Arnold (Unternehmen)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
K. Arnold GmbH & Co
Aktuelles Arnold-Logo
Rechtsform GmbH und Co. KG
Gründung 1906
Sitz Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Pflichtparameter fehlt
Branche Spielwarenindustrie
Website http://www.hornby.de/index.php

Arnold (Metallspielwarenfabrik K. Arnold GmbH & Co) war ein zunächst deutsches Unternehmen, das Blechspielzeuge und Modelleisenbahnen, hauptsächlich in Spurweite N, herstellte. Später wurde es von der italienischen Firma Rivarossi aufgekauft und gehört heute zur englischen Hornby-Gruppe.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Modell der Dampflokomotive 96 023 in Spur N von Arnold-N

Das Unternehmen wurde am 4. Oktober 1906 in Nürnberg von Karl Arnold gegründet und produzierte dort hauptsächlich Blechspielzeug. 1913 bezog die Firma ihr eigenes Werksgebäude an der Nürnberger 49.45414911.060291 Blumenthalstraße, das später an der Deutschherrnstraße erweitert wurde. Im Zweiten Weltkrieg wurden alle Nürnberger Produktionsstätten zerstört. Die Produktion wurde nach Kriegsende im Zweigbetrieb im oberpfälzischen Mühlhausen wieder aufgenommen, bis auch das Nürnberger Werk wieder aufgebaut war.[2] Das Zweigwerk in Mühlhausen wurde weiterhin beibehalten, weil die niedrigeren Grundstücks- und Lohnkosten im ländlichen Raum einen zunehmend wichtigen Kalkulationsfaktor bildeten.

Durch den allmählichen Rückgang des Absatzes an Blechspielzeug verlegte der Hersteller seine Produktpalette Ende der 1950er Jahre auf die Entwicklung eines neuartigen Modelleisenbahn-Systems. Im Jahr 1960 wurden erstmals Modelle in der Spurweite N (N für „Neun Millimeter“) auf der Nürnberger Spielwarenmesse als „Arnold Rapido 200“ im Maßstab 1:200 präsentiert. Ab 1962 wurden die Modelle von Arnold Rapido im auf 1:160 geänderten Maßstab gefertigt. Dieser wurde im Jahr 1964 für die Spurweite N in NEM 010 international genormt. Arnold war somit Pionier der Spur N und galt lange Jahre als Marktführer, musste sich allerdings ab 1964 auf zunehmende Konkurrenz durch die Produkte „Minitrix“ (aus dem Hause Trix) und ab 1969 „Fleischmann piccolo“ einstellen.

Das Unternehmen produzierte zunächst fast ausschließlich Modelle in Spur N. Erst in den 1990er Jahren wurde die Produktpalette um wenige Fahrzeuge in der Nenngröße TT erweitert. Neben rollendem Material und Gleisen stellte Arnold in beschränkter Auswahl auch Zubehör im Maßstab 1:160 her. Darunter befanden sich verschiedene Gebäude und Straßenfahrzeuge.

Führende Rolle auf dem N-Sektor[Bearbeiten]

Das Unternehmen entwickelte viele innovative Produkte, mit denen man sich eine gewisse technische Überlegenheit auf dem Modellbahn-Markt erarbeitete. So wurde 1963 eine neuartige Spur-N-Kupplung vorgestellt, die bereits ein Jahr später vom MOROP zum europäischen Standard erhoben wurde.[3] 1967 brachte Arnold die ersten unverkürzten Modelle von Schnellzugwagen der Bundesbahn heraus. 1972 erschien die erste Dampflok in Spur N mit Rauchgenerator sowie Personenwagen mit Innenbeleuchtung, 1973 folgte die Simplex-Kupplung zum automatischen Entkuppeln an jeder beliebigen Stelle der Modellbahnanlage. 1981 wagte sich Arnold als erster Großserienhersteller an die Nachbildung einer Dampflok mit gelenkigem Doppeltriebwerk, Bauart Mallet. 1985 brachte Arnold mit der Kleinlok Köf das kleinste bis dahin jemals erschienene Lokmodell in Spur N heraus, in dem sich noch ein Antrieb unterbringen ließ. Eine originelle Sonderversion waren mit echtem Gold bedampfte Lokmodelle (ohne Antrieb), die ab 1976 auf den Markt kamen.

