Asche ist reines Weiß

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Filmdaten
Deutscher TitelAsche ist reines Weiß
Originaltitel江湖儿女 / Jiang hu er nü
ProduktionslandChina, Frankreich, Japan
Erscheinungsjahr2018
Stab
RegieJia Zhangke
DrehbuchJia Zhangke
ProduktionShôzô Ichiyama, Nathanaël Karmitz, Olivier Père
MusikGiong Lim
KameraÉric Gautier
SchnittMatthieu Laclau
Besetzung

Asche ist reines Weiß ist ein chinesischer Spielfilm von Jia Zhangke. Er lief 2018 im Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes.[1] Der chinesische Titel des Films bedeutet „Kinder der Unterwelt“.[2]

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film beginnt 2001, zu Beginn des chinesischen Wirtschaftsbooms. Er spielt in der Stadt Datong in der Bergwerksprovinz Shanxi. Zhao Qiao ist mit Guo Bin zusammen, einem Boss des lokalen organisierten Verbrechens, des Jianghu. Als die beiden von einer Jugendgang überfallen werden und Bin brutal zusammengeschlagen wird, feuert Qiao einen Schuss aus Bins Revolver ab. Sie verrät nicht, wem die Waffe gehört, und wandert wegen illegalen Waffenbesitzes für fünf Jahre ins Gefängnis.

Nach ihrer Entlassung, 2006, reist Qiao in die Gegend des Drei-Schluchten-Damms, die damals gerade geflutet wurde. Sie macht Bin ausfindig, der nach seiner Entthronung als Gangsterboss hier als Geschäftsmann arbeitet. Er hat sie nicht im Gefängnis besucht und geht nicht ans Telefon, wenn sie ihn anruft. Mit einem Trick konfrontiert sie ihn, es kommt zu einer Aussprache, sie trennen sich.

Im dritten Teil des Films ist Qiao nach Datong zurückgekehrt und regiert Bins altes Revier als Clanchefin. Bin kehrt ebenfalls zurück – im Rollstuhl. Qiao nimmt Bin auf und pflegt ihn, aber es ist klar, dass die Machtverhältnisse sich umgekehrt haben und ihre Liebe vorbei ist.[3][4][5][6][7][8]

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rolle der Qiao spielt Zhao Tao, Jia Zhangkes Ehefrau, die fast immer in den Filmen ihres Mannes mitwirkt.[9] Drei Nebenrollen besetzte Jia mit Regisseurskollegen. Für die Kamera war Éric Gautier zuständig, der schon für Patrice Chéreau und Olivier Assayas gearbeitet hat. Zusätzlich verwendet Jia eigenes Archivmaterial.[5][6]

Jia Zhangke gehört zu einer Gruppe von chinesischen Regisseuren, die in den 1990er Jahren begannen, Filme über das städtische Leben in China zu drehen. Ihre Filme behandeln die sich stetig verändernde Gesellschaft dort. Besonders in Jias Filmen vermischen sich dokumentarische mit fiktionalen Elementen.[7]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film überzeugte 99 % der Kritiker bei Rotten Tomatoes und erhielt dort die Durchschnittswertung 8,23 von 10 möglichen Punkten.[10]

Laut Georg Dotzauer vom Tagesspiegel entfaltet Asche ist reines Weiß seine „unwiderstehliche Kraft“ als Porträt einer Frau. Zhao Tao habe noch nie nuancierter gespielt als hier und arbeite dabei nur mit „Winzigkeiten“.[6]

In der Zeit schreibt Georg Seeßlen, dass man den Film als „Mischung aus Gangsterfilm, Roadmovie und Melodram verstehen“ könne, „die in ihrem Kern von der Stärke der Frauen und der Schwäche der Männer handelt“. Gleichzeitig würde die Geschichte des Landes China in den Etappen des inneren und äußeren Umbaus erzählt. Außerdem könne sich jeder auch außerhalb Chinas in den Protagonisten selbst erkennen.[3]

Auf Spiegel Online war Asche ist reines Weiß Anfang März 2019 „Film der Woche“. Dunja Bialas weist im dazugehörigen Artikel auf Verbindungen zu früheren Filmen Zhangkes hin. Der Regisseur entwickle sich stetig weiter und stelle jetzt erstmals eine weibliche Hauptfigur in den Vordergrund.[4]

In der taz schreibt Fabian Tietke, der Film sei „eine Verneigung vor der Leistung, nach einschneidenden Veränderungen wieder auf die Füße zu kommen, ohne das Scheitern an dieser Herausforderung zu verurteilen.“

Im Online-Magazin Film plus Kritik urteilt Christian Klosz: „Am stärksten ist der Film in seinen kurzen, ruhigen Einstellungen, in denen Zhangke seinen Bildern und Darstellern Raum zum Atmen gibt, schöne Einstellungen einfängt, und diese mit betörenden Klängen unterlegt: Dann entstehen kleine, wahrlich bezaubernde cineastische Momente.“[11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jiang hu er nu (Ash Is Purest White). In: festival-cannes.com. Festival de Cannes, abgerufen am 16. März 2019 (englisch).
  2. Ash Is Purest White. In: Offizielle Website zum Film. Abgerufen am 17. März 2019 (englisch).
  3. a b Georg Seeßlen: Eine Frau wie ein Land. In: ZEIT online. ZEIT ONLINE GmbH, 27. Februar 2019, abgerufen am 17. März 2019.
  4. a b Dunja Bialas: Startschuss für eine andere Zukunft. In: spiegel.de. SPIEGEL ONLINE, 1. März 2019, abgerufen am 17. März 2019.
  5. a b Andreas Kilb: Eine chinesische Erziehung des Herzens. In: FAZ Online. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2001–2019, 1. März 2019, abgerufen am 16. März 2019.
  6. a b c Gregor Dotzauer: Die Treue der Gesetzlosen. In: tagesspiegel.de. Der Tagesspiegel, 27. Februar 2019, abgerufen am 17. März 2019.
  7. a b Fabian Tietke: China in der Transformation. In: taz.de. taz Verlags u. Vertriebs GmbH, 27. Februar 2019, abgerufen am 17. März 2019.
  8. Gerhard Midding: Kritik zu Asche ist reines Weiß. In: epd-film.de. Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP), gemeinnützige GmbH, 22. Februar 2019, abgerufen am 17. März 2019.
  9. Tao Zhao. In: imdb.com. IMDb.com, Inc., abgerufen am 17. März 2019 (englisch).
  10. Asche ist reines Weiß In: Rotten Tomatoes. Abgerufen am 16. März 2019. Anmerkung: Das Tomatometer gibt an, wie viel Prozent der von Rotten Tomatoes anerkannten Kritiker dem Film eine positive Bewertung gegeben haben.
  11. Christian Klosz: „Asche ist reines Weiß“ – Kritik. In: Film plus Kritik - Online-Magazin für Film & Kino. Film plus Kritik – Online-Magazin für Film & Kino, 25. April 2019, abgerufen am 4. August 2019.