Arye Sharuz Shalicar

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Arye Sharuz Shalicar, Deutsch-Israelische Literaturtage 2012

Arye Sharuz Shalicar (hebräisch אריה שרוז שליקר; geboren 13. August 1977 in Göttingen[1]) ist ein deutsch-persisch-israelischer Politologe, Publizist, Schriftsteller und Regierungsmitarbeiter. Der ehemalige Graffiti-Künstler und Hip-Hop-Musiker dient seit 2009 als offizieller Sprecher der israelischen Verteidigungsstreitkräfte[2] und bekleidet den Rang eines Majors. Seit 2017 arbeitet er als Abteilungsleiter in der israelischen Regierung. Motive aus Shalicars Jugend wurden von Warner Brothers und der Produktionsfirma Carte Blanche International verfilmt; Ein nasser Hund kam 2021 in die deutschen Kinos.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Shalicar ist Sohn iranischer Juden, die vor dem Antisemitismus in ihrer Heimat in den 1970er Jahren nach Deutschland geflohen waren. Er wuchs in Berlin säkular auf, ohne von seinem jüdischen Familienhintergrund zu wissen. Als sich dies änderte und er als Jugendlicher mit seiner Familie vom Berliner Bezirk Spandau in den Bezirk Wedding mit seinem hohen Anteil muslimischer Bewohner umzog, wurde er vom allseits akzeptierten Jugendlichen zur Zielscheibe des antisemitischen Hasses. Um diesem entgegenzuwirken, war er mit der vorwiegend kurdisch-libanesischen Gang Kolonie Boys verbündet, war Mitglied bei der Türken­gang The Black Panthers (TBP) und den ethnisch gemischten Berlin Street Gangsters (BSG).

Als Graffitisprüher war Shalicar zunächst als Mitbegründer der Berliner Gruppierung ASP aktiv. Diese wurde später Teil der Formation Berlin Crime, zu der auch zahlreiche Hip-Hop-Musiker gehörten, die später einige Bekanntheit erlangen sollten; darunter Frauenarzt, Manny Marc und MC Bogy. Als eines der Berlin-Crime-Gründungsmitglieder war Shalicar unter dem Pseudonym BossARO selbst als Rapper aktiv.[3] So war er mit Gastbeiträgen auf den Alben BC und Der Untergrundkönig von Frauenarzt, Dobermann Demotape Part 1 von Manny Marc sowie Berlin bleibt Untergrund, einem gemeinsamen Album von Frauenarzt und Manny Marc, vertreten.[4] Shalicar plante zunächst auch ein Album zu veröffentlichen, was jedoch nicht realisiert wurde. Er begründete dies später damit, dass er ungern Texte geschrieben habe und seinen Lebensmittelpunkt nach Israel verlegen wollte.[5] Als ehemaliges Mitglied der Gruppierung ASP war Shalicar bereits seit Anfang der 1990er Jahre mit dem späteren Rapper MC Basstard bekannt. Diesen vermittelte er Berlin Crime, womit Shalicar laut Aussage Basstards mit verantwortlich dafür ist, dass er Rapper geworden sei.[6][7]

Nach seinem 1997 bestandenen Abitur verließ Shalicar die Graffitiszene und leistete seinen Grundwehrdienst als Sanitäter ab. Im Anschluss daran begann er ein Studium der Politikwissenschaft, der Jüdischen Studien und des Islam[1] an der Freien Universität Berlin. Zuvor hatte er Sozialwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin studiert[8]. 2001 wanderte er nach Israel aus, um „ein Leben der Zugehörigkeit zu führen, ein Leben ohne schiefe Blicke, ein Leben als Jude“. In Israel setzte er sein politikwissenschaftliches Studium an der Hebräischen Universität Jerusalem fort, das er 2006 mit einem Bachelor abschloss. Anschließend erwarb er 2009 einen Master in European Studies mit Auszeichnung. Bereits seit 2006 war er für die Jewish Agency tätig und arbeitete auch für das Nahoststudio der ARD in Tel Aviv. Shalicar begann seinen Wehrdienst bei den israelischen Streitkräften im Jahr 2001 bei einer Unterstützungseinheit der Fallschirmjäger. Von Oktober 2009 bis Anfang 2017 war er einer der vier offiziellen Sprecher der israelischen Armee[9]. Seitdem ist er einer der Militärsprecher in Reserve und in dieser Funktion während der Kampfhandlungen mit der Hamas im Sommer 2021 als Sprecher der israelischen Streitkräfte wieder reaktiviert worden[10]. Seit 2017 arbeitet er in der Regierung, mit Sitz im Büro des Premierministers in Jerusalem. Dort ist er Abteilungsleiter des Bereichs internationale Beziehungen.[11]

