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Arthur Nicolson, 1. Baron Carnock

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Arthur Nicolson, 1. Baron Carnock

Arthur Nicolson, 1. Baron Carnock, Bt, GCB, GCMG, GCVO, KCIE, PC (* 19. September 1849; † 5. November 1928) war ein britischer Diplomat und Politiker.

Nicolson war der älteste Sohn von Admiral Sir Frederick Nicolson, 10. Baronet, und dessen Frau Mary Loch.

Er heiratete 1882 Mary Catherine Rowan-Hamilton († 1951). Mit ihr hatte er drei Söhne und eine Tochter:

Leben und Wirken

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Nicolson trat 1870 in den britischen diplomatischen Dienst ein, nachdem er zuvor an der Rugby School und an der University of Oxford ausgebildet worden war. Auf verschiedene Tätigkeiten im Foreign Office in London – unter anderem als Privatsekretär von Lord Granville – bis 1874 folgten Stellungen an den britischen Botschaften in Berlin (1874–1876) und Peking (1876–1878), bevor er von 1884 als britischer Bevollmächtigter nach Athen ging. Nach einer dreijährigen Tätigkeit in Teheran (1885–1888) wurde Nicolson schließlich zum britischen Generalkonsul in Budapest berufen (1888–1893). Hernach wirkte er 1894 kurzzeitig an der britischen Vertretung in Konstantinopel, bevor er von 1895 bis 1904 als britischer Vertreter in Marokko weilte. 1899 erbte er beim Tod seines Vaters dessen Adelstitel als 11. Baronet, of Carnock in the County of Stirling.

1904 schickte ihn die Regierung Balfour als britischen Botschafter für Spanien nach Madrid und danach von 1905 bis 1910 als britischen Botschafter für Russland nach Sankt Petersburg. Dort handelte er den Vertrag von Sankt Petersburg aus, der nach dem 1904 erfolgten Ausgleich zwischen Frankreich und Großbritannien nun die Differenzen zwischen Großbritannien und Russland ausräumte und auf lange Sicht zweiter wichtiger Bausteine der neuen Triple-Entente wurde. Nicolson begriff das Deutsche Reich unter Wilhelm II. als einen internationalen Unruhestifter, der eine Hegemonie zunächst auf europäischer und nachfolgend auch auf internationaler Ebene anstrebe. In diesem Glauben stand Nicolson nicht allein, sondern war auf einer Linie mit anderen Diplomaten wie Außenminister Sir Edward Grey, Sir Eyre Crowe und Francis Bertie. Ähnliche Initiativen wie die Haldane-Mission, um mit Deutschland bestehende Differenzen auszuräumen, lehnte Nicolson ab. Nicolson trieb bei allen Überlegungen die Angst um, dass ein kontinentales Bündnis unter deutscher Führung entstehen könne, das sich gegen Großbritannien richten würde. Im September 1911 richtete er ein Memorandum an König Georg V., in dem er seine Gedanken ausführte. Es sei traditionell die Politik Großbritanniens, für das Gleichgewicht der Mächte einzustehen. Nur die Allianz mit Frankreich und Russland würde eine Hegemonie Deutschlands verhindern. Dazu habe das gute Einvernehmen mit Frankreich und Russland den Vorteil, dass hierdurch diverse kolonialpolitische Streitfragen ausgeräumt worden waren. Gleichzeitig sei eine Allianz mit Deutschland für Großbritannien nutzlos, da sie Großbritannien keine Vorteile bringen, sondern im Gegenteil erneute Streitigkeiten mit Russland und Frankreich entfachen würde.[1]

Von 1910 bis zu seinem Tod 1928 fungierte Nicolson als beamteter Unterstaatssekretär für Auswärtige Angelegenheiten der ersten und zweiten Regierung Asquith unter Außenminister Sir Edward Grey.

Anfang 1912 hatte Nicolson schwere Bedenken gegen Sinn und Zeck der Haldane-Mission, die eine Entspannung zwischen Deutschland und Großbritannien herbeiführen sollte. Nichtsdestotrotz war Nicolson im März 1912 bei den nachfolgenden Verhandlungen Miturheber einer angedachten Neutralitätsformel. Nach dem Scheitern der Verhandlungen zeigte sich Nicolson erleichtert.[2]

1916 wurde Nicolson als Baron Carnock, of Carnock in the County of Stirling, zum Peer erhoben. Nach seinem Tod gingen seine Adelstitel auf seinen Sohn Frederick Archibald Nicolson über.

  • History of the German Constitution, 1873.
  • Harold Nicolson: Die Verschwörung der Diplomaten. Aus Sir Arthur Nicolsons Leben 1849–1928. Frankfurter Societäts-Druckerei, Frankfurt am Main 1930.
Commons: Arthur Nicolson – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. John C. G. Röhl: Wilhelm II: Into the Abyss of War and Exile, 1900–1941 Cambridge University Press, Cambridge 2017, S. 849.
  2. Christopher Clark: The Sleepwalkers. How Europe Went to War in 1914. Allen Lane, London u. a. 2012, S. 320.
VorgängerAmtNachfolger
Frederick NicolsonBaronet (of Carnock)
1899–1928
Frederick Nicolson
Titel neu geschaffenBaron Carnock
1916–1928
Frederick Nicolson