Choszczno

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Choszczno
Wappen von Choszczno
Choszczno (Polen)
Choszczno
Choszczno
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Powiat: Choszczno
Fläche: 10,00 km²
Geographische Lage: 53° 10′ N, 15° 24′ OKoordinaten: 53° 10′ 0″ N, 15° 24′ 0″ O
Höhe: 51 m n.p.m.
Einwohner: 15.213
(30. Jun. 2019)[1]
Postleitzahl: 73-200 bis 73-201
Telefonvorwahl: (+48) 95
Kfz-Kennzeichen: ZCH
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 151 ŚwidwinGorzów Wielkopolski
DK 160 Suchań ↔ Miedzichowo
DK 175 Drawsko Pomorskie ↔ Choszczno
Schienenweg: Stargard–Krzyż Wielkopolski
Nächster int. Flughafen: Stettin-Goleniów
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 45 Ortschaften
18 Schulzenämter
Fläche: 246,00 km²
Einwohner: 21.691
(30. Jun. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 88 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3202023
Verwaltung (Stand: 2014)
Bürgermeister: Robert Adamczyk
Adresse: ul. Wolności 24
73-200 Choszczno
Webpräsenz: www.choszczno.pl



Choszczno ['xɔʃʧnɔ] (deutsch Arnswalde, früher auch Arenswalde) ist eine Stadt und Sitz einer Stadt- und Landgemeinde in der polnischen Woiwodschaft Westpommern mit etwa 16.000 Einwohnern. Sie ist auch Kreisstadt des Powiats Choszczeński.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt in der Neumark zwischen dem Fluss Stüdnitz und dem Klückensee (Jezioro Klukom), der zur Arnswalder Seenplatte gehört, etwa 30 Kilometer südöstlich von Stargard und 62 Kilometer südöstlich von Stettin.

Uferpanorama der Stadt am Klückensee (Jezioro Klukom)

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadtteile sind: Baczyn (Voßberg), Zdrojowiec (Springwerder), Pakość (Marienberg), Roztocze (Kähnsfelde), Rudniki (Karlsaue), Wysokie (Hohenbruch), Oraczewice (Helmersruh), Stawin (Friederikenfelde) und Skrzypiec (Blumenwerder).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arnswalde nordwestlich der Stadt Posen und westlich der Stadt Schneidemühl auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung).
Gotische Stadtkirche St. Marien (bis 1945 evangelisch)
Stadtansicht mit Stadtmauer und St. Marien
Mittelalterliche Stadtmauer
Marktplatz von Arnswalde um 1900

Im Jahr 1893 wurde in der Neumark im ehemaligen Landkreis Arnswalde in der Provinz Brandenburg bei Bauarbeiten zufällig ein germanisches Körpergräberfeld aus der späten römischen Kaiserzeit entdeckt und ausgegraben.[2] Das kleine Gräberfeld mit wenigen reich ausgestatteten Körpergräbern einer germanischen Elite wird von der historischen Forschung mit dem Stamm der Rugier an der Ostseeküste verbunden.[3]

Seit etwa 1255 befand sich Arnswalde in brandenburgischem Besitz.[4] Die erste urkundliche Erwähnung von Arnswalde als Stadt (oppidum Arnswaldensis) stammt aus dem Jahr 1269.[5] Arnswalde trägt den roten Brandenburg Adler im Wappen. Am 1. April 1269 wurde in Arnswalde ein Vertrag zwischen den Askaniern und dem Herzog von Pommerellen, Mestwin II., geschlossen. Nicht ganz gesichert ist die Vergabe des Stadtrechtes, am wahrscheinlichsten ist, dass es 1284 erteilt wurde. Das Stadtrecht wurde nach Magdeburger Recht erteilt.

