Arno Brandlhuber

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Arno Brandlhuber (* 15. Mai 1964 in Wasserlos[1]) ist ein in Berlin ansässiger deutscher Architekt und Hochschullehrer. Er führt seit 2006 die kollaborative Praxis Brandlhuber+. Seine Arbeit umfasst Architektur- und Forschungsprojekte, Ausstellungen und Publikationen sowie politische Interventionen. Neben seiner Forschungsarbeit zur Raumproduktion der Berliner Republik beschäftigt er sich mit Aspekten der Legislative in der Architektur- und Stadtproduktion. Gemeinsam mit dem Künstler und Film-Regisseur Christopher Roth entstanden dazu die Filme Legislating Architecture[2] (2016) und The Property Drama[3] (2017). Seit 2017 ist Arno Brandlhuber Professor für Entwurf und Architektur an der ETH Zürich. Dort lehrt und forscht er im Bereich Neue Medien und Technologien, als Argumente zukünftiger Architekturen.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Studium der Architektur an der Technischen Hochschule Darmstadt und der Accademia del Arte in Florenz[4] trat Brandlhuber zunächst in Projektpartnerschaft mit Zamp Kelp und Julius Krauss auf. Es folgte eine langjährige Partnerschaft mit Bernd Kniess unter dem Namen b&k+, ehe Brandlhuber unter dem Namen Brandlhuber+ begann, in offenen, wechselnden Projektpartnerschaften zu arbeiten. Seit 2003 ist er Inhaber des Lehrstuhls für Architektur- und Stadtforschung an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg.[5] Zusammen mit Anna-Catharina Gebbers, Silvan Linden und Christian Posthofen ist Arno Brandlhuber Initiator des Veranstaltungsformats Akademie c/o in Berlin, einem Ableger des gleichnamigen, von Brandlhuber geleiteten Studiengangs in Nürnberg. Bei Vorträgen und in öffentlichen Seminaren beschäftigt sich Akademie c/o, nach deren Verständnis Architektur das „Ordnen von sozialen Beziehungen durch Gebautes“ ist, in erster Linie mit der „Raumproduktion der Berliner Republik“.[6]

Im Jahr 2006 gründete Brandlhuber sein eigenes Atelier, erwarb ein Baugrundstück in Berlin-Mitte (Brunnenstraße 9) und errichtete dort ein selbstgenutztes Atelier- und Galeriehaus. In Berlin beschäftigt er sich seit den 2010er Jahren intensiv mit einem 1977 entstandenen Stadtmodell, genannt Das grüne Archipel – Die Stadt in der Stadt. Dabei geht es um die Erhaltung der Heterogenität ebenso wie um kostengünstiges Bauen mit möglichst geringen Mieten für die Nutzer. Das Ergebnis war in drei neuen Ausstellungen ab September 2012 zu sehen.[7]

2013 legte der deutsch-französische Architekt Florian Hertweck zusammen mit Sébastian Marot eine ausführliche Publikation zum Grünen Archipel vor, in der u. a. das ursprüngliche Mainfest von Oswald Mathias Ungers und eine frühere Version von Rem Koolhaas wiederveröffentlicht wurden. Es führte zu einer Zusammenarbeit Brandlhubers mit Hertweck und dem Münchner Grafiker Thomas Mayfried. Zusammen mit den Studierenden des Masterstudiengangs für Architektur- und Stadtforschung an der AdBK Nürnberg und zahlreichen externen Gästen (u. a. Léon, Rob Krier, Thomas Sieverts, Hans Stimmann und Hans-Jochen Vogel) entstand die 672 Seiten starke Publikation The Dialogic City – Berlin wird Berlin, die zum Kernstück der im September 2015 eröffneten gleichnamigen Ausstellung in der Berlinischen Galerie wurde. Der Titel versteht sich als Aufforderung zum dialogischen Handeln in der Stadt, dazu historisch tief verankerte und scheinbar unüberbrückbare Gegensätze zu überbrücken, mit Berlin als extrem antagonistisch geprägter Stadt als Verhandlungsgegenstand.[8]

Kurator Alejandro Aravena lud Arno Brandlhuber zur 15. Architekturbiennale 2016 in Venedig ein, um einen Beitrag für den Central Pavillon beizusteuern. Zusammen mit dem Regisseur und Künstler Christopher Roth entstand dafür der Film Legislating Architecture. Mit Nikolaus Kuhnert und Anh-Linh Ngo von ARCH+ konzipierten Arno Brandlhuber und Tobias Hönig als Co-Redakteure darüber hinaus das gleichnamige englischsprachige Sonderheft der Architekturzeitschrift.[9]

