Arthur Hantzsch

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Hantzsch als Doktorand 1879 bei Wislicenus in Würzburg

Arthur Rudolf Hantzsch (* 7. März 1857 in Dresden; † 14. März 1935 ebenda) war ein deutscher Chemiker, Professor und Geheimer Hofrat.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arthur Hantzsch war der Sohn eines Kaufmanns und studierte ab 1875 Chemie an der Universität Dresden und wurde an der Universität Würzburg 1880 promoviert. Sein Doktorvater war 1880 Johannes Wislicenus in Würzburg. Danach war er Assistent am Physikalisch-Chemischen Institut der Universität Leipzig, wo er sich 1882 habilitierte und Privatdozent wurde. Ab 1885 war er ordentlicher Professor am Eidgenössischen Polytechnikum in Zürich, ab 1893 an der Universität Würzburg[2] und ab 1903 an der Universität Leipzig, an der er 1927 emeritiert wurde, aber noch bis 1929 die Amtsgeschäfte führte.

Hantzsch war in erster Ehe mit der 1904 verstorbenen[3] Katharina Schilling verheiratet, einer Schwester des Dresdner Architekten Rudolf Schilling. Im Jahr 1908 wurde Hantzsch Kommanditist der von Schilling & Graebner betriebenen Dresdner Villenbau-Gesellschaft, die in der Niederlößnitz die Villenkolonie Altfriedstein vermarktete.[1]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hantzsch legte bedeutende Grundlagen der Synthese von heterocyclischen Stickstoffverbindungen und zur Stereochemie von Stickstoffverbindungen. Weitere Untersuchungsgebiete waren die Elektrochemie und die Spektroskopie organischer Verbindungen.

Die von ihm entdeckte Hantzsch-Dihydropyridinsynthese (aus seiner Habilitation 1882) trägt seinen Namen. Aus Pyridin synthetisierte er Thiazol und dessen Analoga Imidazol, Oxazol, Selenazol. 1890 fand er die Hantzsch-Pyrrolsynthese.

Hantzsch ist einer der Namensgeber des Hantzsch-Widman-Systems, einer Nomenklatur zur Beschreibung heterocyclischer chemischer Verbindungen.

Mit seinem Schüler Alfred Werner untersuchte er die Isomerie von Oximen und Diazotaten. Dabei kam es zu einer Kontroverse mit Eugen Bamberger. Hantzsch sah das als Form von syn-anti-Isomerie.

Bei der Untersuchung von organischen Indikatorverbindungen wie Phenylnitromethan führte er den Begriff der Pseudo-Säure ein, worunter er eine nur schwach saure oder neutrale Verbindung verstand, aus der durch molekulare Umwandlung eine starke Säure wird (Aci-Verbindung). Entsprechend führte er Pseudo-Basen ein und zugehörige Basi-Verbindungen. Im Fall von Phenylnitromethan geht in zunehmend saurer Lösung langsam von der aci-Form (gelb) in die Pseudosäure-Form über (farblos).

Ab 1906 befasste er sich mit der Beziehung von chemischer Struktur und Farbe (auch im UV-Bereich) und kam dabei der Resonanztheorie nahe.[4] Er untersuchte auch die relative Stärke von Säuren und fand, dass schwächere Säuren gegenüber stärkeren basisches Verhalten zeigen. Das wurde später im Säure-Base-Konzept von Johannes Nicolaus Brønsted ausgebaut.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fakultät für Chemie und Mineralogie der Universität Leipzig vergibt den Arthur-Hantzsch-Preis an Studierende für die im ersten Studienjahr erbrachten Leistungen. Ein Hörsaal der Einrichtung trägt seinen Namen, neben dem Eingang ist eine 1927 von Alfred Thiele geschaffene Bronzetafel mit dem Porträt des Chemikers angebracht. Von der Technischen Hochschule Dresden wurde er 1926 ehrenpromoviert.[5]

Im Jahr 1887 wurde er zum Mitglied der Leopoldina gewählt. Seit 1904 war er ordentliches Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Arthur Hantzsch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Tobias Michael Wolf: Die Villenkolonie am Altfriedstein. In: verein für denkmalpflege und neues bauen radebeul (Hrsg.): Beiträge zur Stadtkultur der Stadt Radebeul. Radebeul 2006, S. 12.
  2. Klaus Koschel und Gerhard Sauer in Zur Geschichte des Chemischen Instituts der Universität Würzburg. Seite 46 f., Eigenverlag der Universität Würzburg, 1968.
  3. Burckhardt Helferich: Hantzsch, Arthur. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 7, Duncker & Humblot, Berlin 1966, ISBN 3-428-00188-5, S. 641 f. (Digitalisat).
  4. W. R. Pötsch, A. Fischer, W. Müller, H. Cassebaum: Lexikon bedeutender Chemiker. 1. Auflage, VEB Bibliographisches Institut Leipzig, Leipzig 1988, S. 188.
  5. Ehrenpromovenden der TH/TU Dresden