2021 wurde sein autobiographischer Roman als Ein nasser Hund mit Doguhan Kabadayi als Soheil verfilmt.[12]

Shalicar schreibt gelegentlich Artikel und Kolumnen für die deutschsprachige und internationale Presse, so etwa für die Tageszeitung Die Welt, die Nordwest-Zeitung, die Berliner Zeitung, die Jüdische Allgemeine oder die Jerusalem Post[13][14][15].

Shalicar ist verheiratet, Vater von zwei Kindern und wohnt bei Jerusalem.[16]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher

  • Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude: Die Geschichte eines Deutsch-Iraners, der Israeli wurde, dtv, München 2010, ISBN 978-3-423-24797-9.
  • Der neu-deutsche Antisemit: Gehören Juden heute zu Deutschland? Eine persönliche Analyse, Hentrich und Hentrich Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3955652715.
  • 100 Weisheiten, um das Leben zu meistern: Selbst wenn du aus dem Ghetto stammst, FinanzBuch Verlag (ab 13. Okt. 2021), ISBN 978-3959723824

Mitautor

  • Kurdistan: Wie ein unterdrücktes Volk den Mittleren Osten stabilisiert (mit Tobias Huch), Riva-Verlag, 2018, ISBN 978-3-742-3-0427-8

Artikel und andere Medienbeiträge

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Arye Sharuz Shalicar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b [1] Internetseite des Goethe-Instituts Abgerufen am 3. September 2014
  2. „Die Hamas ist an ihre Grenzen gekommen“. In: Die Welt. 17. Mai 2021, abgerufen am 17. Mai 2021.
  3. Hiphop.de: Vom Atzen zum Militärsprecher – Seite 1. Abgerufen am 16. April 2013.
  4. Discogs: Boss Aro. Abgerufen am 16. April 2013.
  5. Hiphop.de: Vom Atzen zum Militärsprecher – Seite 2. Abgerufen am 16. April 2013.
  6. Hiphop.de: Toxik trifft MC Basstard: Die Geschichte von Berlin Crime (Interview). Abgerufen am 16. April 2013.
  7. Hiphop.de: Vom Atzen zum Militärsprecher – Seite 7. Abgerufen am 16. April 2013.
  8. Siehe „Militärsprecher Shalicar verabschiedet sich“, israelnetz.com, 29. Nov. 2016
  9. Siehe „The ex-gangsta who speaks for the IDF“; The Times of Israel, 5. Nov. 2013
  10. Sandra Schulz: Der Terror-Infrastruktur „sehr großen Schaden zugefügt“., In: Deutschlandfunk, 18. Mai 2021 (Interview).
  11. Kurzmeldung vom 16. Februar 2017 auf juedische-allgemeine.de. (Sabine Brandes).
  12. Ein nasser Hund. In: kino.de. Abgerufen am 21. Mai 2021.
  13. Arye Sharuz Shalicar: Wie man Extremisten stärkt. In: Nordwest-Zeitung, 8. Sept. 2020.
  14. Arye Sharuz Shalicar: Ausgewandert: In Israel wurde ich das erste Mal „Deutscher“ genannt. In: Berliner Zeitung, 21. Juni 2021.
  15. Arye Sharuz Shalicar: Die unschuldigen Opfer der Hamas. In: Jüdische Allgemeine, 9. Juni 2021.
  16. "Ich war ein Gangster" (Memento vom 15. Februar 2016 im Internet Archive). In: Y-Punkt.de: