Arminio (Pasquini)

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Operndaten
Originaltitel: Arminio
Form: Oper in drei Akten
Originalsprache: Italienisch
Musik: Johann Adolf Hasse
Libretto: Giovanni Claudio Pasquini
Literarische Vorlage: Antonio Salvi
Uraufführung: 7. Oktober 1745
Ort der Uraufführung: Opernhaus am Zwinger, Dresden
Ort und Zeit der Handlung: Germanien, 9 n. Chr
Personen
  • Varo (Publius Quinctilius Varus), Statthalter des Römischen Reiches in Germanien
  • Arminio (Arminius), Prinz und Anführer der Cherusker, verlobt mit und verliebt in Tusnelda
  • Segeste (Segestes), Prinz der Katter, Freund des Varus
  • Tusnelda (Thusnelda), Tochter des Segeste, verlobt mit und verliebt in Arminio
  • Segimiro (Segimires), Bruder der Tusnelda und Freund Arminios[1]
  • Marzia, Varos Schwester, liebt Segimiro
  • Tullo, Heerführer der Römer und Vertrauter Varos

Arminio ist ein Opern-Libretto in drei Akten von Giovanni Claudio Pasquini. Es wurde 1745 von Johann Adolf Hasse vertont.

Es ist nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Libretto von Antonio Salvi, das u. a. von Georg Friedrich Händel vertont wurde. Ebenfalls nicht zu verwechseln ist es mit Pasquinis Libretto Arminio in Germania, das 1741 von Giuseppe Scarlatti vertont wurde.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erster Akt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Anführer der Katter Segeste informiert seine Tochter Tusnelda und seinen Sohn Segimiro, dass er ein Bündnis mit den Römern geschlossen habe. Da Arminio als Anführer der Cherusker aber den Römern weiterhin Widerstand leiste, sollen seine Kinder sämtliche Verbindungen zu Arminio abbrechen, Tusnelda also ihre Verlobung und Segemiro seine Freundschaft mit Arminio lösen.

Da Tusnelda Arminio liebt und auch Segimiro sehr freundschaftliche Gefühle für Arminio empfindet, bringt sie diese väterliche Anweisung in einen für die Barockoper typischen Konflikt, wem zu folgen sei.

Varo nun will im Auftrag von Augustus sämtliche Germanen durch Hochzeit befrieden und verlangt von seiner (Varos) Schwester Marzia, dass sie Arminio heirate. Marzia aber ist ihrerseits schon in Segimiro verliebt.

Es kommt zu einem Treffen zwischen Varo und Arminio, bei dem Varo dem Cheruskerfürsten seinen, den römischen Vorschlag unterbreitet. Arminio aber lehnt diesen Vorschlag und jegliche Unterordnung unter die Römer ab. Varo warnt Arminio, dass dieses sein Beharren Folgen haben werde.

Segimiro setzt Arminio von dem väterlichen Entschluss in Kenntnis und löst seine Freundschaft sowie im Auftrag die Verlobung mit Tusnelda. Arminio gibt daraufhin seiner Trauer Ausdruck, auf Tusnelda verzichten zu müssen.

Tusnelda indes will sich umbringen und steht am Abgrund einer Klippe, als Arminio gerade noch rechtzeitig kommt, um ihren Selbstmord zu verhindern. Tusnelda versucht Arminio zu überreden, sie doch springen zu lassen. Stattdessen jedoch will Arminio nun mit ihr zusammen fliehen. Tusneldas Vater Segeste, wird Zeuge, wie Arminio diesen Plan vor Tusnelda ausbreitet und lässt daraufhin beide festnehmen und liefert Arminio an Varo aus.

Zweiter Akt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seiner Überführung in Varos Haus sucht Segimiro Arminio ihn dort auf und will ihm helfen zu fliehen. Dieser Plan wird jedoch entdeckt und Arminio ins Verlies gesteckt. Dort fürchtet er nunmehr um das Leben sowohl von Segimiro als auch von Tusnelda.

Marzia begibt sich zu Segeste und fleht ihn an, doch Mitleid mit seiner Tochter zu haben und Tusnelda freizulassen.

