Arnold von Arnoldsweiler

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Der hl. Arnold im Wappen von Arnoldsweiler
Figur des hl. Arnold, 18. Jh., in der Arnoldsweiler Pfarrkirche
Teilansicht des Hochgrabes mit der ältesten Darstellung des Heiligen

Arnold von Arnoldsweiler (* im 8. Jahrhundert; † um 800 in Ginnizweiler, heute Düren-Arnoldsweiler) ist ein Heiliger der römisch-katholischen Kirche und war Musiker (Harfenspieler und Sänger) am Hof Karls des Großen. Sein Gedenktag ist der 18. Juli.

Lebensdaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ebenso wie sein genaues Geburtsjahr ist auch sein Geburtsort unbekannt. Eventuell stammte er aus dem Grenzgebiet zu Griechenland (lat. Graecia), möglicherweise handelt es sich bei dieser Angabe in der erst im 14. Jh. entstandenen, ältesten erhaltenen Abschrift der lateinischen Vita sancti Arnoldi confessoris aber um einen Schreibfehler und gemeint war die Gegend um Graz (lat. Graetia). Die Herkunft aus Griechenland wurde bereits im Jahr 1739 von Jacob Schmid angezweifelt, der eine umfangreiche Sammlung von Heiligenlegenden, darunter auch die Arnolduslegende, herausgegeben hatte. Auch er nimmt an, Graecia sei ein Schreibfehler und gemeint sei das Gebiet der alten römischen Provinz Raetia, welche sich im Norden des heutigen Italiens und im Süden der heutigen Schweiz erstreckte.[1]

Gestorben ist Arnold wohl um 800 in Ginizuuilere (= Ginizwilere = Ginnizweiler, später in Arnoldsweiler umbenannt), wo er auch bestattet wurde. Sein Grab wird dort bis heute in der Arnolduskapelle verehrt.

Über das genaue Todesjahr bestehen verschiedene Ansichten, so heißt es in der ältesten erhaltenen Abschrift der Lebensbeschreibung, Arnold sei um 800 gestorben. In einem Abdruck der Acta Sanctorum der Bollandisten aus dem Jahr 1725 wird der Tod Arnolds auf den Beginn des 9. Jahrhunderts verlegt, in Stadlers Vollständigem Heiligen-Lexikon von 1840 heißt es wieder, er sei um 800 gestorben. Arnold Steffens hingegen geht 1886 vom Jahr 843 aus und nähert sich damit der Annahme der Bollandisten an. Rudolf Wyrsch geht im Jahr 1994 wiederum von der Zeit um 800 aus[2] und Wilhelm Arnolds legt sich 2015 auf das Jahr 793 fest.[3]

Anerkennung der Heiligenverehrung durch den Papst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein Sterbe- und Begräbnisort wurde zwischen 922 und 1168 nach seinem Namen in Arnoldsweiler (wilre sancti Arnoldi) umbenannt. Er ist heute ein Stadtteil von Düren. Im Volk wurde Arnold also mindestens seit dieser Zeit als Heiliger verehrt und gilt als Schutzpatron der Musiker, Organisten, Musikinstrumentenbauer sowie für einen guten und sanften Tod. Neben einer Urkunde von 1339 findet sich eine gesicherte, früheste Erwähnung der Person Arnolds erst in der obengenannten Abschrift seiner Vita, beides also erst ca. 500 Jahre nach seinem Tod. Aufgrund dessen wurde zeitweise sogar die Rechtmäßigkeit seiner Verehrung als Heiliger angezweifelt. Im Jahr 1886 erkannte Papst Leo XIII. den Kult für das Erzbistum Köln an und bestätigte die zu dieser Zeit wahrscheinlich etwa 1000 Jahre alte Tradition. Schon 1914 wurde das Fest am Arnoldustag, dem 18. Juli, wieder zu einem Gedächtnistag herabgestuft, seit 1987 ist es dann erneut als nicht gebotener Gedenktag für das Bistum Aachen anerkannt.

Leben und Legende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vita Arnolds (vgl. auch Heiligenlegende) wurde nicht nur abgeschrieben, sondern auch übersetzt und nacherzählt. Da über ihn keine früheren und ohnehin nur wenige schriftliche oder urkundliche Zeugnisse existieren, ist aus heutiger Sicht nicht mit Sicherheit festzustellen, inwieweit genau die Lebensgeschichte Arnolds auf realen Fakten beruht, und wo sie sich im Laufe der Zeit mit Legenden vermischt und erweitert hat.

Der Ritt um den Bürgewald[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausdehnung des Bürgewaldes im Jahr 1902

Als Karl der Große mit seinem Gefolge im Bürgewald (ein Waldgebiet nördlich von Düren zwischen Rur und Erft, im Bereich des heutigen Braunkohlentagebaus Hambach, oft fälschlich als Hambacher Forst bezeichnet) zur Jagd ging, begleitete Arnold die Gesellschaft. Er bemerkte dabei die große Armut der Dorfbewohner ringsumher, die sich darüber beklagten, dass der Wald königliches Eigentum sei und sie deshalb unter Mangel an Brennholz litten, weil sie es nicht wagten, etwas vom Waldboden aufzuheben.

Als König Karl eines Tages bei einer Jagd in den Wäldern in der Nähe von Düren zwischen Aachen und Köln rastete, um Gastmahl zu halten, bat Arnold darum, der Frankenherrscher möge ihm soviel von dem Wald schenken, wie er während der Dauer des Mahls umreiten würde. Der Wunsch wurde ihm gewährt. Der listige Arnold hatte sich zuvor in den umliegenden Dörfern frische Pferde bereitstellen lassen und vollbrachte es im Staffelritt, den gesamten Wald zu umrunden, noch bevor das Mahl vorüber war.

Karl der Große war Arnold wohlgesinnt und war ihm nicht böse über die List, die seine großzügige Geberlaune reichlich ausnutzte. Er schenkte ihm einen Ring zum Zeugnis, dass der Wald fortan ihm gehöre. Arnold verschenkte den Bürgewald weiter an die umliegenden Dörfer, wo er in der Folgezeit aus Dankbarkeit wie ein Heiliger verehrt wurde. Jahrhundertelang konnte das Waldstück von bis zu 49 angrenzenden Ortschaften genutzt werden.

In einer Erweiterung der Legende erschöpfte eines der Pferde vor Durst und eine Magd verweigerte das Wasser zur Erfrischung. Das Pferd scharrte daraufhin mit den Hufen im Boden und es sprudelte eine Quelle hervor, die noch heute den Namen Arnolduspötzsche (Arnoldusquelle) trägt. Die Frau soll aus dem Dorf Huchem-Stammeln (heute Gemeinde Niederzier) gewesen sein. Deshalb sei dieser Ort vom Recht am Wald ausgeschlossen gewesen. In Wirklichkeit war er damals keine selbständige Pfarrgemeinde. Noch heute fehlt der Name dieser Ortschaft unter den Namenstafeln in der Arnolduskapelle, wo 15 der beschenkten Dörfer auf Namensschildern aufgelistet sind.

Die Wallfahrt nach Santiago de Compostela[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine weitere Geschichte handelt von der Wallfahrt Arnolds zum Grab des Apostels Jakobus des Älteren nach Santiago de Compostela in Spanien.

Im heutigen Südfrankreich kam er in eine Gegend, in der es seit Wochen nicht mehr geregnet hatte und die Bewohner Hunger litten. Arnold brach seine Wallfahrt ab; denn er wollte auch dort helfen und das Elend der Menschen lindern. Als seine eigenen Kräfte bereits nachließen und er den Tod schon vor Augen hatte, wünschte er sich, in seiner Heimat zu sterben. Er bat Gott, ihm zu zeigen, ob dies sehr bald geschehen werde. Arnold warf den Ring, den Karl der Große ihm geschenkt hatte, in die Garonne. Das Wiederauftauchen des Ringes sollte ihn auf den bevorstehenden Tod hinweisen. Sofort machte er sich auf den Heimweg und wohnte unterwegs vorübergehend bei einer gottesfürchtigen Witwe.

Eines Tages fanden Arme, denen er Geld zum Kauf von Lebensmitteln gegeben hatte, in einem Fisch einen Ring, den sie ihrem Wohltäter überreichten. Arnold erkannte seinen Ring wieder, dankte Gott für das Wunder und ging nun schneller als zuvor nach Hause. Er erreichte das Dorf Ginnizweiler und verstarb bald darauf.

Namenspatron[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der hl. Arnold von Arnoldsweiler ist der Namenspatron von Pater Arnold Janssen, dem Gründer der Steyler Missionare. Arnold Janssen wurde am 5. Oktober 2003 heiliggesprochen. Von den Steyler Missionaren wurde im Jahr 1928 in Neuenkirchen (Kreis Steinfurt) das Missionshaus St. Arnold gegründet. Die in der Nähe liegende Bahnstation Neuenkirchen Land wurde 1931 in Bahnhof St. Arnold umbenannt und der Neuenkirchener Ortsteil St. Arnold entstand.

