval and Renaissance History. Bd. 12, 1991, S. 183–260.
  • Herkunft der Grafen von Northeim aus dem Haus Luxemburg und der Mord an Ekkehard von Meißen 1002. In: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte. Bd. 69, 1997, S. 427–440.
  • Die Entstehung des Kurfürstenkollegs 1198–1298. Zur 700jährigen Wiederkehr der ersten Vereinigung der sieben Kurfürsten. Schulz-Kirchner, Idstein 1998, 2. Auflage 2000.
  • La Discendenza degli Svevi di Sicilia in Europa e la dominazione d´Italia fino all XIX secolo. Atti del 23. Congresso Internazionale di Scienze Genealogica e Araldica, Torino 1998 (= Pubblicazioni degli Archivi di Stato. Bd. 64). Rom 2000, S. 641–657.
  • Herausgeber: Königliche Tochterstämme, Königswähler und Kurfürsten (= Studien zur europäischen Rechtsgeschichte. Bd. 152). Klostermann, Frankfurt am Main 2002, darin ders.: Königswähler und Königliche Tochterstämme, S. 1–77.
  • Landgrafen von Thüringen ursprünglich „Franzosen“? In: Généalogie & Héraldique. Actes du 24e Congrès International des Sciences Généalogique & Héraldique, Besançon, 2.–7. Mai 2000 (= La Vie Généalogique No 29). Paris 2002, S. 387 und in: Genealogisches Jahrbuch. Bd. 41, 2001, S. 5–28.
  • Herausgeber und Kommentar: Die Goldene Bulle: König Wenzels Handschrift, Codex Vindobonensis 338 der Österreichischen Nationalbibliothek. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2003.
  • Homers Reise: auf den Spuren des Odysseus. Völlig überarbeitete Neuausgabe. Böhlau, Köln, Weimar, Wien 2009 (zuerst 1968 als Der Weg des Odysseus, mehrfach unter verschiedenen Titeln wiederaufgelegt).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Franz-Reiner Erkens: Rezension zu Königliche Tochterstämme, hrsg. von Armin Wolf, 2002, in: Zeitschrift für Rechtsgeschichte. Bd. 120, 2003, online bei Gerhard Köbler.
  2. Armin Wolf: Homers Reise: auf den Spuren des Odysseus. Völlig überarbeitete Neuausgabe. Böhlau, Köln, Weimar, Wien 2009 (Vorschau).
  3. Uwe Walter: Armin Wolf: Homers Reise. Seemannsgarn muss man aufzudröseln wissen. Besprechung. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18. Februar 2010; Fabio Flepp: Die Irrfahrt – wo war Odysseus eigentlich? In: SRF.ch, Reisegeschichten, abgerufen am 16. Januar 2016.
  4. Ehrung für Armin Wolf. Mitteilung. In: Max-Planck-Institut für Europäische Rechtsgeschichte. 21. Juli 2015.
  5. Sulamith Ehrensperger: Auf den Spuren von Odysseus: Folgen 1 - 6. In: 3sat, Reisegeschichten, 10. Dezember 2015.
  6. Eckart Henning: Genealogie und Rechtsgeschichte. Zur Verleihung der Bardeleben-Medaille an Armin Wolf. In: ders.: Auxilia Historica. Beiträge zu den Historischen Hilfswissenschaften und ihren Wechselbeziehungen. Neustadt an der Aisch 2000, S. 131–137 (zuvor bereits in: Genealogisches Jahrbuch. Bd. 35, 1995, S. 5–9).
  7. Prof. Dr. Armin Wolf. Kurzvita und Schriftenverzeichnis. In: Institut für Personengeschichte. Abgerufen am 16. Januar 2016.