Zurück in Varos Haus, verlangt Varo von Marzia, dass sie noch am selben Abend Arminio heiraten solle, ansonsten werde der aufsässige Arminio umgebracht. Trotz Zögerns akzeptiert Marzia, da sie weiß, da ansonsten Varo seinen Entschluss umsetzen würde.

Segeste erhält den Auftrag, zusammen mit Marzia Arminio gut zuzureden und ihm zugleich den Ernst der Lage kundzutun. Segeste aber schickt an seiner Statt seinen Sohn (Segimiro) und Tusnelda. Segimiro sieht darin die Chance, Arminio zu befreien, sagt dies aber seiner Schwester nicht. Stattdessen fleht er sie an, sie müsse Arminio überreden, Varos Plan zuzustimmen und Marzia zu heiraten.

Schweren Herzens bittet Tusnelda Arminio, sein Leben zu retten und mit den Römern durch seine Heirat mit Marzia Frieden zu schließen. Arminio lehnt diesen Vorschlag brüsk ab und bekräftigt seine Liebe für und Treue zu Tusnelda.

In Trauer verabschiedet sich Tusnelda von Arminio und tritt ab. Kurz darauf betritt Segimiro in der Verkleidung eines römischen Soldaten das Gefängnis, nimmt Arminio die Ketten ab und dessen Platz ein. Arminio solle die römische Uniform anziehen und so unerkannt fliehen.

Dritter Akt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arminio findet Tusnelda und setzt sie davon in Kenntnis, dass er, dank ihres Bruders, in Freiheit sei. Tusnelda fleht ihn an zu fliehen, doch bevor er das tut, versichert Arminio ihr erneut seine unauslöschliche Liebe.

Marzia sucht ihren Bruder auf und bekennt ihm, im Beisein von Segimiros Vater, ihre Liebe zu Segimiro und erklärt den beiden, dass sie alle Konsequenzen tragen werde.

Tullo tritt hinzu und verlautbart, dass aufständische Truppen im Anmarsch seien. Varo schickt Wachen ins Verlies, Arminio zu holen, doch statt Arminio wird Segimiro heraufgeführt. Segeste gibt seinem Zorn ob des Verrats und Treuebruchs durch seinen Sohn Ausdruck und versucht Segimiro umzubringen, wird aber von Varo gestoppt.

Varo zieht in die Schlacht, um den Aufstand Arminios niederzuwerfen. Segeste bleibt zurück und lässt seine beiden Kinder erneut ins Verlies werfen. Beeindruckt vom Mut und der Standhaftigkeit der vermeintlichen Barbaren, schenkt Tullo Segimiro und Tusnelda die Freiheit.

Auf dem Schlachtfeld besiegt Arminio die Römer. Mit dem Schwert in der Hand droht Segeste daraufhin, Tusnelda zu umzubringen, aber Arminio gelingt es seine Geliebte zu befreien. Als Arminio dann aber das Schwert gegen ihren Vater erhebt, treten seine beiden Kinder ihm entgegen und verlangen von Arminio Segeste zu verschonen.

Von ihrer Tugend und Treue beeindruckt, lässt Arminio sein Schwert sinken. Segeste überkommt daraufhin Scham und er will sich mit seinen Kindern und auch mit Arminio versöhnen. Arminio seinerseits verkündet seinen Entschluss auch mit Varo Frieden zu schließen, wird aber in dem Moment von Tullo in Kenntnis gesetzt, dass Varo sich umgebracht habe.

Segimiro findet Marzia und entschuldigt sich bei ihr dafür, den Tod ihres Bruders mit verursacht zu haben. Am Ende sind alle Überlebenden versöhnt, bekommen, was sie schon die ganze Zeit wollen und besingen ihr Glück und danken den Göttern dafür. Im Schlusschor bringen sie auch zum Ausdrück, dass Tyrannen, die andere unterdrücken, von den Göttern zur Verantwortung gezogen werden.