2017 hatte Brandhuber einen Auftritt im ARD-Kulturmagazin ttt - titel thesen temperamente.[10]

Projekte (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neanderthal-Museum

Viele nach Plänen von Brandlhuber errichtete Bauten werden von Architekturkritikern dem Stil des Brutalismus zugeordnet, der seit dem beginnenden 21. Jahrhundert eine Wiedergeburt erlebt.[11]

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1997 Architekturpreis Beton (Neanderthal)
  • 1997 BDA Auszeichnung (Neanderthal)
  • 1998 Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen
  • 1998 Architekturpreis für vorbildliche Gewerbebauten (<2,56m)
  • 1998 Architekturpreis Nordrhein-Westfalen (Neanderthal)
  • 2000 Kölner Architekturpreis (<2,56m)
  • 2000 Kölner Architekturpreis (Kölner Brett)
  • 2000 Kölner Architekturpreis (Geisselstraße)
  • 2000 Wüstenrot Preis, Auszeichnung (Kölner Brett)
  • 2000 Prix Rhenan, Auszeichnung (Geisselstraße)
  • 2000 Architekturpreis Zukunft Wohnen (Kölner Brett)
  • 2000 Architekturpreis Zukunft Wohnen, Auszeichnung (Geisselstraße)
  • 2001 Deutscher Architekturpreis, Anerkennung (Geisselstraße)
  • 2001 Architekturpreis Nordrhein-Westfalen (Geisselstraße)
  • 2002 Deutscher Bauherrenpreis (BDA/DST/GdW) (Stavenhof)
  • 2001 Coredesignpreis Schweden (<2,56m)
  • 2002 Belmont Preis
  • 2003 Kölner Architekturpreis (Stavenhof)
  • 2004 Preis des deutschen Stahlbaues (Dönges I)
  • 2005 Auszeichnung vorbildlicher Bauten des Landes NRW (Dönges I)
  • 2006 Baulückenpreis der AKNW (Stavenhof)
  • 2006 Kölner Architekturpreis, Anerkennung (standard+)
  • 2006 Architekturpreis für vorbildliche Gewerbebauten, Hypo Real Estate Stiftung München (standard+)[13]
  • 2007 Architekturpreis der Stadt Kopenhagen (Crystal)
  • 2010 Architekturpreis Farbe-Struktur-Oberfläche (Brunnenstraße)
  • 2011 Deutscher Bauherrenpreis (Brunnenstraße)
  • 2011 Anerkennung Deutscher Architekturpreis (Brunnenstraße)
  • 2012 BDA-Preis Berlin (Brunnenstraße)
  • 2015 Deutscher Architekturpreis, Anerkennung (Antivilla)
  • 2015 Brandenburgischer Baukulturpreis, Sonderpreis (Antivilla)
  • 2015 Deutscher Bauherrenpreis, Besondere Anerkennung Modernisierung (Antivilla)
  • 2016 Architekturpreis Berlin (St. Agnes)

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1998 Neanderthal Museum, Architekturforum Aedes, Berlin
  • 1999 in vitro landscape, Weißenhofgalerie, Stuttgart
  • 2000 heilige-drei-koenige.de, Museum für Angewandte Kunst, Köln
  • 2001 ArchiLab 3, Orléans, Frankreich
  • 2002 ArchiLab 4, Orlèans, Frankreich
  • 2002 New Trends of Architecture in Europe and Japan, Hillside Terrace, Tokyo, Japan
  • 2002 Neue Deutsche Architektur – eine reflexive Moderne, Martin Gropius Bau, Berlin
  • 2003 bühne 3, Kunstverein, Hamburg
  • 2004 26a bienal de sao paulo, Beitrag zum deutschen Pavillon mit Thomas Demand, Sao Paulo, Brasilien
  • 2004 Deutschlandschaft, Beitrag der Bundesrepublik Deutschland zur 9. Architekturbiennale Venedig
  • 2005 b&k+ architecten, deSingel, Antwerpen, Belgien
  • 2005 Art and Architecture in Collaboration, Box 2.0, Kopenhagen, Dänemark

