Arnoldsweiler

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Arnoldsweiler
Stadt Düren
Wappen von Arnoldsweiler
Koordinaten: 50° 50′ 17″ N, 6° 29′ 27″ O
Höhe: 118 m ü. NHN
Fläche: 9,51 km²
Einwohner: 3185 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 335 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1972
Postleitzahl: 52353
Vorwahl: 02421
Karte
Lage von Arnoldsweiler in Düren

Arnoldsweiler (Dürener Platt Anoldswiele) ist ein Stadtteil und Bezirk der Stadt Düren im Kreis Düren in Nordrhein-Westfalen. Zum Bezirk Arnoldsweiler gehört der Herrensitz Haus Rath.

Klein St. Arnold (links) und Groß St. Arnold (rechts)
Fachwerkhaus in Arnoldsweiler

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arnoldsweiler liegt am Rande des Bürgewaldes im Norden des Stadtgebietes. Wenige hundert Meter nördlich vom Ort verläuft auch die Bundesautobahn 4, nordöstlich liegt der Braunkohle-Tagebau Hambach, der sich mit der Verlegung der A 4 der Ortsgrenze nähert. Die Nachbarorte von Arnoldsweiler sind Ellen, Merzenich, Düren und Birkesdorf.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als erste Besiedlung mit Häusern ist die Siedlung aus der Jungsteinzeit bei Düren-Arnoldsweiler nachgewiesen.

Bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts wurde Arnoldsweiler Ginizwilre genannt. Bereits 922 [2] führte der Kölner Erzbischof Hermann I. Kirche und Hof von „Ginizwilre“ unter den Gütern des Kölner St. Ursula-Stiftes auf. In dieser Urkunde werden auch bereits zwei Kirchen erwähnt. Klein St. Arnold ist die Nachfolgekirche einer der beiden Kirchen, von der anderen aufgeführten Kirche ist heute nichts mehr bekannt. Im Jahre 1168 wird der Ort "Wilre S(ancti) Arnoldi", also nach dem heiligen Arnold benannt. Daraus wurde im Laufe der Jahrhunderte Sankt Arnoldsweiler und schließlich Arnoldsweiler. Des Weiteren zählte Arnoldsweiler zu den vier Gerichten um Düren, die 1246 von Friedrich II. an die Jülicher Herzöge verpfändet wurden. Bis 1289 war der Ort im Besitz der Kirche von Cambrai und wurde im selben Jahr an Ritter Gerhard Rost von Disternich verkauft.[3]

1360 bestätigt eine Urkunde des Herzogs Wilhelm I. von Jülich den Wachszins, welchen 26 am Bürgewald gelegenen Dörfer jährlich am Pfingstdienstag an die Pfarrkirche von Arnoldsweiler entrichten mussten. Auch die Bewohner von St. Arnoltzwiler mussten zusammen mit den Einwohnern von Ellen und Oberzier eine Kerze von 12 Pfund Wachs abliefern. Der Wachszins wurde erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch eine einmalige Geldzahlung aufgelöst. Dieses Kerzenopfer ist auf die Legende des hl. Arnoldus zurückzuführen, durch den die Dörfer den Wald erst nutzen durften. Zuvor stand dieser unter kaiserlichem Wildbann, das Betreten war für die einfache Bevölkerung verboten. Über Jahrhunderte nutzten die berechtigten Gemeinden den Wald gleichermaßen, erst 1775 wurde jeder Gemeinde ein spezifisches Waldstück zugewiesen. Auch Arnoldsweiler erhielt nordöstlich von Ellen ebenfalls ein Stück des Waldes, die Arnoldsweiler Bürge. Dieser Teil des Bürgewaldes ist mittlerweile komplett abgeholzt und durch den Tagebau Hambach abgebaggert.[4]

In Klein St. Arnold (Arnoldskapelle) befindet sich das Grab von Arnold von Arnoldsweiler. 2010 wurden in der Nähe Arnoldsweilers die Reste eines jungsteinzeitlichen Dorfes freigelegt, die auf eine Besiedlung der Gegend bereits um 5100 vor Christus schließen lassen.[5]

Bürgewald[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bürgewald, ein Waldgebiet zwischen Arnoldsweiler, Elsdorf, Manheim und Alt-Steinstraß wurde erstmals im 12. Jahrhundert erwähnt. In der Waldordnung von 1557 ist der Hauptort der Bürge „St. Arnoldtswieler“ (in verschiedener Schreibung) siebenmal genannt.

