Ascona

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Dieser Artikel behandelt die Gemeinde Ascona, für weitere Bedeutungen siehe Ascona (Begriffsklärung).
Ascona
Wappen von Ascona
Staat: Schweiz
Kanton: Tessin TI
Bezirk: Bezirk Locarnow
Kreis: Kreis Isole
BFS-Nr.: 5091i1f3f4
Postleitzahl: 6612
UN/LOCODE: CH ASC
Koordinaten: 702740 / 112450Koordinaten: 46° 9′ 21″ N, 8° 46′ 7″ O; CH1903: 702740 / 112450
Höhe: 199 m ü. M.
Fläche: 5,0 km²
Einwohner: 5429 (31. Dezember 2014)[1]
Einwohnerdichte: 1086 Einw. pro km²
Website: www.ascona.ch
Ascona vom Lago Maggiore aus gesehen

Ascona vom Lago Maggiore aus gesehen

Karte
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Ascona, im alpinlombardischen Ortsdialekt Scona [ˈʃkona], ist eine politische Gemeinde im Schweizer Kanton Tessin (Bezirk Locarno, Kreis Isole). Die früheren deutschen, auf dem Lombardischen beruhenden Namen Aschgunen beziehungsweise Aschgonen werden heute nicht mehr verwendet.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das ehemalige Fischerdorf und der Kurort liegen am Nordufer des Lago Maggiore, westlich der Stadt Locarno, südlich von Losone, östlich von Ronco sopra Ascona, Brissago und Centovalli. Ascona ist zudem die tiefstgelegene Ortschaft der Schweiz, da der Dorfkern unmittelbar am See liegt. Weitere Ortsteile heissen San Materno, San Michele, Monte Verità und Moscia. Auch der südwestliche, flache Teil des Maggia-Deltas, das den Namen Saleggi trägt, gehört zum Gemeindegebiet. Die Gemeindegrenze reicht im Westen über den bewaldeten Berg und Aussichtspunkt Corona dei Pinci hinaus, der auf 1.293 m ü. M. liegt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgrabungen von 1969 in und um die Kirche San Michele brachten neolithische Feuersteine und Keramikscherben zutage. In der Nekropole von San Materno wurde Keramik aus der mittleren und späten Bronzezeit gefunden. Auf dem nahen Hügel Baladrum lag um 1.000 v. Chr. eine befestigte Höhensiedlung, von der noch Resten von Trockenmauern vorhanden sind.

Ascona taucht in schriftlichen Quellen erstmals 1189 auf, als der Bischof von Como Anselmo della Torre[2] an Pietro de Duni und anderen Adligen Ländereien in Ascona und Locarno samt der Burg San Michele in Lehen gab, die diese danach ausbauten. Um 1250 verlegten die Mailänder Geschlechter Griglioni und die Carcani als Kriegsflüchtlinge ihren Sitz nach Ascona und bauten Burgen direkt am Seeufer, wo heute die Seepromenade liegt. Etwa gleichzeitig nahm die Familie Orelli einen Teil der Burg in Besitz, den sie umstrukturierten und ausbauten. Um 1400 verlagerte die Familie Duni ihren Wohnsitz von der Burg San Michele ins Dorf hinunter, wodurch Baufälligkeit und Zerfall der Burg begannen. Im 17. Jahrhundert wurde die baufällige Burgkapelle durch die Kirche San Michele ersetzt.[3]

Bis ins 16. Jahrhundert bildeten Ascona und Ronco eine einzige Gemeinde. Bei der damaligen Trennung der Gemeinden behielt Ascona bis heute einen merkwürdig anmutenden circa 100 m breiten Streifen Buchenwaldes, der sich auf circa 1200 m ü. M. etwa 4 km nach Westen hinzieht. Grund für diesen territorialen Anspruch war damals die Nutzung des Buchenholzes für die Köhlerei. Noch heute sind Spuren zweier Kohlenmeiler erkennbar, und der Flurname Carbonera erinnert ebenfalls an die ehemalige Bedeutung dieses Waldes.[4]

Ascona gehörte einst zu Mailand (siehe den Hauptartikel → Geschichte Mailands) und ab 1403 und 1512 als Ennetbergische Vogtei zur Alten Eidgenossenschaft. Nach der Ausrufung der Helvetischen Republik 1798 und der Bildung der beiden Kantone Bellinzona und Lugano, die sich 1802 zum Kanton Tessin zusammenschlossen, wurde Ascona Teil der Schweiz (siehe den Hauptartikel →Geschichte des Kantons Tessin).

