Arne Schimmer

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Arne Schimmer (2013)

Arne Wolfgang Schimmer (* 4. Juli 1973 in München) ist ein deutscher Ökonom und Politiker der rechtsextremen NPD. Er war von 2009 bis 2014 Mitglied des Sächsischen Landtages. Seit 2009 war Chefredakteur der mittlerweile eingestellten rechtsextremen NPD-nahen Zeitschrift Hier & Jetzt. Seit 2003 arbeitet er Inkognito für die Edition Antaios des neurechten Vordenkers Götz Kubitschek und seinem Institut für Staatspolitik in Schnellroda.[1]

Herkunft und Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schimmer absolvierte nach dem Abitur 1993 am Europa-Gymnasium in Wörth am Rhein ein Studium der Volkswirtschaftslehre an der Justus-Liebig-Universität Gießen und wurde dort Mitglied der Burschenschaft Dresdensia-Rugia zu Gießen. Heute ist er Alter Herr. Zuletzt im Verfassungsschutzbericht 2013 des Hessischen Innenministeriums wird die Burschenschaft als Verdachtsfall geführt.[2]

Nach dem Abschluss als Diplom-Ökonom 1999 war Schimmer zunächst von 2000 bis 2001 als Prüfungsassistent in einer Kanzlei in Frankfurt am Main tätig, danach war er bis 2003 Redakteur der Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen.

Gemeinsam mit Per Lennart Aae war er 2006 Urheber der Grundlagen einer nationaldemokratischen Volkswirtschaftslehre. In seine Überlegungen bezog er u.a. den Austrofaschisten Othmar Spann mit ein.[3]

Schimmer ist ledig.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schimmer trat noch während des Studiums 1998 in die rechtsextreme NPD ein, war von 1999 bis 2000 Mitglied im Bundesvorstand der NPD-Vorfeld- und Studentenorganisation Nationaldemokratischer Hochschulbund (NHB) und wurde 2007 in den Landesvorstand der NPD Sachsen gewählt. 2011 wurde er Mitglied des NPD-Bundesvorstandes.

Bei der Bundestagswahl 2013 kandidierte er erfolglos im Wahlkreis Vogtlandkreis (4,2 Prozent der Erststimmen).

Abgeordneter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2000/01 bei der Deutschen Stimme tätig,[4] kam er im Oktober 2004 als Mitarbeiter zur NPD-Fraktion in den Sächsischen Landtag. Es sei hier ein sich wiederholender fließender Wechsel zwischen Partei- und Zeitschriftetätigkeit zu beobachten.[5] Ab März 2005 war er als Parlamentarischer Berater der Partei für den Untersuchungsausschuss zur Sachsen LB und von April 2007 bis September 2009 als Pressesprecher tätig. Bei der Landtagswahl in Sachsen 2009 zog Schimmer, der im Wahlkreis Dresden 1 als Direktkandidat kandidierte (3,7 Prozent der Erststimmen), über die Landesliste in den 5. Sächsischen Landtag ein.[6] Er war Mitglied des Haushalts- und Finanzausschusses und ab 2012 eines von 19 Mitgliedern des 3. Untersuchungsausschusses („Neonazistische Terrornetzwerke in Sachsen“). Bei der Landtagswahl 2014 verpasste die NPD den erneuten Einzug in den Landtag.

In der Zeit als Abgeordneter hielt er laut Verfassungsschutz Mecklenburg-Vorpommern den verschwörungstheoretischen Vortrag „Vorsicht staatliche Brandstifter. Das NSU-Phantom und die Geheimdienste“ im „Nationalen Begegnungszentrum“ in Anklam.[7]

Publizistik und Lektorat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben seiner beruflichen Tätigkeit veröffentlichte Schimmer als freier Autor in weiteren rechtsextremen Zeitschriften u.a. im Presseorgan der NPD Deutsche Stimme und in der JN- bzw. NPD-nahen Zeitschrift Hier & Jetzt sowie in den Staatsbriefen und in Wir selbst. Als Redner trat er u.a. auf von Jungen Nationaldemokraten, „Freien Kräften“ und der Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland organisierten rechtsextremen Veranstaltungen zum Thema Wirtschaft auf.[8][9]

Bis 1999 schrieb er für die neurechte Wochenzeitung Junge Freiheit.[10] Von 2003 bis 2004 soll er Verlagslektor bei der Edition Antaios von Götz Kubitschek gewesen sein.[11] Laut Volker Weiß habe er auch später noch Kontakte zum neurechten Institut für Staatspolitik (IfS) gehabt.[12] Karlheinz Weißmann bezeichnete er 2006 in der DS als „produktivsten Vertreter dieses ,ideologischen Konservatismus'“.[10] Wie Kubitschek selbst einräumt, war Schimmer in der Vergangenheit Schulungsteilnehmer am IfS.[13]

Seit 2009 ist Schimmer Chefredakteur der JN-nahen Zeitschrift Hier & Jetzt, was als Teil der Intellektualisierungsbemühungen der NPD gewertet wird.[14] Nach Einschätzung von Helmut Kellershohn soll er dort für einen „modernen Nationalismus“ propagieren.[15]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Arne Schimmer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Neue Rechte und Medien Verdeckte Verbindungen, von Andreas Speit und Felix Krebs in TAZ 30. Januar 2017
  2. Hessisches Ministerium des Innern und für Sport (Hrsg.): Verfassungsschutzbericht 2013. Wiesbaden 2014, S. 111 f.
  3. Gideon Botsch, Christoph Kopke: Solidarity—No to Globalization. The Economic and Sociopolitical Platform of the National Democratic Party of Germany (NPD). Sabine von Mering, Timothy Wyman McCarty (Hrsg.): Right-Wing Radicalism Today. Perspectives from Europe and the US (= Extremism and Democracy). Routledge, New York 2013, ISBN 978-0-415-62723-8, S. 43.
  4. Christian Dornbusch: Vertritt die NPD die Interessen von Landwirten?. In: Fabian Virchow, Christian Dornbusch (Hrsg.): 88 Fragen und Antworten zur NPD. Weltanschauung, Strategie und Auftreten einer Rechtspartei – und was Demokraten dagegen tun können. Wochenschau Verlag, Schwalbach 2008, ISBN 978-3-89974-365-4, S. 167.
  5. Christoph Ruf, Olaf Sundermeyer: In der NPD. Reisen in die National Befreite Zone (= Beck'sche Reihe. 1900). Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-58585-2, S. 78.
  6. Bundesministerium des Inneren (Hrsg.): Verfassungsschutzbericht 2009. Berlin 2010, S. 93 f.
  7. Ministerium für Inneres und Sport Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.): Verfassungsschutzbericht 2013. 2. Auflage, Schwerin 2014, S. 20.
  8. Ministerium des Innern des Landes Brandenburg (Hrsg.): Verfassungsschutzbericht 2011. Potsdam 2012, S. 86.
  9. Ministerium für Inneres und Sport Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.): Verfassungsschutzbericht 2010. Magdeburg 2011, S. 59.
  10. a b Christian Dornbusch: Sind die Jungen Nationaldemokraten die „revolutionäre Speerspitze“ der NPD?. In: Fabian Virchow, Christian Dornbusch (Hrsg.): 88 Fragen und Antworten zur NPD. Weltanschauung, Strategie und Auftreten einer Rechtspartei – und was Demokraten dagegen tun können. Wochenschau Verlag, Schwalbach 2008, ISBN 978-3-89974-365-4, S. 91.
  11. Mathias Brodkorb, Stefan Bruhn: Zeitschriftenporträt: Hier & Jetzt. In: Uwe Backes, Alexander Gallus, Eckhard Jesse (Hrsg.): Jahrbuch Extremismus & Demokratie, 22. Jahrgang (2010), Nomos, Baden-Baden 2011, ISBN 978-3-8329-6050-6, S. 249.
  12. Volker Weiß: Die „Konservative Revolution“. Geistiger Erinnerungsort der „Neuen Rechten“. In: Martin Langebach, Michael Sturm (Hrsg.): Erinnerungsorte der extremen Rechten (= Edition Rechtsextremismus. 101). Springer VS, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-658-00130-8, S. 114.
  13. Michael Bartsch, Andreas Speit: Entmietung des deutschen Geistes. In: taz, 13. August 2013, S. 7.
  14. Bundesministerium des Inneren (Hrsg.): Verfassungsschutzbericht 2009. Berlin 2010, S. 120.
  15. Helmut Kellershohn: Widerstand und Provokation. Strategische Optionen im Umkreis des „Instituts für Staatspolitik“. In: Stephan Braun, Alexander Geisler, Martin Gerster (Hrsg.): Strategien der extremen Rechten. Hintergründe - Analysen - Antworten. VS Verlag für Sozialwissenschaften, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-531-15911-9, S. 262 f.