Um 1970 übernahm Arnold von der Firma Blattmann, Emmendingen, ein kleines (Teil-) Sortiment von Gebäuden, Bahnbauwerken und Zubehör für die Baugröße N. Blattmann hatte etwa seit 1965 unter dem Markennamen Klei-We (Kleine Welt) fast ausschließlich für den N-Markt produziert. Arnold brachte die Bausätze ab 1971 unter eigener Flagge heraus, so das Stationsgebäude ‚Renchen‘ oder das (nicht ganz vorbildgerechte) Stellwerk ‚Lorch‘. Daneben produzierte Arnold ein reichhaltiges Zubehörsortiment von Signalattrappen bis zum Ladegut, um den N-Markt zu beleben. Das war sehr strategisch sinnvoll, da Arnold sich ausschließlich auf die Baugröße N konzentrierte, deren Marktanteil traditionell im Verhältnis zu HO relativ gering ist und deshalb nur begrenzten Umsatz pro Modell erwarten lässt. In der Folge brachte Arnold weitere eigene Gebäudebausätze heraus, wie ein Transformatorenhäuschen oder das Stationsgebäude ‚Winsen (Luhe)‘.

Auftreten am Markt[Bearbeiten]

Problematisch für Arnold wirkten sich mehrere Entwicklungen aus: Der Formenbau von Arnold blieb sowohl in der Feinheit der Gravur wie in der Exaktheit der modellmäßigen Umsetzung bald hinter den technischen Möglichkeiten zurück. Das galt etwa für Modelle mit gerundeten sphärischen Kopfformen wie E 103 oder E 150 oder kleine Lokomotiven wie die E 69. Die optische und funktionale Ausführungsqualität des Mitbewerbers Fleischmann war ab dessen Markteinstieg in die Spur N 1969 der von Arnold spürbar überlegen. Auch die Konkurrenten Minitrix und Roco legten qualitativ bald merklich zu. Beispielsweise erhielten bereits 1973 zwei neu erschienene Güterwagen von Arnold ein eher ungünstiges Urteil seitens der Modellbahnpresse. Gerügt wurden – beim Kleinviehwagen Artikel 0428 – der „nicht getroffene Gesamteindruck“, das zu hoch gesetzte Bremserhaus und die zu dicken Tritte und Geländer. Dem gedeckten Güterwagen – Artikel 4411 – ging es kaum besser wegen unkorrekter Hauptmaße, dem unnötig zu großen Kupplungskasten und der „völlig falschen Beschriftung“, wenn auch einzelne Details gelobt und Verbesserungen gegenüber Vorgängerprodukten von Arnold festgestellt wurden. Die parallel besprochenen Neuheiten der anderen Hauptmitbewerber kamen wesentlich besser weg.[4]

Technisch ungünstig war die Ausrüstung der Arnold-Modelle mit zu stark zugespitzten Spurkränzen, was beim Einsatz auf Gleismaterial anderer N-Hersteller Entgleisungen begünstigte. Die Verwendung von Kunststoffrädern bei den Wagen sorgte für unruhigen Lauf, außerdem führte sie auf Gleis von Fremdfabrikaten zum „Sammeln“ von Schmutz auf der Radlauffläche mit holprigem Lauf als Folge. Die erwünschte Kompatibilität mit Material anderer Hersteller – schon in früher Zeit der Baugröße N ein entscheidender Vorteil dieser Spurweite – wurde so durch Arnold nicht gefördert. Andere Hersteller wie Fleischmann oder Roco setzten von Anfang an auf die in Herstellung teuren, aber hochwertigen Metallradsätze. Die Antriebstechnik und Laufruhe der Lokomotiven bei Arnold, namentlich bei den Dampflokmodellen, ließ im Vergleich mit den anderen Anbietern zunehmend zu wünschen übrig. Viele Modelle von Arnold wirkten zwar im Gesamteindruck über lange Zeit überzeugend, doch die Mitbewerber setzten sich bei der Umsetzung von Maßstäblichkeit, Proportionen und Gravur zunehmend ab. Denn um die Modelle robust und stark zu machen und den Antrieb besser unterzubringen, waren etwa die Modelle der Altbau-Elloks maßstäblich etwas zu groß. Mit dem Erscheinen vergleichbarer Vorbilder bei den anderen Marktteilnehmern liefen diese Arnold den Rang ab. So war etwa das unverwüstliche Modell der bekannten Güterzug-Ellok E 94 von Arnold in der Breite um 1 mm und in der Höhe um 2 mm größer als die einige Zeit später von Fleischmann herausgebrachte Maschine nach dem gleichen Vorbild, in dieser Baugröße eine sehr spürbare Abweichung.

Marktveränderung und Niedergang[Bearbeiten]

