Arno Widmann

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Arno Widmann (* 8. August[1] 1946 in Frankfurt am Main) ist ein deutscher Journalist und Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arno Widmann studierte Philosophie an der Universität Frankfurt. Im Jahre 1979 war er Mitbegründer der tageszeitung (taz). Dort arbeitete er als Literatur- und zeitweilig auch als Chefredakteur. Später wurde er stellvertretender Chefredakteur der deutschen Vogue. Es folgten Posten als Feuilletonchef der Zeit und als Leitender Redakteur der Berliner Zeitung; dort betreute er vor allem die Meinungsseite. Im Jahre 2007 wurde er Feuilletonchef der Frankfurter Rundschau.[2] Seit 2010 ist Widmann Mitglied der DuMont Redaktionsgemeinschaft.[3]

Im Jahre 2002 erschien im Folio Verlag Widmanns Debütroman Sprenger.

Taz-Interview zur AIDS-Verschwörungstheorie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannt wurde Widmann, als er im Februar 1987 in der taz ein vom DDR-Schriftsteller Stefan Heym mit dem Ost-Berliner Biologen Jakob Segal geführtes Interview unter dem Titel Aids –man-made in USA veröffentlichte. Das Interview sollte Segals These verbreiten, dass das HI-Virus in einem US-amerikanischen Militärlabor entwickelt worden und dort 1979 entwichen sei.

Der Abdruck verschaffte dieser schon vorher kolportierten Verschwörungstheorie eine hohe Aufmerksamkeit in der Bundesrepublik Deutschland. Widmann veröffentlichte dieses Interview, obwohl ihm bekannt gewesen sein dürfte, dass Der Spiegel und Die Zeit es bereits abgelehnt hatten, und zudem viele 1987 bereits bekannte Fakten über AIDS dem Inhalt des Interviews widersprachen.

Wie sich später herausstellte, waren Segals Stellungnahmen und Theorien zu AIDS/HIV Teil einer mehrjährigen Desinformationskampagne des sowjetischen Geheimdienstes KGB, um den „Klassenfeind USA“ weltweit zu diskreditieren. Widmann und vermutlich auch Heym waren ahnungslose Erfüllungsgehilfen, die bereitwillig dafür sorgten, dass die Aids-Theorie auf große Akzeptanz stieß. Der pensionierte Segal hatte aufgrund seiner Thesen sogar schon Veröffentlichungsverbot in der DDR erhalten, da Staat und Forschung klar war, dass seine Thesen wissenschaftlich unhaltbar waren. Den DDR-Staatsorganen war die KGB-Kampagne anscheinend nicht bekannt, aber das Veröffentlichungsverbot motivierte wiederum den streitbaren Heym zu seinem Interview. Michail Gorbatschow befahl später die Einstellung der KGB-Kampagne und entschuldigte sich dafür bei den Amerikanern. Segal vertrat bis zu seinem Tode seine Verschwörungstheorie weiter.[4] Im Jahre 2010 entschuldigte sich die Taz, dass man mit dem Interview seinerzeit „einer Art globaler Verschwörung sowjetischer und DDR-Geheimdienstkreise“ aufgesessen sei.[5]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. siehe: Editorial Perlentaucher 8. August 2016
  2. Frankfurter Rundschau – Impressum (Memento vom 21. Juli 2007 im Internet Archive)
  3. Arno Widmann. DuMont-Redaktionsgemeinschaft, abgerufen am 26. November 2014.
  4. Johanna Lutteroth: Aids-Verschwörung: Das Propaganda-Virus des KGB. Spiegel-Online-Portal einestages vom 22. Juni 2012, abgerufen am 5. Dezember 2014
  5. Die taz entschuldigt sich dafür, dass sie 1987 eine ungeheuerliche KGB-Theorie veröffentlicht hat: Die HIV-Verschwörung Berliner Zeitung, 11. Januar 2010
  6. Bereitgestellt von Perlentaucher, mit Beiträgen unter anderem von Silvia Bovenschen, Eleonore Büning, Gabriele Goettle, Cees Nooteboom, Christiane Peitz, Joachim Sartorius und Karl Schlögel
  7. Arno Widmann wird siebzig. Unter anderem erinnern Gabriele Goettle an die Schriftsteller-taz, und Cees Nooteboom an die Zeit des Mauerfalls.