Außenstelle des Stalag VI H[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nordöstlich vom Ort befand sich im Zweiten Weltkrieg ein Barackenlager, ein Stalag. [6][7] Tausende französischer und später sowjetischer Kriegsgefangener und Zwangsarbeiter waren hier interniert, und viele von ihnen starben unter grausamen Umständen.[8] Erst 1960 wurden die Toten auf dem Friedhof in der Merzenicher Heide exhumiert. Sie haben auf der Ehrenanlage in Rurberg ihre letzte Ruhestätte gefunden. Man fand dort statt der ursprünglich geschätzten 500 schließlich über 1.500 Tote. Erst jetzt wurde das ganze Ausmaß der Grausamkeiten bekannt. An der Ecke Cormeillesstraße/Neußer Straße befindet sich eine Stele des Künstlers Ulrich Rückriem, welche an die Opfer erinnert. Des Weiteren befindet sich am ehemaligen Friedhof in der Merzenicher Heide auch ein Gedenkstein.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Nähe von Arnoldsweiler, und zwar westlich des Ortes und im Südostwinkel zwischen der A4 und der Bahnlinie Düren-Jülich bei der Höhe 120,6 befand sich eine nur beschränkt ausgebaute Batteriestellung der Luftverteidigungszone West. In der Hauptstellung konnten vier Unterstände nachgewiesen werden. Am Westrand der Bahnlinie fand man die Trümmer des MG-Schartenstandes.

Die Dürener Bevölkerung benutzte 1944 nachts die Bunker als Unterschlupf. Am 23. September 1944 befand sich der Gefechtsstand des Flak-Regiments 3 (mot.) im Gasthof Rheinbach. Am 5. Dezember 1944 wurden starke Jabo- und Kampffliegerangriffe gegen den Ort geflogen. Sie warfen Bomben gegen Artillerie- und Flakstellungen. Der Ort wurde am 25. Februar 1945 von den Amerikanern eingenommen.[9]

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinde und Neugliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1794 stand auch Arnoldsweiler unter französischer Besatzung. Dadurch wurde die Mairie Arnoldsweiler im Département de la Roer gebildet. Zu diesem Verwaltungsbezirk gehörten neben Arnoldsweiler mit Haus Rath auch Ellen und Morschenich. Nachdem der Ort wie das gesamte Rheinland 1815 an Preußen fiel, wurde aus der Mairie die Bürgermeisterei Arnoldsweiler im Jahr 1816. Das Gebiet bestand wiederum aus den Gemeinden Arnoldsweiler (mit Haus Rath), Ellen und Morschenich. 1927 wurde die Bürgermeisterei in Amt umbenannt und am 8. März 1936 wurden die beiden Ämter Arnoldsweiler und Merzenich mit den dazugehörigen Gemeinden zum neuen Amt Merzenich zusammengeschlossen. Dazu gehörten die Gemeinden Arnoldsweiler, Ellen, Girbelsrath, Golzheim, Merzenich und Morschenich.

Am 1. Januar 1972 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde in die Stadt Düren eingemeindet.[10][11]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ratsmitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Arnoldsweiler wählten bei den letzten Kommunalwahlen am 25. Mai 2014 für den Rat der Stadt Düren:

CDU 594 Stimmen 47,41 % 7 Sitze
SPD 416 Stimmen 33,20 % 5 Sitze
Grüne 89 Stimmen 7,10 % 1 Sitz
AfD 74 Stimmen 5,91 % 1 Sitz
Die Linke 37 Stimmen 2,95 % -
FDP 31 Stimmen 2,47 % -
BfD 12 Stimmen 0,96 % -

[12]

Bezirksausschuss Arnoldsweiler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1999 existiert ein Bezirksausschuss Arnoldsweiler. Den Vorsitz führten

  • 1999–2014 Hermann Josef Geuenich, CDU
  • Seit 2014 Frank Heinrichs, SPD

Vorsitzender des Bezirksausschusses ist Frank Heinrichs, SPD, sein Stellvertreter ist Hermann Josef Geuenich, CDU.[13]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den letzten Jahren hat die Bevölkerungszahl von Arnoldsweiler geringfügig abgenommen.

Jahr 1830 1885 1925 1933 1939 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017
Ew[14][15][16] 0766 1284 2381 2340 2388 3303 3289 3286 3273 3270 3236 3253 3241 3222 3218 3185

Schulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Arnoldsweiler gibt es eine katholische Grundschule.[17] Die Bürgewaldschule, eine Sonderschule für Lernbehinderte, zog am 7. Dezember 2009 in ein neuerbautes Schulgebäude in Birkesdorf um.

Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Arnoldsweiler bestehen die romanisch-gotische Kirche Klein St. Arnold und direkt daneben die neuromanische Kirche Groß St. Arnold. Außerdem befindet sich östlich des Ortes die kleine Wegekapelle Maria Rast aus dem Jahr 1960.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karnevalsverein „Bedrövde Jecke 1930“ e. V.
  • Fußballclub Viktoria 08 Düren-Arnoldsweiler e. V.
  • Hundesportverein MV Arnoldsweiler am Tagebau Hambach e. V.
  • Turnverein Arnoldsweiler 1883/06 e. V.
  • Motorsportclub Arnoldsweiler 1969 e. V.
  • Sankt-Arnoldus-Schützenbruderschaft Düren-Arnoldsweiler 1587 e. V.
  • Junggesellenclub „Gemütlichkeit“ gegr. 1905
  • Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG), Stamm Arnoldsweiler
  • Sankt Matthias Bruderschaft Arnoldsweiler
  • Kaninchenzuchtverein R16 Arnoldsweiler e. V.
  • Martinskomitee Arnoldsweiler
  • Kfd-Arnoldsweiler (Katholische Frauengemeinschaft)

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Busse der Dürener Kreisbahn (DKB) fahren in kurzen Intervallen ab Arnoldsweiler Mitte zum Bahnhof Düren und Merzenich und binden den Ort in den öffentlichen Personennahverkehr ein. Der vom Zentrum von Arnoldsweiler 2,5 km entfernte S-Bahn-Haltepunkt Merzenich[18] verbindet über die S-Bahn-Linie 12 im 20-Minuten-Takt mit Köln Hbf. Seit 1. April 2006 gehört die Stadt Düren auch zum Tarifkragen des Verkehrsverbund Rhein-Sieg. Vorher gehörte sie bereits zum Aachener Verkehrsverbund. Nächste Autobahn-Anschlussstelle ist Düren an der A 4.

Partnerstadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1970 besteht eine Partnerschaft mit Cormeilles in Frankreich.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Arnoldsweiler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung der Stadt Düren. In: Internetseite der Stadt Düren. Abgerufen am 15. März 2018.
  2. Arnoldsweiler bereits 922 erstmals erwähnt. In: Dürener Zeitung. 22. August 2016, abgerufen am 15. März 2018.
  3. Arnoldsweiler: Historie & Wappen (Memento des Originals vom 4. März 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.dueren.de, auf www.dueren.de (abgerufen am 2. Juni 2015)
  4. Rudolf A. H. Wyrsch: Der heilige Arnold von Arnoldsweiler. Legende und Geschichte der Verehrung eines rheinischen Heiligen. In: Forum Jülicher Geschichte Heft 9, Jülich 1994, S. 73 f.
  5. Jungsteinzeitliche Großsiedlung bei Düren freigelegt. In: Aachener Zeitung. 25. August 2010, abgerufen am 25. Mai 2018.
  6. Liste der Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht
  7. Die Lebensumstände. Stalag Arnoldsweiler. In: historicum.net. 30. Oktober 2006, abgerufen am 25. Mai 2018.
  8. Erinnerung an die Kriegsgefangenen im Dürener Land wachhalten. In: Dürener Zeitung. 27. November 2013, abgerufen am 25. Mai 2018.
  9. Aus „Bunkerstellungen der Luftverteidigungszone West im Rheinland und Hitlers Hauptquartier in Bad Münstereifel-Rodert“ von Manfred Groß, Meckenheim, 2001, S. 119
  10. Arnoldsweiler: Historie & Wappen (Memento des Originals vom 4. März 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.dueren.de, auf www.dueren.de (abgerufen am 2. Juni 2015)
  11. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 306.
  12. Ratswahl am 25. März 2014, auf http://wahlen.regioit.de/ (abgerufen am 2. Juni 2015)
  13. Bezirksausschuss Arnoldsweiler,auf http://wahlen.regioit.de/ (abgerufen am 2. Juni 2015)
  14. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Düren. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  15. Bevölkerung der Stadt Düren. In: Internetseite der Stadt Düren. Abgerufen am 15. März 2018.
  16. F. von Restorff: Topographisch-Statistische Beschreibung der Königlich Preußischen Rheinprovinz. Berlin und Stettin 1830, S. 801.
  17. Katholische Grundschule St. Arnold in Düren-Arnoldsweiler
  18. Arnoldsweiler mit S-Bahn-Haltepunkt Merzenich auf OpenStreetMap