Arsch huh, Zäng ussenander

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Arsch huh, Zäng ussenander (Kölsch für Arsch hoch, Zähne auseinander) ist das Motto einer Kölner Kampagne gegen rechte Gewalt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

9. November 1992[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 9. November 1992 versammelten sich 100.000 Menschen auf dem Chlodwigplatz in Köln. Künstler der Kölner Musikszene hatten zu einem Konzert „gegen Rassismus und Neonazis“ aufgerufen. Vorausgegangen war eine Welle von Übergriffen mit ausländerfeindlichem Hintergrund, so zum Beispiel im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen. „Wir […] wollen […] dazu beitragen, die weitverbreitete Sprachlosigkeit zu der Entwicklung in unserem Land zu beenden“, schrieben die beteiligten Künstler in der vorab veröffentlichten Erklärung zur Großveranstaltung. Trotz viel zu geringer Sicherheitsmaßnahmen (niemand hatte mit dieser großen Teilnehmerzahl gerechnet) verlief die Kundgebung ohne Zwischenfälle.

Der Titelsong wurde von Nick Nikitakis komponiert und von Wolfgang Niedecken getextet. Er wurde auch auf dem Konzert Heute die – morgen du! am 13. Dezember in Frankfurt von den teilnehmenden Künstlern gesungen.

Gleichzeitig wurde die AG Arsch huh gegründet, die seitdem immer wieder Projekte und Initiativen gegen Rechts unterstützt, so zum Beispiel die Ausstellung Zwangsweise Kölsch im Jahre 2000, die sich mit der Zwangsarbeit in Köln während des Dritten Reiches beschäftigte.

Beteiligte Künstler und Redner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

20. September 2008[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Wir stellen uns quer. Kein Rassismus bei uns in Köln“, Plakat 20. September 2008

Am 20. September 2008 gab es unter dem Motto „Köln stellt sich quer“ eine Neuauflage der Aktion auf der Domplatte in Köln. Anlass war der Versuch der Wählergruppe Pro Köln, die vom NRW-Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft wird, in Köln ein als „Anti-Islamisierungs-Kongress“ bezeichnetes europaweites Treffen von Rechten und Rechtsextremen zu inszenieren. 16 Jahre nach dem ersten, inzwischen legendären „Arsch-huh“-Konzert versammelten sich wieder zehntausende Menschen in der Kölner Innenstadt, um ein Zeichen gegen Rechtsextremismus zu setzen. Das Treffen der Rechten wurde so verhindert.[1][2]

9. November 2012[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum 20. Jahrestag gab es am 9. November 2012 eine weitere Kundgebung mit Konzert, die sich dem Thema soziale Gerechtigkeit widmete.[3] Veranstaltungsort war die „Deutzer Werft“, eine Freifläche zwischen Deutzer Brücke und Severinsbrücke entlang des Rheins. Die Anzahl der Besucher belief sich auf rund 75.000.

Beteiligte Künstler und Redner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pressekonferenz zur Kundgebung 20 Jahre „Arsch huh, Zäng ussenander“ im Kölner Hotel Maritim mit Blick auf den Veranstaltungsort „Deutzer Werft“: Karl Heinz Pütz (Organisator), Wolfgang Niedecken (Musiker), Monika Piel (Intendantin des WDR und Vorsitzende der ARD), Peter Brings (Musiker), Jürgen Roters (Oberbürgermeister von Köln), Tommy Engel (Musiker)

Mai 2019[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mai 2019 veröffentlichte die AG Arsch Huh den Song "Su läuf dat he", welcher seit Januar 2020 inklusive eines zugehörigen Musikvideos auch bei YouTube zu finden ist. Das Lied richtet sich gegen die missbräuchliche Verwendung kölscher Lieder auf Demonstrationen von Neonazis und rechts gerichteten Gruppierungen. Insbesondere Künstler, die sich seit Jahren in der Bewegung AG Arsch Huh und auf andere Weise gegen Rechtsextremismus engagieren, wollen damit ein weiteres Zeichen setzen.[4]

In der Einleitung des Videos bringt Perter Brings die Intention des Songs auf kölsch auf den Punkt:

“He kannste rut sie, schwatz, jäl udder jrön, doch wenn et brung weed, dann weede mer laut!”

„Hier kannst du rot sein, schwarz, gelb oder grün, aber wenn es braun wird, dann werden wir laut!“

Peter Brings: YouTube[5]

Das von Hannes Schöner und Arno Steffen geschriebene Lied greift zahlreiche Textstellen aus anderen kölschen Liedern auf und bindet sie in einen unmissverständlichen, weltoffenen Kontext ein, der mit rechten Ideologien nicht vereinbar ist. Dazu wird die Einheit und Gleichheit aller betont, für welche man gemeinsam einstehe. Das Video unterstreicht dies, in dem Menschen verschiedenen Alters, aus verschiedenen Gesellschaftsschichten und verschiedenen Kölner Stadtteilen gezeigt werden. Sie stehen jeweils vor einem unbewegten, jedoch ihnen zuzuordnenden Hintergrund (z. B. eine Fußballspielerin vor einem Fußballplatz), blicken in die Kamera und singen mit ruhigem Gesichtsausdruck den Song mit. So soll gezeigt werden, dass sie für ein weltoffenes Köln einstehen.[6]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • CD Arsch huh, Zäng ussenander (1992; nicht mehr erhältlich)
  • CD Arsch huh, Zäng ussenander (live, 1992; nicht mehr erhältlich)
  • Buch Arsch huh, Zäng ussenander (Dokumentation der Aktion), Köln: Verlag Kiepenheuer & Witsch, 1992, ISBN 3-462-02272-5
  • CD Heimatklänge – Zehn Jahre »Arsch huh« (2002, nicht mehr erhältlich)
  • CD Arsch huh, Zäng ussenander – Köln stellt sich quer! (2008)
  • CD Arsch huh 2012 (2012)[7]
  • Single Su läuf dat he (2019)[6]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mehr Schein als Sein. Abgerufen am 11. August 2012.
  2. Köln stellt sich quer (Bildergalerie). Abgerufen am 11. August 2012.
  3. Arsch huh, zäng ussenander! (Website des Projektes)
  4. „Su läuf dat he“: Kölsche Songs auf Nazi-Demo – „Arsch huh“ wehrt sich mit Lied. 18. Mai 2019, abgerufen am 23. Februar 2020 (deutsch).
  5. YouTube-Video "AG Arsch Huh - 'Su läuf dat he' (Musik-Video)" vom 29.01.2020 auf dem Kanal "Arsch Huh", Abgerufen am 23. Februar 2020
  6. a b AG Arsch huh veröffentlicht Titel „Su läuf dat he“ – Arsch huh, Zäng ussenander! Abgerufen am 23. Februar 2020 (deutsch).
  7. http://www.arschhuh.de/arsch-huh-2012-das-album-erscheint-am-2-11-2012/

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Arsch huh, Zäng ussenander – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien