Arsenopyrit

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Arsenopyrit
Arsenopyrite-158855.jpg
Arsenopyrit aus Freiberg, Erzgebirge
Allgemeines und Klassifikation
Chemische Formel FeAsS
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfide/Sulfosalze, Metall:Schwefel (Selen, Tellur) < 1:1
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
2.EB.20 (8. Auflage: II/D.22)
02.12.04.01
Ähnliche Minerale Löllingit, Skutterudit, Chloanthit
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin, pseudo-orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol monoklin-prismatisch; 2/m[1]
Raumgruppe P21/c (Nr. 14)Vorlage:Raumgruppe/14[2]
Gitterparameter a = 5,74 Å; b = 5,65 Å; c = 5,76 Å
β = 110,6°[2]
Formeleinheiten Z = 4[2]
Zwillingsbildung allgemein nach {100} und {001},[3] auch Drillinge und polysynthetische Zwillinge möglich
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 5,5 bis 6[3]
Dichte (g/cm3) gemessen: 6,07; berechnet: 6,18[3]
Spaltbarkeit deutlich nach {101}, undeutlich nach {010}[3]
Bruch; Tenazität uneben
Farbe silberweiß, stahlgrau; dunkel oder bunt anlaufend
Strichfarbe grauschwarz bis schwarz
Transparenz undurchsichtig
Glanz Metallglanz, dunkel oder bunt anlaufend
Magnetismus nach Erhitzen magnetisch
Weitere Eigenschaften
Besondere Merkmale bitterer Geruch nach dem Aufbrechen

Arsenopyrit, auch als Arsenikstein, Arsenkies, Arsenomarkasit, Dalarnit, Giftkies, Glanzarsenikkies, Mis(s)pickel, Mißpickel, Mistpuckel, Rauschgelbkies oder Thalheimit[4] bezeichnet, ist ein häufig vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der Sulfide mit dem Verhältnis Metall zu Schwefel (Selen, Tellur) kleiner als 1:1.

Die Zusammensetzung variiert von FeAs1,1S0,9 bis FeAs0,9S1,1 und wird allgemein mit der Formel FeAsS angegeben. Die Kristalle dieses Minerals weisen eine monoklin-prismatische Struktur auf und sind in frischem Zustand von zinnweißer oder stahlgrauer, metallisch glänzender Farbe. Mit der Zeit laufen diese aber dunkel oder bunt schillernd an.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chemisch gesehen ist Arsenopyrit ein isomorphes Gemisch aus Löllingit (Eisenarsenid, FeAs2) und Pyrit (FeS2). Dieser Zusammensetzung verdankt es auch seinen Namen.

Erstmals beschrieben wurde Arsenopyrit 1847 durch Ernst Friedrich Glocker.

Klassifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits in der veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Arsenopyrit zur Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort zur Abteilung der „Sulfide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : S,Se,Te < 1 : 1“, wo er als Namensgeber die „Arsenopyrit-Gruppe“ mit der System-Nr. II/D.22 und den weiteren Mitgliedern Alloklas, Glaukodot, Gudmundit, Osarsit und Ruarsit bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Arsenopyrit dagegen in die Abteilung der „Metallsulfide mit dem Stoffmengenverhältnis M : S ≤ 1 : 2“ ein. Diese ist zudem weiter unterteilt nach dem genauen Stoffmengenverhältnis und den in der Verbindung vorherrschenden Metallen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „M : S = 1 : 2, mit Fe, Co, Ni, PGE usw.“ zu finden ist, wo es ebenfalls namensgebend die „Arsenopyritgruppe“ mit der System-Nr. 2.EB.20 und den weiteren Mitgliedern Gudmundit, Osarsit, Paxit und Ruarsit bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Arsenopyrit in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort in die Abteilung der „Sulfidminerale“ ein. Auch hier ist er zusammen mit Gudmundit, Osarsit, Ruarsit, Iridarsenit und Klinosafflorit in der nach ihm benannten „Arsenopyritgruppe (monoklin: P21/c (Pseudo-orthorhombisch))“ mit der System-Nr. 02.12.04 innerhalb der Unterabteilung „Sulfide – einschließlich Seleniden und Telluriden – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n):p=1:2“ zu finden.

Kristallstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arsenopyrit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe P21/c (Raumgruppen-Nr. 14)Vorlage:Raumgruppe/14 mit den Gitterparametern a = 5,74 Å; b = 5,65 Å; c = 5,76 Å und β = 110,6° sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[2]

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Man erkennt Arsenopyrit an seinem bitteren Geruch, wenn es gebrochen wurde oder in Pulverform vorliegt. In Schwefelsäure löst er sich unter Abscheidung von Schwefel. Eine Probe auf Kohle gesetzt bildet vor der Lötlampe eine schwarze, magnetische Kugel.

Modifikationen und Varietäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Danait (Kobalt-Arsenopyrit, Kobaltarsenkies) ist die bisher einzige bekannte Varietät. Durch einen Massengehalt von etwa 6 bis 12 % Cobalt ist Danait etwas weicher als Arsenopyrit.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arsenopyrit auf Quarz mit Fluorit aus der Yaogangxian Mine, Hunan, China

Arsenopyrit bildet sich hydrothermal in Mineralgängen und Greisen, sowie durch Metamorphose in Skarn, Gneis und Glimmerschiefer. Er findet sich oft in Paragenese mit Chalkopyrit, Galenit, Kassiterit, Pyrrhotit, Pyrit, Scheelit und vielen anderen. Auch Gold und Silber sind oft mechanisch in feinster Form beigemengt.

Als häufige Mineralbildung ist Arsenopyrit an vielen Orten anzutreffen, wobei bisher rund 5600 Fundorte (Stand: 2010) als bekannt gelten.[5] In Deutschland wurde das Mineral in Freiberg, Ehrenfriedersdorf, im Erzgebirge (genauer: Thalheim/Erzgeb., daher auch der Name „Thalheimit“), Harz, Hunsrück, Schwarzwald, Fichtelgebirge und im Sauerland gefunden. In Österreich trat es in mehreren Regionen des Burgenlandes, von Kärnten, Niederösterreich, Salzburg, der Steiermark, von Nord- und Osttirol sowie von Oberösterreich auf.

Weitere Fundorte sind Ägypten, Albanien, Algerien, die Antarktis, Argentinien, Armenien, Aserbaidschan, Äthiopien, Australien, Belgien, Bolivien, Bulgarien, Burkina Faso, Burundi, Chile, China, Ecuador, El Salvador, Eritrea, Fidschi, Finnland, Frankreich, Georgien, Ghana, Griechenland, Grönland, Guatemala, Guinea, Honduras, Indien, Indonesien, im Iran, in Irland, Italien, Japan, Kambodscha, Kanada, die Kanalinsel Jersey, Kasachstan, Kirgisistan, Kolumbien, die Demokratische Republik Kongo, Nord- und Südkorea, im Kosovo, Kuba, Madagaskar, Malaysia, Mali, Marokko, Mauretanien, Mazedonien, Mexiko, der Mongolei, Myanmar, Namibia, Neuseeland, Niger, Nigeria, Norwegen, Papua-Neuguinea, Peru, den Philippinen, Polen, Portugal, Ruanda, Rumänien, Russland, Saudi-Arabien, Schweden, der Schweiz, in Serbien, Simbabwe, Slowakei, Slowenien, Spanien, Südafrika, Sudan, Swasiland, Tadschikistan, Taiwan, Tansania, Thailand, Tschechien, Tunesien, Türkei, Ukraine, Ungarn, Usbekistan, im Vereinigten Königreich (Großbritannien), die Vereinigten Staaten von Amerika und in Vietnam.

Auch in Mineralproben vom Mittelatlantischen Rücken konnte Arsenopyrit nachgewiesen werden.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehrere Arsenopyrite im Facettenschliff

Arsenkies ist das wichtigste Ausgangsmineral zur Arsen-Gewinnung. Es enthält in reinem Zustand etwa 46 % Arsen, 34.3 % Eisen und 19,7 % Schwefel.

Als Schmuckstein findet Arsenopyrit keine Verwendung. Gelegentlich werden geeignete Steine allerdings von Hobbyschleifern für Sammler geschliffen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Arsenopyrit – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Webmineral – Arsenopyrite (englisch)
  2. a b c Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 104.
  3. a b c d Arsenopyrite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org [PDF; 59 kB; abgerufen am 30. Juli 2017]).
  4. Mindat – Arsenopyrite (englisch)
  5. Mindat – Anzahl der Fundorte für Arsenopyrite (englisch)