Der Hügel über Ascona, der Monte Verità, besass in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts – insbesondere zwischen 1900 und 1920 – eine grosse kulturelle Bedeutung. Dort sammelten sich Aussteiger und Weltverbesserer und verkündeten in einer einzigartigen Mischung freie Liebe, Vegetarismus, Anarchie und kommunitäres Gedankengut.

Während der Zeit des Nationalsozialismus fanden deutsche Flüchtlinge Zuflucht in Ascona. So lebten dort zur gleichen Zeit beispielsweise die Publizistin Helene Stöcker, der Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld, die Schriftsteller Ernst Toller und Max Barth sowie die Journalistin Dora Fabian.[5]

Heute lebt Ascona vom Tourismus und beherbergt in der Sommersaison rund 20'000 bis 25'000 Feriengäste.[6]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1591[6] 1801[6] 1850[6] 1900[6] 1920[6] 1950[6] 1980[6] 2000[6] 2013
Einwohner ca. 1'000 772 902 942 1'118 2'923 4'722 4'984 5'423

Im Jahr 2000 sprachen 66 % der Einwohner Italienisch.[6]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der öffentliche Nahverkehr wird durch die Busse der Ferrovie autolinee regionali ticinesi sichergestellt:

  • Bus Nr. 1 fährt von Ascona nach Locarno und über Minusio nach Tenero und zurück
  • Bus Nr. 316 verbindet Locarno mit Ascona, Moscia, Porto Ronco und Brissago

Ende der 80er Jahre wurde unter dem Monte Verità ein 1,1 km langer Strassentunnel gebaut. Zuvor durchquerten die Autos die Asconeser Innenstadt, wodurch es dort besonders in der Ferienzeit zu langen Staus kam. Heute fahren die Autos durch den Tunnel an Ascona vorbei, die alte Uferstrasse dient als Fussgängerzone und dem Anliegerverkehr.

Der Sportflugplatz wurde aufgegeben, der nächstgelegene ist der Aeroporto cantonale di Locarno östlich von Locarno.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sakralbauten
Zivilbauten

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jedes Jahr im Sommer findet in den Strassen von Ascona das JazzAscona-Festival statt.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Minigolf Ascona

Der 18-Loch-Golfplatz von Ascona ist Mitgliedsplatz eines 1928 gegründeten Golfclubs. Der von britischen Architekten gebaute Platz liegt in einer Parklandschaft nahe dem Seeufer und war mehrfach Austragungsort internationaler Turniere.

Minigolf Ascona, gelegen in einer Parkanlage unweit der Piazza, ist die weltweit älteste genormte Minigolf-Anlage, eröffnet 1954.[55][56] [57][58]

Während der Fussball-Europameisterschaft 2008 schlug die deutsche Fussball-Nationalmannschaft in Ascona ihr Mannschaftsquartier auf und reiste von Ascona zu den jeweiligen Spielorten. Auch für die Fussball-Europameisterschaft 2016 wird die Mannschaft wieder in Ascona gastieren und dort die Vorbereitungen absolvieren.[59]

Ascona hat einen eigenen Fussball-Club, den Football Club Ascona.[60]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verschiedenes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Ort Ascona ist der Opel Ascona benannt: Ascona A (1970–1975), Ascona B (1975–1981), Ascona C (1981–1988).

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte
  • Rosanna Janke, Rodolfo Huber: Ascona. im Historischen Lexikon der Schweiz.
  • Martino Signorelli: Ascona. In: Storia della Val Maggia. Tipografia Stazione SA, Locarno 1972, S. 6, 38, 44, 142, 181, 191, 203–205, 332, 336, 376–377, 429.
  • Charles Knapp, Maurice Borel, Victor Attinger, Heinrich Brunner, Société neuchâteloise de géographie (Herausgeber): Geographisches Lexikon der Schweiz. Band 1: Aa – Emmengruppe. Verlag Gebrüder Attinger, Neuenburg 1902, S. 97 f., Stichwort Ascona  (Scan der Lexikon-Seite).
  • Curt Riess: Ascona, Geschichte des seltsamsten Dorfes der Welt. Europa, Zürich 1964.
  • Erich Mühsam: Ascona und Wiedersehen mit Ascona. Vereinigte Texte aus den Jahren 1905, 1930 und 1931. Sanssouci, Zürich 1979, ISBN 3-7254-0333-3.
  • Werner Ackermann alias Robert Landmann: Ascona – Monte Verità. Auf der Suche nach dem Paradies. Benziger, Zürich 1973; Huber, Frauenfeld 2000, ISBN 3-7193-1219-4.
  • Stefan Lehmann: Ascona Collina San Michele. 5000 Jahre Geschichte. Dadò, Locarno 2011. ISBN 978-88-8281-320-8
Kunstgeschichte

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Liste der Bischöfe von Como
  3. Stefan Lehmann: Ascona Collina San Michele. 5000 Jahre Geschichte. Dadò, Locarno 2011. ISBN 978-88-8281-320-8, Seiten 24–110.
  4. Siehe SwissTopo.
  5. Helene Stöcker: Lebenserinnerungen. Hrsg. von Reinhold Lütgemeier-Davin und Kerstin Wolff. Böhlau, Köln 2015, S. 270.
  6. a b c d e f g h i j Rosanna Janke, Rodolfo Huber: Ascona. im Historischen Lexikon der Schweiz.
  7. Pfarrkirche Santi Pietro e Paolo
  8. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w Simona Martinoli und andere: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, S. 151, 193–201, 204, 210, 246, 248, 260.
  9. Pfarrkirche Santi Pietro e Paolo (Foto)
  10. Lara Broggi: Antonio da Tradate in Sikart (Stand: 2013), abgerufen 3. Februar 2016.
  11. Daniela Pace, Michela Zucconi-Poncini: Die Kirche S. Maria della Misericordia und das Collegio Papio in Ascona. (= Schweizerische Kunstführer, Nr. 907, Serie 91). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (GSK). Bern 2012, ISBN 978-3-03797-052-2.
  12. Kirche Santa Maria della Misericordia und Collegio Papio
  13. Kirche Santa Maria della Misericordia (Foto)
  14. Renzo Dionigi: Kirche Santa Maria della Misericordia, Fresken. Aufgerufen am 31. Oktober 2013.
  15. Kirche San Michele (Foto)
  16. Kirche San Michele und Burgruine
  17. Kirche San Michele und Burgruine (Foto)
  18. Oratorium Santi Fabiano e Sebastiano (Foto)
  19. Oratorium Beata Vergine della Ruga (Foto)
  20. Kirche Madonna della Fontana (Foto)
  21. Betkapelle Madonna della Fontana (Foto)
  22. Daniela Pace, Michela Zucconi-Poncini: Die Kirche S. Maria della Misericordia und das Collegio Papio in Ascona. 2012.
  23. Collegio Papio (Foto)
  24. Wohnhaus Borromeo (Foto)
  25. Wohnhaus Duno mit Wappenschild (Foto)
  26. Wohnhaus Tamaro (Foto)
  27. Casa Serodine (Foto)
  28. Casa Serodine
  29. Casa Ressiga mit Fresko Madonna della seggiola
  30. Gemeindes Kunstmuseum
  31. Museo Castello San Materno
  32. Theater San Materno
  33. Theater San Materno (Foto)
  34. Villa San Materno mit romanischer Kapelle (Foto)
  35. Museum Epper
  36. Villa Koerfer (PDF; 49 kB)
  37. Zentrum Monte Verità
  38. Museum Monte Verità
  39. Albergo Monte Verità (Foto)
  40. Wohnhaus Anatta (Museum) (Foto)
  41. Einfamilienhaus Tuia (PDF; 50 kB)
  42. Villa Chiara-Oppenheimer (Foto)
  43. Ehemaliges Schloss Griglioni, heute Albergo Castello (Foto)
  44. Portal (Foto)
  45. Ursina Fasani, Veronica Provenzale, Michela Zucconi-Poncini: Il cimitero comunale di Ascona: Storia e arte di uno spazio indentitario. Museo Comunale d’Arte moderna, Ascona 2015.
  46. Balladrum (prähistorische/ mittelalterliche Siedlung)
  47. Balladrum (Foto)
  48. Fondazione Eranos
  49. Eranos Ascona
  50. Museo comunale d’arte moderna Ascona
  51. Abgraphics Fine Art Print
  52. Fondazione Rolf Gérard
  53. Collezione AcquestArte
  54. Archivio Julius Bissier
  55. Älteste Minigolfanlage der Welt in Ascona aufgerufen am 22. April 2013
  56. Eco di Locarno, 11. Mai 1991
  57. Jubilee
  58. Beitrag zum 60. Geburtstag der Minigolfanlage in Ascona auf www.minigolfverband.ch
  59. Mitteilung des DFB, 10. November 2015
  60. Football Club Ascona