Arnold Gesell

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Arnold Lucius Gesell (* 21. Juni 1880 in Alma, Wisconsin; † 29. Mai 1961) war ein Psychologe, Kinderarzt und Mitbegründer der Entwicklungspsychologie.

Gesell wurde in Alma, Wisconsin, geboren, derer dysgenische Qualitäten er später in seinem Werk The Village of a Thousand Souls (deutsch: "Die Stadt der tausend Seelen") analysierte. Er war eines von fünf Kindern und Sohn eines Fotografen und Lehrers. Seine Geschwister heranwachsen zu sehen, förderte sein späteres Interesse an Kindern.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von seinem Plan, Lehrer zu werden, getrieben, studierte Gesell ab 1896 an der University of Wisconsin–Madison. Hier nahm er an einem Kurs unter der Leitung von Edgar James Swift teil, der seinerseits an der Clark University ausgebildet worden war und der Gesells Interesse an der Psychologie weckte. Eine kurze Zeit arbeitete er als Lehrer an der High-School, kehrte dann aber wieder an die University of Wisconsin–Madison zurück. Dort besuchte er Vorlesungen in Geschichte bei Frederick Jackson Turner und in Psychologie bei Joseph Jastrow, der das Psychologie-Labor an der University of Wisconsin begründete. Gesell erwarb hier den "Bachelor of Philosophy"-Abschluss im Jahre 1903.

Er nahm seinen Beruf als Lehrer und als High-School-Direktor wieder auf, bevor er seine Ausbildung fortsetzte an der Clark University, damals eine der führenden Universitäten für Psychologie. Die Universität stand stark unter dem Einfluss ihres Präsidenten G. Stanley Hall, des Begründers der Pädologie-Bewegung. Gesell erhielt den Doktor-Titel (Ph. D.) der Clark University im Jahre 1906.

Er arbeitete an einigen Ausbildungsstätten in New York und Wisconsin, bevor sein Studienkollege Lewis Terman ihm zu einem Lehrauftrag an der Los Angeles State Normal School verhalf. Dort machte er Bekanntschaft mit seiner nunmehrigen Lehrerkollegin Beatrice Chandler, die er heiratete; mit ihr bekam er zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter. Weil er zeitweise an Sonderschulen für geistig Behinderte tätig war, u. a. an der von Henry H. Goddard geführten Vineland Training School in New Jersey, entwickelte er Interesse daran, Kinder mit geistiger Behinderung zu studieren.

Um zu promovieren, verbrachte er einige Zeit als Student an der Wisconsin Medical School. Später wirkte er als Assistent an der Yale University, während er gleichzeitig sein Medizin-Studium fortsetzte. Dort entwickelte er die Clinic of Child Development ("Klinik für Kinderentwicklung") und schloss seine Ausbildung mit dem Titel "M.D." (Doktor der Medizin) 1915 ab.

Später wurde im ein voller Lehrstuhl an der Yale University gewährt.

Auch arbeitete er als Schulpsychologe am Connecticut State Board of Education und half bei der Entwicklung von kooperativem Unterricht von gesunden und geistig behinderten Kindern, der den Lernerfolg der geistig Behinderten verbessern sollte.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gesell nutzte für seine Forschung die damals neueste Technik, zum Beispiel Video- und Fotoapparate. Auch verwendete er beispielsweise Einwegspiegel um Kinder in seinen Versuchen zu beobachten, erfand dabei sogar den Gesell Dome, einen Einwegspiegel in Form einer Kuppel, unter dem man Kinder beobachten konnte, ohne sie zu stören. In seiner Forschung studierte er zahlreiche Kinder, darunter das Wolfskind Kamala. Auch erforschte er junge Tiere, im Speziellen Affen.

Als Psychologe realisierte Gesell die Wichtigkeit des Wechselspiels zwischen Genen und Umwelteinflüssen. Als Maturationalist glaubte er, dass psychisches Wachstum, ähnlich wie das physisches, vor allem durch die Gene vorbestimmt ist und Umwelteinflüsse lediglich einen untergeordneten Einfluss spielen. Er verstand, dass Kinder das Verhalten ihrer Eltern und Altersgenossen nachahmen. Gesell setzte Normen bzw. typische Verhaltensweisen des Menschen während der Kindheit fest. Diese typischen Verhaltensweisen teilte er in 10 Gruppen, die "Gradients of growth" (deutsch: Arten des Wachstums) ein. Mit diesen legte er, sich auf seine statistischen Erhebungen beziehend, fest, wie sich ein Kind mit einem bestimmten Alter normalerweise verhält. Er dachte außerdem, dass die USA von einem landesweiten Kindergartensystem profitieren würden. [1]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das nach ihm benannte Gesell Institute of Human Development wurde von seinen Kollegen von der Clinic of Child Development, Dr. Frances Ilg and Dr. Louise Bates Ames 1950 begründet, nachdem Gesell seine Tätigkeit an der Universität 1948 niedergelegt hatte. [2] [3] [4] [5] [6] [7] [8] [9] [10] [11]

Mitgliedschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1947 wurde Gesell in die American Academy of Arts and Sciences gewählt.[12]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Artikel Arnold Gesell’s Perspective on Learning and Development (englisch)
  2. Boring, E.G. (1952) “Arnold Lucius Gesell.” History of Psychology in Autobiography 4: 123-42. Worcester, MA: Clark University Press.
  3. Benjamin Harris: Arnold Lucius Gesell. American National Biography. Abgerufen am 16. November 2006.
  4. Kessen, William. (1965). "Growth and Personality" The Child: 208–228.
  5. Miles, Walter R. (1964). "Arnold Lucius Gesell". Biographical Memoirs: National Academy of Sciences 37: 55–96. New York: Columbia University Press.
  6. Gesell, Arnold. “The Village of a Thousand Souls.” American Magazine, Oct. 1913, pp. 11–16.
  7. The Gesell Developmental Schedules: Arnold Gesell (1880–1961), R.S. Ball, aus dem Jahr 1977
  8. Arnold GESELL, R. Leys, aus dem Jahr 1961
  9. Arnold GESELL 1880-1961, H. Knoblauch, aus dem Jahr 1961
  10. Arnold GESELL's place in the history of developmental psychology and psychiatry, L. Kanner, Seiten 1-9, aus dem Jahr 1960
  11. Families made by science. Arnold Gesell and the technologies of modern child adoption, E. Herman, S. 684–715, aus dem Jahr 2001
  12. Members of the American Academy. Listed by election year, 1900–1949 (PDF). Abgerufen am 11. Oktober 2015