Die Tendenz von Arnold zur möglichst kostensparenden Herstellung verursachte hausgemachte Wettbewerbsnachteile. So wurden die Gehäuse der Fahrzeuge durchgefärbt, was trotz seidenmatter Struktur von Granulat und Oberfläche zum typischen „Plastik-Farbton“ der Modelle führte und die Produkte von Arnold sofort von denen anderer Hersteller unterschied. Die Mitbewerber sorgten bei ihren Gehäusen durch den aufwändigen Arbeitsgang der Lackierung für ein authentisches und überzeugendes Finish. Außerdem hielt Arnold sehr lange an den seinerzeit unterdetaillierten Untergestellen aus Zinkguss fest und geriet damit stark ins Hintertreffen. Zu regelrecht skurrilen Ergebnissen führte die Strategie von Arnold, bei den Güterwagen möglichst ein Einheitsfahrgestell zu verwenden, um die Formkosten für zusätzliche Chassis zu sparen. Die Folge war, dass die Proportionen etlicher Vorbilder teils verzerrt werden mussten oder der Achsstand – als optisch maßgebliches Merkmal – stark abwich. Am auffälligsten zeigte sich dies am Dienstschotterwagen – Artikel 4680 -, der viel zu lang ausfiel. Eine Umsetzung des beim Vorbild sehr kurzen Wagens als entsprechend winziges Modell wäre sehr originell gewesen. Durch ihre spezielle Modellpolitik nahm die Firma Arnold dem potenziellen Kunden hier von vorneherein den Kaufanreiz, zumal Mitbewerber Roco dasselbe Modell stimmig herausbrachte.

Etwa ab Mitte der 1980er Jahre wurde der Markt in der Baugröße HO für die Käufer wieder zunehmend attraktiver. Dazu trugen bei: die immer bessere Detaillierung, vor allem aber die allmähliche Bereitschaft der Erzeuger, die technischen Normen europäischer Modellbahnen zu berücksichtigen, insbesondere die Einführung des Normkupplungsschachtes, so dass Kompatibilität und Funktion der Modelle unabhängig vom Hersteller stark verbessert wurden, schließlich die zunehmende Verfügbarkeit von weniger oder gar nicht verkürzten Schnellzugwagen. Der bis dahin große Vorteil der Baugröße N, über diese Systemeigenschaften seit jeher zu verfügen, zog nun zunehmend geringer. Mit der Wiedervereinigung Deutschlands eröffnete sich den Modellbahnfirmen in der Baugröße HO ein neuer, dankbarer Markt mit vielen interessanten Vorbildern. Die Baugröße N war in der vormaligen DDR so gut wie nicht verbreitet gewesen, so dass Arnold als einziger Akteur nicht an dieser Neuorientierung teilhaben konnte. Hingegen bildete in der DDR die Baugröße TT ein massives Marktsegment, so dass sich die etablierten westdeutschen Hersteller tendenziell mit diesem neuen Markt beschäftigen mussten. Jeder Zulauf für die TT-Spur musste allerdings zwangsläufig den anderen Baugrößen Abbruch tun, und zwar im Zweifel der Spur N. Arnold erfreute zwar die N-Gemeinde weiterhin rege mit Neuheiten, vermochte aber endgültig nicht mehr, technisch und ästhetisch seiner Rolle als (einstiger) Marktführer weiterhin gerecht zu werden.

Fortbestand des Markennamens[Bearbeiten]

So musste das Unternehmen 1995 nach vielen erfolgreichen Jahren Insolvenz anmelden. 1997 wurde das Unternehmen vom italienischen Mitbewerber Rivarossi übernommen. Die Nürnberger Liegenschaft wurde verkauft und in der Folge mit Wohn- und Geschäftsnutzungen belegt. Im Jahr 2001 wurde auch die Produktion in Mühlhausen eingestellt, und die Modellformen wurden nach Italien verbracht. 2003 war Rivarossi ebenfalls insolvent. Daraufhin erwarb 2004 die Hornby Plc. Teile von Rivarossi und damit u.a. auch den Markennamen Arnold sowie die Arnold-Formen.[2]

Seit 2006 sind wieder Arnold-Modellbahnprodukte im Handel erhältlich. Die Entwicklung der Modelle erfolgte zunächst in England und Italien, seit 2009 in Spanien und Deutschland.[5][6][7] Nachdem zunächst viele bestehende Modelle in Spur N und TT in überarbeiteter Form auf den Markt gelangt waren, werden seit 2009 nun auch wieder neue Spur-N-Modelle entwickelt. Für 2013 wurde erstmals ein Modell im Maßstab 1:148 für den britischen Spur-N-Markt angekündigt.[8] Es handelt sich dabei um ein Modell des fünfteiligen Pullman-Elektrotriebwagens Brighton Belle.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hornby International
  2. a b Eintrag "Arnold & Co." auf www.nuernberginfos.de, abgerufen am 19. November 2013
  3. NEM 356 (PDF; 37 kB)
  4. Eisenbahn-Magazin 11/1973, Alba Verlag Düsseldorf
  5. Hornby Italia
  6. Hornby España
  7. Hornby Deutschland
  8. Arnold-Neuheiten 2013

Literatur[Bearbeiten]

  • Guido Kruschke / Ralph Zinngrebe, Faszination Arnold, Die Geschichte der Spur N von 1960 bis heute in einer historisch-technischen Betrachtung, von Arnold Modelleisenbahn GmbH, Mühlhausen, Art.-Nr. 0082, erschienen im Juli 2000.

Weblinks[Bearbeiten]