Armjansk

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Armjansk
Армянськ
Wappen von Armjansk
Armjansk (Ukraine)
Armjansk
Armjansk
Basisdaten
Oblast: Autonome Republik Krim
Rajon: Kreisfreie Stadt
Höhe: 10 m
Fläche: 16,2 km²
Einwohner: 24.508 (2004)
Bevölkerungsdichte: 1.513 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 96012
Vorwahl: +380 6567
Geographische Lage: 46° 7′ N, 33° 41′ OKoordinaten: 46° 6′ 38″ N, 33° 41′ 27″ O
KOATUU: 111500000
Verwaltungsgliederung: 1 Stadt, 3 Dörfer
Bürgermeister: Walentyn Demidow
Adresse: вул. Сімферопольска 7
96012 м. Армянськ
Statistische Informationen
Armjansk (Krim)
Armjansk
Armjansk
i1

Armjansk (ukrainisch Армянськ; russisch Армянск, krimtatarisch Ermeni Bazar) ist eine Stadt in der Ukraine im Norden der Autonomen Republik Krim.

Panzerdenkmal im Ort

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Armjansk liegt im äußersten Norden der Halbinsel Krim in der Landenge von Perekop, 133 km nördlich von Simferopol. Nördlich der Stadt verläuft der Nord-Krim-Kanal. Zur Stadtgemeinde zählen auch die Dörfer Woloschyne (Волошине), Perekop (Перекоп) sowie Suworowe (Суворове).

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Armjansk hat eine Einwohnerzahl von 22.592.

Nach der Volkszählung von 2001 ist die Bevölkerung folgendermaßen gegliedert:[1]

Anzahl in Prozent
Russen 14 969 55,7
Ukrainer 9 722 36,2
Krimtataren 949 3,5
Weißrussen 299 1,1
Armenier 94 0,3
Tataren 87 0,3
Moldauer 85 0,3
Aserbaidschaner 82 0,3

Einwohnerentwicklung (für die Stadt)

  • 1926: 2.670
  • 1939: 3.975
  • 1970: 8.532
  • 1989: 24.833
  • 2001: 24.508
  • 2007: 22.922
  • 2011: 22.592

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Armjansk wurde zu Beginn des 18. Jahrhunderts durch griechische und armenische Händler, die aus Or Qapı (heute Perekop) stammten, gegründet und kam 1783 zum Russischen Kaiserreich. Der Ort trug bis 1921 auch den krimtatarischen Namen Ermeni Bazar (russisch Армянский Базар/Armjanskyj Basar), was „Armenischer Markt“ bedeutet. Im Russischen Reich gehörte Armjansk zum Gouvernement Taurien, das bis Oktober 1921 bestand. Nach der Oktoberrevolution war Armjansk Teil der ASSR der Krim innerhalb der Russischen SFSR.

Durch Beschluss[2] des Obersten Sowjets der UdSSR aus Anlass des 300. Jahrestags des Vertrags von Perejaslaw wurde Armjansk zusammen mit der Oblast Krim am 26. April 1954 an die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik angeschlossen. Von 1991 bis 2014 war Armjansk Teil der unabhängigen Ukraine. 1968 bekam Armjansk den Status einer Siedlung städtischen Typs, seit 1993 hat sie das Stadtrecht und steht unter Oblastverwaltung.

Seit der Besetzung und Annexion der Krim im Februar und März 2014 ist die Halbinsel de facto unter Kontrolle der Russischen Föderation, völkerrechtlich gehört die Krim weiterhin zur Ukraine.[3]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Größter Arbeitgeber der Stadt ist der Staatsbetrieb Кримський Титан („Krimski Titan“), welcher Titan(IV)-oxid (TiO2), Schwefelsäure und Düngemittel produziert. Dazu gibt es auch noch ein Stahlbetonwerk.

Chemieunfall[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im August 2018 kam es zu einem Chemieunfall mit massivem Austritt von Schwefelsäure aus der Titanfabrik „Krimski Titan“. Einwohner berichteten bereits im August über eine ungewöhnliche Luftverschmutzung und eine ölige Substanz, die sich auf Zäunen, Dächern und Autos ablagerte. Bäume verloren ihre Blätter und Pflanzen gingen ein. Den Berichten und Anzeichen zum Trotz dementierte die von Russland eingesetzte Regierung bis Anfang September, dass es Probleme gebe.[4][5] In nahegelegenen Krankenhäusern wurde eine große Zahl von Patienten mit Atemproblemen und chemischen Verbrennungen behandelt. Die russischen Behörden bestanden weiter darauf, dass der Kontakt mit den entwichenen chemischen Stoffen kein Gesundheitsrisiko darstelle. Im September unternahm Russland schließlich „vorbeugende Maßnahmen“ und evakuierte über 4.000 Kinder aus Armjansk.[6] Nach russischen Medienberichten wurden über 20.000 Menschen dem Schwefeldioxid ausgesetzt. Russische Behörden vermuten, dass die Fabrik nicht genug Wasser hatte, um den Schwefelsäurespeicher mit einer schützenden Wasserschicht zu bedecken und die Chemikalien zu binden. Moskau sieht die Wasserknappheit auf der Krim als Ursache.[7][8] Vor der Annexion erhielt die Krim bis zu 85 Prozent der benötigten Wasserlieferungen über den Nord-Krim-Kanal im Süden der Ukraine. Seit der russischen Besetzung 2014 übernimmt die Ukraine die Wasserversorgung der Krim nicht mehr.[9] Gemäß dem vierten Genfer Abkommen (Artikel 55 und 56) ist es Aufgabe der Besatzungsmacht, die besetzten Gebiete mit lebensnotwendigen Gütern wie Wasser zu versorgen.[10][11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Armjansk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Archivlink (Memento des Originals vom 10. April 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/sf.ukrstat.gov.ua
  2. The Transfer of the Crimea to the Ukraine (englisch)
  3. 71/205. Die Menschenrechtssituation in der Autonomen Republik Krim und der Stadt Sewastopol (Ukraine). Vereinte Nationen, Resolution der Generalversammlung, verabschiedet am 19. Dezember 2016.
  4. Krim: Tausende Menschen nach vertuschtem Chemieunglück evakuiert. In: Spiegel Online, 7. September 2018.
  5. Behörden vertuschten wochenlang Chemieunfall auf der Krim. In: N-tv, 6. September 2018.
  6. Russia evacuates children as Crimea town 'coated in rust'. In: BBC, 6. September 2018.
  7. 'When the humidity rises, your skin burns': Gas leak causes evacuations in Crimea as Russia and Ukraine trade blame. In: The Washington Post, 7. September 2018.
  8. Crimea: Mysterious chemical incident evokes memories of Chernobyl disaster. In: Deutsche Welle, 6. September 2018.
  9. J Kusznir: Russische Infrastrukturprojekte auf der Krim – eine Bestandsaufnahme. In: Ukraine-Analysen. Nr. 201, Mai 2018.
  10. The Law of the Belligerent Occupation. In LR Blank, GP Noone: International Law and Armed Conflict: Fundamental Principles and Contemporary Challenges in the Law of War (2. Ausgabe). Wolters Kluwer, New York 2019, ISBN 978-1-4548-8135-3, S. 204 ff.
  11. The northern Crimea is turning into new Chernobyl. In: Medium, 10. September 2018.