Asant

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Asant
Asant (Ferula assa-foetida)

Asant (Ferula assa-foetida)

Systematik
Euasteriden II
Ordnung: Doldenblütlerartige (Apiales)
Familie: Doldenblütler (Apiaceae)
Unterfamilie: Apioideae
Gattung: Steckenkräuter (Ferula)
Art: Asant
Wissenschaftlicher Name
Ferula assa-foetida
L.

Asant (Ferula assa-foetida), auch bekannt als Stinkasant oder Teufelsdreck,[1] ist eine Pflanzenart in der Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Das Verbreitungsgebiet reicht von Iran, Afghanistan und Russland bis ins westliche Pakistan.[2]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jungpflanze und gefiederte Laubblätter
Ausschnitt eines doppeldoldigen Blütenstandes
Illustration aus Köhler's Medizinalpflanzen

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Asant wächst als ausdauernde, krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 2 bis zu 3 Metern. Er bildet eine dicke Pfahlwurzel aus.[2]

Die wechselständig angeordneten, relativ großen Laubblätter sind in Blattscheide, Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die Blattspreite ist zweifach gefiedert. Die flaumig behaarten Teilblättchen sind länglich und stumpf mit glattem Rand.[2]

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der dicht flaumig behaarte, doppeldoldige Blütenstand ist kompakt. Die Blüten besitzen eine doppelte Blütenhülle. Die haltbaren Kronblätter sind weißlich-gelb. Die Frucht ist mit einer Länge von etwa 1 cm und einer Breite von etwa 0,8 cm länglich bis fast kugelig mit Flügeln, die fast so breit sind wie die Samen.[2]

Illustration aus Album de la flora médico-farmacéutica é industrial, indígena y exótica, Tafel 40

Taxonomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung von Ferula assa-foetida erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, 1, Seite 248.[3] Synonyme für Ferula assa-foetida L. sind: Ferula foetida St.-Lag., Scorodosma foetidum Bunge.[3]

„Asa foetida“ Harz und Tinktur
„Asa foetida“ Pulver

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ernte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Asant liefert beim Einschneiden des freigelegten, etwa 15 cm dicken „Wurzelstocks“ ein stark nach Knoblauch schmeckendes Gummiharz. Der aus den Wurzeln austretende Milchsaft wird an der Sonne getrocknet und verharzt. Dabei verfärbt er sich rotbraun.[4] Die „Ernte“ des Saftes zieht sich über 2 bis 3 Monate hin und ergibt Ausbeuten von etwa 1 kg pro Pflanzenexemplar.[5]

Heilkunde und Gewürz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Asant wird häufig in Afghanistan, Pakistan, Iran und Indien als Gewürz benutzt, vor allem aber in der indischen Küche. Es ist zudem Bestandteil der Worcestershiresauce.[5]

Die Asant-Droge „Asa foetida“ besteht aus 24 bis 65 % Harz, Gummi und 6–16 % ätherische Öl, welches unter anderem Asaresinotannol, dessen Ferulasäureestern und Vanillin enthält. Der Harzanteil ist z. T. für den bitteren, beißenden Geschmack und den sehr unangenehmen Geruch verantwortlich, der sich allerdings bei Verwendung in einen Geruch ähnlich dem von Zwiebeln und Knoblauch ändert.[6][7]

Bereits in der mesopotamischen Heilkunde wurde der Stinkasant bzw. dessen Saft verwendet.[8]

Madaus zufolge wird der Asant in Sanskritschriften öfters unter dem Namen „Hingu“ erwähnt. Als Gewürz und Heilmittel gilt er etwa Dioskurides wohl als Ersatz für Silphium, dessen Anwendungen man später darauf übertrug. Paracelsus empfahl Asant zum Ausräuchern von Pesthäusern. Bei Lonicerus und Matthiolus fördert er Speichel und Auswurf, hilft bei Epilepsie, Asthma, Husten, Milzschmerzen, täglichem Fieber und inneren Geschwüren. Von Haller lobt ihn bei nervenbedingten Uterusbeschwerden. Heckers Praktische Arzneimittellehre von 1814 nennt ihn bei asthenischen Brust- und Verdauungskrankheiten, allgemein krampfhaften Affektionen, zur Anregung der Menstruation, gegen Skrofulose, innerlich und äußerlich bei Karies, Geschwüren und Krebs. Hufeland und Mitarbeiter nannten ihn „auflösend und krampfstillend“, nutzten ihn etwa bei Knochenfraß und Bandwürmern. Rademacher verwendete ihn mit Nux vomica bei Koliken. Clarus führt ihn an als Karminativum, Antihelmintikum, Antispasmodikum, Emmenagogum und Expektorans, Kobert als Antiabortivum, das die nervale Erregbarkeit des Uterus herabsetze. Die mongolische Medizin verwende Asant bei Parasiten und Krankheiten mit unternormaler Temperatur. Besonders in der Tiermedizin diente er zur Entwurmung, auch als Räuchermittel bei Lungenwürmern. Bentley und Trimen zufolge sei er bei Chorea der Hunde bewährt. Überdosierungen äußerten sich laut Lewin mit Lippenschwellung, stinkendem Aufstoßen, Blähungen, Diarrhoe, aber auch Kopfweh, Schwindel und erhöhter Libido.[6] Die Homöopathie kennt Asa foetida bei schwärzlichen Geschwüren infolge Krampfadern, mit großer Erregbarkeit.[9]

