Arwed Roßbach

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Arwed Roßbach (1897)

Max Arwed Roßbach, häufig auch Rossbach, (* 24. November 1844 in Plauen; † 31. Dezember 1902 in Leipzig) war ein deutscher Architekt. Er lebte und arbeitete in Leipzig, seine Hauptwirkungszeit fiel in die Zeit des Historismus.

Leben und Bauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptgebäude Bibliotheca Albertina (2007)
Das Augusteum der Universität Leipzig nach seiner Umgestaltug im Jahr 1898
„Palais Roßbach“ im Leipziger Musikviertel, Beethovenstraße 8 (2010)
Die Taborkirche in Leipzig-Kleinzschocher (2007)
Das heutige Vogtland-Theater in Plauen nach Plänen des dort geborenen Arwed Roßbach (2006)

Roßbach absolvierte sein Architekturstudium an der Kunstakademie Dresden, wo er von den monumentalen Bauten Gottfried Sempers inspiriert wurde. Nach kurzer Tätigkeit in Berlin ließ er sich 1871 in Leipzig nieder, dort entstanden die meisten seiner Bauten.

Für die Universität Leipzig entwarf er die neue Universitätsbibliothek Bibliotheca Albertina in der Beethovenstraße (erbaut 1887−1891 von Landbaumeister Hugo Nauck).[1][2] Weiterhin war er für die Umgestaltung des Hauptgebäudes Augusteum am Augustusplatz (1891−1897) verantwortlich, den tiefgreifenden Umbau des von Albert Geutebrück und Karl Friedrich Schinkel geschaffenen klassizistischen Gebäudes im Stil der italienischen Neorenaissance (im Zweiten Weltkrieg beschädigt, 1968 gesprengt).

Das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Klubhaus der Gesellschaft Harmonie (Roßplatz 5b) entwarf er 1887. Für die spätgotische Universitätskirche St. Pauli schuf er zugleich eine neue neogotische Fassade (1968 gesprengt). Des Weiteren baute er für die Universität den Neubau für das so genannte Rote Kolleg in der Ritterstraße (1891–1892). Zu seinen wichtigen Bauten zählen auch das 1898–1901 entstandene Gebäude der Leipziger Bank in der Nähe des Neuen Rathauses (nach ihrem Konkurs von der Deutschen Bank übernommen) und die beeindruckende neoromanische Taborkirche in Leipzig-Kleinzschocher, die 1904 posthum fertiggestellt wurde. Daneben haben sich in Leipzig verschiedene Mehrfamilienwohnhäuser – wie das sogenannte „Palais Roßbach“ auf dem Eckgrundstück Beethovenstraße / Grassistraße – und einige Villen erhalten, so zum Beispiel das Wohnhaus Friedrich-Ebert-Straße 77. Die von Roßbach zwischen 1886 und 1895 erbauten vier großbürgerlichen Villen entlang der Karl-Tauchnitz-Straße im Musikviertel (Villa Gruner, Villa Wendt, Villa Swiderski und Villa Rehwoldt) wurden allesamt entweder Opfer der Luftangriffe auf Leipzig oder deren Ruinen wurden in der Nachkriegszeit gesprengt und abgerissen.[3] 1892 entstand die von ihm entworfene Universitätsfrauenklinik (Triersches Institut) in der Stephanstraße 11, die seinerzeit als Musterbau einer Frauenklinik galt.

Von Roßbachs Bauwerken außerhalb von Leipzig sind besonders hervorhebenswert: das Stadttheater in seiner Geburtsstadt Plauen (1889–1899), das Neue Königliche Amtsgericht in Dresden (1890−1892) und das Volkshaus Jena (1898−1902).

Roßbach wurde 1891 von König Albert der Ehrentitel Baurat verliehen, 1897 zeichnete ihn die Universität Leipzig mit der Ehrendoktorwürde aus. Er war jahrelang Stadtverordneter in Leipzig und führte seit 1891 den Titel Stadtrat. Arwed Roßbach war auch sozial engagiert. Er gründete den Verein Ostheim, der im Leipziger Stadtteil Sellerhausen Wohnhäuser für Arbeiter errichtete. Zum Gedenken an den Architekten wurde eine Straße nach ihm benannt, ferner gibt es eine Ostheimstraße. Seit Juli 2007 heißt auch ein berufliches Schulzentrum „Arwed-Rossbach-Schule“, das eine Vielzahl von Bauberufen ausbildet und ein berufliches Gymnasium (Bautechnik und Informations- und Kommunikationswissenschaften) sowie eine Fachoberschule (Technik) vereint.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Robert Bruck: Arwed Rossbach und seine Bauten. Wasmuth, Berlin 1904.
  • Betina Maria Kaun: Arwed Rossbach (1844–1902). Ein Architekt im Geiste Sempers. Das Gesamtwerk. Janos Stekovics, Wettin-Löbejün 2011, ISBN 978-3-89923-273-8.
  • Betina Kaun: Baukünstlerische Akzente im Musikviertel. In: Das Leipziger Musikviertel. Verlag im Wissenschaftszentrum Leipzig, 1997, ISBN 3-930433-18-4, S. 85–89

Porträt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Arwed Roßbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mario Beck: Bibliotheca Albertina: Wissensspeicher von 125 Jahren eröffnet. In: Leipziger Volkszeitung, 18. Oktober 2016, Seite 14
  2. LVZ online: Bibliotheca Albertina: Jubiläumskolloquium zum 125. Geburtstag
  3. Betina Kaun: Baukünstlerische Akzente im Musikviertel. In: Das Leipziger Musikviertel. Verlag im Wissenschaftszentrum Leipzig, 1997, ISBN 3-930433-18-4, S. 89