Vertonung durch Johann Adolph Hasse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Premiere in Dresden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vertonung des Pasquinischen Arminio besorgte Johann Adolph Hasse in Dresden. Für Hasse, der schon 1730 für Mailand eine Oper Arminio (auf das Libretto von Antonio Salvi) geschrieben hatte, war dies die zweite Auseinandersetzung mit dem Thema. Die Premiere des Dresdner Arminio fand am 7. Oktober 1745 am Opernhaus am Zwinger statt.

Die Besetzung des Arminio von Hasse in Dresden:

Weitere mit der Dresdner Erstaufführung in Verbindung stehende Aufführungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hasses neuer Arminio auf das Libretto Pasquinis wurde ein großer Erfolg. Nach der Premiere im Oktober 1745 ließ Friedrich II. von Preußen im Dezember 1745 die Oper während der neuntägigen „Besatzung“ durch die preußische Armee am 19. Dezember 1745 wiederaufführen und veranlasste zwei Jahre später eine „mit besonderer Sorgfalt“[2] besorgte Wiederaufnahme der Oper an seinem Theater in Berlin. In Berlin sollte dieser Arminio dann 1777 und 1842 noch einmal zur Aufführung kommen.

1747 ließ Maria Theresia den Pasquinischen Arminio in der Vertonung von Hasse zu ihrem Geburtstag in Wien aufführen. Man kann darin, will man Opernaufführungen politisch deuten, auch eine Parteinahme der österreichischen Kaiserin für den Verbündeten Sachsen sehen.[3]:489–490

Ebenfalls 1747 kam Arminio unter dem deutschen Titel Hermann und Varus in Braunschweig zur Aufführung. Auch bei dieser handelte es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um eine Wiederaufnahme des Hasseschen Arminio aus Dresden.[4]

Wiederaufnahme in Dresden 1753 und Warschau 1761[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1753 erfolgte auch in Dresden eine Wiederaufnahme – in neuer Besetzung in den meisten Rollen, da inzwischen einige Sänger gegangen waren und neue Sänger gewonnen werden mussten. 1761 folgte eine vom sächsischen Kurfürst und König von Polen August III. initiierte Wiederaufführung der Fassung von 1753 in Warschau. (August III. war mit Ausbruch des Siebenjährigen Krieges 1756 nach Warschau geflüchtet und blieb dort bis zum Ende des Krieges 1763.)

Moderne Wiederaufführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für 2016 ist eine Wiederaufführung des Arminio von Hasse und Pasquini in Warschau mit dem Orkiestra Historyczna aus Katowice (Schlesien) geplant.[5]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der historische Segimires war Vater des Arminius.
  2. Moritz Fürstenau: Zur Geschichte der Musik und des Theaters am Hofe zu Dresden. Theil 2, Zur Geschichte der Musik und des Theaters am Hofe der Kurfürsten von Sachsen und Könige von Polen, Friedrich August I. (August II.) und Friedrich August II. (August III.). Kuntze, Dresden 1862, S. 241.
  3. Rudolf Hüls: Freiheitsbewusstsein durch Musik. Der Arminio als zeremonielle Polit-Oper in Lucca. In: Händel-Jahrbuch 2015. S. 479–510
  4. Dies geht aus der Untersuchung des Librettos durch Roland Dieter Schmidt-Hensel: La musica è del signor Hasse … Bd. 2, S. 126 hervor. Demnach ergeben sich diverse Ähnlichkeiten der Braunschweiger Aufführung mit derjenigen in Berlin 1746/47. Demnach ist nicht auszuschließen, dass die Übernahme direkt von dort erfolgte. Bei der Angabe in der Dokumentation bei Corago und, wohl darauf beruhend, bei Hüls (S. 490), es handele sich um ein Pasticcio mit Elementen des Librettos von Salvi und von Pasquini, handelt es sich wohl um einen Irrtum, zumal das voraussetzen würde, dass auch die Musik nachbearbeitet worden sein müsste. Die Oper ist aber im Libretto eindeutig als Oper Hasses ausgewiesen.
  5. Näheres dazu bei Hudební lahůdky (Musikalische Leckerbissen), den Produzenten der Oper.