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arno Brandlhuber, Zamp Kelp, Julius Krauss: Neanderthal Museum für die Entwicklungsgeschichte des Menschen, Aedes, Berlin 1996.
  • b&k+ (Hrsg.): In Vitro Landscape. Edition Weißenhofgalerie, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 1999, ISBN 3-88375-387-4.
  • b&k+, Bergische Universität GH Wuppertal, Akademie der Stadt Sindelfingen (Hrsg.): Political Landscape. Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2001, ISBN 3-88375-484-6.
  • Bart Lootsma, Marc Räder: b&k+ Brandlhuber & Kniess +. Index Architecture. Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2003, ISBN 3-88375-568-0.
  • Helmut Friedel (Hrsg.): Thomas Demand. b&k+.Der Beitrag der Bundesrepublik Deutschland zur 26a Bienal de São Paulo. Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2004, ISBN 3-88375-876-0.
  • Martin Burkhardt: Brandlhuber. Eine Fiktion. deSingel/ Verlag der Buchhandlung Walther König, Antwerpen/ Köln 2005, ISBN 3-88375-927-9.
  • Arno Brandlhuber, a42.org (Hrsg.): Disko 1–4. Akademie der Bildenden Künste, Nürnberg 2006, ISSN 1862-1562.
  • Arno Brandlhuber, a42.org (Hrsg.): Disko 5–7. Akademie der Bildenden Künste, Nürnberg 2007, ISSN 1862-1562.
  • Arno Brandlhuber, a42.org (Hrsg.): Disko 8–11. Akademie der Bildenden Künste, Nürnberg 2008, ISSN 1862-1562.
  • Arno Brandlhuber, a42.org (Hrsg.): Disko 12–15. Akademie der Bildenden Künste, Nürnberg 2008–2009, ISSN 1862-1562.
  • Markus Emde, Chrissie Muhr (Hrsg.): 0119. Brandlhuber b&k+ 1992–2008. Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2009, ISBN 978-3-86560-570-2.
  • Arno Brandlhuber, Silvan Linden (Hrsg.): Disko 16–19. Akademie der Bildenden Künste, Nürnberg 2010–2011, ISSN 1862-1562.
  • Arno Brandlhuber, Silvan Linden (Hrsg.): Disko 20–25. Akademie der Bildenden Künste, Nürnberg 2011, ISSN 1862-1562.
  • Neuer Berliner Kunstverein, Marius Babias (Hrsg.): Brandlhuber+. Von der Stadt der Teile zur Stadt der Teilhabe. Berliner Projekte. Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2013, ISBN 978-3-86335-259-2.
  • Arno Brandlhuber, Florian Hertweck, Thomas Mayfried (Hrsg.): The Dialogic City – Berlin wird Berlin. Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2015, ISBN 978-3-86335-825-9.
  • Arno Brandlhuber, Christopher Roth, Antonia Steger (Hrsg.): Legislating Architecture Schweiz. Edition Patrick Frey, Zürich 2016, ISBN 978-3-906803-14-2.
  • Arno Brandlhuber, Nikolaus Kuhnert, Anh-Linh Ngo, Tobias Hönig (Hrsg.): ARCH+: Legislating Architecture. ARCH+ Verlag, Aachen 2016, ISBN 978-3-931435-34-9.
  • Arno Brandlhuber, Anh-Linh Ngo, Olaf Grawert (station+, DARCH, ETH Zürich) (Hrsg.): ARCH+: The Property Issue. Von der Bodenfrage und neuen Gemeingütern. ARCH+ Verlag, Aachen 2018, ISBN 978-3-931435-45-5.

Literatur (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Axel Drieschner: Neanderthal Museum, Mettmann. in: DAM Architektur Jahrbuch 997, Deutsches Architektur Museum, Frankfurt am Main, München 1997, S. 136-141.
  • Falk Jaeger: Fiktiv und doch reel. Ein Stadthaus von Arno Brandlhuber in Berlin bricht mit allen Regeln. in: Werk, Bauen, Wohnen, Nr. 6, Juni 2010, S.14-21.
  • Frank Barkow: Galerie- und Ateliergebäude Brunnenstraße 9. in: Deutsches Architektur Jahrbuch / German Architecture Annual 2010/2011, München 2010, S.48-53.
  • Alexander Koch: Option Lots. Eine Recherche von Brandlhuber+. in: ARCH+, Nr. 201/202, März 2011, S.106.
  • Nikolaus Kuhnert, Anh-Linh Ngo: Die Architektur der differenziert temperierten Umwelt. Das Projekt 'Antivilla' von Brandlhuber+. in: ARCH+, Nr. 208, August 2012, S. 170-175.
  • Dirk Meyhöfer: Hybrid, einfach und dennoch überraschend bauen! Arno Brandlhuber, Berlin. in: Ungewöhnlich wohnen! Bremer Perspektiven, Berlin 2012, S.42-49.
  • Christian Posthofen, Arno Brandlhuber: Ordering Social Relations. Ideology and Collectivity in the Case of Pyongyang, in: Collectivize! Essays on the Political Economy of Urban Form, Vol. 2, Berlin 2012, S. 96-119.
  • Kristien Ring: Galerie- und Ateliergebäude Brunnenstrasse 9, in: Selfmade City. Berlin: Stadtgestaltung und Wohnprojekte in Eigeninitiative, Berlin 2013, S. 92-93.
  • Nils Ballhausen: Brunnenstrasse 9, in: Wo Architekten arbeiten - Where Architects Work, Basel 2013, S.95-97.
  • Thordis Arrhenius: As if Alteration, in: Harvard Design Magazine, Nr. 37, 2014, S. 108-111.
  • Niklas Maak: Arno Brandlhuber's Thinking Model for a New 21st Century Architecture, in: 032c, Nr. 28: What we believe, Berlin 2015, S.200-209.
  • Florian Heilmeyer: A 1973 French cult film prompts Arno Brandlhuber to knock holes in his German holiday home, in: Mark, Nr. 55, 2015, S.82-91.
  • Till Briegleb: Arm, aber sexy, in: brand eins, Jahrgang 17, Nr.09: die beste Lösung, Schwerpunkt Pragmatismus, 2015, S. 30-35.
  • Arnold Bartetzky: Der Bestand bestimmt das Bewusstsein, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), Nr. 55, 05.03.2016, S.12.
  • Verena Hartbaum: Architektur muss ideologischer werden, in: Germania, Venezia - die deutschen Beiträge zur Architekturbiennale Venedig seit 1991, Eine Orale History, Paderborn 2016, S. 166.172.
  • Katja Pfeiffer: Kunstgalerie in Berlin, in: DETAIL, 01.2017: Umnutzung, Ergänzung, Sanierung, S.32-35.
  • Nina Greve: Betondach mit Tragkraft, in: DBZ Deutsche BauZeitschrift, 02.2017: Beton, S.42-47.
  • Antje Stahl: Dieser Architekt probt den Aufstand, in: Neue Zürcher Zeitung (NZZ), 05.09.2017.
  • Niklas Maak: Rebellen ohne Baugrund, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), 08.11.2017.
  • Christoph Ramisch: Freiheit durch Bindung, in: Archithese: Vom Case Study House zur Antivilla, 2017.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Arno Brandlhuber. In: archINFORM.
  2. Legislating Architecture
  3. The Property Drama
  4. Projekt: Epizentren der Peripherie – Deutschlandschaft unter Schirmherrschaft des BMVBW, abgerufen am 15. Juli 2012.
  5. academie c/o: Nomadisches Masterprogramm/Öffentliches Seminarprogramm/Publikationen.
  6. Akademie c/o
  7. Kito Nedo: Berlin entmachtet sich. Der Architekt Arno Brandlhuber über die fatale Bereitschaft der Stadt, ihre Grundstücke zu verkaufen. In: Berliner Zeitung. 12. Juli 2012, S. 24 (berliner-zeitung.de – Interview, Datum Print 13. Juli 2012).
  8. The Dialogic City — Berlin wird Berlin. In: cargocollective.com. Abgerufen am 12. August 2016.
  9. ARCH+: Kiosk » English Publications » Legislating Architecture, English Version. In: archplus. Abgerufen am 12. August 2016.
  10. Brandhuber in youtube.com
  11. Nikolaus Bernau: Versprechen aus Beton. Drei Jahrzehnte verachtet, jetzt gefeiert: Der Brutalismus erlebt aus vielen Gründen eine Rehabilitation. In: Berliner Zeitung, 4. Januar 2018, S. 23.
  12. Drei Berliner Architektenbüros sind an der Planung des Areals am Tacheles beteiligt : pwr development Berlin. In: www.pwrdevelopment.com. Abgerufen am 12. September 2016.
  13. Architekturpreis 2006 (Memento vom 27. April 2007 im Internet Archive)