Das getrocknete Gummiharz des Asants ist mehrheitlich der Lieferant von Asa foetida[10] welches über Jahrhunderte fester Bestandteil des Arzneischatzes in Europa, dem Nahen Osten, Persien und Indien. Noch das Deutsche Arzneibuch 6 aus dem Jahre 1926 führt Asa foetida und liefert die entsprechenden Prüfvorschriften. Neben der pharmazeutisch-medizinischen Verwendung war der Asant darüber hinaus im Volksglauben und volkstümlichen Heilwissen verankert.[11] Zur medizinischen Anwendung kamen neben der rohen Droge Asa foetida das entsprechende Asa-foetida-Öl und Alkoholauszüge; außerdem wurde das Gummiharz als Räucherdroge verwendet. Indikationen für die Anwendung waren

  • a) verschiedene Angst- und Nervenstörungen (Nervosität, Hysterie, Hypochondrie),
  • b) krampfartige Magen-, Leber- und Galleleiden,
  • c) Impotenz und reduzierter sexueller Antrieb.

Entsprechend war Asant vorwiegend als Nerven- und Beruhigungsmittel sowie als gastrointestinales Spasmolytikum verbreitet. Seit dem Altertum galt Asa foetida außerdem als Aphrodisiakum und wurde über Jahrhunderte in der Liebesmagie eingesetzt.[12]

Asant ist besonders beliebt bei indischen Brahmanen, denen der Genuss von Zwiebeln und Knoblauch auch aufgrund ihrer angeblich aphrodisierenden Wirkung verboten ist.[12]

Wird heute nach Rezepten der römischen Küche gekocht, nimmt man Asa-foetida-Tinktur als Ersatz für das nicht mehr erhältliche Laserpicium beziehungsweise dessen einfach „Laser“ genannten Saft.

Militärische Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Spätmittelalter bis zur Frühen Neuzeit wurde Asant u. A. als Bestandteil einer brennbaren Mischung unterschiedlicher Stoffe in sogenannten Stinktöpfen als Waffe bzw. Kampfmittel eingesetzt. Der übelriechende und je nach Zusammensetzung teilweise sogar giftige Rauch dieser Mischungen sollte den Gegner beeinträchtigen und zur Aufgabe zwingen. In den zeitgenössischen Feuerwerksbüchern wird Asant als fester Bestandteil solcher Mischungen mehrfach erwähnt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Assant (Ferula assa-foetida) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. vgl. exemplarisch: Gerd und Marlene Haerkötter: Hexenfurz und Teufelsdreck. Liebes-, Heil- und Giftkräuter: Hexereien, Rezepte und Geschichten. 4. Auflage, Eichborn, Frankfurt am Main 1987, ISBN 978-3-8218-1055-3.
  2. a b c d Eugene Nasir: Umbelliferae. Volume 20, 1972: Ferula assa-foetida bei Tropicos.org. In: Flora of Pakistan. Missouri Botanical Garden, St. Louis
  3. a b Ferula assa-foetida bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis, abgerufen am 2. Dezember 2017.
  4. Johann Daniel Friedrich Rumpf, Carl Lang: Neue Bilder Gallerie für junge Söhne und Töchter zur angenehmen und nützlichen Selbstbeschäftigung aus dem Reiche der Natur, Kunst, Sitten, und des gemeinen Lebens. S. 14 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. a b S. Facciola: Cornucopia - A Source Book of Edible Plants. Kampong Publications, 1990, ISBN 0-9628087-0-9. Zitiert in: Ferula foetida bei Plants For A Future. Abgerufen am 24. März 2013.
  6. a b Gerhard Madaus: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Band I, Olms, Hildesheim / New York 1979, ISBN 3-487-05891-X, S. 614–619 (Nachdruck der Ausgabe Leipzig 1938).
  7. Hagers Handbuch der Pharmazeutischen Praxis: Erster Band Für Apotheker, Arzneimittelhersteller Drogisten, Ärzte und Medizinalbeamte. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-642-90728-9, S. 588 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  8. Martha Haussperger: Ein kleines Kompendium aus altbabylonischer Zeit. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 16, 1997, S. 131–149; hier: S. 132.
  9. Georgos Vithoulkas: Homöopathische Arzneimittel. Materia Medica Viva. Band III, Urban & Fischer, München 2009, ISBN 978-3-437-55061-4, S. 239–261.
  10. Lisa Takler: Flüchtige Verbindungen und antimikrobielle Wirkung ausgewählter Harze und Balsame von A–J. Diplomarbeit, Univers. Wien, 2015, S. 105–112, online (PDF; 3,18 MB), auf updata.univie.ac.at, abgerufen am 1. November 2016.
  11. M. Smollich: Die Arzneidroge Asa foetida – ein historisches Nervenmittel und Aphrodisiakum. GRIN, 2009, ISBN 978-3-640-26174-1.
  12. a b Aroma: Die Kunst des Würzens. Stiftung Warentest, 2015, ISBN 978-3-86851-755-2, S. 109 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
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