Verehrung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgewaldgemeinden und Wachszins[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wohl älteste Form der Arnoldusverehrung ist der Wachszins der Bürgewaldgemeinden. Diese mussten jährlich am Pfingstdienstag eine bestimmte Menge an Kerzenwachs auf dem Altar des hl. Arnold opfern. Dieser Wachszins wird erstmals in einer Urkunde vom 18. März 1360 urkundlich erwähnt. Hierin bestätigt der Jülicher Herzog Wilhelm I. den Wachszins, was darauf schließen lässt, dass die Verpflichtung zum Wachszins schon wesentlich älter ist. In der Urkunde werden die Orte zum Opfer von bestimmten Kerzengrößen verpflichtet.[4]

Der nördliche Bürgewald 1807, alle abgebildeten Orte waren am Wald beteiligt, Karte Tranchot und v. Müffling
Der südliche Bürgewald 1807 (außer Huchem und Stammeln gehörten alle abgebildeten Orte zu den berechtigten Gemeinden), Karte Tranchot und v. Müffling
Dörfer Kerzengröße
Arnoldsweiler, Ellen und Oberzier zusammen 12 Pfund
Niederzier mit Zubehör 12 Pfund
Rödingen, Bettenhoven und Lich zusammen 12 Pfund
Niederembt mit Zubehör 12 Pfund
Elsdorf mit Zubehör 12 Pfund
Paffendorf 3 Pfund
Zieverich und Thorr zusammen 1,5 Pfund
Desdorf und Brockendorf zusammen 0,5 Pfund
Glesch 2 Pfund
Grouven 1 Pfund
Berrendorf 2 Pfund
Etzweiler 2 Pfund
Sindorf und Heppendorf zusammen 8 Pfund
Kerpen mit Zubehör 12 Pfund
Blatzheim mit Zubehör 12 Pfund
Golzheim 4 Pfund
Buir 4 Pfund
Morschenich 4 Pfund
Merzenich 12 Pfund

Die Verpflichtung zum Wachszins behielt bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts seine Gültigkeit. Jedoch weigerten sich damals immer mehr Gemeinden zum Kerzenopfer. Dies mündete in den Wachsrentenprozess, der vor dem Königlichen Landgericht Aachen geführt wurde. Kläger war der Arnoldsweiler Kirchenvorstand. Ergebnis war, dass die betreffenden Gemeinden durch eine einmalige Geldzahlung an die Pfarre Arnoldsweiler vom Wachszins befreit wurden. Diese Ablösung erfolgte durch die beteiligten Orte nach und nach zwischen 1832 und 1840.[5] Dennoch brachten auch danach noch einige Orte eine Kerze zu Pfingsten nach Arnoldsweiler. Heutzutage wird aus fast keinem dieser Orte mehr eine Kerze an das Arnoldusgrab gebracht, aber es gibt Ausnahmen. So brachte eine Gruppe aus Ellen in den 1980er Jahren eine Kerze (es blieb jedoch dabei) und Manheimer Pilger belebten in der Arnolduswoche 2013 diesen Brauch des Wachszinses wieder und opferten das erste Mal seit vielen Jahren eine Kerze am Arnoldusgrab.

Arnoldusoktav[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jährlich in der Woche des 18. Juli findet in Arnoldsweiler die Arnoldusoktav, auch Arnolduswoche genannt, zu Ehren des hl. Arnoldus statt. Die Oktav wurde vom damaligen Arnoldsweiler Pfarrer Peter Gerhard Kleeff ins Leben gerufen und wurde im Juli 1891 erstmals abgehalten. Zuvor wurde nur der 18. Juli, der Gedenktag des hl. Arnold, feierlich begangen und am Sonntag danach eine sakramentale Prozession gehalten.[6] Seit Anfang der 2000er Jahre wurde die Woche auf nur fünf Tage verkürzt und dauerte seitdem nur noch von Mittwoch bis Sonntag, seit 2019 wird wieder eine achttägige Oktav gehalten. In den acht Tagen werden täglich Gottesdienste gefeiert, zu denen Gastprediger zum Thema der Woche predigen.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jacob Schmid: Der heilige Saiten-Spihler und Beichtiger Arnoldus, insgemein deß Kaysers Carls Lautenschlager genannt. In: Die Spihlende Hand Gottes mit denen Menschlichen Hertzen auf Erden. Augsburg und Regensburg 1739, S. 52. (Digitalisat)
  2. Rudolf A. H. Wyrsch: Der heilige Arnold von Arnoldsweiler. In: Ökumenisches Heiligenlexikon. Abgerufen am 25. Mai 2018.
  3. Wilhelm Arnolds: Arnold von Arnoldsweiler. Geschichte und Überlieferung. Köln 2015, S. 245.
  4. Rudolf A. H. Wyrsch: Der heilige Arnold von Arnoldsweiler. Legende und Geschichte der Verehrung eines rheinischen Heiligen. Jülich 1994, S. 73.
  5. Rudolf A. H. Wyrsch: Der heilige Arnold von Arnoldsweiler. Legende und Geschichte der Verehrung eines rheinischen Heiligen. Jülich 1994, S. 17.
  6. Rudolf A.H. Wyrsch: Der heilige Arnold von Arnoldsweiler. Legende und Geschichte der Verehrung eines rheinischen Heiligen. In: Forum Jülicher Geschichte. Heft 9, Jülich 1994, S. 25 f.
  7. Pfarrbrief Gemeinschaft der Gemeinden St. Franziskus Düren-Nord Nr. 7/2019