Arvo Valton

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Arvo Valton

Arvo Valton (eigentlich Arvo Vallikivi; * 14. Dezember 1935 in Märjamaa) ist ein estnischer Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arvo Valton wurde als Sohn eines Unternehmers in Nordwestestland geboren. Von 1943 bis 1949 besuchte er die Grundschule in Märjamaa (Kreis Rapla). Mit der sowjetischen Besetzung Estlands wurden er und seine Eltern nach Sibirien in die Oblast Nowosibirsk deportiert. Erst 1954 durfte er in die Estnische SSR zurückkehren. Von 1954 bis 1959 studierte Valton am Polytechnischen Institut Tallinn (estnisch Tallinna Polütehniline Instituut) an der Fakultät für Chemie und Bergbau. Er schloss dort sein Studium als Bergbauingenieur ab.

Von 1959 bis 1961 war Valton am Chemiekombinat im nordestnischen Maardu beschäftigt, von 1961 bis 1968 in einer Fabrik für Messwerkzeuge in Tallinn. Gleichzeitig machte er im Fernstudium in Moskau eine Ausbildung zum Drehbuchschreiber. Er widmete sich immer mehr der Schriftstellerei. Bereits 1960 hatte er mit dem Schreiben begonnen. 1965 trat der dem Schriftstellerverband der Estnischen SSR bei, dessen stellvertretender Vorsitzender er von 1989 bis 1992 war.[1]

Von 1968 bis 1975 war er freiberuflich und lebte unter anderem eine Zeit lang in Suure Jaani in Südestland (1968–1972). Anschließend war er bei der staatlichen estnischen Filmgesellschaft Tallinnfilm beschäftigt. 1992, kurz nach Wiedererlangung der estnischen Unabhängigkeit, wurde Valton als Abgeordneter in das estnische Parlament (Riigikogu) gewählt. 1995 schied er als Abgeordneter aus.

Schriftsteller[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arvo Valton hat zahlreiche Kurzprosa, Erzählungen, Novellen und Romane verfasst. Daneben schrieb er Literaturkritiken, Lyrik, Aphorismen, Reiseberichte und Theaterstücke. Von ihm stammen auch das Drehbuch des estnischen Kultfilms Viimne reliikvia (1969) sowie weitere Drehbücher. 1980 wurde die Oper Lend von Eino Tamberg in Tallinn uraufgeführt, für die Valton das Libretto verfasst hatte. Ein Teil seines Werks, der sich kritisch mit der Sowjetunion auseinandersetzte oder vom in der Sowjetunion ungern gesehenen Existentialismus beeinflusst war, konnte wegen der Zensur erst nach deren Zusammenbruch erscheinen. Seit den 1980er Jahren prangerte Valton Umweltzerstörungen an, setzte sich für die estnische Selbständigkeit sowie für die Rechte der finno-ugrischen Völker in Russland ein.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rataste vahel (Novellensammlung, 1965)
  • Kaheksa jaapanlannat (1968)
  • Sõnumitooja (Novellensammlung, 1972)
  • Õukondlik mäng (Novellensammlung, 1972)
  • Pööriöö külaskäik (Novellensammlung, 1974)
  • Läbi unemaastike (Novellensammlung, 1975)
  • Tee lõpmatuse teise otsa (Roman, 1978; deutsch "Arvid Silbers Weltreise", 1995)
  • Mustamäe armastus (Novellensammlung, 1978)
  • Õndsusse kulgev päev (Erzählung, 1978; deutsch "Juku, der Dorftrottel", 1992)
  • Ajaprintsess (Kinderbuch, 1981)
  • Võõras linnas (Novellensammlung, 1981)
  • Zugluft (Erzählungen, 1983; zusammengestellt von Marijke Lanius und Imbi Riemann, aus dem Estnischen und Ungarischen übersetzt von Alexander Baer und Hans Skirecki, Spektrum)
  • Arvid Silberi maailmareis (surrealistischer Roman, 1984)
  • Üksildased ajas (Erzählungen, zwei Bände, 1983 und 1985)
  • Masendus ja lootus (Roman, 1989)
  • Kogutud teosed (gesammelte Werke, 1998f.)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Cornelius Hasselblatt. Geschichte der estnischen Literatur. Berlin, New York 2006 (ISBN 3-11-018025-1), S. 666–669

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eesti Elulood. Tallinn: Eesti Entsüklopeediakirjastus 2000 (= Eesti Entsüklopeedia 14) ISBN 9985-70-064-3, S. 585