1291 sichern die Markgrafen von Brandenburg Besuchern der Stadt Arnswalde Schutz zu.[6] Im Jahre 1364 hatte die Stadt eine Burg. 1402 kam Arnswalde unter die Herrschaft des Deutschen Ritterordens. 1414 versuchte Henning von Wedel, den Ort zu erobern, scheiterte jedoch. 1419 fielen polnische Ritter in Arnswalde ein, und der Ort wurde dabei zu großen Teilen zerstört. 1433 wurde Arnswalde ein Lehen Polens, aber schon vier Jahre später stand sie wieder unter der Herrschaft des Ordens. Große Teile der Stadt wurden 1511 Opfer eines Brandes. 1549 verminderte die Pest die Einwohnerzahl. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde auch Arnswalde stark zerstört. 1649 wurde Arnswalde Teil der Poststrecke BerlinKönigsberg.

1719 wurde in Arnswalde eine Garnison für preußische Truppen errichtet. 1806 besuchte der preußische König Friedrich Wilhelm III. die Stadt. Am 12. Januar 1807 geriet hier der französische General Victor in Gefangenschaft, der später gegen den gefangenen Blücher ausgetauscht wurde.[7]

Mit der Neuordnung der preußischen Verwaltung nach dem Wiener Kongress (1815) wurde der Landkreis Arnswalde im Regierungsbezirk Frankfurt gebildet. 1828 wurde die erste Schule des Ortes eröffnet, 51 Jahre später wurde das Rathaus neu gebaut. Die Kreisverwaltung kam 1846 in die Stadt Arnswalde. 1848 erhielt Arnswalde Anschluss an die Bahnlinie StargardPosen. 1905 erhielt die Stadt ihr erstes Krankenhaus. Bereits vor 1859 gab es in Arnswalde eine Synagoge.[4]

1938 kam der Landkreis zum Regierungsbezirk Grenzmark Posen-Westpreußen und damit zu Pommern. Die Einwohnerzahl von Arnswalde stieg von 6800 Einwohnern 1875 auf 14.000 Einwohner im Jahre 1939.

Der Beginn des Zweiten Weltkriegs berührte den Ort zunächst kaum. Bald wurde hier jedoch ein größeres Lager für Kriegsgefangene eingerichtet, das unter der Bezeichnung Oflag II B geführt wurde. 1945 wurde Arnswalde nach einer Belagerung von der Roten Armee erobert, wobei 1845 Häuser bzw. 85 % der Stadt zerstört wurden.[8] Anschließend wurde die Stadt unter polnische Verwaltung gestellt. Es begann die Zuwanderung polnischer Migranten, die zum Teil aus Gebieten östlich der Curzon-Linie kamen. Die einheimische (deutsche) Zivilbevölkerung wurde von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben.

1959 wurde der erste Wohnblock der Stadt errichtet. 1974 nahm eine Telefonzentrale ihren Dienst auf.

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anzahl Einwohner bis Ende des Zweiten Weltkriegs
Jahr Einwohnerzahl Anmerkungen
1719 1500 [4]
1750 1910 [5]
1801 2440 darunter sechs Judenfamilien mit 66 Individuen[9]
1840 4395 [10]
1850 5450 im Jahr 1853: elf Katholiken, 89 Juden[5]
1859 5520 darunter 16 Katholiken und 160 Juden[4]
1864 6516 [11]
1867 6280 am 3. Dezember[12]
1871 6524 am 1. Dezember, darunter 6275 Evangelische, 42 Katholiken, sechs sonstige Christen, 201 Juden[12]
1875 6853 [13]
1880 7358 [13]
1890 7507 darunter 97 Katholiken und 191 Juden[13]
1900 8665 meist Evangelische[7]
1910 9455 am 1. Dezember[14]
1925 10.910 darunter 10.450 Protestanten, 300 Katholiken, elf sonstige Christen, 97 Juden[13]
1933 11.786 darunter 11.268 Protestanten, 303 Katholiken, drei sonstige Christen, 121 Juden[13]
1939 12.725 darunter 11.943 Protestanten, 465 Katholiken, 99 sonstige Christen, zwölf Juden[13]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • die backsteingotische Stadtpfarrkirche St. Marien aus dem 14. Jahrhundert
  • Reste der Stadtmauer aus dem 14./15. Jahrhundert
  • der Bahnhof aus der Mitte des 19. Jahrhunderts
  • das Gaswerk aus dem 19. Jahrhundert

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Stadt kreuzen sich mehrere Woiwodschaftsstraßen, die Landesstraße 10 nach Stargard (37 km) ist jedoch 17 Kilometer entfernt. Die Entfernung nach Stettin beträgt 75 Kilometer. Nach Stargard führt eine Bahnlinie, die Bahnstrecke nach Mirosławiec (Märkisch Friedland) ist nicht mehr in Betrieb.

Partnerstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gmina Choszczno[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Choszczno gliedert sich neben dem gleichnamigen Hauptort in folgende Orte mit Schulzenämtern:

Gleźno (Hohenwalde), Kołki (Rohrbeck), Koplin (Kopplinsthal), Korytowo (Kürtow), Piasecznik (Petznick), Radaczewo (Reichenbach), Raduń (Radun), Rzecko (Rietzig), Sławęcin (Schlagenthin), Smoleń (Karlsburg), Stary Klukom (Alt Klücken), Stradzewo (Stolzenfelde), Sulino (Ebenau), Suliszewo (Zühlsdorf), Wardyń (Wardin), Witoszyn (Neu Schulzendorf), Zamęcin (Sammenthin), Zwierzyn (Schwerinsfeld).

Weitere Orte und Siedlungen sind: Bonin • Chełpa • Golcza • Nowe Żeńsko • Oraczewice • Pakość • Radlice (Schulzendorf) • Rudniki • Rzeczki; Krzowiec • Łaszewo • Stawin; Baczyn • Brzostno • Czernice • Gostyczyn • Kleszczewo • Płoki • Przywodzie • Roztocze • Skrzypiec • Sulechówek • Sułowo • Szczepanka • Wysokie • Zwierzynek; Gładysz, Czyżewka und Rudnisko.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • W. Riehl und J. Scheu (Hrsg.): Berlin und die Mark Brandenburg mit dem Markgrafenthum Nieder-Lausitz in ihrer Geschichte und in ihrem gegenwärtigen Bestande. Berlin 1861, S. 440–442.
  • Heinrich Berghaus: Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgrafenthums Nieder-Lausitz in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Band 3, Brandenburg 1864, S. 486–491.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Choszczno – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2019. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 0,99 MiB), abgerufen am 24. Dezember 2019.
  2. Vgl.Hans Jürgen EggersArnswalde. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 1, Walter de Gruyter, Berlin/New York 1973, ISBN 3-11-004489-7, S. 433. (kostenpflichtig über GAO, De Gruyter Online)
  3. Vgl. Hermann ReichertRougion. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 25, Walter de Gruyter, Berlin/New York 2003, ISBN 3-11-017733-1, S. 387–388. (kostenpflichtig abgerufen über GAO, De Gruyter Online)
  4. a b c d W. Riehl und J. Scheu (Hrsg.): Berlin und die Mark Brandenburg mit dem Markgrafenthum Nieder-Lausitz in ihrer Geschichte und in ihrem gegenwärtigen Bestande. Berlin 1861, S. 440–442.
  5. a b c Heinrich Berghaus: Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgrafenthums Nieder-Lausitz in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Band 3, Brandenburg 1864, S. 486–491.
  6. Heinrich Gottfried Philipp Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter, Erlangen 1863, S. 52–53.
  7. a b Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 1, Leipzig/Wien 1905, S. 866 (Zeno.org).
  8. Gotthold Rhode: Die Ostgebiete des deutschen Reiches. Holzner-Verlag, Würzburg 1956. S. 303.
  9. Friedrich Wilhelm August Bratring: Beschreibung der gesamten Mark Brandenburg. Band 3: Die Neumark Brandenburg, Berlin 1809, S. 196 (booksgoogle.de).
  10. Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Frankfurt a. d. O. Gustav Harnecker's Buchhandlung, Frankfurt a. O. 1844, S. 3, Nr. 1 (books.google.de).
  11. Topographisch-statistisches Handbuch des Regierungs-Bezirks Frankfurt a. O. Verlag von Gustav Harnecker u. Co., 1867, S. 3, Nr. 1 (books.google.de).
  12. a b Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preußischen Staats und ihre Bevölkerung. Teil II: Provinz Brandenburg, Berlin 1873, S. 132–133, Nr. 1 (books.google.de).
  13. a b c d e f M. Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006)
  14. www.gemeindeverzeichnis.de.